Fringe 4x19

Fringe bietet den Zuschauern jede Staffel - mit der Ausnahme der ersten - in der 19. Folge etwas AuĂergewöhnliches. In Staffel zwei war es Brown Betty, ein 40er-Jahre-Musical, und in Staffel drei Lysergic Acid Diethylamide mit Zeichentrick-Szenen. Staffel vier, Folge 19 fĂŒhrt diese Tradition mit dem Werbespruch „April 20th is the Nineteenth“ und Titel Letters of Transit - eine Anspielung auf den Film Casablanca - fort: Unsere Helden finden sich im Jahr 2036 wieder. Wus?
Terra Nova ohne Dinosaurier
(FuĂnote fĂŒr Freaks: Ja, Fox widerspricht sich hier selbst, denn auf der Website von Fringe wird Brown Betty als Folge 20 gefĂŒhrt. Hier rĂ€cht es sich, dass die Episode Unearthed in die zweite Staffel eingeordnet wurde, obwohl sie chronologisch in die erste gehört.)
Wieder einmal hat Fringe die Handlung auf den Kopf gestellt: Die Observer sind doch keine kleine Gruppe von skurrilen aber irgendwie liebenswerten Wissenschaftlern, sondern die Vorhut eines Invasionsheeres von glatzköpfigen Sadisten aus der Zukunft. Nachdem sie im Jahr 2609 die Umwelt zerstört haben (erster erhobener Zeigefinger), sind sie 2015 in unsere Welt eingefallen (Terra Nova lĂ€sst grĂŒĂen) und haben uns mit ĂŒberlegener Technologie und Gedankenkontrolle versklavt. Die ursprĂŒnglichen Menschen werden Natives genannt - eine Anspielung auf Native Americans, die Indianer (zweiter erhobener Zeigefinger). Nur eine kleine verzweifelte Bande leistet Widerstand, und 2036 fĂ€llt ihnen eine Wunderwaffe in die Hand: Der gute alte Walter, seit Jahrzehnten eingeschlossen in amber.
Warum Olivia die Pille absetzen muss
Die Geschichte wird erzĂ€hlt aus der Sicht von Henrietta, genannt „Etta“ (gespielt von Georgina Haig), und Simon (Henry Ian Cusick, bekannt aus Lost). Sie arbeiten zwar fĂŒr die Fringe-Abteilung, aber die ist nur noch fĂŒr die Verbrechen der Natives zustĂ€ndig, sprich, sie ist die Reservatspolizei (tatsĂ€chlich haben die groĂen Indianer-Nationen ihre eigenen Beamten). Das besondere dabei: Die ruhige, in sich gekehrte Etta ist die Tochter von Olivia (Anna Torv) und Peter (Joshua Jackson). Und die Observer können ihre Gedanken nicht lesen.
Wir haben die Folge etwas ausfĂŒhrlicher nacherzĂ€hlt, denn hier wurden kurz mal die wichtigsten Fragen von Fringe beantwortet, die seit der ersten Staffel offen waren. Warum sind ausgerechnet Olivia und Peter so wichtig, dass die Observer ihr Leben lĂŒckenlos ĂŒberwachen? Warum ist ihre Liebe so bedeutsam? Warum sollte Peter aus der Zeitlinie gelöscht werden? Jetzt wissen wir es. Ihre Tochter Etta ist die Hoffnung der Menschheit, die Fringe-Version von John Connor aus „Terminator“. Der Observer September (Michael Cerveris) war der gute Rebell, seine Kollegen sind böse Finsterlinge. Sie sind die eigentlichen Feinde.
Fringe fĂŒr alle!
Die Autoren von Fringe tun hier mehr, als nur lose Enden zu verbinden: Sie bereiten den Boden fĂŒr eine etwaige fĂŒnfte Staffel vor und laden dabei zum Quereinstieg ein. Der neue Kampf um die Zukunft ist leichter fĂŒr Neulinge zu verstehen als der alte Kampf zwischen den beiden Universen, dessen Wendungen - Hand aufs Herz - langsam nur noch Hardcore-Fans nachvollziehen können. Statt „Folge hĂŒben, Folge drĂŒben“ hĂ€tten wir dann „Folge heute, Folge 2036“. Damit kann man auch komplexe HandlungsstrĂ€nge basteln, besonders natĂŒrlich, wenn die Zukunft einen Weg finden sollte, mit der Vergangenheit zu kommunizieren. ZufĂ€llig erfahren wir auch nicht, was genau Walters Maschine machen soll.
Ăberhaupt gehört diese Episode Walter Bishop: John Noble zieht alle Register, ob mit Star-Wars-Zitaten oder improvisierten Antimaterie-Bomben. Die Verwandlung des fröhlichen „I love LSD“-Walter zum kalten Hack-einfach-die-Hand-ab-Walter ist wunderbar gemacht und wirft erneut die Frage auf, warum Noble nicht mit Auszeichnungen ĂŒberschĂŒttet wird. Das ist ein weiteres Fazit dieser Folge: Notfalls kann Fringe ohne Olivia und Peter auskommen, aber nicht ohne Walter.
Hat jemand mein Paralleluniversum gesehen?
Fringe wÀre nicht Fringe, wenn es nicht gleichzeitig einen ganzen Packen neuer Fragen gÀbe. Wo kommt William Bell (Leonard Nimoy) nun wieder her? Was hat er Olivia angetan, dass alle so verbittert sind? Warum hat sich unser Fringe-Team in Amber eingeschlossen? Warum gibt es 2609 keine Frauen mehr? Wieso gibt es nie Kaffee? Und warum fehlt jeder Hinweis auf das Paralleluniversum?
Der letzte Punkt ist nicht unwichtig. Auf den ersten Blick scheint Letters of Transit das zu bestĂ€tigen, was wir die ganze Zeit befĂŒrchtet haben: Die Haupthandlung dieser Staffel ist schrecklich langweilig und was auch immer David Robert Jones (Jared Harris) da planen mag, es kann offensichtlich fĂŒr den weiteren Verlauf der Geschichte nicht wichtig sein. Oder vielleicht doch? Nach der Folge The Consultant hatten wir spekuliert, dass Jones die Universen zu einem einzigen verschmelzen will. Jetzt tut sich eine erschreckende Möglichkeit auf: Jones könnte genau das geschafft haben. Am Ende von Staffel vier hĂ€tten wir dann nur noch ein Universum.
Fazit
Die Meckerliste ist ĂŒberschaubar. Einige Probleme betreffen die ĂŒblichen Fallen bei Zeitreisen - wieso wissen die Observer nicht, wer Etta ist und legen sie einfach um? - aber die klammern wir zunĂ€chst aus: Hier soll uns Fringe erstmal erklĂ€ren, wie sie im Rahmen der Geschichte mit so etwas umgehen will. Show, don't tell lautet eine der wichtigsten Regeln der ErzĂ€hlkunst, aber hier wurde zwischendurch arg viel erzĂ€hlt - siehe Simons Monolog ĂŒber das Schicksal des vermissten Fringe-Teams. Warum benutzen die superfortgeschrittenen Supertechniker der Observer nicht einfach eine Gesichtserkennungssoftware, um automatisch nach Leuten wie Walter zu suchen? So weit sind wir ja schon 2012. Und ich hoffe, dass die PerĂŒcke von Nina Sharp (Blair Brown) albern aussehen soll, als Seitenhieb auf die Mode von 2036. Mit solchen Details werden sich die Autoren neu austoben können.
Hoffe ich zumindest - denn am Ende der Folge wollte ich vor allem eins, mehr von dieser Welt erfahren und wissen, wie der Kampf gegen die Zukunft ausgeht. Das ist das höchste Lob, das ich einer Serienfolge aussprechen kann. Letters of Transit ist die beste Episode der vierten Staffel bislang und das beste Argument fĂŒr eine VerlĂ€ngerung der Serie - wenn es dafĂŒr nicht schon zu spĂ€t ist.
Auch in Zukunft werden bei Serienjunkies.de regelmĂ€Ăig Reviews zur Serie âFringeâ erscheinen. Diese werden von einem Gastautoren geschrieben.
Trailer zur nÀchsten 'Fringe'-Episode: 'Worlds Apart'[videosj=Fringe420 PreviewWorldsApart_]
Verfasser: Bernd Michael Krannich am Dienstag, 24. April 2012(Fringe 4x19)
Schauspieler in der Episode Fringe 4x19
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?