Fringe 5x13

Fringe 5x13

Die Sci-Fi-Serie Fringe verabschiedet sich mit einer tiefen Verbeugung vor dem Zuschauer - aber nicht ohne vorher noch jede Menge Action aufzulegen. Ein Gastreview von sw2012.

Peter (Joshua Jackson) und Olivia (Anna Torv) in „Fringe“ / (c) Fox
Peter (Joshua Jackson) und Olivia (Anna Torv) in „Fringe“ / (c) Fox

Das Problem mit Zeitmaschinen ist bekanntlich, dass - sozusagen - in letzter Minute immer irgendwas schief geht. Jetzt haben unsere Helden bei Fringe zwar in einer gewagten Aktion den kleinen Jungen Michael (Rowan Longworth) von den Observern befreit, aber dummerweise gibt es ein Hardware-Problem, das brutal-riskante Improvisationen notwendig macht. Der Druck steigt: Nach der Enttarnung von Phillip Broyles (Lance Reddick) ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Rebellion am Ende ist. In An Enemy of Fate, der letzten Folge der Staffel und der Serie, ist zunächst weder klar, ob es wirklich ein Happy End wird und wenn ja, wie das noch erreicht werden soll.

Let's (not) do the Time Warp again

Wir klammern gleich am Anfang etwas aus diesem Review aus: Die Logik der Zeitsprünge. Die Autoren von Fringe haben offenbar beschlossen, eine klare Auseinandersetzung mit Paradoxien und ähnlichen Fragen zugunsten des Erzählerischen zu opfern. Zumindest bleibt am Ende dieser Folge jede Menge Platz für Spekulationen: Wenn es die Observer so nie gegeben hat, dann müssten auch die Fringe-Events ausgefallen sein. Wie viel von der uns bekannten Geschichte hat es dann überhaupt gegeben? Haben sich die Universen jemals kennengelernt? Wie haben sich überhaupt Peter (Joshua Jackson) und Olivia (Anna Torv) getroffen? Ist Walter (John Noble) jetzt ganz weg? Halten wir es wie Peter in der letzten Einstellung und machen uns klar, dass etwas passiert ist, wir aber wohl nie genau wissen werden, was es war.

Schauen wir uns stattdessen an, was An Enemy of Fate am stärksten prägt, nämlich Respekt - einmal gegenüber dem Zuschauer, der bis zum Schluss dabei geblieben ist, und zum anderen gegenüber den Figuren, die wir durch verschiedene Universen und Zeitlinien in all ihren Varianten wohl besser kennengelernt haben als in jeder anderen Serie. Beide Formen des Respekts waren immer auch Kennzeichen der Gesamtserie, und so ist es überaus befriedigend zu sehen, dass die Autoren auch am Ende nicht auf riesige Explosionen, einen Horror-Endgegner oder den plötzlichen Tod einer Hauptfigur setzen. Fringe bleibt sich bis zum Schluss treu.

Warum Windmark stärker ist als Vader

Am überraschendsten ist, welchen Figuren der Respekt entgegengebracht wird. Dass Peter und Walter sich nochmal verabschieden, war zu erwarten. Broyles (Lance Reddick) tritt als Held von der Bühne - zwar wird er gefangengenommen und kann nicht verhindern, dass Captain Windmark (Michael Kopsa) von dem Labor erfährt. Aber er hält so lange im Verhör durch, dass diese Information für die Observer wertlos wird. Auch Walter (John Noble) und Astrid (Jasika Nicole) finden einen Abschluss. Endlich sagt er ihren Namen richtig, mehr noch, sein „It's a beautiful name“ ist ein Eingeständnis, wie viel sie ihm bedeutet hat. Selbst die Kuh Gene kommt zu ihrem Recht. Wurde auch Zeit.

Unerwartet ist dagegen, wie mit Windmark umgegangen wird. Ja, er ist richtig böse, wie wir in Liberty schon gelernt haben. Ja, er fühlt als einzige Emotion Hass und lässt sie am Ende aus sich heraus. Aber die Autoren haben es vermieden, die vorhersehbare „Star Wars“-Variante zu wählen, in der seine Gefühle ihn so menschlich machen, dass sie ihn schwächen oder dass er plötzlich seine Ziele infrage stellt. Windmark bleibt bis zum Ende eine starke, gefährlich entschlossene Figur, die klar und unerbittlich ihren Weg geht und - um im Bild zu bleiben - dem Imperium mit aller Konsequenz dient. Auch das ist eine Form von Respekt.

Once more with the voice of Buddha

Das heißt nicht, dass jede Figur ihre Würde behält, sondern nur, dass sie sich treu bleiben. Der Leiter der ursprünglichen zwölf Observer, December (Eugene Lipinski), war ein Feigling, weil er mit seinen Kollegen zusammen seine Emotionen verheimlichte. Jetzt bleibt er ein Feigling, der Donald (Michael Cerveris) nicht nur die Hilfe verweigert, sondern auch lieber Selbstmord begeht, statt Stellung zu beziehen.

(December hätte als vollwertiger Observer mit funktionierendem Power-Chip übrigens jederzeit Michael (Rowan Longworth) mit in die Zukunft nehmen können, was das ganze Herumgerenne für die Zeitmaschine überflüssig gemacht hätte. Wir erfahren leider nicht, warum Donald und Walter diesen Ansatz verworfen haben.)

Michael bleibt bis zum Ende die große Unbekannte, die absolut niemand versteht. Warum das Balg aus dem Zug gestiegen ist, werden wir so wenig erfahren wie sein Vater Donald, der auch nur spekulieren kann, dass es wichtig gewesen ist: „Apparently, there was a reason“ ist eine ziemlich lahme Begründung. Michael fordert Olivia (Anna Torv) ständig zum Schweigen auf und das Bild vom Schnee auf dem Fernseher fasziniert ihn mehr als alles andere. Am besten ist noch nachzuvollziehen, dass er beim Tod seines Vaters noch einmal „Greensleeves“ auf der Spieluhr abspielt. Ob Buddha, Kwisatz Haderach oder Neo ohne Haare, Michael bleibt ein Rätsel. Das ist ebenfalls eine Form von Respekt, vor dieser Figur wie vor dem Zuschauer.

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When this baby hits 88 miles per hour ...

Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch, dass An Enemy of Fate nicht einfach auf der Wiese endet, wo Klein-Etta mit den Pusteblumen spielt. Andere Serien hätten genau hier Schluss gemacht, ein klassischer visueller Rahmen. Aber Fringe geht einen Schritt weiter und lässt Peter (Joshua Jackson) von seinem Vater - auf welche Weise auch immer - aus der Zukunft die berühmte Zeichnung einer Tulpe erhalten, die seit White Tulip das Zeichen für Vergebung und Hoffnung ist. Dass wir ausgerechnet Peter und nicht Olivia in der letzten Einstellung sehen, sagt viel darüber aus, wie sehr es in der Serie inzwischen um die Beziehung zwischen Vater und Sohn geht. Noch in Staffel drei sah das große Thema anders aus.

Zur Nebensache gerät dabei die Zeitmaschine selbst, die Wunderwaffe also, deren Teile wir die ganze Staffel lang zusammengetragen haben. Donald (Michael Cerveris) hatte sie schon in Liberty eher nebenbei zusammengebaut. Jetzt funktioniert halt irgendwie der Zünder nicht, es gibt einige Minuten lang feinstes techno-babble, dass auch aus Star Trek: The Next Generation oder Eureka hätte stammen können. Dann findet man eine Lösung, schaltet sie schließlich an und es gibt einen Korridor. Alles unspektakulär. Die andere Maschine in Staffel vier hatte einen deutlich höheren Stellenwert.

... you're gonna see some serious shit

Mehr Zeit verbringen wir mit dem Angriff auf das Observer-Hauptquartier, um den Transport-Würfel zu klauen. Die ganze Aktion geht so reibungslos vor sich, dass sie am Ende nur eine Entschuldigung ist, sich anhand der verschiedenen Todesarten der Verteidiger an frühere Folgen zu erinnern (beste Einstellung: der blutige Abdruck einer Hand mit sechs Fingern an der Wand). Haben wir uns am Anfang dieser Staffel noch gewundert, mit welcher Gelassenheit unsere Helden ihren Gegnern grausame Tode zumuten, ist das inzwischen auch für den Zuschauer normal geworden. Die Verwandlung von Fringe in eine Art Kriegsserie ist abgeschlossen. Auch Walters Begründung für fliegende Leichen - „because it's cool“ - wirkt nicht mehr geschmacklos.

Nicht nur beim Sturmlauf gibt es viel zu sehen. Im Visuellen wie im übertragenen Sinn ist An Enemy of Fate eine schöne Episode. Wenn Walter davon spricht, wie er seine Zeit mit Peter (Joshua Jackson) nur gestohlen hatte, wenn Walter mit Donald (Michael Cerveris) darüber redet, dass es darum geht, sein Schicksal zu verändern - „It's about changing fate“ - wenn Donald über die Entdeckung der Liebe zu seinem Sohn berichtet, wenn Peter die Tulpe auspackt - das alles sind wunderbare Momente, die wunderbar gespielt werden und wunderbar zur Serie passen. Noch ein letztes Mal müssen wir festhalten, dass besonders John Noble nicht ansatzweise die Anerkennung erhält, die er verdient hätte.

Fazit

An Enemy of Fate ist ein würdiger Abschluss einer ganz besonderen Serie. Die Autoren haben zwar Fragen wie die Logik Zeitsprünge offen gelassen. Aber paradoxerweise sind es so große Fragen, dass sie nicht wirklich wichtig sind. Die Handlung wurde sauber heruntergefahren, die Figuren finden einen Abschluss und der poetischen Gerechtigkeit wurde mit dem Happy End für Peter und Olivia genüge getan. Wenn es irgendwas an dieser Folge auszusetzen gibt, dann nur, dass sie die letzte ist.

Verfasser: Bernd Michael Krannich am Montag, 21. Januar 2013
Episode
Staffel 5, Episode 13
(Fringe 5x13)
Deutscher Titel der Episode
Ein Feind des Schicksals
Titel der Episode im Original
An Enemy of Fate
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 18. Januar 2013 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 16. März 2013
Autor
J.H. Wyman
Regisseur
J.H. Wyman

Schauspieler in der Episode Fringe 5x13

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