Grimm 6x12

Grimm 6x12

In der vorletzten Grimm-Episoden vermischen sich die Welten und das Rätsel um den Splitter wird gelüftet. Hilft jedoch nicht viel gegen den Schock am Ende der Episode Zerstörer Shrugged.

Nick (David Giuntoli) in der Serie „Grimm“ / (c) NBC
Nick (David Giuntoli) in der Serie „Grimm“ / (c) NBC
© ick (David Giuntoli) in der Serie „Grimm“ / (c) NBC

Manches an der Episode Zerstörer Shrugged ist so hahnebüchen, dass man wirklich am Verstand von Nick (David Giuntoli) und dem Rest des Teams zweifeln muss - oder den wahren Schuldigen, den Grimm-Autoren. Doch das sind wir bereits gewöhnt, auf den letzten Metern wird alles nochmal aufgeheizt. Manches davon aber auch runtergekocht.

Okay, this is one big existential migraine.

Bei so einer ereignisreichen Episode - ungewohnt für die NBC-Serie - fangen wir am besten von vorne an. Nick und Eve (Elizabeth Tulloch) werden ziemlich schnell von der anderen Seite zurückgeholt und schon da fängt das miese Timing des Teams an. Denn das war der Plan des Zerstörers von Anfang an. Nur dadurch, dass Nick das Tor von der anderen Seite aus öffnet, kann der Teufel in die Welt kommen. Doch Rosalee (Bree Turner) ist mit ihrer Erkenntnis nicht wirklich zu spät, eher liegt es daran, in Hörweite von einem furchtlosen, übernatürlich begabten Kind darüber zu sprechen, dass der Spiegel geöffnet werden muss damit der Freund der Mutter zurückkommen kann.

Doch vielleicht hat auch das die Vorsehung schon gewusst. Es ist lustig zu sehen, dass die fortwährenden Wendungen und Buchschriften auch für Wu (Reggie Lee) langsam im Kreis drehen. Auf der Haben-Seite können die „Grimm“-Autoren für sich verbuchen, dass sie in der vorletzten Episode sowohl Althochdeutsch (die Bezeichnung für westgermanische Sprachen, die zwischen 750 und 1050 n. Chr. gesprochen wurden) als auch das Wort „Gehfleisch“ in die Story einführen.

Viel Zeit sich darüber zu gruseln haben wir jedoch nicht, denn schon stellt Diana mal wieder eine ihrer unheimlichen Feststellungen an, indem sie die Gruppe darauf hinweist, dass etwas mit Eve anders ist. Sie ist kein Hexenbiest mehr seit der Rückkehr. Der Armen ist auch wirklich keine Pause vergönnt. Gerade als sie sich Nick gegenüber offenbart hat, dass sie ihr neues Leben viel lieber mag als das alte langweilige, verliert sie selbiges und marschiert gezwungenermaßen mit großen Schritten wieder Richtung Juliette. Doch bevor wir zu lange mit Julieve leiden können, schiebt sich abermals Diana dazwischen - und zeigt eine für sie komplett neue Emotion: Angst.

Das furchtlose Kind so zu sehen ist beunruhigend und die Versicherungen der Erwachsenen werden ihr wohl nur begrenzt Sicherheit geben. Immerhin hat sich schon mehrfach gezeigt, dass das Kind weitaus mehr Ahnung und Fähigkeiten hat als das Team Grimm.

Während Diana sich beruhigt, gehen die Erwachsenen gedanklich zurück an einen Ort, der in der Mythologie der Serie eine große Rolle spielt, das Haus im Wald, zu dem Monroe (Silas Weir Mitchell) in dessen ersten Fall als Grimm gebracht hat. Außerdem ist es auch der Ort, an dem Nick und Renard (Sasha Roiz) sich einst trafen um über die Schlüssel zu sprechen. Und spätestens da dämmert er einem wieder: Moment, war Renard nicht auf dem Trip des Bösen und auf die Zerstörung des Teams aus? Nun hat niemand ein Problem damit, dass er wieder Teil der Truppe wird? Sicher, die gemeinsame Sorge um Diana dient als vereinendes Ziel, aber so richtig abgearbeitet sind die Konflikte trotzdem nicht, mehr unter den Teppich gekehrt. Doch kurze Zeit später müssen wir erkennen, dass das neue Motto der Serie ist, denn als Trubel (Jacqueline Toboni) zurückkehrt, erklärt sie in einem Nebensatz, dass man sich um Black Claw keine Sorgen mehr machen müsse, die internationale Terrortruppe mit Verbindungen in höchste Ämter sei erledigt. Kann man angesichts der knappen Zeit besser amüsiert hinnehmen als sich im Groll von Grimm verabschieden zu müssen. Also, Renard ist wieder da, in seiner alten Form, als Teil der Clique.

Und er kennt den Schutzzauber, den das Team nun auf Diana anwenden will und der einst auch dafür sorgte, dass Renard nicht von den royalen Familien gefunden wurde. Wieso zur Hölle hat niemand vorher dieses offensichtlich ziemlich einfach herzustellende Glitzerpuder gemacht und wieso verdammt fällt keinem der Erwachsenen ein, dass man es auch auf Kelly anwenden könnte?

Bibelverse und Feuerwaffen

Unterdessen sehen wir, dass der Zerstörer es sehr wohl durch den Spiegel geschafft hat und nun auf der Suche nach offenbar Diana ist. Das führt uns zu einer Reihe von Szenen für das seltsame Trio Adalind (Claire Coffee), Nick und Renard, die wohl seltsamste und gleichzeitig idyllischste Patchworkfamilie Portlands. In getrennten Wagen fahren sie in der Hütte im Wald vor, die viele Erinnerungen mit sich bringt und schließlich zu der unterhaltsamen Feststellung führt, dass alles anders war als Adalind noch kein Kind mit dem einen und dem anderen hatte. Das führt Nick zu der wenig liebevoll klingenden Feststellung: „Das waren einfachere Zeiten.“ Doch Nick steht zu seiner neuen Familie, nicht nur aus Verantwortungsgefühl sondern auch aus echten Gefühlen. In der vorletzten Episode bekommt Adalind endlich das Liebesgeständnis, auf das sie vermutlich schon länger gewartet hat.

Von David und Goliath über Noah arbeitet der Rest des Teams sich durch die Bibel bis zum Geheimnis des Splitters vor, es ist ein Stück des Stabs, mit dem der Zerstörer sich schmückt und sein Ziel ist es, ihn wieder zusammenzufügen und damit noch mächtiger zu machen. Ein wenig schöner Moment in dem zumindest wir feststellen, dass das Team Grimm mehr Schaden als Gutes verursacht hat indem sie ihn aus dem Grab der Kreuzritter gezogen haben. Doch während man sich dort in gegenseitiger Loyalität bestärkt, jagt uns der Zerstörer in seiner menschlichen Form weitere Schrecken ein. Ja, als Totenkopf sah er gruselig aus, seine neue Form ist als überdurchschnittlich attraktiv zu beschreiben, doch Darsteller Wil Traval (Jessica Jones) gibt sich jede Mühe, die zusammenhanglos wiederholten Sätze einzubringen, die der Zerstörer von anderen hört und dann zu seinem eigenen Wortschatz macht. Besonders die nachgemachten Schreie seines Opfers lassen einem dabei das Blut gefrieren.

Um uns darüber zu gruseln haben wir jedoch nur wenig Zeit, denn dann erfahren wir, was der Zerstörer in Portland will. Einmal ist es der Splitter und einmal sind es Diana und Kelly. Die Bedeutung des Splitters konnte man schon in der letzten Episode erahnen, dass der Teufel jedoch auch plötzlich Nicks Sohn haben will, basiert auf nichts anderem als einer Vision von Diana. Was sie sagt ist jedoch in Grimm-Land schon lange in Stein gemeißelt, also dürfen wir uns darauf verlassen, dass es wahr ist. Woher das kommt und wieso die Theorie der Kindsbraut nun plötzlich doch nicht mehr stimmt, das ist wohl auf etwas zurückzuführen, was wir erst im Serienfinale erfahren werden.

Bis dahin müssen wir auch über zwei bedeutsame Tode hinwegkommen, an denen man Nick durchaus eine gewisse Mitschuld geben kann. Wieso verschanzt er sich mit Wu und Hank (Russell Hornsby) in der Polizeistation obwohl doch die Ereignisse auf der anderen Seite des Spiegels einwandfrei bewiesen haben, dass der Zerstörer gegen Kugeln immun ist. Und außerdem ist es fragwürdig, den Teufel ausgerechnet auf das belebte Revier zu locken, wo viele Opfer zu verzeichnen sind noch bevor er Nick gesehen hat.

Nur noch seltsamer sind die Reaktionen von Wu und Hank, die als sie sehen, dass es mit Feuerwaffen nicht klappt, einfach auf ihn zulaufen und es mit Fäusten versuchen. Auch weniger erfahrene Ermittler und Eingeweihte in die Geheimnisse der übernatürlichen Welt hätten erahnen können, dass das nichts bringt. So verabschieden wir uns in den letzten Sekunden der Episode Zerstörer Shrugged gleich von zwei geliebten Hauptfiguren, deren Tod sich so sinnlos anfühlt? Das kann doch nicht wahr sein, da muss doch noch etwas kommen im Serienfinale! Ist das wirklich das Ende von zwei Polizisten, die mit Nick durch dick und dünn gegangen sind?

Fazit

Die vorletzte Episode ist mindestens unterhaltsam und ereignisreich. An manchen Stellen ist sie auch ärgerlich dünn geschrieben, was aber meistens zu Belustigung führt. Bis zu dem Punkt an dem zwei geliebte Figuren der unerklärlichen Kopflosigkeit zum Opfer fallen. Doch für das endgültige Urteil darüber warten wir besser bis zum Serienfinale.

Trailer zur 'Grimm'-Episode 'The End':

Verfasser: am Montag, 27. März 2017
Episode
Staffel 6, Episode 12
(Grimm 6x12)
Deutscher Titel der Episode
Neue Dimensionen
Titel der Episode im Original
Zerstörer Shrugged
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 24. März 2017 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 1. Juni 2018
Regisseur
Aaron Lipstadt

Schauspieler in der Episode Grimm 6x12

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