Grimm 4x05

Cry Luison ist für eine Grimm-Episode ungewöhnlich vollgepackt. Doch so kann es halt kommen, wenn endlich einmal Konflikte aufgelöst werden, bevor sie anfangen zu nerven. Gutes Timing ist das zentrale Motto der Episode.
Gewissensfrage
In der letzten Episode haben wir erfahren, dass Juliette (Bitsie Tulloch) Nicks Grimm-Zukunft in den Händen hält. Nun liefert Team Monrosaleezabeth die genauen Umstände nach: Juliette muss in Form von Adalind (Claire Coffee) mit Nick (David Giuntoli) schlafen. Das ist unangenehm, doch leider auf eine Art, die vor allem zu Fremdscham hinsichtlich der „Grimm“-Autoren animiert. Belassen wir es dabei, dass es die genaue Umkehr dessen ist, was Adalind getan hat und damit ein glaubwürdiger Weg, um den Zauber rückgängig zu machen. Das Wichtige an dieser Sache ist ohnehin nicht der Weg, sondern die Entscheidungen der beiden.
Nick ist zum Grimm geworden, ohne dass er Mitspracherecht gehabt hätte. Er ist in eine verwirrende, angsteinflößende Welt gestoßen worden, in der er sich erst einmal mühsam zu Recht finden musste. Er hat die richtigen Wesen und Menschen gefunden, damit er diese große Aufgabe erfüllen kann. Und er hat sich selbst Gedanken gemacht, das Amt des Grimms nicht einfach fortgeführt. Statt sich hinter einem einfachen „So war es halt schon immer!“ zu verstecken, hat er für seine eigene Vision vom Zusammenleben zwischen Grimms, Wesen und Menschen gekämpft.
In der Episode Cry Luison lässt er einen Blick in seine Gefühle zu. Er vertraut Monroe (Silas Weir Mitchell) an, dass er es vermisst, ein Grimm zu sein. Wenn er seine Fähigkeiten also wiederbekommt, wird es kein Erbe mehr sein, dann ist es eine bewusste Entscheidung für dieses Leben.
Juliette ist ebenfalls ungefragt in dieses Leben gezogen worden. Ihr Start war noch schwieriger als Nicks, denn sie wurde lange im Dunkeln gelassen, selbst als die Wesenwelt sich längst in ihren Alltag geschlichen hatte. Sie war lange zur Opferrolle verdammt, wurde lediglich benutzt, um Nick zuzusetzen, und hatte keine eigene Rolle in der ganzen Angelegenheit. Doch seit ihrer Rückkehr ins Burkhardt-Haus hat sie sich immer mehr in die Gruppe integriert. Das ist es auch, was den Anstoß für ihre Entscheidung gibt. Sie weiß nichts davon, dass Nick das Grimm-Sein vermisst, sie trifft ihre Entscheidung ganz alleine für sich. Und für das Wohl ihrer Freunde. Denn der Ausschlag ist der Anschlag auf Rosalee (Bree Turner) und Monroe. Juliette erkennt, dass Nick für Gerechtigkeit und Sicherheit sorgen kann in einer Welt, die für andere nicht zu erreichen ist. Sie opfert ihren Traum von einem normalen Leben, um die Ungerechtigkeit zu beenden.
Irgendwie war es zu erwarten, schließlich hat sie sich ja auch irgendwann in den Cop Nick verliebt und damit in einen Mann, der sein Berufsleben der Bekämpfung des Verbrechens gewidmet hat. Selbst wenn das gewisse Gefahren mit sich bringt. Auch für Juliette sollte diese Entscheidung ein Meilenstein sein. Nick hat sich schnell an die Situation als Grimm angepasst, für Juliette war es schwieriger. Man hat ihr immer wieder angemerkt, dass sie unter der Situation leidet, was oft zu nervigem Verhalten geführt hat. Nun hatte sie nachträglich quasi die Wahl und ihre Entscheidung sollte sich auf ihr Verhalten in der Zukunft auswirken. Über die Staffeln hat die Serie Grimm sich von einer reinen Männerveranstaltung zu einer Serie mit vielen starken Frauenfiguren entwickelt, gerade im Moment sehen wir es wieder an Elizabeth (Louise Lombard). Es wäre schön, wenn Juliette sich da endlich einreihen könnte.
Fall der Woche
Denn Frauen als Opfer erleben wir schon oft genug in den Fällen der Woche. Auch Cry Lusion macht da keine Ausnahme. Die reiche Eva (Jacqueline Obradors, NYPD Blue) wird von ihrem Ehemann - und dessen drei Brüdern - in den Wahnsinn getrieben. Ihr ist in dieser Hinsicht nichts vorzuwerfen, sie hat keine Ahnung von der Wesenwelt, keine Ahnung von den Geheimnissen ihres Mannes, wie sollte sie die Wahrheit auch erkennen? Daher wirkt das Eingangszitat recht deplatziert. Eva lügt nicht über die Wolfserscheinungen und niemand verdächtigt sie des Lügens. Das ist also kein Aspekt des Konflikts.
Der Fall liegt ziemlich schnell auf der Hand. Über weite Strecken der Episode Cry Luison geht es vor allem darum, wie Gabriel (Julian Acosta) es anstellt, diese Wolfserscheinung so übermächtig erscheinen zu lassen. Wie er es so schnell ins Auto schafft, wenn er gerade noch im Wohnzimmer war. Auch die Lösung mit den Geschwistern kommt nicht besonders überraschend. Monroe ist wohl nicht der Einzige, der findet, dass man das kommen sehen konnte. Doch es ist die Umsetzung, die trotzdem Spaß macht. Die Offenbarungsszene, in der zwei der Brüder über den dritten lachen weil, er hingefallen ist, ist gleichzeitig amüsant und gruselig.
Die Handschuhe, der altmodische Anzug, die Ruhe, die seltsamen Beschwichtigungen - die vier Brüder haben sich ihren Plan gut überlegt und bestens umgesetzt, um jemanden in Angst und Schrecken zu versetzen. Was jedoch seltsam wirkt, ist die Ruhe, mit der Eva die Neuigkeit entgegennimmt, dass sie statt mit ihrem Ehemann auch mit dessen drei identisch aussehenden Brüdern in einem Haus gelebt hat. Das ist mehr als gruselig. Und der Gedanke, was das bedeuten könnte, ist noch unangenehmer als Juliettes und Nicks neues Problem.
Und sonst so?
Zwei der Plots in der Episode Cry Luison schneiden deutlich schwächer ab als die anderen. Einmal sind es Trubel (Jacqueline Toboni) und Bud (Danny Bruno), die sich um einen Aufschneider kümmern müssen, was weder besonders spannend noch unterhaltsam ist. Das Amüsanteste an der Sache ist die Zusammenarbeit des dauerquatschenden Bud mit der schweigsamen Trubel.
Ebenfalls eher am unteren Rand des Unterhaltungsspektrums befinden sich wieder einmal Adalind und ihr Wien-Abenteuer. Ihr Leben ist ein einziger Alice-im-Wunderland-mäßiger Alptraum geworden, doch mittlerweile wiederholen sich die Tricks und es gibt keinen guten Grund mehr, immer wieder darauf hereinzufallen. Von einer fähigen Gegenspielerin hat Adalind sich zu einem wehrlosen Opfer entwickelt. Ganz offenbar will Victor (Alexis Denisof) sie in den Wahnsinn treiben damit sie ihm hilft. Schade ist nur, dass es keine nachvollziehbare Entwicklung ist, die sie durchläuft. Seit der Entführung ihres Kindes verhält sie sich wie eine kopflose Verrückte, dabei hat Adalind bewiesen, dass sie gerade unter furchtbaren Umständen besonders überlegt und grausam ans Werk gehen kann. Die Rolle des starken Hexenbiests hat nun Elizabeth übernommen.
Außerdem bringt die Episode Cry Luison ein Wiedersehen mit dem Sohn des verstorbenen Grimms Rolek, Josh (Lucas Near-Verbrugghe), aus der letzten Staffel. Etwas seltsam ist es, dass Nick relativ entspannt auf die Todesgefahr reagiert, in der Josh sich befindet. Er muss für sich selbst kämpfen, scheint das neue Motto unseres sonst so heldenhaften Ex-Grimm zu sein. Es war wohl einfach etwas viel für eine Episode, da musste leider vor allem Josh zurückstecken. Interessant ist es trotzdem, wo die Grimm-Autoren damit hinwollen.
Fazit
Die Episode Cry Luison verbindet einen alptraumartigen Fall der Woche mit wichtigen Entwicklungen im Team Grimm. Außerdem dürfen wir uns weiterhin Hoffnung darauf machen, dass Wus Einweihung nicht mehr weit entfernt sein kann.
Trailer zur Episode „Highway of Tears“ (4x06) der US-Serie „Grimm“: Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 24. November 2014Grimm 4x05 Trailer
(Grimm 4x05)
Schauspieler in der Episode Grimm 4x05
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