Grimm 1x05

âOut they scampered from doors,
windows and gutters,
rats of every size,
all after the piper.â
Der RattenfĂ€nger von Hameln ist nicht nur eine der bekanntesten deutschen Sagen, sondern auch die Grundlage der Folge Danse Macabre. In der Originalgeschichte der GebrĂŒder Grimm bot besagter RattenfĂ€nger der Stadt Hameln an, die dort herrschende Rattenplage zu beseitigen - natĂŒrlich gegen eine angemessene Bezahlung. Als ihm diese nach getaner Arbeit verweigert wurde, griff er zu drastischen Mitteln und entfĂŒhrte alle Kinder der Stadt. In der Neufassung der Geschichte hat der âRattenfĂ€ngerâ Roddy ein anderes Motiv. Er wurde nicht um Geld geprellt, sondern an der Musikschule jahrelang von seinen Kommilitonen gedemĂŒtigt. Doch auch das schreit nach Rache!
Der RattenfĂ€nger âreloadedâ
Die grimmsche Neuinterpretation des klassischen RattenfĂ€ngers bringt einige interessante Aspekte mit sich: Roddy, der Nick natĂŒrlich als Ratte erscheint, geht es nicht um Geld. Ihm, dem begnadeten Violinist und DJ („DJ WRETCHED CAT“; wobei „wretched“ mit elend oder erbĂ€rmlich ĂŒbersetzt werden kann), wurden in seinem Leben viele Steine in den Weg gelegt. Immer wieder wurde er gedemĂŒtigt und gemobbt, was ihn dazu veranlasst sich auf besondere Weise an seinen eifersĂŒchtigen Peinigern zu rĂ€chen. NatĂŒrlich gelingt es Nick (David Giuntoli) und Hank (Russell Hornsby), der mehr oder weniger ĂŒberraschend Angst vor MĂ€usen und Ratten hat, rechtzeitig einzugreifen und Roddys PlĂ€ne zu durchkreuzen.
Kommt euch dieser Plot bekannt vor? Richtig, er Àhnelt stark der vorherigen Folge Lonelyhearts. Auch dort folgte die Episode demselben Muster: Es gibt ein Verbrechen und der TÀter entpuppt sich als Kreatur, die dem Zuschauer zunÀchst nÀher gebracht wird und dann von Nick (mit Eddies Hilfe) ausgeschaltet wird. Bei allem Potenzial, das die moderne Version des RattenfÀngers mit sich bringt, sind der Verlauf und das Ende der Episode dadurch doch leicht vorhersehbar. Etwas mehr Spannung hÀtte der im Kern intelligent konstruierten Plot sicher gut getan.
âNickâ
Nach inzwischen fĂŒnf Episoden ist es an der Zeit den Hauptcharakter der Serie etwas genauer zu betrachten. Nick hat völlig ĂŒberraschen erfahren, dass es neben der ânormalenâ Welt, noch eine zweite, viel bedrohlichere Welt gibt, in der magische Kreaturen ihr Unwesen treiben. Als letzter verbleibender Grimm ist es seine Aufgabe diese Kreaturen zu jagen - und wenn es nötig ist auch zu beseitigen.
Ein groĂer Kritikpunkt an seinem Charakter (auf den „Ken-Look“ möchte ich hier nicht eingehen) betrifft die Art und Weise wie er mit dem Tod seiner einzigen richtigen Vertrauten umgeht. Es ist unbegreiflich, dass er nach dem Tod seiner Tante Marie, die ihn aufgezogen und ihm alles ĂŒber seine Bestimmung erzĂ€hlt hat, weder in eine depressive Verstimmung mit Trauer, Selbstzweifeln und Nachdenklichkeit noch in ein „Jetzt-erst-recht“ mit deutlich erhöhtem Tatendrang und RachegefĂŒhlen verfĂ€llt, sondern einfach ânormalâ weiterlebt. Ohne mit jemandem ĂŒber seinen Verlust zu sprechen oder diesen auf eine andere Weise zu thematisieren. Die Tatsache, dass er - auĂer Eddie (Silas Weir Mitchell) - mit Niemandem ĂŒber seine Aufgabe als âGrimmâ spricht, schlieĂlich weiĂ er selbst noch nicht wirklich wie er mit diesen gravierenden VerĂ€nderungen in seinem Leben umgehen soll.
Allerdings beginnt seine Fassade in dieser Episode zu bröckeln und es kĂŒndigt sich eine Aussprache mit der Frau in seinem Leben, Juliette (Bitsie Tulloch), an. Wird Nick ihr erzĂ€hlen, wer (oder was) er wirklich ist und wird er in Zukunft nur einen anderen Klempner verstĂ€ndigen? Interessant bleibt auch zusehen, was Renard (Sasha Roiz) und Hexenbiest Adalind mit Hank planen: Was haben die beiden mit ihm vor? Was wollen sie erreichen? Immerhin hat Grimm damit erreicht, dass auch Hank im ĂŒbergeordneten Plot eine Rolle einnimmt - wie immer die auch aussehen mag.
Fazit
Der Fall der Woche ist von der Grundidee betrachtet zweifellos interessant. Allerdings folgt er demselben Muster, das Grimm bereits seit Wochen starr verfolgt. Dies ist auf die Dauer nicht nur ziemlich uninspiriert, sondern sorgt auch dafĂŒr, dass die Zuschauer wenig Ăberraschendes geboten bekommen. Und genau das ist von einer Serie wie âGrimmâ eigentlich zu erwarten. Ich bin auf die nĂ€chste Folge gespannt... Wird Grimm vom ĂŒblichen Schema abweichen? Wie wird sich die ĂŒbergeordnete Handlung weiterentwickeln?
Dieses Review ist ein Gastbeitrag von Andy Kramer. Seinen Blog findet ihr unter https://ak-1984.blogspot.com/
Verfasser: Bernd Michael Krannich am Dienstag, 13. Dezember 2011(Grimm 1x05)
Schauspieler in der Episode Grimm 1x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?