Glee 2x22

Glee 2x22

Wow, so mau war Glee schon lange nicht mehr wie zum Staffelfinale. New Directions in New York hätte eine große Episode bedeuten können - doch die Autoren haben sich zu sehr auf Vergangenem ausgeruht.

Ein Hauch „Enchanted“ im Staffelfinale: Die „Glee“-Kids tanzen durch New York / (c) FOX
Ein Hauch „Enchanted“ im Staffelfinale: Die „Glee“-Kids tanzen durch New York / (c) FOX

Wo waren der Schweiß, das Blut, die Tränen? Wir haben ja nicht erwartet, dass Glee zum Finale erneut eine so grandios inszenierte Nummer wie zum Ende der ersten Staffel gelingt. Und bei so vielen großen Momenten und Gästen war der Punkt absehbar, ab dem es keine Steigerung mehr geben kann. Doch: „The show must go on“ und so klang die Season ausgerechnet mit einer der am schlechtesten erzählten Episoden des ganzen Jahres aus.

Das fängt schon mit den zahlreichen logischen Lücken in Nationals an. Etwa das Prokrastinieren der Kids: Über Wochen hatten sie nichts anderes im Kopf, als nach New York zum Bundeswettbewerb der Showchöre zu fahren. Selbst für „Glee“-Standards wirkt es wie an den Haaren herbeigezogen, dass sie in ihrem Hotelzimmer - direkt am teuren Times Square wohl gemerkt - über Nacht zwei Songs für den Wettbewerb schreiben, choreographieren und einstudieren. Glee-Papa Will Schuester (Matthew Morrison) ist sich natürlich trotzdem sicher: Ihr gewinnt das!

Schließlich haben New Directions etwas, das andere Chöre nicht haben: Herz. Das war schon immer eine Botschaft der Serie, aber so platt wie in dieser Folge wurde sie dem Zuschauer selten unter die Nase gerieben. Etwa im Gespräch zwischen Rachel und der verzweifelten Sunshine (Charice) (natürlich auf der Damentoilette) oder, als Dustin Goolsby (Cheyenne Jackson), der Coach von Vocal Adrenaline, Will offenbart: „I hate my kids.“.

Doch der Underdog-Status, der noch bei den Vorausscheidungen eine Rolle gespielt haben könnte, zieht auf der großen New Yorker Bühne nicht. Schon nach den ersten Takten von Ushers „Yeah!“ durch einen der konkurrierenden Clubs verblasst der Charme der New Directions. Hier geht es - zu Recht - mehr um Professionalität denn um Will Schuesters Meine-Kids-sind-alle-gleich-toll-Maxime. Am Ende reicht es nur für den zwölften Platz und damit nicht einmal den Einzug ins Finale.

Statt dass jedoch die Autoren einfach das Prinzip Möge der Bessere gewinnen walten ließen - man hätte es nur zu gut verstehen können -, wird uns weisgemacht, ein Kuss zwischen Rachel (Lea Michele) und Finn (Cory Monteith) während ihres Duetts habe die Chancen des Chors zunichte gemacht. Am Ende sind sie natürlich alle - ganz lernfähige „Glee“-Teenies - doch noch glücklich mit ihrer Platzierung. Denn hey, immerhin haben sie es bis nach New York geschafft und dabei so viel über sich selbst gelernt!

New York ist übrigens die eigentliche Hauptdarstellerin in dieser Episode. Die Stadt muss nicht nur für den Glamour-Faktor herhalten, sondern auch für die eigentliche Handlung. Jetzt könnte man sich freuen, wie schön die Träume der Charaktere in New York zum Vorschein treten. Etwa Kurts (Chris Colfer) und Rachels 15 Minuten des Ruhms auf der Bühne des Musicals „Wicked“. Derselben Bühne, wo schon Glee-Gaststars Idina Menzel und Kristin Chenoweth denselben Song („For Good“) zum Besten gaben. Und wie dieser Song auf der Metaebene das Zusammenwachsen der Kids in dieser Staffel auf den Punkt bringt: „Because I knew you / I have been changed for good.

Es ist gar nicht mal so schlimm, dass es in mindestens der Hälfte der Episode gar nicht um die Nationals geht, auch wenn diese doch zwei Jahre lang das ausgemachte Ziel waren. Wenn denn wenigstens das Drumherum stimmig wäre. Doch letztlich überzeugt im Staffelfinale weder die schauspielerische Leistung der Darsteller - Cory Monteiths Blicke sind die eines Irren, nicht eines verliebten Teenagers - noch ihre Darbietung auf der Bühne. Auch die über Nacht zusammengeschusterten Songs kommen an „Loser Like Me“ und „Get it Right“ nicht annähernd heran. Ohne den „Superman of Kisses“ zwischen Rachel und Finn hätte ich das Ende des Duetts wohl verschlafen.

Noch einiges mehr ist erschreckend schlecht geschrieben an dieser Episode. Sollen wir zum Beispiel ernsthaft glauben, dass ausgerechnet Rachel Berry nicht weiß, dass „Cats“ nicht mehr am Broadway läuft? Oder Quinns Rumgezicke, das sie sogleich vergisst, als Santana und Brittany sie zu einer neuen Frisur überreden. Ein Zauberhaarschnitt! Am Ende begrüßt Quinn sogar überfreundlich Finn und Rachel, als sie als wiedervereintes Pärchen in den Chorraum kommen. Is' klar...

Die %26bdquo;Glee%26ldquo;-Kids in New York © FOX
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Immerhin gibt es auch ein paar schöne Momente in Nationals: Blaine (Darren Criss) sagt einem überraschten Kurt drei besondere Worte, und Mercedes (Amber Riley) bekommt mit Sam (Chord Overstreet) endlich einen Love Interest. Auch wie Puck (Mark Salling) Mr. Schuester umarmt, als der in einer spontanen Eingebung beschließt, nicht in New York zu bleiben - herrlich. Und dann erst Naya Riveras kleiner Ausbruch am Ende.

Und natürlich Brittany (Heather Morris) (inzwischen meine Lieblingsfigur in der Serie), die zusammenfassen darf, worum es in der zweiten Staffel von Glee ging: um Akzeptanz. Von Kurts Reise über Ashley Fink als toughe, hänselresistente Lauren Zizes bis zur Wandlung von Karofsky (Max Adler) und Santana zu den „Bully Whips“ - die Serie hat zweifelsohne Teenagern in Amerika (und hoffentlich darüber hinaus) einen Dienst geleistet. Dafür alleine gehört Glee verehrt, und das lässt auch das spannungsfreie, uninspirierte Finale (fast) vergessen.

Mein persönlicher Höhepunkt des Finales übrigens ist die Aussicht auf ein Spin-off: Rachel, Kurt und Blaine in New York. Bitte, bitte!

Verfasser: Carolin Neumann am Donnerstag, 26. Mai 2011
Episode
Staffel 2, Episode 22
(Glee 2x22)
Deutscher Titel der Episode
New York!
Titel der Episode im Original
New York
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 24. Mai 2011 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 9. Januar 2012
Autor
Brad Falchuk
Regisseur
Brad Falchuk

Schauspieler in der Episode Glee 2x22

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