Fringe 4x20

Fringe 4x20

Fringe bringt sich für das große Finale in Stellung - eine wahrhaft erschütternde Folge mit einem alten Bekannten und einem schmerzhaften Abschied. Das Serienjunkies-Review zur neuen Episode der US-Serie Fringe.

Das „Fringe“-Team aus dem Parallel-Universum mit Verteidigungsminister Walternate / (c) FOX
Das „Fringe“-Team aus dem Parallel-Universum mit Verteidigungsminister Walternate / (c) FOX

Wenn sich alle bitte wieder einkriegen könnten - ja, Fringe ist für eine weitere, wenn auch verkürzte Staffel verlängert worden - manchmal siegt eben das Gute, selbst bei FOX. Und ja, seit der vorherigen Folge Letters of Transit wollen wir alle wissen, wie der Krieg gegen die Observer weitergehen wird. Aber das liegt alles im wahrsten Sinne des Wortes in der Zukunft. Im Hier und Jetzt versucht immer noch ein mächtiger und gerissener Mann, die Welt(en) zu zerstören - und in Worlds Apart scheint ihn niemand aufhalten zu können.

Adieu, du kaffeelose Welt

Ehrlich, warum versehen wir unsere Reviews mit Spoilerwarnungen und versuchen, im Teaser die Handlung geheim zu halten, wenn die Autoren alles im Titel verraten? Worlds Apart zeigt halt wie die Welten wieder getrennt werden, genauso wie nach Everything In Its Right Place klar war, dass Lincoln Lee (Seth Gabel) auf der anderen Seite bleibt. Interessant war jetzt eher das Warum und das Wie und ob wir endlich mehr von der Bedrohung erfahren, die von David Robert Jones (Jared Harris) ausgehen soll.

Nicht wirklich, muss man sagen. Im Grunde ist bestätigt worden, was wir uns nach Welcome to Westfield zusammengereimt haben: Jones will - zumindest wenn wir Walter (John Noble) glauben - mit seiner Monsterbande an einen sicheren Ort flüchten, während um ihn herum ein neues Universum mit neuen physikalischen Gesetzen entsteht. Think very, very big, sagt man da wohl. Das Werkzeug dazu ist nicht, wie man uns hat vermuten lassen, Energie aus Amphilicite, sondern die Psi-Kräfte der Cortexiphan-Opfer. Wirklich überraschend ist auch das nicht: Acht von zehn Fringe-Drehbuchautoren schwören auf das Wundermedikament, um einen schnellen Handlungsbogen zu schlagen.

Damals, als Olivia die Stripperin küsste

Nick Lane (David Call) kennen wir aus der Episode Bad Dreams in Staffel eins und Over There in Staffel zwei. Bad Dreams war eine der wichtigsten (und besten) Folgen der Serie, in der wir endgültig erfahren haben, dass Olivia (Anna Torv) ein Cortexiphan-Kind war (wer sich nicht erinnert: Es ist die Folge, in der Olivia eine Stripperin zu küssen scheint und alle nachher auf dem Dach stehen). Schauen wir uns nochmal an, was Walter (John Noble) ihr damals über die Kinder gesagt hat:

We would put them in pairs, like the buddy system in summer camp. (...) Sometimes, an intense bond could form. A bond which could be greatly amplified by the drug called Cortexiphan.

Diese Verbindung war so stark, dass Olivia in ihren Träumen die Taten von Nick miterlebte. In dieser Zeitlinie ist das nicht geschehen. Da die Psycho-Power zu schwach ist, muss Alt-Nick in unsere Welt geholt werden, damit Olivia über ihn an unseren Nick kommen kann. Das gibt uns vor allem die Gelegenheit, jede Menge Humor einzustreuen, einschließlich des herrlichen Satzes „And this makes perfect sense to all of you?“ Das kann von den Autoren nur selbstironisch gemeint sein, denn das ist genau die Reaktion meiner Bekannten, wenn ich ihnen von Fringe erzähle.

Lieber LSD als Cortexiphan

In dieser Folge gibt es eine Reihe versteckter Kleinode - wie Bolivia liebevoll Lincoln anschaut, als er den Witz über das chinesische Wort für Amphilicite reißt; wie Lincolns Gesicht im Monitor gespiegelt wird; Alt-Astrids (Jasika Nicole) kleiner Wink zum Abschied. Ähnlich herzzerreißend ist Bolivias Sehnsucht nach einem Regenbogen, ein Stück heile Welt, das sie seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hat.

Am Ende ist es aber wieder John Noble, der den emotionalen Höhepunkt liefert: Das Gespräch zwischen Walter und Walternate fasst ihre Unterschiede und Wandlungen wunderschön zusammen. Es ist bezeichnend, dass beide Männer in ihren getrennten Welten Zuflucht in den Selbstbetrachtungen des römischen Kaisers Mark Aurel gesucht haben - einem Stoiker, der moralisches Handeln auch im Angesicht von Trauer und Leid empfahl.

Glauben wir an die Trennung der Welten? Es muss für die Autoren verlockend sein, wenigstens eine der letzten 13 Folgen dem alternativen Universum zu widmen, denn wir haben diese Leute ins Herz geschlossen. Zumindest wollen wir wissen, ob Alt-Olivia nicht Lee gleich bei sich einziehen lässt. Die Maschine ist noch da und wir kennen inzwischen eine ganze Reihe von Wegen, um zwischen den Universen zu reisen, auch wenn es Nebenwirkungen gibt. Ich gehe davon aus, dass wir die Welt ohne Kaffee und Batman nicht zum letzten Mal gesehen haben: Wenn wir irgendwas von Fringe gelernt haben, dann dass alles möglich ist, so lange man nur eine Kuh und genug LSD hat.

Ein Lehrstück für Autoren

So traurig wie die Trennung der Welten ist, den Autoren muss man dafür ein hohes Lob aussprechen. Als sie diese Folge geschrieben haben, wussten sie vermutlich nicht, dass Fringe verlängert werden würde. Statt die Handlung einfach auf gut Glück weiterlaufen zu lassen, kamen sie in den jüngsten Folgen ihrer - nennen wir es mal - Verantwortung als Geschichtenerzähler nach und haben die Handlung Stück für Stück abgewickelt: Lincoln hat eine Heimat für sein Herz gefunden, Alt-Broyles (Lance Reddick) ist enttarnt und sitzt zusammen mit Alt-Nina (Blair Brown) in Haft. Und jetzt gehen die beiden Universen wieder ihre getrennten Wege, in Liebe und Frieden und so.

Dieses Verknüpfen von losen Enden zeugt von einem Respekt vor dem Zuschauer, den andere Serien schmerzlich vermissen lassen - The X-Files und Lost würde ich nennen wollen, ganz zu schweigen von Veronica Mars. Es ist diese handwerkliche Sorgfalt, die ihrerseits ein Grund für die Begeisterung der Fans ist - eine Begeisterung, die Fringe trotz der anhaltend miesen Ratings zu einem Nachschlag verholfen hat.

Wer hat Angst vor Mister Jones?

Angesichts dieser Sorgfalt muss ich sagen: Die Sache mit David Robert Jones (Jared Harris) stinkt zum Himmel. Wir erfahren von ihm selbst praktisch nichts über seine Motive oder Pläne, sondern fast nur durch die Erzählungen und Spekulationen anderer. Er taucht in dieser Folge nicht einmal auf. Und einige Dinge ergeben schlicht keinen Sinn: Sollte Alt-Broyles nicht in The Consultant auf Befehl von Jones die Maschine zerstören? Wie hätte Jones dann die Erdbeben auslösen können? Sollte Alt-Broyles auf die Probe gestellt werden? Oder ist das jetzt Plan B?

Die seltsame Vernachlässigung der Figur Jones zieht sich so sehr wie ein roter Faden durch Staffel vier, dass man inzwischen eine method to this madness vermuten muss, wie Walter es unter Berufung auf Shakespeare sagen würde. Denn wie wir gerade in Letters of Transit gesehen haben, hat Fringe die Neigung, schnell mal alles auf den Kopf zu stellen, oder vielleicht besser, die Perspektive zu ändern.

Die US-Regierung hat was gesagt?

Am Ende gehen wir mit zwei Alternativen ins Finale. Variante eins: Die Autoren sind wirklich handwerklich so unfähig, dass sie es in 20 Folgen nicht geschafft haben, Jones als einen bedrohlichen Bösewicht herauszuarbeiten. Variante zwei: Die Dinge sind nicht so, wie sie scheinen. Bei jeder anderen Serie würde ich ohne Zögern von Nummer eins ausgehen. Die Autoren von Fringe haben uns dagegen selten auflaufen lassen - siehe oben. Deswegen wage ich frei nach The X-Files zu sagen: I want to believe.

Klammern wir die Probleme mit Jones aus, bleibt vor allem ein dicker, fetter Punkt auf der Meckerliste: Unglaubwürdiger als jede Zeitreise, alle Parallelwelten und sämtliche Psi-Kräfte ist die Vorstellung, dass die Politiker in Washington so eine Entscheidung irgendwelchen Unterfutzis überlassen würden. Schließlich kann man hier nur gewinnen, denn sollte man daneben liegen, sind eh alle tot. Und vielleicht habe ich zu viel 24 geguckt, aber müssen wir nicht annehmen, dass die amerikanischen Sicherheitskräfte unter diesen Umständen bei Nick etwas andere Mittel im Verhör angewandt hätten?

Fazit

Von der Überschrift an war die Folge vorhersehbar. Außerdem fällt es schwer, den angeblich bevorstehenden Untergang der Welt ernst zu nehmen, wenn man gerade ihre Zukunft gesehen hat. Aber die Umsetzung ist gelungen und wir haben uns angemessen von wichtigen Figuren verabschiedet. Worlds Apart ist sicher nicht meine Lieblingsfolge, aber sie ist handwerklich solide hat die Bühne freigeräumt für das Finale: Der Kampf gegen Jones - oder wen auch immer.

Auch in Zukunft werden bei Serienjunkies.de regelmäßig Reviews zur Serie „Fringe“ erscheinen. Diese werden von einem Gastautoren geschrieben.

Trailer zur nächsten Fringe-Episode, 'Brave New World: Part 1'[videosj=FringePreview-4x21_1]

Verfasser: Bernd Michael Krannich am Montag, 30. April 2012
Episode
Staffel 4, Episode 20
(Fringe 4x20)
Deutscher Titel der Episode
Getrennte Welten
Titel der Episode im Original
Worlds Apart
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 27. April 2012 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 20. August 2012
Regisseur
Charles Beeson

Schauspieler in der Episode Fringe 4x20

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