Downton Abbey 6x09

In einem erbaulichen Zeitraum von vier Monaten begleiten wir die Familie Crawley und den gesamten Haushalt von Downton Abbey in das nahende Jahr 1926. Julian Fellows und sein Autorenteam hätten dieses Serienfinale kaum perfekter gestalten können: Wenngleich es der ersten Hälfte ab und an an pointierter Spannungskraft mangelt, erfreuen die Szenen um Ediths (Laura Carmichael) märchenhafte Hochzeit im Schnee und den Silvesterabend das vom nahenden Abschied gebeutelte Fanherz umso mehr.
Die Autoren scheuen sich dabei nicht, nahezu jedem Handlungsstrang, jeder Figur ein angemessenes Ende zu bereiten und trotzdem genügend Raum für die Fantasie der Zuschauer/-innen bereitzuhalten. Was zunächst heikel erscheint, erweist sich im Nachgang des diesjährigen Christmas Specials und Serienfinales als goldrichtige Entscheidung. Downton Abbey bleibt sich und seinen Figuren treu - trotz der großen Handlungssprünge und der schier vorbeifliegenden Monate behält die Serie ihr charakteristisch-würdevolles Erzähltempo bei, lässt sich Zeit.
The only thing I'm not ready for, is a life without you
Fanservice hin oder her - Poor old Edith hat es schlicht und ergreifend verdient, am Ende dieser Serie glücklich zu werden. Dass dieses Glück, wie bereits in Bezug auf Mary (Michelle Dockery) erläutert, notwendigerweise an eine Ehe gebunden sein muss, sei dahingestellt. Letztlich muss aber eingeräumt werden, dass Edith in London sicherlich erfolgreich geworden wäre. Sie hätte das Leben einer unabhängigen, selbstständigen und modernen Frau geführt - und trotzdem wäre sie ihrer Meinung nach als „Spinster“ geendet, einsam und allein.

Einmal davon abgesehen, dass Marys vollständige Läuterung zur mitfühlenden Schwester durch die Versöhnung und Ehe mit Henry (Matthew Goode) auch in diesem 90-minütigen Serienfinale einen allzu überstürzten, streckenweise unglaubwürdigen Eindruck hinterlässt: Der Ausgangspunkt für die nachfolgende Verlobung von Edith und Bertie beschreibt ein Happy End zwischen den Schwestern, mit dem wohl niemand mehr gerechnet hätte. Nach den dramatischen Ereignissen der vorhergehenden Episode, die in einer Zuspitzung all dessen mündete, was Mary und Edith in ihrem Innersten auszeichnet, haben beide nun in diesem Serienfinale dazu gelernt.
Nicht nur, dass Edith großen Mut beweist und ihrer zukünftigen Schwiegermutter sogleich von ihrem unehelichen Kind Marigold erzählt (und das entgegen Berties Vorhaben, dieses Umstand schlicht zu verschweigen - übrigens eine Entscheidung seinerseits, die unwillkürlich an seinem Charakter zweifeln ließen). Auch Mary nimmt sich erstaunlich auffällig zurück und gönnt ihrer jüngeren Schwester den großen Augenblick ihrer Hochzeit, die, nebenbei bemerkt, nur schwerlich hätte schöner inszeniert werden können. Der Anblick des verschneiten Anwesens, die sogar bis zu Küchenhilfe Daisy angekommene Mode der 1920er Jahre (in Form eines Haarschnitts) - allein die ästhetisch unübertroffene Inszenierung dieser Serie wird sicherlich sehr vermisst werden.
Während Edith also endlich das Happy End vergönnt wird, das Mary und Henry bereits in der vorhergehenden Episode feiern durften, kommt auch ein Ausblick auf letztgenannte nicht zu kurz. Mary ist schwanger und Henry verabschiedet sich schweren Herzens von seiner Leidenschaft für Autorennen. Er braucht eine neue Aufgabe, einen Sinn, etwas Eigenes - da kommt ihm Toms ähnlich große Begeisterung für Automobile gerade Recht. Zugegeben, irgendwann im Laufe dieser Episode beginnt diese scheinbar grenzenlose Harmonie doch etwas zu irritieren. Die überraschend ergreifenden Szenen um Thomas Barrow (Rob James-Collier), Carson (Jim Carter) und nicht zuletzt Lord Merton (Douglas Reith) sorgen für das gewisse Maß an Schwermut, das Downton Abbey ebenso auszeichnete, wie ihr subtiler Humor.
Very grateful indeed
Es sind große Worte und mächtige Gefühle, die, wären sie nicht so elegant und clever ihren jeweiligen Figuren sorgsam selbst eingeschrieben, ansonsten beinahe an Pathos grenzten. Doch sowohl Thomas Barrows tränenreicher Abschied, als auch seine Rückkehr und die damit einhergehende Pensionierung Carsons vermögen es, das ohnehin großartige Finale zu einem perfektem zu machen. Spätestens, als sich Marys kleiner Sohn George und Toms Tochter Sybil von dem kinderlieben Barrow verabschieden, bleibt kein Auge mehr trocken und als Carsons später offensichtlich ernsthaft erkrankt scheint, schwant den geprüften Augen der Zuschauer-/innen nichts Gutes.
Ebenso schön wie die Übereinkunft, dass die Carsons weiterhin auf ihrem Cottage leben werden, als auch Thomas' Aufstieg zum obersten Butler, sind die Entwicklungen um die etwas vernachlässigte Isobel Crawley (Penelope Wilton) zu bewerten. Zumindest gilt dies für den endgültigen Ausgang: Isobel und Lord Merton heiraten. Leider stellt sich bereits während dieser Szenen der Eindruck ein, dass das emotionale Potential dieses Handlungsstrang nicht vollends genutzt wurde. Die zu schnellen Sprünge von todkrank-und-bei-der-fürchterlichen-Schwiegertochter-eingesperrt zu doch-wieder-gesund-und-endlich-glücklich-verheiratet drohen allzu schnell, an emotionaler Schlagkraft zu verlieren. Gleichzeitig darf halb wehmütig festgestellt werden, dass Downton Abbey gut und gerne ein bis zwei Episoden hätte länger laufen dürfen.

Für Erheiterung sorgte indessen das Slapstick-Duo Spratt (Jeremy Swift) und Denker (Sue Johnston). Grandios, als sich die Old Lady Grantham (Maggie Smith) vor Amüsiertheit kaum zurückhalten kann, als sie von Spratts Doppelleben als erfolgreicher Kolumnist bei Ediths Magazin erfährt. Der sprühende Witz dieser Serie kommt auch anderorts zum Tragen; etwa in den wortlosen Szenen um Daisy, die sich selbst die Haare schneidet, oder in der gefühlten Zusammenfassung dieses speziellen Humors, wenn die Old Lady für Rosamund die „englische Eigenart“ zu ergründen versucht: „Opinions differ. Some say our history. But I blame the weather.“
Während am Silvesterabend mit der Geburt von Anna und John Bates' Sohn ein neues Leben im Jahr 1926 beginnt, beendet Julian Fellows die Serie Downton Abbey mit einem letzten, sehnsuchtsvollen Blick auf das verschneite Anwesen.
Fazit
Dank der hervorragenden Entscheidung, jeder Figur und jedem noch so kurzen Handlungsstrang ein würdevolles und angemessenes Ende zu bereiten, den Fokus also nicht auf einige wenige Hauptfiguren zu richten, hinterlässt Downton Abbey den Zuschauer-/innen ein rundes, großartig inszeniertes Serienfinale.
Trotz des augenscheinlich hohen Maßes an Fanservice - allen voran die Versöhnung von Mary und Edith und natürlich die Hochzeit letztgenannter - bleiben sämtliche Entwicklungen nachvollziehbar. Die ausgewogene Stimmung dieses Finales, die sich irgendwo zwischen absoluten Hochgefühlen und bedrückender Schwermut einpendelt, passt sich allzu gut in die verschneite, märchenhafte Winterlandschaft um das Anwesen ein. Es ist nicht zuletzt diese Detailverliebtheit und der Hang zu ästhetisch aufwendiger Inszenierung, die man nach dem Ende von Downton Abbey mit großer Sicherheit vermissen wird.

Downton Abbey 6x09 Trailer
(Downton Abbey 6x09)
Schauspieler in der Episode Downton Abbey 6x09
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