Grimm 6x11

© ick (David Giuntoli) und Eve (Elizabeth Tulloch) in der Serie „Grimm“ / (c) NBC
Na gut, fairerweise muss man sagen, dass wir noch keine Ahnung haben, welche Nationalität der Zerstörer hat, aber dass er sein Hauptquartier im Schwarzwald aufgeschlagen hat, passt zur Mythologie der Anfangstage der Serie Grimm: Alles Böse stammt aus Süddeutschland, da ist es nur folgerichtig, dass auch der Endgegner des Teams dort ist. Auch wenn es der Schwarzwald einer anderen Dimension ist, die sich anfühlt wie eine Reise in die weit entfernte Vergangenheit. In der Episode Where the Wild Things Were reisen Nick (David Giuntoli) und Eve (Elizabeth Tulloch) durch die Dimensionen, um endlich ein ernstes Gespräch miteinander zu führen. Ach ja, und um den Teufel zu töten.
I have a strength and purpose I never had before.
Damit ist „Grimm“ die zweite Serie innerhalb kurzer Zeit, die sich für ihr großes Finale niemand anderen als den Höllenfürsten höchstpersönlich als Endgegner ausgesucht hat. In The Vampire Diaries wurde das Böse durch eine bekannte Figur vertreten, in der Märchenserie bekommt der Teufel ein Totenkopfgesicht mit glühenden Augen verliehen. Und einen extrem mächtige Stab, der erst am Ende der Episode richtig zur Geltung kommt und eine Ahnung gibt, wo der Splitter herkommt, den die royalen Familien schon so lange suchen.
Doch zurück zum Anfang der drittletzten Dreiviertelstunde, die wir mit dem Team Grimm verbringen dürfen. Monroe (Silas Weir Mitchell) und Rosalee (Bree Turner) stellen fest, dass Eve sich alleine auf den Weg durch den Spiegel gemacht hat und können sich im folgenden nicht entscheiden, wer von beiden ihr nun etwas vorhält und wer sie verteidigt. In ihrer Aufregung wechseln sie sich ab zwischen Vorwürfen und Verständnis. Am Ende ist es dann aber auch egal, wem man die Schuld zuschustern muss, denn es geht um die Reaktion. Eve hat schnell gehandelt. Eine noch kürzere Bedenkzeit, ob man den Sprung zum anderen Ort zu wagen soll, hat nur Nick. Eve hat sich immerhin alleine lange Gedanken darüber gemacht und ja auch versucht mit Adalind (Claire Coffee) darüber zu reden, dass man etwas machen müsse. Nick hingegen erfährt, dass seine Exverlobte hinter dem Spiegel ist und dass der mysteriöse Stock aus dem Schwarzwaldtrip ihn vermutlich ebenfalls dahin bringen kann und - schwupps - schon ist er weg.
Er wartet nicht einmal die Informationen von Renards Freundin ab. Doch die anderen sollen ja schließlich auch noch etwas zu tun haben. Wir begleiten zunächst die beiden Abenteurer. Nick und Eve sind in einer Wildnis gelandet, die so aussieht, wie die „Grimm“-Autoren sich wohl das Leben der Germanen vorstellen. Irgendwo in der gefühlten Vergangenheit kramt Eve am Lagerfeuer dann auch ihre Deutschkenntnisse heraus.
Um überhaupt soweit zu kommen, müssen die beiden sich bei Nicks Pistole bedanken, denn sie rettet sie nicht nur vor Angriffen, sondern führt sie auch zueinander. Falls ich einmal an ein magisches Portal komme, werde ich mir hoffentlich genau überlegen, was ich mir in die Hosentaschen stecke. Ärgerlich, dass weder Nick noch Eve da ein bisschen vorausgeplant haben. Doch es klappt ja auch so. Sie werden an den Ort geführt, an dem der Zerstörer wohnt. Und der steht in Zusammenhang mit den Wesen der Umgebung, sie dienen ihm, jedoch offensichtlich nicht so richtig freiwillig. Doch zu den Dorfleuten können sie sich auch nicht retten, denn dort herrscht Feindschaft. Ob die Wesen gejagt werden weil sie mit dem Zerstörer im Bund stehen oder ob sie diese Allianz eingegangen sind und die Menschen jagen weil sie ohnehin ausgeschlossen werden, das alles bleibt weitgehend offen. Wichtig ist nur, dass die Chaosreisenden schließlich ohne den geringsten Plan beim Teufel ankommen. Am Ende zählt halt wieder die Improvisation. Damit ist Nick als Grimm schließlich auch groß geworden.
Das Beste an dem Ausflug zu dem anderen Ort ist jedoch das ernste Gespräch zwischen den beiden, in dem Eve ihrem Exverlobten und uns endlich ihre Meinung sagt. So lange haben wir befürchten müssen, dass Adalind ihr alles weggenommen hat, sicher, nicht mit weit vorausgeplanter Absicht, aber nun hat Adalind das, was Juliette wollte: ein Zuhause mit Nick und dem gemeinsamen Nachwuchs. Doch Eve will all das gar nicht mehr. Die Idylle einer Beziehung will sie nicht eintauschen gegen die Macht und die Erfüllung, die sie nun hat. Eve als Vorreiterin des kampfbereiten Feminismus in der Fantasyserie, das kommt überraschend, aber ist ein schönes Ende für eine Figur, die so lange vernachlässigt wurde. Nick hat der Ansprache noch etwas hinzuzufügen, aber dazu müssen wir uns wohl noch etwas gedulden, denn der Kampf gegen den Teufel hat Vorrang. Hoffentlich ist es kein letztes Aufbäumen des verletzten Egos weil sie ihm nicht nachtrauert, Nick, du bist besser als das.
Happy doesn't interest me anymore.
Unterdessen haben die Zuhausegebliebenen ein ganz anderes Problem. Sie erfahren nämlich, worauf es der Teufel abgesehen hat, er macht jemanden den Hof. Doch seine Angebetete hat kaum die Grundschule hinter sich. Wobei im Fall von Diana (Hannah R. Loyd), Alter ohnehin eine undefinierbare Größe ist.
Der Höllenfürst will das Kind zu sich holen, was nun Eve damit zu tun hat, wieso sie einen Teil der Zeichen sehen kann, wissen wir noch nicht. So wie die russische Quelle von Renard (Sasha Roiz) es darstellt, ist die Ankunft des Teufels nicht nur für Portland eine folgenschwere Sache. Doch was genau er machen will, und was es bedeutet, die Gefährtin des Teufels zu werden, wieso er in der anderen Dimension ausgerechnet arglose Bewohner des Schwarzwalds terrorisiert, das alles bleibt mysteriös und mutet gerade deswegen lustig an. Doch genauso sollten sich die Grimm-Macher sich auch von uns verabschieden. Sie haben sich nie zu ernst genommen und sich nur selten von hinderlicher Logik stören lassen. Unterhaltsame Erinnerungen kommen hoch an den Flug vom Schwarzwald nach Portland, den Monroe durchgeblutet hat statt sich unterwegs einfach mal schnell zu behandeln lassen, wie SJ-User Klara_SJunkie schon damals anmerkte. Mir wäre das in der ganzen Absurdität gar nicht weiter aufgefallen, und wieso nicht? Weil die Geschichte, die die Autoren erzählen, sich ohnehin nicht zu ernst nimmt und auf Spannung und Charakterzeichnung sowie Komik baut. Solange das funktioniert, dürfen die Serienmacher von mir aus mit haarsträubenden Logikfehlern durchkommen.
Fazit
Die drittletzte Episode bringt jede Menge Flashbacks, zumindest auf Seiten der Zuschauer. Dank Monroe und Renard wird noch einmal der Bogen von den Schlüsseln über den Schwarzwald bis zu dem Stock gezogen und auch ansonsten ist vieles aus der Vergangenheit dabei.
Schön ist jedoch immerhin ein Fortschritt, nämlich der Umstand, dass Eve sich endgültig von ihrer Opferrolle lossagt und sich in ein letztes Abenteuer mit Nick stürzt, zumindest das letzte auf der Mattscheibe. Glück im Sinne von Häuslichkeit interessiert sie nicht mehr, sie will Macht und Erfüllung nach ihren eigenen Vorstellungen. Und aus der Perspektive des Zuschauers bekommt sie nun etwas, das Adalind versagt bleibt, nämlich das große Abenteuer, von dem man sich noch lange erzählen wird.
Verfasser: am Samstag, 18. März 2017Grimm 6x11 Trailer
(Grimm 6x11)
Schauspieler in der Episode Grimm 6x11
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