Fringe 5x12

Ist alles verloren? Nachdem der mysteriöse Junge und designierte Erretter der Welt, Michael (Rowan Longworth), sich von selbst in die Hände der Observer begeben hat, scheint jede Chance auf einen Sieg vertan. In Liberty - dem ersten Teil des Fringe-Finales - kämpfen unsere Helden darum, die Hoffnung auf die Freiheit am Leben zu erhalten.
Eigentlich kann man die wesentliche Handlung dieser Episode in einem Satz zusammenfassen: Unsere Helden holen sich Michael zurück. Was sonst noch passiert - Olivias (Anna Torv) Besuch auf der anderen Seite, Donalds (Michael Cerveris) Arbeit an der Maschine, die Enttarnung von Phillip Broyles (Lance Reddick) - dient dazu, den Fans eine Freude zu machen, alles für das Finale in Stellung zu bringen und ein paar lose Enden zu verknüpfen. Es ist damit weniger das „Was“, das in Liberty im Vordergrund steht, sondern das „Wie“. Und das ist exzellent gelungen.
Es ist nicht Fringe, bis jemand Olivia Cortexiphan ins Gehirn spritzt
Nehmen wir die Sache mit dem Cortexiphan. Zu den vielen erzählerischen Problemen von Staffel vier gehörte die Neigung der Autoren, jedes Hindernis in der Handlung durch immer neue Superkräfte von Olivia (Anna Torv) zu überwinden. In Staffel fünf blieben sie bislang clean. Man könnte meckern, dass es Walter Bishop (John Noble) ausgerechnet jetzt einfällt, dass er noch beutelweise Cortexiphan im Keller gelagert hat (hält sich übrigens 127 Jahre, lang genug für jedes Remake). Schließlich gab es Momente in den vergangenen Wochen, in denen allein ihr Strom-Zauber der Rebellion viel bedeutet hätte. Könnte vielleicht sogar Etta (Georgina Haig) noch leben, wenn Mutti wieder Superwoman gewesen wäre?
Aber was die Autoren mit diesen vier Dosen machen, ist gut. Wer Bolivia schon immer für die bessere Olivia hielt, wird sich mit dem lustigsten Spruch der Folge - „You can stop checking out my young ass“ - bestätigt fühlen. Wir erfahren, dass sie und Lincoln Lee (Seth Gabel) ihr Glück gefunden haben und dass Walternate noch im hohen Alter in Harvard unterrichtet, eine Art Frieden, auf den unser Walter wohl wird verzichten müssen. Und in der kurzen Zeit finden wir noch, wie in alten Zeiten, einen Witz über die Parallelwelt, wo Chelsea Clinton, Tochter von Ex-US-Präsident Bill Clinton und Noch-Außenministerin Hillary Clinton, bei Umfragen zur Präsidentenwahl vorne liegt. Der end run durch das andere Universum mag zwar kurz sein, aber er ist ein großer Spaß.
Die Freiheit, die wir meinen
Der Fachbegriff aus dem American Football für einen Lauf um die gegnerische Verteidigung herum, ist nicht die einzige Stelle, die den Übersetzern Kopfschmerzen bereiten wird. Der Titel Liberty ist gleichbedeutend mit Freiheit, Liberty Island und gleich auch noch der zerstörten Statue von Lady Liberty (Isn't she beautiful, schwärmt Walter (John Noble) in einer Szene, die jedem Amerikaner das Herz erwärmen wird.) Die Brutalität der Observer wird mit der Anweisung disassemble it ausgedrückt, ein Verb, das im Englischen Maschinen und Geräten vorbehalten ist.

Der zweite Schwerpunkt der Folge liegt auf Captain Windmark (Michael Kopsa), der zum Ende der Serie eine immer größere Rolle spielt. In seinem Gespräch mit dem Commander (James Kidnie) wird klar, dass er der Ober-Fiesling unter den Fiesen ist: Während der Chef sich Gedanken macht, ob man die erstaunlichen Fähigkeiten von Michael (Rowan Longworth) irgendwie für die eigene Weiterentwicklung nutzen kann, will Windmark den Jungen einfach nur beseitigen. Wir können jetzt schon sagen, dass der weitere Verlauf ihm Recht geben dürfte: Wie in The Boy Must Live besprochen, wäre es aus seiner Sicht besser gewesen, Michael direkt auf dem Bahnsteig eine Kugel in den Kopf zu jagen. Für einen Haufen Leute ohne Emotionen zeigen die Observer erstaunlich viel Neugierde.
Send him to the Congo
Das ist nicht das einzige, was hier bei genauem Hinsehen nicht ganz passt. Eigentlich müssten die Observer von der Existenz der Parallelwelt wissen, weswegen es ziemlich dämlich ist, den Jungen ausgerechnet auf Liberty Island festzuhalten. Dass die Männer mit den Hüten problemlos zwischen den Welten springen können, wäre auch eine längere Analyse wert, denn offenbar ist das mit der richtigen Technologie alles kein Problem. Hier hätten wir dann einen Ansatz für eine sechste Staffel, wenn auch leider nicht in dieser, unserer Welt.
Das größte Lob verdienen die Macher von Fringe dieses Mal allerdings für die Dinge, die sie gerade nicht gemacht haben. Als Donald (Michael Cerveris) die Maschine aufbaut, steht zwar jede Menge Laborzeugs herum, aber auf irgendwelche grandiosen Licht- und Lärm-Effekte wird verzichtet. Er baut halt eine Maschine. Michaels Rettung ist zwar spannend gemacht und optisch eindrucksvoll, aber die Autoren versuchen nicht, eine künstliche Spannung aufzubauen mit der Uhr, die nur noch Sekunden übrig hat, oder einer Olivia, die gerade noch zum Touchdown kriechen kann. Von der Adrenalinspritze wird geredet, aber sie wird nicht eingesetzt. Der Zuschauer weiß, dass Michael gerettet und Olivia zurückkommen wird, und die Autoren zollen dem Respekt. Einer der schönsten Dinge an Fringe war immer, dass man als Zuschauer nicht wie ein Idiot behandelt wurde, und das behalten die Macher bis zum Ende bei.
Fazit
Es ist klar, dass viele Fragen für den zweiten Teil des Finales bleiben müssen. Warum genau hat Windmark (Michael Kopsa) Nasenbluten? Weil Michael es bewusst ausgelöst hat oder weil seine eigenen telepathischen Fähigkeiten blockiert werden? Warum versagt die Maschine und was will Donald (Michael Cerveris) von seinem alten Boss? Welches vermutlich grausame Schicksal steht Phillip Broyles (Lance Reddick) bevor? Die Antworten, so zeigt uns die letzte Einstellung, liegen hinter der Tür mit der Nummer 513 - die 13. Folge der fünften Staffel, die letzte von Fringe überhaupt.
Bis dahin sagen wir schon mal: Adieu, Bolivia. Wir werden dich vermissen.
Verfasser: Bernd Michael Krannich am Montag, 21. Januar 2013(Fringe 5x12)
Schauspieler in der Episode Fringe 5x12
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