Grimm 1x03

She'll sting you one day.
Oh so gently,
so you hardly even feel it.
'Til you fall dead.
Wie in den ersten beiden Folgen beginnt auch Beeware mit einem Originalzitat, das dieses Mal aus dem Märchen „Die Bienenkönigin“ stammt. In diesem Märchen gelingt es einem eher einfältigen und schüchternen „Dummling“ mithilfe seiner tierischen Freunde (unter anderem einem Bienenschwarm), eine Königstochter von einem gefährlichen Zauberbann zu befreien. Dabei hilft ihm die Bienenkönigin, die Königstochter unter drei völlig identisch aussehenden Frauen zu identifizieren, was den Bann schließlich bricht. Entscheidend dabei ist, dass sich der Dummling die Hilfe der Tiere durch seine Gutmütigkeit verdient hatte. Seine Brüder wollten zu Beginn des Märchens alle Tiere töten, was er jedoch verhindern konnte. Aber das nur nebenbei, denn für den Fall der Woche hat das Märchen überhaupt keine Bedeutung. Das ist meiner Meinung nach sehr schade, da es die Serie hier erfolgreich schafft, ihr Potenzial zu verschenken...
Nicht ganz so erfolgreich läuft es dagegen für die junge Frau, die wir zu Beginn der Folge dabei beobachten können, wie sie in eine S-Bahn steigt - nur um sich wenige Sekunden später ungewollt mitten in einem spontanen Flashmob zu befinden, der ausgelassen zu „YMCA“ tanzt. Nachdem sich der Flashmob aufgelöst hat, liegt die junge Frau tot am Boden. Nick (David Giuntoli) und Hank (Russell Hornsby) erfahren, dass sie zwar durch einen anaphylaktischen Schock starb, dieser aber durch eine extrem hohe Dosis Bienengift hervorgerufen wurde, das ihr im Chaos des Flashmobs verabreicht worden war. Überraschenderweise wurde das Bienengift aber nicht künstlich hergestellt, sondern stammt von etwa 50.000 echten Bienen. Dass es sich dabei zum Teil um exotische Bienen („from China, Africa... or maybe France...“) und zum Teil um Bienen handelt, deren Herkunft nicht einmal bestimmt werden kann, macht die Sache zunächst noch mysteriöser...
Übernatürlich
Natürlich liegt die Lösung des Falles im Übernatürlichen - schließlich ist Grimm keine „normale“ Krimiserie, sondern verfolgt das Konzept, Mordermittlungen mit Mysteryelementen zu verbinden. Dies gelingt in dieser Episode deutlich besser als in den Folgen zuvor. Während Hank immer wieder versucht, auf klassische Weise zu ermitteln (z.B. indem er alle Teilnehmer des Flashmobs zur Befragung aufs Revier kommen lässt), muss Nick erkennen, dass es neben Wölfen, Hexen und Bären noch weitere böse Kreaturen gibt. In diesem Fall sind es die Bienen, die in der Märchenwelt hauptsächlich als Überbringer von Nachrichten (supernatural communicators) fungieren und sich in der realen Welt logischerweise auch hauptsächlich via Twitter organisieren.
Grimm führt also nach und nach unterschiedlichste Gegenspieler für Nick ein, deren Charakteristiken uns dann in gewohnt humorvoller Art und Weise von Eddie nähergebracht werden. Apropos Eddie: Zwischen ihm und Nick scheint schon nach relativ kurzer Zeit eine innige Freundschaft zu bestehen - oder warum melden sie sich bei Anrufen mit „Hey, it's me!“? Vielleicht ist das auch ein Zeichen dafür, dass Nick unbedingt eine Freundschaft mit Eddie braucht, um sich in seiner neuen Welt zurechtzufinden. Wie auch immer, meiner Meinung nach sollte Eddie viel mehr Screentime erhalten. Im Gegensatz zu dem eher langweiligen Hank hat Eddie einen interessanten Charakter - schon alleine wegen seiner Vorgeschichte.
Nick im Zwiespalt
Sehr gut gelungen ist, wie sich der Fall der Woche in die bisher temporeich vorangetriebene Hintergrundhandlung der Serie einfügt: Nachdem Nick die Identität der Bienenkönigin (man beachte den gelb-schwarzen Lidschatten!) herausgefunden hat, erfährt er, dass diese die böse Hexe Adalind jagt, die seine Tante Marie ermorden wollte und mit dem Chef der Mordkommission zusammenarbeitet. Dass sich dieser als eine weitere Kreatur, eine Art Sensenmann entpuppt, überrascht uns natürlich nicht mehr.
Erstmals in der Serie gerät Nick in einen Zwiespalt: Was ist wichtiger? Das Leben als Polizist oder das Leben als Grimm? Beschützen oder Rächen? Zumindest zu diesem Zeitpunkt gewinnt der Cop und Nick erschießt die Bienenkönigin, als diese ihrerseits versucht, Adalind zu töten. Natürlich sind die letzten Worte der Königin beängstigend: „He's coming for you and he's close“. Aber hat Nick wirklich die richtige Entscheidung getroffen? Schließlich schien die Königin eine gute Kreatur zu sein, die eine böse eliminieren wollte... Gibt es also auch gute Kreaturen? Darüber möchte ich in den nächsten Folgen mehr erfahren! Gar nicht gefallen hat mir jedoch die Tatsache, wie mit Maries Tod umgegangen wird. Sie spielte eine wichtige Rolle in Nicks Leben und scheint nun völlig vergessen zu sein. Da wünsche ich mir mehr Tiefe und eine stärkere Auseinandersetzung mit einem so ernsten Thema.
Fazit
Meiner Meinung nach eine gelungene und spannende Folge, die Krimi und Mystery gut miteinander verknüpft. Etwas mehr Tiefgang wäre aber wünschenswert. Grimm hat unbestritten Potenzial und könnte eine der wenigen Serien zu werden, die NBC aus dem Quotenkeller ziehen. Ob das Potenzial weiter genutzt wird, um genügend Zuschauer vor den Bildschirm zu locken, werden die nächsten Wochen aber erst noch zeigen müssen.
Danke an Andy Kramer für dieses Gastreview.
Verfasser: Sebastian Detzler am Samstag, 19. November 2011(Grimm 1x03)
Schauspieler in der Episode Grimm 1x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?