Grimm 4x03

Die dritte Episode der vierten Staffel zeigt, dass die Grimm-Autoren die Fall-der-Woche-Taktik nicht ganz gehen lassen wollen. Leider können der junge Clay (Arlen Escarpeta) und seine Peiniger diese tragende Rolle nicht ausfüllen. Immerhin das Aufeinandertreffen von Renards Mutter (Louise Lombard) und Monrosalee enttäuscht nicht.
Boxwelt
So richtig spannend geht es bei Grimm ohnehin selten zu. Das Beste, was man sich von einem Fall der Woche erhoffen darf, ist ein interessanter Blick in die Wesen-Welt. Oft ist das mit einer Mischung aus bekannten Kreaturen und neuen Informationen verbunden. Die Episode The Last Fight bringt zwar oberflächlich gesehen beides mit, doch die Ausarbeitung muss Abzüge in der Stilnote hinnehmen, weil wir nur wenig von den Figuren erfahren, was nicht vor Klischees strotzt.
Der Böse ist der windige Box-Promoter Kingston (Ron Canada, Boston Legal, The West Wing), das Opfer sind alle, die sich zwischen ihn und seinen Goldesel, den talentierten, aber offenbar zu sensiblen Clay, stellen wollen, dazwischen gibt es ein paar, die dem einen oder dem anderen beistehen wollen. Die Wendung am Ende, in der sich Clays Mutter (LisaGay Hamilton, The Practice) sich selbst zum Oberbösewicht stilisieren will, macht eher wenig her. Dass Kingston hinter den Morden steckt, konnte man meilenweit kommen sehen, dass die Mutter des Goldesels ebenfalls irgendwie Dreck am Stecken hat, schimmert auch recht schnell durch. Spannung ist also Fehlanzeige auf ganzer Linie. Keine richtige Wendung und die Gefahr, in die Nick (David Giuntoli), Hank (Russell Hornsby) und Trubel (Jacqueline Toboni) geraten, ist zwar für die größere Rahmenhandlung wichtig, aber spannend ist sie nicht. Dass hier echte Gefahr für die Figuren im Verzug sein könnte, glaubt man ja ohnehin keine Sekunde.
Was also hat uns dieser Fall darüber hinaus gebracht? Leider nicht besonders viel, denn hier schmeißen die Grimm-Autoren vor allem mit altbackenen Klischees über die Boxwelt um sich und machen da sogar selbst Witze drüber. Davon zeugt die Ironie in Hanks Stimme als er Nick fragt, ob er dem Boxpromoter nicht geglaubt habe. Doch ein Blick in eine neue, andere, interessante Welt wie die meisten anderen Kriminalfälle in der Serie, hat die Story um den talentierten Boxer Clay nicht zu bieten. Weder werden die Charaktere zu echtem Leben erweckt, noch wird die Story mit der Wesen-Kultur verbunden. In dieser Hinsicht ist die Episode The Last Fight weniger als Durchschnitt.
Hexenbiester und Grimms
Doch im Moment hat Grimm ja glücklicherweise eine Rahmenhandlung zu bieten, die man als spannend bezeichnen kann. Adalinds Figur (Claire Coffee) wurde nach dem kurzen Zwischenspiel bei Nick wieder auf einige, eingestreute Szenen in Europa zurückgestuft. Wie einst während der Schwangerschaft geht auch nun die Entwicklung ihrer Story nervenaufreibend langsam voran. Schon in der letzten Episode hat sie einen seltsamen Zellengenossen bemerkt, nun trifft sie die Rumpelstilzchen-ähnliche Figur zum ersten Mal. Dass die Grimm-Autoren durchaus wissen, wie man mit einer vielversprechenden Hexenbiest-Figur umgehen muss, beweisen sie mit Renards Mutter. Sie ist nicht so einfach zu blenden, sie erkennt sofort als ihr Sohn ihr eine Lüge über den Verbleib ihrer Enkeltochter auftischen will. Und sie ergreift die Initiative, indem sie sich der Suche von Rosalee (Bree Turner) und Monroe (Silas Weir Mitchell) anschließt. Das führt dazu, dass wir die drei mehr sehen als in der letzten Episode und das kann nur gut sein.
Etwas weniger dürfte es im Moment gerne von Juliette (Bitsie Tulloch) sein, die sich wieder als große mutterähnliche Beschützerin von Nick aufspielt und darüber hinaus vor allem durch Unwichtigkeit langweilt. Der Umstand, dass Nick kein Grimm mehr ist, ist Quell für zahlreiche Konflikte. Nicks und Juliettes Wunsch, auf der neuen Wendung ein normales Leben aufzubauen, ist einer der uninteressanteren. Und vor allem ist er ziemlich irrelevant, denn die kriminellen Wesen werden nicht verschwinden, wenn Nick wegschaut. Ganz im Gegenteil, die neue Situation macht die Ermittlungen nur noch schwieriger.
Interessanter ist da der Trubel-Konflikt, in dem Nick sich gefangen sieht. Sie ist eine junge Frau, die sich gerade erst von einem Traum erholt und keine professionelle Mordermittlerin. Nick und Hank können sie nicht auf ewig in die Ermittlungen einbeziehen, ohne ihr einen Status einzuräumen. Das dürfte nicht so einfach werden, denn nur durch perfektes Timing entkommt Nick in der Episode The Last Fight unangenehmen Nachfragen von Wu (Reggie Lee). Doch auf Dauer wird dem besorgten Kollegen schon wieder einfallen, was er eigentlich in Nicks Haus wollte.
Die Ausrede, dass er die Wesen nicht mehr sehen kann und damit aus dem Schneider ist, ist also Unsinn. Ebenso billig ist die Ausrede, dass Nick sich nicht mehr mit der Frage beschäftigen will, ob man Wu einweihen soll. Er zieht sich aus der Verantwortung mit der Ausrede, er sei ja gar kein Grimm mehr, was also solle er Wu sagen.
Dass er die ganze Sache nicht so einfach nimmt, sieht man nach der Kampfszene mit Kingston. Nick erkennt, dass er und Hank ohne Trubel ganz schön aufgeschmissen gewesen wären. Gleichzeitig bringen sie die junge Frau gerade dadurch immer wieder in Lebensgefahr. Die ganze Situation spitzt sich also zu einem schwierigen Konflikt zu, aus dem die Clique hoffentlich nicht ausschließlich durch günstiges Timing befreit wird.
Fazit
Die Episode The Last Fight bringt die Fall-der-Woche-Praktik zurück in die Grimm-Welt. Leider bleibt die gewohnte Qualität auf der Strecke. Statt Einblick in einen interessanten Winkel der Wesen-Welt bekommen altbackene Klischees über die Boxwelt und einen Fall, der von Anfang an durchschaubar ist. Doch nicht nur die Zusammenarbeit zwischen Renards Mutter und Monrosalee rettet die Episode, auch der moralische Konflikt, der immer mehr an Nick nagt, hört sich vielversprechend an.
Doch das Beste zum Schluss: Was steckt hinter Agent Chavez (Elizabeth Rodriguez) und ihrer mysteriösen Gruppe aus Kämpfern? Nicks Deal, ein Grimm, der kriminelle Wesen jagt, schien lange zu gut, um wahr zu sein. Für Portland war das immer vorteilhaft, doch im größeren Rahmen hat Nick nie etwas daraus gemacht. Vielleicht sind andere da schon wesentlich weiter, denn allem Anschein nach hat Agent Chavez Kontakt zu einer Gruppe, die aus Grimms zusammengestellt ist. Sie ist selbst Wesen und will den schädlichen Einfluss der Wesen in der Gesellschaft zerschlagen. Doch wie genau das gemeint ist, weiß man noch nicht. Tritt sie gegen das Böse und Kriminelle an, wie Nick, oder leitet sie eine Art möglicherweise rassistische Kontrollgruppe? Ihr Geheimnis hört sich an wie der Start zu einer ganz großen Erweiterung der Wesen-Welt, aber genauso sah es auch aus als wir zum ersten Mal von den royalen Familien und dem Wesen-Rat gehört haben. Schließlich sind die Grimm-Macher jedoch immer wieder schnell zurück auf Portland-PD-Ausmaße gerudert.
Trailer zur Episode 4x04 der Serie Grimm: Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 10. November 2014Grimm 4x03 Trailer
(Grimm 4x03)
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