Grimm 1x04

„There she paused
for a while thinking...
but the temptation was so great
that she could not conquer it."
Das Zitat zu Beginn dieser Folge stammt aus dem Märchen „Blaubart“ von Charles Perrault und damit zum ersten Mal nicht aus einer Geschichte der Gebrüder Grimm. Eines der zentralen Hauptmotive dieses Märchens ist das Bedürfnis nach Rache: Blaubart, der nach heutigen Maßstäben ständig wegen seines blauen Bartes „gemobbt“ wird, verlangt von seinen Frauen absoluten Gehorsam. Wird dieser verweigert, dürstet Blaubart nach Rache und köpft seine Gemahlinnen. Doch seine Gier nach Rache wird ihm eines Tages zum Verhängnis und er wird von den Brüdern seiner (letzten) Frau getötet. Obwohl der genaue Inhalt des zitierten Märchens auch dieses Mal keine Rolle für die Episode spielt, gibt es doch eine unübersehbare Gemeinsamkeit: das Streben nach Rache und Vergeltung!
Genau dieses Gefühl dürfte Captain Renard (Sasha Roiz) im Nebenplot der Episode empfunden haben, als ein anderer Sensenmann die Stadt erreicht und damit Renards Territorium verletzt. Um seine Gier nach Rache zu befriedigen und seine Macht zu demonstrieren, greift er zu drastischen Mitteln: Er haut seinem Widersacher mit der Sense ein Ohr ab... Diese Szene zeigt uns nicht nur, dass Renard bereit ist, Gewalt anzuwenden, um seine Pläne durchzusetzen. Darüber hinaus zeigt uns das auch, dass er in der „Hierarchie“ der Sensenmänner ziemlich weit oben stehen muss. Für Nick (David Giuntoli) bedeutet dies, dass er sich vor Renard vorsehen muss - sobald er irgendwann mal erfährt, wer beziehungsweise was sein Vorgesetzter in Wahrheit ist. Denn bisher hat er ihn trotz seines „zweiten Grimm-Gesichts“ noch nicht als Kreatur erkannt.
Eddie als „Mister Undercover"
Die humoristischen Elemente dieser Folge sind wie immer eng mit dem Auftauchen von Eddie (Silas Weir Mitchell) verbunden. Dieses Mal erfüllt er nicht nur seine Standardrolle als „Grimm-Wikipedia“, sondern erledigt auch noch Nicks Polizeiarbeit, indem er undercover ermittelt und dafür auch noch bezahlt wird. Als er jedoch realisiert, wie gefährlich der von Nick gesuchte Mörder tatsächlich ist, kündigt er seinen „Job“ schnell wieder.
Hoffentlich wird Eddies Screentime noch weiter ausgebaut. Die Serie im Allgemeinen und Nick im Speziellen benötigen ihn dringend. Eddie ist für Nick das Bindeglied zwischen der gewohnten Polizeiarbeit, die Nick Tag für Tag erledigt, und einer völlig neuen, unbekannten sowie unberechenbaren Welt, die voller Gefahren steckt. Für uns als Zuschauer schafft Eddie also den Spagat zwischen den uns aus anderen Polizeiserien bekannten Szenarien und dieser komplett anderen, fiktionalen Welt. Ohne Eddie würde Nick in dieser Welt völlig untergehen - und wir hätten nicht viel zu lachen.
Vertraue niemals einem Ziegenbock
Während uns die Nebenplots einige neue Details liefern, kann der viel zu ausführlich dargestellte und wenig originelle Fall der Woche leider nicht überzeugen. Nick und Hank (Russell Hornsby) jagen einen Vergewaltiger und Mörder, der Nick als Ziegenbock (im Original „ziegevolk“) erscheint. Dieser lockt Frauen mithilfe von Pheromonen an, um sie anschließend zu vergewaltigen und dabei zu schwängern. Seinem letzten Opfer gelingt dabei zunächst die Flucht, was ihn wiederum dazu veranlasst, sie zu töten. Kritisch anzumerken ist hier, dass die genaue Motivation des Ziegenbocks nicht offenbart wird. Warum begeht er diesen Mord eigentlich? Nur weil sie fliehen wollte? Oder suchte er Rache? Hätte er das Mädel einfach laufen lassen, wäre ihm die Polizei wohl nie auf die Spur gekommen. In diesem Fall hätte er genauso weitermachen können wie bisher...
Nick und Hank, dessen Rolle in den kommenden Episoden endlich mal interessanter werden sollte, gelingt es im Laufe der Ermittlungen, das Versteck des Täters zu finden, ihn dingfest zu machen und einige vermisste Frauen zu befreien. Nick gelingt es zudem, die wahren Hintergründe der Tat (also die Tatsache, dass es sich bei dem Mörder um eine Kreatur handelt), erfolgreich vor Hank und seiner Frau Juliette zu verbergen. Dabei fehlt erneut etwas Tiefgang, denn in so einem Fall sollte Nick viel größere Gewissensbisse haben. Schließlich belügt er seine Frau und seinen besten Freund nach Strich und Faden, indem er ihnen wichtige Informationen vorenthält. Dass er die Grimm-Welt zunächst (?) für sich behält, scheint allerdings sinnvoll zu sein. Man muss sich nur mal vor Augen halten, wie wir reagieren würden, wenn unser Partner oder bester Freund behaupten würde, er könne als einziger Mensch magische Kreaturen sehen und müsse diese ausschalten...
Fazit
Ein uninspirierter Fall der Woche kombiniert mit spannenden Entwicklungen in den Nebenplots ergibt unterm Strich eine durchschnittliche Folge, die nicht an die Klasse von Beeware herankommt. Der Fall besitzt zwar eine gute Balance aus Krimi und Mystery und schafft es dadurch, eine Atmosphäre zu erzeugen, die an klassische Horrorfilme erinnert. Allerdings schafft es dieser wenig originelle Hauptplot nicht, den Zuschauer zu fesseln oder zu überraschen. Das ist sehr schade, da die Serie letzte Woche bewiesen hat, dass sie das definitiv besser kann!
Danke an Andy Kramer für das Gastreview.
Verfasser: Bernd Michael Krannich am Dienstag, 22. November 2011(Grimm 1x04)
Schauspieler in der Episode Grimm 1x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?