Game of Thrones 3x10

Wedding Blues
Da hatte man den Schock der „Red Wedding“ in The Rains of Castamere so langsam verarbeitet, schon wird man im Staffelfinale von Game of Thrones, Mhysa, noch mal rücksichtslos ins Geschehen zurückgeworfen. Das grauenhafte Gemetzel, das dort vor sich geht, ist aber noch harmlos im Vergleich zur nächsten emotionalen Backpfeife. Robbs lebloser Körper mit Grey Winds Kopf auf den Schultern ist sicherlich ein Anblick, den niemand so schnell wieder vergessen wird.
Obwohl sich Bran (Isaac Hempstead-Wright) sowohl geografisch als auch handlungsmäßig ganz woanders befindet, leitet die erste Sequenz mit ihm ein, was sich durch den Rest der Episode zieht. Nahtlose Übergänge und übergreifende Erzählebenen sind Mittel, von denen bereits mehrfach Gebrauch gemacht wurde, beispielsweise in The Climb. In Mhysa sind diese jedoch so rund, dass sich die Geschichte mehr denn je wie eine einzelne anfühlt.
Die gruselige Geschichte über den rat cook ist eine nette Szene, die die Atmosphäre, in der Bran und Co sich befinden, schön unterstreicht. Hauptsächlich erläutert sie aber sehr elegant das Prinzip des sogenannten guest right etwas näher. „That's something the gods can't forgive“, heißt es von der Untat, Gäste unter dem eigenen Dach zu töten. Dies war während der Ereignisse der Hochzeit etwas unter den Tisch gefallen, schlägt nun aber einen schönen Bogen und vermittelt das Gefühl, dass dort noch etwas folgen muss.
Die Nachwehen der entsetzlichen „Red Wedding“ scheinen wie ein schmerzhafter Kater am Morgen danach. Als wäre die höhnische Behandlung des gefallenen king in the North nicht schlimm genug für die trauernden Zuschauer, wird man zudem noch mit der unverhohlenen Schadenfreude der Strippenzieher konfrontiert. Walder Frey (David Bradley) und Roose Bolton (Michael McElhatton) sind dabei so widerlich, dass es einen schüttelt. Allerdings ist diese Szene vor allem eine Quelle interessanter Informationen. Zum einen bestätigt sie, dass die Freys tatsächlich mit den Lannisters unter einer Decke stecken. Dies war zuvor nur durch Boltons Abschiedworte zu Robb angedeutet worden.
Zum anderen lüftet sie endlich das Geheimnis um Theons mysteriösen Folterer (Iwan Rheon). Dies ist durchaus geschickt gelöst, denn obwohl der Zuschauer nun erleuchtet ist, weiß Theon (Alfie Allen) selbst immer noch nicht, wer ihn da malträtiert. Boltons Bastard Ramsay Snow schwingt sich anlässlich seiner Enthüllung noch einmal zu Höchstleistungen auf. Obwohl - oder vielleicht gerade weil - die Szene mit dem Würstchen so unfassbar gemein ist, ist sie eine der lustigsten Stellen der ganzen Staffel. Dazu trägt zum großen Teil Rheons fantastische Mimik bei, die auch nach einer ganzen Staffel voller Grausamkeiten nicht langweilig werden will. Seine Darstellung ist immer wieder eine wahre Freude.
Herrlich anzusehen ist auch die weitere Entwicklung von Arya (Maisie Williams). Ihre Reaktion auf den Schrecken, den sie an den Twins mit ansehen musste, steht in Einklang mit dem Weg, auf dem ihr Charakter wandelt. Denn statt in Verzweiflung stürzt sie sich in eiskalte Berechnung, mit der sie hinterlistig einen Mann absticht. Im Vergleich zur zuvor übermütigen Arya, die so von sich und ihren ehrlichen Schwertkünsten überzeugt war, zeigt sich nun eine Killerin, die nicht länger auf Ehre oder Fairness bedacht ist. Eine nicht unwesentliche symbolische Rolle spielt hier die alte braavosi Münze, die Arya von Jaqen H'ghar erhielt, denn genau diesem scheint die junge Stark immer ähnlicher zu werden.
Ihre Wandlung scheint sie auch dem Hound (Rory McCann) näherzubringen. Denn angesichts ihrer unüberlegten Aktion lässt sich dieser weder Überraschung noch Missbilligung anmerken. Stattdessen eilt er ihr ohne Frage zur Hilfe und hat lediglich zu beanstanden, dass sie ihn nicht eingeweiht hat. Hier bildet sich ein ungleiches Team, das nicht länger aus einem Gefangenen und einem Wächter besteht, sondern eher aus Ebenbürtigen.
We Are Family
Mit der Rückkehr nach King's Landing kehrt die Handlung auch zur wohl gestörtesten Familie von Westeros zurück: den Lannisters. Die Ladung an tief sitzenden Konflikten kommt geballt und im Zentrum der ganzen Anspannung sitzt Tyrion (Peter Dinklage). Zwischen ihm und Sansa (Sophie Turner) scheint es zunächst wesentlich besser zu laufen, als es bisher den Anschein hatte. Zumindest bis die Nachricht von der „Red Wedding“ jeden Fortschritt zwischen den beiden wieder zunichtemacht.
Mit Sansa hat Tyrion jedoch noch das geringste Problem, denn die Konfrontationen mit Tywin (Charles Dance) und Joffrey (Jack Gleeson) werden nicht nur immer häufiger, sondern auch immer heftiger. Die Situation scheint sich an gleich zwei Fronten zuzuspitzen, so dass man kaum weiß, vor welcher Eskalation man sich am meisten fürchten sollte. Denn während Joffrey in seinem Wahnsinn die offensichtliche Bedrohung zu sein scheint, ist auch der jahrelange Groll zwischen Tyrion und seinem Vater nicht zu unterschätzen. Anzumerken ist an dieser Stelle wieder einmal, dass Charles Dance für die Rolle geboren zu sein scheint. Kalter Hass und unter der Fassade brodelnde Wut stehen ihm ausgesprochen gut und machen ihn immer wieder zu einem der absoluten Lichtblicke jeder Episode.
Cerseis (Lena Headey) Verhältnis zu ihrem kleinen Bruder ist ebenfalls keineswegs freundlich zu nennen, doch immer mehr scheint für die Königin die Einsicht zu kommen, dass sie mit ihm in einem Boot sitzt und ihre Macht eingebüßt hat. Beweis dafür ist ihre Äußerung, ohne ihre Kinder hätte sie sich längst aus dem Fenster geworfen. Wenn man noch die Anspannung zwischen Joffrey und Tywin sowie Shaes (Sibel Kekilli) Weigerung, die Hauptstadt zu verlassen, dazu nimmt, ist King's Landing kaum mehr als eine tickende Bombe, die nur darauf wartet, an irgendeiner Stelle zu explodieren.
Eine Explosion hätte auch die Rückkehr von Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) auslösen können, doch stattdessen ist diese so wunderbar unspektakulär, dass der Fall der Figur nur noch ein weiteres Mal unterstrichen wird. Denn dass vom alten Kingslayer kaum noch etwas übrig ist, zeigt sich allein daran, dass ihn in der Heimat niemand zu erkennen scheint. Ein letzter Rest seiner alten Selbst manifestiert sich dadurch, dass ihn seine Schritte dennoch als Erstes zu seiner Schwester führen. Doch vor dieser steht ein veränderter Bruder und ihre Reaktion ist mehr von Schock als von Wiedersehensfreude geprägt. Um es interessant zu halten, bekommt der Zuschauer davon jedoch kaum etwas zu sehen. Dies ist zwar der Abschluss der Handlung um Jaimes Rückkehr nach Hause, jedoch auch der Beginn neuer Konflikte, die sich in den wenigen, beinahe vollkommen stillen Sekunden dieser Sequenz ankündigen, aber offengelassen werden.
Familienprobleme herrschen derweil auch auf Dragonstone, wo Gendry (Joe Dempsie) noch immer von Stannis (Stephen Dillane) gefangen gehalten wird. Davos (Liam Cunningham) stellt sich nun wieder als der moralische Kompass seines Königs heraus. Obwohl er gerade erst selbst aus dem Kerker entkommen ist, zögert er nämlich keine Sekunde lang, um dem unschuldigen Gendry zur Flucht zu verhelfen. Dass es Melisandre (Carice van Houten) ist, die schließlich seinen Tod verhindert, ebnet bereits den Weg für eine interessante Dynamik in der Zukunft. Ebenso ungewiss bleibt das weitere Vorgehen des Königs, womit ein weiterer kleiner Cliffhanger eingearbeitet wurde.
Of Ice and Fire
Ein ähnlich offenes Ende, das zugleich ein Anfang ist, erhält die Storyline um Jon. Während es zunächst so schien, als würde ein „Abschied“ zwischen Jon (Kit Harington) und Ygritte (Rose Leslie) ausgelassen, wird er in dieser Episode nachgereicht. Leslie war im gesamten Handlungsstrang bisher diejenige, die die Szenen sowohl mit besserem Text als auch mit bemerkenswerterer Darstellung dominieren konnte. Zum Abschluss bekommt Harington jedoch eine der leider viel zu seltenen Gelegenheiten, ebenfalls zu glänzen. Die emotionale Szene ist der perfekte Höhepunkt dieser Beziehung, die die Zuschauer über zwei Staffeln haben wachsen sehen. Die Liebe zwischen den beiden steht wohl außer Frage, doch diese ist nicht der Fokus der Handlung. Die Entscheidungen der beiden, ihren jeweiligen Fraktionen trotzdem treu zu bleiben, passt jedoch viel besser zum Ton der Geschichte, in der Liebe niemals überromantisiert wird.
Seine Geschichte in dieser Staffel kommt zum Abschluss, als er endlich zurück zur night's watch findet, doch damit startet erst die nächste Etappe. Denn die Wildlings und white walkers sind noch immer auf dem Vormarsch und seine Verletzungen sind ernst. Für den Zuschauer also genug, worum man in der Pause bangen kann.
Daenerys (Emilia Clarke) gebührt in dieser Staffel, wie auch bereits in der ersten, wieder die letzte Sequenz. In dieser sorgt die mother of dragons zum zweiten Mal im Verlauf der aktuellen Season für absolute Gänsehaut. Clarke besticht wieder einmal durch eindrucksvolles Vortragen von Text in High Valyrian und zeigt sich gegen Ende seit langem wieder nicht nur als bad ass, sondern auch als junge Frau.
Wie die Sklaven aus Yunkai nach ihrer mhysa rufen erinnert an die Anbetung einer Prophetin und macht auch ebenso viel Eindruck. Gegen Ende wirkte die Menschenmenge von oben zwar absolut unecht, allerdings ändert dies nichts an der absolut großartigen Atmosphäre, die in dieser Szene herrscht. Sobald die Musik einsetzt und damit die zahlreichen Rufe unterstrichen werden, ist man gefangen in dem Gefühl, das die letzten Szenen bei Game of Thrones ausmacht.
Fazit
Mit Mhysa kommt die spektakuläre Staffel zum Ende und bietet eine absolut runde Episode, in der viele übergreifende Erzählstränge zum Abschluss geführt werden, aber dennoch andeuten, dass die Geschichte noch längst nicht vorbei ist. Viele überschneiden sich dabei so stark, dass eine Unterteilung in kleine separate Handlungsstränge kaum noch möglich ist.
Emotional dominieren die Nachwehen der „Red Wedding“ und der Auseinandersetzung zwischen Jon und Ygritte, die aber auch eigenständig stehen und als gute Szenen die Entwicklung wesentlich vorantreiben. Der war of the five kings hat einen weiteren Mitspieler verloren und scheint sich nun zu den Problemen zurückzukehren, die innerhalb der Parteien selbst herrschen. Dadurch öffnen sich einige Tore zu Geschehnissen, mit denen in der vierten Staffel zu rechnen ist, deren Dreharbeiten bald beginnen. Ein absolut befriedigender Abschluss, der zumindest ein wenig darüber hinwegtrösten kann, dass man nun wieder ein Jahr auf die neuen Folgen warten muss.
Verfasser: Riema Al-Khatib am Montag, 10. Juni 2013(Game of Thrones 3x10)
Schauspieler in der Episode Game of Thrones 3x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?