Grimm 4x04

Grimm 4x04

Wir kennen Trubel noch gar nicht so lange, doch in der Episode Dyin' on a Prayer der US-Serie Grimm überrascht die junge Grimm mit einer überzeugenden Entwicklung und hilft Nick und Hank im Kampf gegen den Golem.

Muss es mit einem Golem aufnehmen: Nick (David Giuntoli) in der US-Serie „Grimm“. / (c) NBC
Muss es mit einem Golem aufnehmen: Nick (David Giuntoli) in der US-Serie „Grimm“. / (c) NBC

Nick kann keine Wesen mehr sehen, da bietet sich ein Fall abseits der Wesenwelt an, wie damals zum Beispiel La Llorona, die Geisterfrau aus der lateinamerikanischen Mystik. In Dyin' on a Prayer ist die allgemeine Sicherheit von einem Golem bedroht, einer mystischen Figur aus der jüdischen Folklore, hierzulande am berühmtesten wohl in Gustav Meyrinks Roman „Der Golem“ aus dem Jahr 1915 verarbeitet. Obwohl Nick (David Giuntoli) und Hank (Russell Hornsby) die gleichen Voraussetzungen wie Trubel (Jacqueline Toboni) für diesen Kampf mitbringen, bezaubert vor allem die junge Grimm mit einer überzeugenden Entwicklung.

Vom störrischen Teenager zur Retterin

Trubel kam als unberechenbarer Teenager in die Grimm-Geschichte. Zu der Zeit, als Nick sie in sein Haus aufgenommen hatte, wussten wir, dass hinter dieser Aggression vor allem Verletzlichkeit und große Enttäuschungen stecken. Alles in allem war Trubel zu dieser Zeit kein angenehmer Wegbegleiter und hat auch so manches Problem durch ihr unberechenbares Verhalten erst produziert.

In der Episode Dyin' on a Prayer zeigt sich, dass sie nicht nur aus dieser Rolle herausgewachsen ist, sondern auch viele erwachsene Figuren übertrifft. Trubel macht nämlich etwas richtig, was oft als billiger Auslöser für Dramen genutzt wird. Wie oft haben wir gesehen, dass Figuren Geheimnisse für sich behalten und alleine damit umgehen wollen, statt sich an ihre Vertrauten zu wenden und damit zahlreiche Tragödien abzuwenden? Trubel macht es clever, sie nimmt sich keine Staffel Bedenkzeit und leidet still vor sich hin, sie offenbart sich Nick direkt in dieser Episode.

Dass sie ihm alles erzählt, was sie von Agentin Chavez (Elizabeth Rodriguez) erfahren hat, zeigt auch die Loyalität, die sie zu dem ehemaligen Grimm fühlt. Er hat sie aufgenommen und lange schien es trotzdem so, dass Trubel den ersten Ausweg nehmen würde, der sich ihr bietet. Doch beinahe unbemerkt hat sie Wurzeln geschlagen und fühlt sich Team Nick zugehörig.

Auch der aktuelle Fall um einen versehentlich herbeigerufenen Mördergolem zeigt, wie sehr sie gewachsen ist. Mit dem kleinen David (Jakob Salvati, Red Widow) trifft sie auf eine Art Alter Ego. Einst war sie das Kind, das als einziges die bösen Wesen sehen konnte. Sie fühlte sich an die Grenze zur Verzweiflung getrieben, voller Angst und dem Gefühl, alleine zu sein.

David geht es ähnlich. Er sieht Monster, die wirklich da sind, die ihm und seiner Mutter (Brigid Brannagh, Army Wives) wehtun. Er braucht jemanden, der ihn versteht und unterstützt. Da zeigt sich Trubels neue Facette. Das, was Nick für sie getan hat, tut sie nun für den kleinen David. Sie ist diejenige, die ihm das Gefühl gibt, dass er nicht verrückt ist und ihm hilft, seinen moralischen Kompass neu auszurichten. Sie zeigt ihm, dass es nicht immer die Bösen sind, die gewinnen - eine Überzeugung, die sie erst selbst kürzlich gewonnen hat. Sie hat die Seiten gewechselt und es ist schön, Trubel so zu sehen.

Der Fall der Woche

Es ist kein Zufall, dass die Grimm-Autoren für die Figur des Jungen den Namen David wählen. Es ist natürlich eine Anlehnung an die biblische Geschichte von David und Goliath: Im Kampf gegen die Philister sehen die Israeliten sich einem Riesen gegenüber, Goliath von Gat. Der einzige, der sich traut, gegen ihn anzutreten, ist David, der spätere König von Israel, der lediglich mit seinem Sack Steine zum Kampf erscheint. Mit einer Steinschleuder schießt er dem siegessicheren Riesen einen der Steine direkt vor die Stirn, woraufhin dieser tot umfällt.

Der David der Episode Dyin' on a Prayer hat zwar zunächst keine derart pfiffige Idee, aber er hat Unterstützer. Einer davon ist sein Onkel Ben (David Julian Hirsh, Weeds), ein Rabbi, der im Besitz des Tons ist, aus dem der Prager Golem geschaffen wurde. Doch der Riese ist keine mildtätiger Schutzengel. Wie in der jüdischen Sage gerät er seinem Schöpfer außer Kontrolle und greift jeden an, von dem David sich eingeschüchtert fühlt, ob der Bedrohte selbst das will oder nicht.

An dieser Stelle sieht der kleine David sich seinem echten Riesengegner gegenüber. Gegen seinen Stiefvater hatte er keine Chance, aber den Riesengolem besiegt am Ende weder Nick noch Trubel. Es ist der kleine David, der seine neue Freundin bedroht sieht und daraufhin zur Tat schreitet. Am Ende ist er also nicht nur das beschützte Opfer, er hat sich auch selbst zum Retter gemausert.

Die Grimm-Autoren verstricken jüdische Legenden und alttestamentarische Geschichten zu einem interessanten Fall, der auch die anderen Figuren nicht ausschließt. Schließlich können alle den Golem sehen.

Im Kampf gegen die Magie

Unterdessen versucht das Team aus Monroe (Silas Weir Mitchell), Rosalee (Bree Turner) und Elizabeth (Louise Lombard) weiter, Adalinds Zauber rückgängig zu machen. Das wird unterbrochen durch einen Angriff durch rassistische Wesen, die es nicht ertragen können, dass Monroe und Rosalee als zwei unterschiedliche Wesen eine Ehe geschlossen haben. Wir haben bereits gesehen, wie die Eltern der beiden zunächst auf die Beziehung reagiert hatten, nun führen die Grimm-Autoren die Geschichte auf eine neue Ebene. Der Hass und die Bedrohung für die beiden nehmen nun neue Formen an. Hat Rosalee Recht, dass Nick in dieser Sache nicht helfen kann? Man darf gespannt sein, denn in der Episode Dyin' on a Prayer bringt Renards Mutter Elizabeth die beiden direkt wieder zurück zu der Sache, die gerade dringender ist: der Kampf gegen Adalinds Zauber.

Elizabeth ist das Hexenbiest, das der Grimm-Story lange gefehlt hat. Sie hat die Erhabenheit, die manchmal in Arroganz oder Überheblichkeit ausufern kann. Die haben zwar alle Hexenbiester, die wir bisher kennen, doch sie hat dabei einen sehr feinen Sinn für Humor. Dieser zeigt sich in der Episode Dyin' on a Prayer unter anderem in diesem Spruch: „I just felt a little sluttier as Adalind. Is it a terrible thing to say about the mother of my grandchild?“ („Als Adalind fühlte ich mich etwas schlampiger. Ist es furchtbar, so etwas über die Mutter meines Enkelkindes zu sagen?“)

Dass Juliette (Bitsie Tulloch) nun diejenige ist, die die fehlende Zutat beisteuern muss, damit Nick wieder zum Grimm werden kann, fühlt sich zunächst wie ein ganz billiger Cliffhanger an. Wir wissen, dass sie es früher oder später sowieso tun wird, weil sie Nick liebt und er (früher oder später) einsehen wird, dass das Grimmleben seine Bestimmung ist. Und dass er auch eine Verantwortung gegenüber anderen hat.

Wir haben so oft gesehen, dass Juliette von all den übernatürlichen Geschehnissen um sie herum nicht viel hält. Sie hat erst vor kurzem gezeigt, dass sie glücklicher wäre, würde Nick seine Kräfte nicht zurückbekommen. Nun muss sie eine ziemlich vorhersehbare Entwicklung durchmachen. Es wird wohl folgendermaßen laufen (gegenteilige Vermutungen sind willkommen): Zunächst wird sie die Sache verschleppen. Je nachdem, was das Opfer ist, das sie bringen muss, wird sie es darauf schieben können. Nick und Juliette werden verschiedene Erlebnisse haben, die ihnen letztendlich zeigen, wie wichtig es für alle ist, dass Nick als Grimm arbeitet und Juliette wird sich in ihrer nervigsten Art bereit zeigen, das geforderte Opfer zu bringen. Hoffentlich nimmt das Ganze einfach nicht so viel Platz ein und geht schnell vorüber.

Ebenfalls eher nervenzehrend als unterhaltsam ist Adalinds neuestes Wien-Abenteuer. Wieder einmal ist sie auf der Flucht vor der royalen Familie, doch dieses Mal ist sie durch die Trauer um ihr Baby noch leichter zu manipulieren. Auch wenn die Szenen, die sie durchlebt, durchaus starkes und interessantes Albtraumpotential haben, richtig spannend wird es dort nicht.

Fazit

In der Episode Dyin' on a Prayer nutzen die Grimm-Autoren jüdische Legenden, um die Entwicklung der Figuren, alles voran Trubel, zu durchleuchten und dabei einen interessanten Fall zu erzählen. Mehr kann man von einer „Case-of-the-Week-Episode“ nicht erwarten. Wenn dazu noch eine Handvoll unterhaltsamer „Monrosaleeabeth“-Szenen kommen, kann nicht mehr viel schieflaufen. Nur Adalind (Claire Coffee) guckt in vielerlei Hinsicht mal wieder in die Röhre.

Trailer zur Episode „Cry Luison“ (4x05) der US-Serie „Grimm“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 17. November 2014

Grimm 4x04 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 4
(Grimm 4x04)
Deutscher Titel der Episode
Der Golem
Titel der Episode im Original
Dyin' on a Prayer
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 14. November 2014 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 27. Juli 2015
Regisseur
Tawnia McKiernan

Schauspieler in der Episode Grimm 4x04

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