Friday Night Lights 5x13

Friday Night Lights 5x13

Clear eyes. Full hearts. Can't stop crying. Der letzte Football ist geflogen in Dillon, Texas. Nach dem Serienfinale von Friday Night Lights fehlen unserer Redakteurin Carolin Neumann die Worte.

Football als Lebenselixier: Coach Eric Taylor (Kyle Chandler) und Vince Howard (Michael B. Jordan) in „Friday Night Lights“ / (c) Universal Pictures
Football als Lebenselixier: Coach Eric Taylor (Kyle Chandler) und Vince Howard (Michael B. Jordan) in „Friday Night Lights“ / (c) Universal Pictures

Seit über einer halben Stunde nun sitze ich hier an meinem Schreibtisch vorm Fenster, starre hin und her zwischen Bildschirm und Straße. In meinen Ohren der Friday Night Lights-Soundtrack, nur geschrieben habe ich noch kein einziges Wort. Dabei würde eines schon reichen, um dem Serienfinale gerecht zu werden: Perfekt. Und doch blinkt der Cursor vor meinen Augen, denn ich habe so viel zu sagen, das ich nicht in Worte zu fassen weiß - zur letzten Folge, den letzten Jahren und Dillon, Texas, diesem Ort, den es nicht wirklich gibt und den ich trotzdem immer wieder besuche und liebe.

Als ich vor rund zwei Jahren die Pilotfolge von „Friday Night Lights“ sah, um für SERIENJUNKIES.DE® darüber zu schreiben, war ich im ersten Moment verwirrt. Ich weiß noch: Um - schon damals - zu der Erkenntnis zu kommen, dass dies ein ganz besonderes Stück Fernsehen ist, musste ich das Gesehene erst einmal eine Weile sacken lassen. „Rau, echt und einfach zum gern haben“, lautete schließlich mein Urteil. Doch die Wahrheit ist: Mit dem ungewohnten filmischen Stil konnte ich noch lange danach nicht wirklich anfreunden, die Geschichten zwischen den Charakteren wirkten auf mich das ein oder andere mal geradezu profan, und die Begeisterung für einen so gewalttätigen Sport wie Football war mir regelrecht zuwider.

Wann genau sich meine Einstellung geändert hat? Keine Ahnung. Ich wüsste gerne die genaue Szene, um sie immer und immer wieder zu schauen.

FNL“ gehört zu den besten Serien, die das amerikanische Fernsehen in den letzten zehn, ach was, zwanzig Jahren hervorgebracht hat. Es ist nicht einfach nur ein TV-Drama. Wer mal Interviews mit dem begeisterten Cast gesehen und die Entwicklung der Charaktere und Storylines beobachtet hat, der weiß, dass „Lights“ kinematografische Kunst ist. Aber die Art von Kunst, die selbst Kunstbanausen nicht langweilig wird.

Für Always, geschrieben von Executive Producer Jason Katims, wurde das Kunstwerk, das „Friday Night Lights“ ist, an einen speziellen Platz gehängt und mit viel Bedacht ausgeleuchtet, bevor die Türen des Ausstellungsraumes ein letztes Mal öffneten. Das Finale hat alles, was man an dieser Serie liebt, und setzt mit zahlreichen bewegenden, aber nie sentimentalen Momenten noch einmal einen obendrauf.

In der letzten Episode geht es für die Lions um den Titel: State, der Traum eines jeden High-School-Footballers. Sie sind siegessicher, ja, aber die bei Vince (Michael B. Jordan) zwischenzeitlich zu Tage getretene Überheblichkeit ist wie weggeblasen. Nach den Querelen hat sich das Team wieder als solches zusammen gefunden und realisiert: Die Championchip könnte der größe Moment ihres jungen Lebens sein und in ihrer Sportlerkarriere womöglich unübertroffen bleiben.

Und so kann ihnen auch ihre ungewisse Zukunft plötzlich nichts mehr anhaben. Dass die Lions gemeinsam mit den Panthers in einer neuen Dillon-Super-Mannschaft aufgehen sollen, soll sie erst nach dem großen Spiel beschäftigen.

Coach Taylor (Kyle Chandler) und Tami (Connie Britton) allerdings können die Zukunftsfrage nicht bis nach der Meisterschaft vertagen und geraten aneinander, weil keiner von beiden seinen Traum aufgeben will. 18 Jahre folgte sie ihm, wo immer er hingehen wollte. Dass dies auch Opferbereitschaft ihrerseits forderte, wurde bislang nie so thematisiert. Die „FNL“-Autoren haben es geschafft, den schwerwiegendsten Konflikt des sonst so bodenständigen Ehepaars bis zum Schluss aufzuheben. Einen erwartbaren und überfälligen Konflikt, aus dem die beiden am Ende stärker denn je hervorgehen.

Und das mit unglaublich starken Szenen von ihrer Umarmung vor dem Restaurant bis zu der, als Eric ihr seine Entscheid mitteilt. Oder beim gemeinsamen Abendessen mit Matt (Zach Gilford) und Julie (Aimee Teegarden). Eric predigt den beiden von Kompromissbereitschaft in der Ehe, spricht aber in Wirklichkeit über sich selbst und seine eigene Beziehung. Da beginnt er schon langsam zu realisieren. Und noch mehr, als später Julie ihren Eltern sagt, sie seien ihre Inspiration. Als Eric sich schließlich gegen Dillon und für die Zukunft mit seiner Familie entscheidet, ist von Resignation oder Unmut keine Spur. „Will you take me to Philadelphia, please?“, sagt er mit seinem oft als ausdruckslos interpretierten Gesichtsausdruck. Und das ist an dieser Stelle keine Frage. Für ihn ist es kein Kompromiss mehr, sondern ein Entschluss aus tiefstem Herzen.

Bewegende Szene aus dem %26bdquo;Friday Night Lights%26ldquo;-Finale © Universal Pictures
Bewegende Szene aus dem %26bdquo;Friday Night Lights%26ldquo;-Finale © Universal Pictures

Mit einem solchen Vorbild - Eltern, die sich so sehr lieben und seit Jahren immer wieder hart an ihrer Beziehung arbeiten, so unromantisch es auch klingt - wundert es wenig, dass Julie mit gerade mal 18 Jahren nach derselben Stabilität strebt. Matts Heiratsantrag ist ein für „Friday Night Lights“ untypischer Wow-Moment, aber einer, der im Folgenden durch zahlreiche sehr klassische Szenen aufgefangen wird wie die zwischen Matt und Landry (der im Übrigen viel zu wenig Raum bekommt im Finale, einer der wenigen Kritikpunkte). „The crazy part ist that just a few years ago we were trying to figure out how we were gonna talk Julie Taylor“, sagt er zu Matt. „And now here we are, you're gonna marry Julie Taylor.

Oder als Matt Eric um seinen Segen bittet. In fünf Staffeln hat man den resoluten Coach nicht häufig lachen sehen, aber als Matt vor ihm steht und von Hochzeit spricht, scheint er nach der versteckten Kamera zu suchen.

Friday Night Lights“ gelingt es überraschenderweise, jedem Charakter ein perfektes Ende zu geben, ohne dabei auch nur im Geringsten kitschig zu sein. Julie und Matt planen ihre gemeinsame Zukunft, Billy (Derek Phillips) wird Co-Trainer im neuen Team und scheint damit wie von Tim erhofft sein Leben in den Griff bekommen zu haben. Vince wird der Star der neuen Mannschaft, Becky (Dora Madison Burge) und Luke (Matt Lauria) finden wieder zueinander und haben zum Abschluss noch einen hübschen Moment, als Becky ihn zum Militärdienst verabschiedet.

Kraftvoll ist auch die Szene, als Mindy und Billy ihre „Ziehtochter“ Becky wieder zu Hause bei ihrer Mutter abliefern und sich Mindy unter Tränen verabschiedet. Eine so ungleiche, aber tiefe Bande scheint nur im Mikrokosmos Dillon möglich zu sein.

Dass Tim (Taylor Kitsch) und Tyra (Adrianne Palicki) auf gewisse Weise über eine gemeinsame Zukunft nachdenken, wirkt etwas absurd, ist aber eine ebenso gefühlige wie gelungene Schleife zum Beginn der Serie. Denn: Ihre Figuren mögen sich weiterentwickelt haben.

Doch so wie Buddy (Brad Leland) aller Wandlungen zum Trotz genauso aufhört wie er angefangen hat - im Golfwagen über das Footballfeld fahrend - sind auch sie sich selbst treu geblieben. Bevor sie über sich selbst hinauswuchsen und auf ihre Weise nach Höherem zu streben begannen, waren Tim und Tyra schließlich untrennbar verbunden. Und das ist eben auch so eine Nebenwirkung des Lebens in Dillon: „Texas Forever“, egal, wohin einen das Leben auch führt. Texas bedeutet hier so viel mehr als nur der Ort, an dem sie aufgewachsen sind.

Diese entscheidenden Worte - „Texas Forever“ - sagt der geläuterte Tim am Ende auch zu seinem Bruder, ganz wie er sie einst zu Jason Street sagte. Noch so ein Bogen zu den Anfängen der Serie, der im Finale geschlagen wird. Die Episode beginnt zudem wie die allererste der Serie vor Jahren: mit Reportern, die den Spielern auf den Zahn fühlen.

Damals dachte man noch, dass es um Football geht. Doch der Sport hat sich im Verlauf der Jahre als eine einzige große Metapher erwiesen. Für Freundschaft und Zusammenhalt, Zielstrebigkeit und noch ein paar Dinge, die das Leben erfüllen wie es die Punkteanzeige auf einer Tafel alleine nie könnte.

Trefflicher als in diesem Finale hätte das gar nicht gezeigt werden können. Bis zur letzten Minute des Meisterschaftsspiels erfahren wir nicht, wie es steht. Anders als so viele Male zuvor bekommen wir nur Impressionen von den Ereignissen auf dem Spielfeld zu sehen, Auszüge aus diesem eigentlich doch wichtigsten Spiel aller Zeiten als eine große Musikmontage. Dann: Vince wirft den letzten Pass, die Kamera verfolgt die Blicke aller im Publikum, und dann wird kurz vor der Auflösung dieses unfassbaren Momentes geschnitten. Und plötzlich: Acht Monate später in Philadelphia. Wir sehen nicht das Ende des Spiels, nur ein State-Championchip-Banner und Vinces Ring.

Mit der Inszenierung des Football-Spiels hat sich „FNL“ auf der Zielgeraden noch einmal selbst übertroffen: die großartigen Cuts zwischen Umkleide und jubelndem Publikum, die Vertonung, als ein letztes Mal die Münze geworden wird, der Soundtrack, mit dem die Spielszenen hinterlegt sind und schließlich der plötzliche Ortswechsel anstelle des Jubels im Stadion. Der wahre Touchdown ist nicht der Sieg - sondern das, was man daraus macht.

Bis zum Schluss ist „Friday Night Lights“ - ganz wie ich es einst schrieb - rau und echt.

Und nah dran an Charakteren, die selbst mit wenigen Worten innerhalb kürzester Zeit ihren Zuschauer mitreißen. Eine Szene in Always zeigt sehr schön beides: den Sport an sich und das, wofür er steht. „Being a part of the lions has been the greatest experience of my life“, sagt Jess vor dem großen Spiel zu Coach Taylor, der ihr letztlich dazu verhilft, ihren Traum auch nach den Lions weiter zu verfolgen. Ich bin überzeugt, Eric ist aufrichtig, als er ihr antwortet: „It's been mine, too.“ Denn erst in East Dillon wuchs er mit seinen Spielern über sich hinaus.

Mit einem etablierten Team wie den Panthers Erfolge zu feiern, ist eben etwas völlig anderes als Jugendliche zu Höchstleistungen anzuspornen, deren soziales Umfeld ihnen jegliche Zukunftschancen verbaut. Und auch die Serie hat erst in der vierten und fünften Staffel mit dem Kampf der Lions bewiesen, wie herausragend sie wirklich ist. Als die Metapher Football zum Lebenselixier wurde. Oder wie Vince im Finale wieder einmal betonte: „You changed my life, Coach.

Meins auch“ zu sagen, wäre übertrieben. Aber Friday Night Lights hat mich mit seiner Aufrichtigkeit immer wieder berührt, wenn ich es am wenigsten erwartet habe. Die Serie war letztlich auch bloß Fernsehunterhaltung, das aber auf einem so hohen Niveau, von dem sich so manches Hochglanz-Möchtegern-Format einige Scheiben abschneiden kann. „FNL“ hat der Fernsehlandschaft gezeigt, dass gutes, tiefschürfendes und vor allem authentisches Drama möglich ist.

Und dass man einmal im Leben nach Texas reisen sollte. Aber vermutlich wäre es dort wie neulich beim Super Bowl: Ohne Coach Taylor an der Außenlinie hat Football einfach keinen Reiz, und nach Luke Cafferty und seinem Schwein kann man wohl in der texanischen Kleinstadt lange suchen.

Verfasser: Carolin Neumann am Donnerstag, 10. Februar 2011
Episode
Staffel 5, Episode 13
(Friday Night Lights 5x13)
Deutscher Titel der Episode
Für immer
Titel der Episode im Original
Always
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 9. Februar 2011 (Audience Network)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 22. Januar 2013
Autor
Jason Katims
Regisseur
Michael Waxman

Schauspieler in der Episode Friday Night Lights 5x13

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