Game of Thrones 4x01

Game of Thrones 4x01

Game of Thrones ist zurück! Wie den Showrunnern David Benioff und D. B. Weiss der Einstieg in die neue Staffel des Fantasy-Epos gelungen ist, erfahrt Ihr in unserer aktuellen Review zur Episode Two Swords.

Trotz Thron nicht gerade der beliebteste Mann in Westeros - Jack Gleeson als Joffrey / (c) HBO
Trotz Thron nicht gerade der beliebteste Mann in Westeros - Jack Gleeson als Joffrey / (c) HBO

Knapp zehn Monate sind vergangen, seit die Serienjunkies das letzte Mal in George R. R. Martins Welt von Westeros eintauchen konnten. Nun kehrt Game of Thrones mit seiner bereits vierten Staffel zurück, um sich weiterhin als das HBO-Flagschiff zu präsentieren, zu dem sich das Fantasy-Epos in den letzten Jahren gemausert hat. Doch gerade der Wiedereinstieg in eine solch komplexe Serie kann nach einer langen Pause leicht holprig werden. Die beiden Showrunner David Benioff und D. B. Weiss zeigen sich allerdings leichtfüßig wie ein Syrio Forel und umgehen mit dem Staffelauftakt beinahe alle narrativen wie inszenatorischen Stolperfallen.

Ein neues Familienerbstück

Frei nach dem Motto „Bilder sagen mehr als tausend Worte“ konfrontiert uns die Episode gleich zu Beginn in einer stummen, aber umso stimmungsvolleren Sequenz mit den titelgebenden Schwertern. Es ist Eddard Starks Breitschwert Ice, geschmiedet aus dem legendären valyrischen Stahl, welches hier eingeschmolzen und zu gleich zwei neuen Waffen verarbeitet wird. Eine Szene, unterlegt mit dem bekannten Lannister-Thema „The Rains of Castamere“ und geprägt von den nicht unbedingt glücklichen, aber doch zufriedenen Blicken Tywin Lannisters (Charles Dance).

Während die Flammen langsam die massive Klinge verschlingen, wie sie es einst ebenfalls mit Winterfell taten, scheint also in Westeros endgültig eine Wachablösung stattgefunden zu haben. Es sind Bilder, die wunderbar Tywins Gefühlslage beschreiben, der sich nach der Krönung seines Neffens, dem Ende der Starks und der Rückkehr seines Sohnes offenbar so gut wie am Ziel sieht. Dass der Patriarch allerdings nicht zu früh seine Deckung vernachlässigen sollte, wird in den folgenden Sequenzen schnell deutlich.

Die Leiden des Jamie L.

Denn auch wenn Tywin es selbst nicht einsehen will, holt Two Swords zumindest den Zuschauer schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Der Krieg mag für die Lannisters vorerst gewonnen sein, den Familienkern der reichen Sippe trieb er allerdings nur weiter auseinander. Insbesondere Jamie Lannister (Nikolaj Coster-Waldau) sucht nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft weiter nach seiner Identität. Nachdem er seinem Vater eine harsche Abfuhr erteilt und diesem klar macht, auch in Zukunft nicht dessen Rolle als Herrscher von Casterly Rock einzunehmen, wird ihm seine Familienzugehörigkeit mit nur einem trockenen und wunderbar zweideutigen Satz indirekt aberkannt: „A one handed man with no family needs all the help he can get.

Insbesondere mit der Konversation zwischen Tywin und Jamie in der Episode You Win or You Die im Hinterkopf machen Benioff und Weiss hier wunderbar deutlich, wie sich die Dynamik zwischen Vater und Sohn verändert hat. Jamie ist längst nicht mehr bereit, sein Leben für die Ehre der Familie Lannister lenken zu lassen. Denn dieser Weg hat ihm bislang bloß seinen mehr als zweifelhaften Ruf eingebracht, den er allerdings nicht weiter freiwillig mit sich herumtragen möchte.

Während Jamie aus dieser ersten Konversation noch mit einem leichten Grinsen fliehen kann, steht ihm nach dem folgenden Gespräch mit Schwester und Liebhaberin Cersei der Schock ins Gesicht geschrieben. Cersei schiebt ihre mentale - und alkoholgetränkte - Instabilität auf Jamies Abwesenheit. Und plötzlich bricht für den einhändigen Kriegsheimkehrer auch jene unzerstörbar geglaubte Stütze weg. Eine Szene, die sowohl Nikolaj Coster-Waldau als auch Lena Headey durch ihr ausdrucksstarkes Minenspiel zu tragen wissen.

Als wäre all dies noch nicht genug, sieht sich der Anführer der Kingsguard schließlich noch seinem undankbaren König und Sohn/Neffen (Jack Gleeson) gegenübergestellt. Der versüßt sich den Tag in bester Joffrey-Manier damit, seinem „Onkel“ seine angeblichen Fehler beziehungsweise nicht vorhandenen Heldentaten vorzuwerfen. Und auch wenn Jamie Brienne of Tarth (Gwendoline Christie) Züge seiner Familienmitglieder vorwirft, so scheint er doch letztendlich in der stämmigen Kriegerin eine letzte Verbündete zu finden. So oder so sieht es nach der aktuellen Episode Two Swords danach aus, also könnte die Storyline Jamies eine der interessantesten der aktuellen Staffel werden.

Gefährliche Hochzeitsgäste

Game of Thrones wäre nicht die Serie, die sie ist, wenn nicht auch gleich zu Beginn der neuen Staffel die ein oder andere neue Figur eingeführt werden würde. So fällt es Tyrion (Peter Dinklage), seinem Leibwächter Bronn (Jerome Flynn) und Knappe Podrick (Daniel Portman) zu, vor den Straßen der Stadt den Prinzen des südlichen Reichs Dorne, Doran Martell, in Empfang zu nehmen. Der ist allerdings unpässlich und hat seinen jüngeren Bruder und bekannten Krieger Oberyn (Pedro Pascal) geschickt - ganz zum Missmut von Tyrion. Denn zwischen den Lannisters und den Martells herrscht böses Blut, seit Oberyns Schwester, Enkel und Nichten einst offenbar auf den Befehl von Tywin hin brutal durch Gregor Clagane ermordet wurden.

Die Showrunner inszenieren die Exposition rund um die Einführung des Hauses Martell, seiner Geschichte und seiner Mitglieder mit den drei gewohnten Mitteln, deren oft perfekte Mischung die Serie Game of Thrones so auszeichnen: Humor, Sex und Gewalt. Während sich Dinklage und Flynn mit humoristischem Timing die Bälle zuspielen und für einige Lacher sorgen („Some accomplished diplomacy, that was!“), dürfen sich Pedro Pascal und seine noch unbekannte Gespielin (Indira Varma) über eine Vorstellung in bester (S-)Expositon à la „Game of Thrones“ freuen. Eine Szene, die zumindest noch die eher freizügige Einstellung der Dornish verdeutlicht und damit dem Vorwurf entgeht, der reinen Fleischbeschau zu dienen. Letztendlich darf sich Oberyn noch durch die Malträtierung einiger Lannisters beim Publikum beliebt machen.

Tyrion und die Frauen

Die schwächsten Sequenzen der Episode drehen sich diesmal leider um die Liebesprobleme des Tyrion Lannister. Seine Begegnungen mit einer immer noch am Boden zerstörten Sansa (Sophie Turner) präsentieren uns nichts wirklich Neues. Wir wissen um Tyrions Aufrichtigkeit gegenüber seiner jungen Frau, die er nicht noch stärker zu traumatisieren plant und die nun ihrerseits durch Ser Dontos (Tony Way) zumindest so etwas wie einen Plan B haben könnte. Und auch die Begegnung zwischen Tyrion und Shae (Sibel Kekilli) dürfte dem Zuschauer mehr als bekannt vorgekommen sein. Ein wenig ist den Autoren hier aus der Hand geglitten, dass Tyrion und Shae einst tatsächlich eine enge Verbindung hatten, die der Zuschauer auch spüren konnte. Man denke an ihre wunderbare erste Begegnung in Baelor, die sich vielmehr durch eine menschliche Verbindung als eine rein körperliche Anziehungskraft auszeichnete. In den letzten Folgen war diese Verbindung aber nur selten greifbar.

Von Drachen, Kannibalen und verliebten Wildlings

Außerhalb von Kings Landing besuchen wir in Two Swords zunächst drei Parteien, wobei die Showrunner erneut zeigen, wie man auch mit wenig Spielzeit einen wunderbaren Einstieg in eine neue Staffel konstruiert. Im Falle von Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) wissen Benioff und Weiss, wie man die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich zieht: mit drei verdammt großen Drachen! Und nicht nur sind die einstigen Kerzenanzünder mittlerweile zu stattlichen Kreaturen herangewachsen, sie sind auch noch verdammt gut animiert. Was Computereffekte angeht, die sich nahtlos in die gezeigte Welt einfügen, wird Game of Thrones wohl auch mit dieser vierten Staffel neue Maßstäbe im TV-Bereich setzen.

Narrativ bewegen wir uns mit Dany und ihrer durch eine Kamerafahrt eindrucksvoll dargestellten Armee, die sich auf dem Weg in die Sklavenstadt Meeren befindet, zwar wieder einmal kaum von der Stelle. Dies könnte allerdings auch daran liegen, dass man den Zuschauer an den Anblick des neuen Daario Naharis gewöhnen möchte. Schauspieler Ed Skrein wurde für diese Staffel von Darsteller Michiel Huisman (Treme) abgelöst. Und auch wenn Huisman seine Rolle als vorlauter Schwertkämpfer mit einer Schwäche für schöne Frauen auf Anhieb überzeugend einnimmt, wäre es doch interessant gewesen, zu sehen, was Skrein noch aus der Figur hätte rausholen können. Fest steht: Trotz kühler Erscheinung scheint die blonde Khaleesi eine Schwäche für den einstigen Söldner zu haben.

Im Norden bereiten sich unterdessen Ygritte (Rose Leslie) und Tormund (Kristofer Hivju) auf den Angriff auf Castle Black vor und bekommen dabei Unterstützung der besonders gruseligen Art. Mit den Thenn überzeugen die Macher von Game of Thrones wieder einmal mit einem spannenden Kostümdesign und stellen die Kannibalen als steinharte Über-Krieger mit einer unbändigen Lust auf Menschenfleisch dar. Unterdessen muss sich Jon Snow (Kit Harington) den Fragen seiner Vorgesetzten bei der Night Watch stellen. Fragen, die er laut Tormunds Vorwürfen nur beantworten kann, da Ygritte ihren ehemaligen Liebhaber bewusst hat laufen lassen. Zum Glück besitzt Aemon Targaryen, immer noch wunderbar gespielt vom 90-jährigen Peter Vaughan, ebenso eine Schwäche für den Bastard von Winterfell.

To-Do-Liste abarbeiten

Den perfekten Schlussst(r)ich der ersten Episode der vierten Staffel setzen Weiss und Benioff schließlich mit einer großartigen Sequenz um Arya (Maisie Williams) und deren „Begleiter“ The Hound (Rory McCann). Letzterer hofft immer noch auf sein Lösegeld für das adelige Mädchen, während Arya weiterhin zielstrebig sich und andere in gefährliche, für den Zuschauer dafür aber umso aufregendere Situationen bringt.

Endlich bekommt Arya die Möglichkeit, mit dem schleimigen Polliver die erste Person von ihrer ominösen Todesliste zu streichen. Rory McCann überzeugt in seiner Darstellung des schlechtgelaunten Kämpfers unterdessen nicht mehr nur durch seine Körperlichkeit, sondern verleiht seiner Figur längst auch eine subtile Sympathie. Denn eins ist klar: Niemand in Westeros flucht schöner als Sandor Clagane.

Fazit

Es ist schon beinahe unheimlich, mit welcher Souveränität die beiden Showrunner es verstehen, die Zügel bei einer solch komplexen Serie wie Game of Thrones derart fest in der Hand zu halten. Der Staffelauftakt Two Swords überzeugt durch stimmungsvolle Bilder, ein hervorragendes Tempo und der fast perfekten Mischung aus Exposition, Charakterentwicklung und der gewissen Prise Humor, Spannung und Action.

So ist nach bereits wenigen Minuten die vergangene Wartezeit vergessen und die Freude auf neun weitere Episoden voller Intrigen, Kampf, Tod und Verderben ein weiteres Mal geschürt. Martin, Benioff und Weiss, wir lassen uns einfach gerne von euch quälen!

Verfasser: Thomas Zimmer am Montag, 7. April 2014

Game of Thrones 4x01 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 1
(Game of Thrones 4x01)
Deutscher Titel der Episode
Zwei Schwerter
Titel der Episode im Original
Two Swords
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 6. April 2014 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 2. Juni 2014
Regisseure
D.B. Weiss, David Benioff

Schauspieler in der Episode Game of Thrones 4x01

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