Grey's Anatomy 12x01

Grey's Anatomy 12x01

Mit der Auftaktepisode zur 12. Staffel von Grey's Anatomy stehen alle Zeichen auf Neuanfang. Dank interessanter Entwicklungen innerhalb des Main Casts, einer berührenden Patientengeschichte und des erfreulich lockeren Tons scheint das Serienurgestein zu alter Stärke zurückzufinden.

Die neuen Assistenzärzte in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC / Foto: Mitchell Haaseth
Die neuen Assistenzärzte in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC / Foto: Mitchell Haaseth

Was könnte Shonda Rhimes und ihr Autor-/-innenteam nach elf Staffeln Grey's Anatomy noch zu erzählen haben? Wie kann die Geschichte der Hauptfigur Meredith Grey (Ellen Pompeo) plausibel zu Ende erzählt werden, jetzt, da sich scheinbar alle konstitutiven Elemente ihrer Charakterentwicklung verabschiedet haben? Einiges, und das wird überraschenderweise schon mit der zwölften Auftaktepisode Sledgehammer bewiesen. Vorab ließen die Autor-/-innen verlauten, dass mit der zwölften Staffel eine Art „Evolution“ der Figur geplant sei, eine Geschichte von Wiedergeburt und Neuanfang. Mit dem Vorschlaghammer werden dafür erste Akzente gesetzt, denn es kommt wie zuletzt vermutet: Meredith lebt wieder in ihrem altem Haus - gemeinsam mit ihrer Halbschwester Maggie (Kelly McCreary) und Schwägerin Amelia (Caterina Scorsone).

Abseits der erfreulichen Entwicklungen, die sich in Bezug auf Meredith und ihr Leben ohne Derek abzeichnen, punktet Sledgehammer) aber auch andernorts. Seit einer gefühlten Ewigkeit gelingt es, einer Patientengeschichte eine narrative und emotionale Tiefe zu verleihen, an der es lange Zeit fehlte. Chapeau, Mrs. Rhimes. Eine vielversprechende zwölfte Staffel steht in den Startlöchern.

Pierce punched a homophob!

Die Patientengeschichte um das verliebte Teeniepaar Jessica (Mandalynn Carlson) und Aliyah (Sade Benyaminov problematisiert treffsicher und mit großer Empathie die Lebensrealität vieler aus der LGBTQ-Community. Seit Juni 2015 wurde „same-sex marriage“ in den gesamten USA legalisiert - längst überfällig und ein Grund zum Feiern. Davon auszugehen, dass Schwule, Lesben, Bisexuelle, Trans- und Interpersonen deshalb nicht mehr diskriminiert würden, ist natürlich leider ein Fehlschluss. Grey's Anatomy setzt sich erneut bewusst mit dieser Problematik auseinander.

Vielmehr noch wird die Aufmerksamkeit auf jene gelenkt, die (zum Beispiel) homophober Diskriminierung vielleicht am schutzlosesten ausgesetzt sind: Teenager. Während Callie (Sara Ramirez) und Arizona (Jessica Capshaw) mit gesellschaftlich hoch angesehenen Jobs fest im Leben stehen, ihre sexuelle Identität offen und selbstbewusst leben, ist es für das minderjährige Paar ungleich schwieriger.

Zugespitzt wird die Situation dadurch, dass Jess von ihren eigenen Eltern beziehungsweise vor allem von ihrer homophoben Mutter, in eine Art christliches „Umerziehungscamp“ gebracht werden soll, um sie zu „heilen“. Auch das ist (nicht nur in den USA) entsetzliche Realität. Welche Folgen derartige Diskriminierung und Mobbing nach sich ziehen kann, wird mit Aliyahs und Jess' Entschluss deutlich - die beiden wollten sich gemeinsam vor einen Zug stürzen. Während Maggie aus Angst vor der eigenen Courage noch nicht so recht weiß, wo ihr der Kopf steht, wird ihr beherzt-impulsiver Faustschlag (ins Gesicht von Mrs. Tanner, der Mutter) von Callie, Arizona, Alex (Justin Chambers) und Steph (Jerrika Hinton) mit einem „Uhh, unexpected, high five“ goutiert.

In Reflexion auf die Ärzte und Ärztinnen wird dann wie üblich Bezug auf die eigenen Erfahrungen mit Mobbing im Allgemeinen genommen. So erhalten die Zuschauer/-innen tieferen Einblick in die Vergangenheit von Maggie und Alex. Sicherlich erfüllt dieser kurze Handlungsstrang auch auf längere Sicht eine Funktion, in beiden Fällen haben die Autor-/-innen etwas nachzuholen. Sei es bei Maggie, über die wir bislang nur wenig wissen, oder auch bei Alex, den wir zwar seit der ersten Stunde kennen, der aber seit mindestens zwei Staffeln stiefmütterlich behandelt wurde. Beide stellen wichtige Charaktere in der Gesamtkonstellation der Figuren dar. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass wir nun auch zukünftig (zumindest laut Ankündigung) mehr von ihnen sehen werden.

Jenny Cooper und Eric Lange sind in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; zu Gast. © ABC / Foto: Mitchell Haaseth
Jenny Cooper und Eric Lange sind in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; zu Gast. © ABC / Foto: Mitchell Haaseth

Neuanfang

Auch sonst sind beinahe alle Entwicklungen und Handlungsstränge positiv zu bewerten, zumindest eröffnen sie großes Potential. Und fast alle eint die erzählerische Strategie, auf einen Neuanfang zu setzen: Schon die Konstellation Meredith, Maggie und Amelia unter einem Dach ist als gelungener Schachzug zu bewerten. Dass es zwischen drei starken Persönlichkeiten mitunter zu Konflikten kommen wird, ist zwar absehbar. An dieser Stelle wird allerdings indirekt auf Derek verwiesen, der seine Frau immer und immer wieder von dem Wert von Zusammenhalt und einem (offenen) Verständnis von Familie zu überzeugen wusste. Meredith scheint sich das glücklicherweise zu Herzen zu nehmen, so dass wir von größeren Zerwürfnissen - vor allem zwischen ihr und Amelia - wohl erst einmal verschont bleiben.

Wenn der Eindruck nicht täuscht, scheint es auch in Bezug auf Miranda Bailey (Chandra Wilson) endlich einen Kurswechsel, einen Neustart zu geben. Die Kämpfe um den Platz im Vorstand, die eher irrelevanten Nebenhandlungen mit ihr und Ben (Jason George, der nun zum Main Cast zählt) sowie kleinere Ärgernisse fielen zunehmend auf die Nerven. Allem Anschein nach wird ihr nun aber endlich gegeben, was sie will (und auch verdient): Miranda Bailey wird neue Chefärztin des Grey Sloan Memorial. Es bleibt zu hoffen, dass wir von einem Konkurrenzkampf reloaded nun verschont werden und sich Bens Glückwünsche auf eine bereits gefällte Entscheidung beziehen...

Einziger Wermutstropfen, besser wohl Ärgernis der Episode, kommt in Form von Aprils (Sarah Drew) Rückkehr nach Seattle. Auch in dieser Hinsicht ließen die Autor-/-innen durchblitzen, dass ein Happy End vorerst nicht in Sicht ist. Zur Erinnerung: Jackson (Jesse Williams) stellte seiner Frau ein Ultimatum - zieht sie erneut ins Kriegsgebiet, kann er nicht garantieren, dass ihre Ehe weiterhin Bestand hat. Dass der gesamte Handlungsstrang an sich unnötig und nicht nachvollziehbar bleibt, wurde bereits an anderer Stelle breit erläutert. Letztlich ist es einfach schade, dass kaum einem Paar der Serie eine Atempause gegönnt, ein halbwegs glückliches Dasein zugestanden wird - auch dann nicht, wenn sie bereits Dramen und Tragödien für ein ganzes Leben hinter sich haben.

Fazit

Ein gelungener Start in die zwölfte Staffel übertrifft schon jetzt die Erwartungen hinsichtlich des Fortlaufs der Serie ohne Derek. Der Entschluss, drei der interessantesten, stärksten Frauenfiguren unter ein Dach zu stecken, eröffnet großes Potential, nicht nur in Bezug auf Meredith. Ein Neustart, auch auf erzählerischer Ebene, war nicht nur lang ersehnt, er ermöglicht endlich auch eine Fokussierung auf eher vernachlässigte Figuren. So werden wir demnächst hoffentlich wieder mehr von Alex sehen, Maggie besser kennenlernen (vielleicht auch Jo?) und auch ein Neuanfang zwischen Owen und Amelia scheint nicht ausgeschlossen.

Klares Highlight von Sledgehammer ist aber der Handlungsstrang um Jess und Aliyah. In dieser Hinsicht scheint sich Grey's Anatomy wieder auf alte Stärken rückzubesinnen, denn endlich steht mit der berührenden und einfühlsam erzählten Storyline wieder eine Patientengeschichte im Vordergrund - die nur an zweiter Stelle als Projektionsfläche für die Ärzte und Ärztinnen diente.

Promo zur Episode „Walking Tall“ (12x02) der US-Serie „Grey's Anatomy“:
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 25. September 2015

Grey's Anatomy 12x01 Trailer

Episode
Staffel 12, Episode 1
(Grey's Anatomy 12x01)
Deutscher Titel der Episode
Mit dem Kopf durch die Wand
Titel der Episode im Original
Sledgehammer
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 24. September 2015 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 6. April 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 7. März 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 7. März 2016
Autor
Stacy McKee
Regisseur
Kevin McKidd

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 12x01

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