Grimm 1x06

„'Little pig, little pig, let me come in',
said the wolf to the pig,
'not by the hair of my chinny chin chin',
said the pig to the wolf.“
„Die drei kleinen Schweinchen“, die die Grundlage der Episode The Three Bad Wolves bilden, stammen aus der Feder des Engländers Joseph Jacobs. In dieser Erzählung werden drei Schweine, die jeder für sich in einem Stroh-, Holz- beziehungsweise Steinhaus leben, von einem gefräßigen Wolf bedroht. Um seinen Hunger mit leckerem Schweinebraten zu stillen, versucht er die Häuser der Schweine umzupusten, was ihm sowohl beim Stroh- als auch beim Holzhaus gelingt. Beim steinernen Haus des dritten Schweinchens gelingt ihm sein Vorhaben aber nicht. Somit zeigte sich, dass sich der Fleiß und die harte, gründliche Arbeit des dritten Schweinchens ausbezahlt haben, währen die Bequemlichkeit und Leichtlebigkeit der anderen beiden zu Problemen (und in der Originalversion zu deren Tod) geführt haben.
Die drei bösen Wölfe oder doch böse Schweinchen?
Ursprünglich waren die Three Bad Wolves als vierte Episode der Serie Grimm produziert worden. Die Tatsache, dass sie nun als sechste Folge auf Sendung ging, wirkt sich aber auf keinen Fall negativ aus. Weder der Fall der Woche noch die übergreifende Handlung werden dadurch beeinflusst. Der Fall der Woche behandelt eine bereits seit langer Zeit bestehende Fehde zwischen einer Familie aus Wölfen (blutbaden) und einer aus Schweinen (bowerswine) - eine clevere und interessante Version der klassischen Geschichte der drei kleinen Schweinchen. Im Gegensatz zum eher uninspirierten Fall der vorherigen Folge Danse Macabre „36481“ schafft es dieser Fall für etwas mehr Überraschung und Spannung zu sorgen - wenn auch die Idee, den bekanntesten Gaststar (Daniel Roebuck) als Täter zu präsentieren weder neu noch besonders geschickt ist.
Eddie Monroe
Der Fall der Woche bringt uns - neben den bereits bekannten Wölfen - nicht nur die Schweinchen als neue magische Kreaturen näher, sondern stärkt auch das Band, das Nick (David Giuntoli) und Eddie (Silas Weir Mitchell) seit der Pilotfolge miteinander verbindet. Die Tatsache, dass sich diese Folge größtenteils mit Eddies Vorgeschichte beschäftigt, macht sie zur bisher besten Episode der Serie. Wie schon in vorherigen Reviews erwähnt ist „Eddie“ das interessanteste Mitglied des Casts. Dies liegt zum einen an der überspitzten Darstellung des Charakters, die unter anderem eine tägliche morgendliche Workout-Routine und sarkastische Kommentare beinhaltet. Zum anderen muss aber auch Mitchells schauspielerische Leistung gewürdigt werden, mit der er Eddie Woche für Woche Leben einhaucht.
Dies alles kombiniert mit seinem Vergangenheit als böser Wolf und dem daraus resultierenden immensen Wissen über alle möglichem magischen Kreaturen macht ihn zu einem kompletteren und interessanteren Charakter als Nick oder gar Hank (Russell Hornsby). Die Tatsache, dass Eddie mit Hap, dem Anführer der Wölfe befreundet ist/war, führt dazu, dass er auch im Fall der Woche eine Rolle spielt und nicht nur für Nick ermittelt. In diesem Kontext erfährt der Zuschauer auch, dass Eddie früher mit Haps Schwester Angelina liiert war, diese Beziehung jedoch aufgab um ein neues Leben zu führen.
Doch Hap und Angelina, die wohl genau das Gegenteil von Eddies neuer Persönlichkeit sind (und damit wohl auch genauso sind wie Eddie früher einmal war), lassen ihn nicht wirklich in Ruhe. Eddie kann aber allen Versuchungen, sein altes Leben wieder aufzunehmen, widerstehen. Die Szene, in der er Nick erläutert wie sehr er sich gegen seine eigentliche Natur wehren musste, war eine der intensivsten Szenen der Serie Grimm bisher. Dass Angelina schließlich nicht von Nick verhaftet wird, lässt die Schlussfolgerung zu, dass sie weitere Auftritte bekommen könnte. Damit könnte Eddie in eine der nächsten Folgen wieder im Mittelpunkt stehen.
Ein kleiner Wermutstropfen der Folge ist aber die Art und Weise wie mit Nicks „Begabung“ umgegangen wird: Manchmal erkennt er die Kreaturen sofort, manchmal überhaupt nicht, manchmal durch emotionalen Stress und manchmal geben sie sich ihm auch einfach zu erkennen. Zudem ist es unlogisch, dass er von Angelina sofort als Grimm erkannt wird, von Hap aber nicht... Diese Inkonsistenzen sind ziemlich ärgerlich und es scheint fast so als ob Nick die Kreaturen immer genau dann erkennt, wenn die Geschichte an Geschwindigkeit gewinnen muss.
Fazit
Mit dieser Folge hat Grimm bewiesen, dass es mehr sein kann als ein CSI: Crime Scene Investigation mit mystischen Elementen. Der interessante Fall der Woche in Kombination mit der detaillierten Beleuchtung von Eddies Vorgeschichte und Gedankenwelt, machen diese Episode zur bisher besten Folge der Staffel. Wenn Grimm so weiter macht und nicht wieder in sein Standardschema verfällt (Verbrechen - Vorstellung einer Kreatur - Lösung des Falles durch Nick), entwickelt sich die Serie genau dahin, wo sie aufgrund ihres Potenzials hingehört: Zu einem „Must-see“ unter den US-Serien.
Dieses Review zur Serie Grimm ist ein Gastbeitrag von Andy Kramer. Seinen Blog findet ihr unter https://ak-1984.blogspot.com.
Verfasser: Bernd Michael Krannich am Dienstag, 13. Dezember 2011(Grimm 1x06)
Schauspieler in der Episode Grimm 1x06
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