Downton Abbey 6x03

Downton Abbey 6x03

In ungewohntem Tempo werden in der 3. Episode sämtliche Stränge zusammengeführt. Während sich Edith im Londoner Verlag endlich durchzusetzt, entwickelt sich der Kampf um das Krankenhaus zu einer persönlichen Fehde zwischen den Beteiligten. Derweil wird wieder einmal Hochzeit gefeiert.

Laura Carmichael als Edith in der Serie „Downton Abbey“ / (c) ITV
Laura Carmichael als Edith in der Serie „Downton Abbey“ / (c) ITV

Fast scheint es, als passten die Autor-/innen auch das Erzähltempo dem handlungsinternen Wandel auf allen Ebenen an. Episode 3 überrascht mit einer beschleunigten Montage an Szenen, die - zumindest für Downton Abbey-Verhältnisse - beinahe schwindelerregend wirkt. Weil die Überlagerung verschiedenster Erzählstränge und Handlungsebenen in hohem Maße eher eine Seltenheit darstellt, kann dieser mitunter kluge Einfall noch nicht recht gewürdigt werden. Vielleicht müssen sich auch die Zuschauer-/innen erst einmal daran gewöhnen, dass die Welt um und in Downton Abbey langsam aber sicher zerfällt.

So verliert man beinahe den Überblick: Während Carsons (Jim Carter) und Mrs. Hughes' (Phyllis Logan) Hochzeit unmittelbar bevorsteht, scheint der Graben zwischen der Old Lady Grantham (Maggie Smith) und Isobel Crawley (Penelope Wilton) immer größer zu werden. Bei aller Ernsthaftigkeit des mittlerweile handfesten Streits wird die Stimmung der Episode aber durch den bissig-amüsanten Schlagabtausch der betagten Damen aufgelockert.

Abseits kleinteiliger Nebenstränge schlagen die Fanherzen für Edith (Laura Carmichael) in dieser Episode höher: Endlich kann sie sich im Londoner Verlag gegen den arroganten Editor Mr. Skinner (Paul Putner) durchsetzen, nicht zuletzt dank der Hilfe von Mr. Bertie Pelham (Harry Hadden-Paton) - ein neuer (oder wiederkehrender) love interest?

Something Old

Mrs. Hughes, nunmehr Mrs. Carson, erinnerte nie augenscheinlicher an die Farmerfrau des bekannten Gemäldes „Amercian Gothic“ (Grant Wood, 1930). Während die Zeit um sie herum rast, wirkt die puristische, bodenständige Hochzeit einmal mehr wie eine nostalgische Hommage an vergangene Traditionen (nicht zuletzt wegen des „wedding brunch“). Gleichzeitig ist der Zugang ein persönlicher, denn es scheint, als ließe Mrs. Hughes ihren (Mädchen-)Traum, ihre Vorstellung einer Hochzeit nun wahr werden - die sich natürlich an den Konventionen von vor Ewigkeiten orientiert. Dass sie sich dabei gegen Carson und „blessed Lady Mary“ durchsetzt, wirkt dann aber geradezu progressiv. Carson, der das Sinnbild der Traditionen und des Konservativismus verkörpert, lässt sich also auf den Willen seiner zukünftigen Frau ein, wodurch einmal mehr bewiesen wird, wie innig die Beziehung der beiden obersten Hausangestellten ist.

Um das Bewahren althergebrachter Konventionen und Gegebenheiten geht es ganz konkret natürlich auch in Bezug auf das örtliche Krankenhaus. Genauer gesagt werden mit dieser Storyline die Schnittpunkte und Grenzübergänge zwischen Alt und Neu ausgelotet. Am Ende zeichnet sich ein zaghafter Schritt in Richtung Zukunft ab - mit ungewissen Folgen für die Beziehungen der Protagonisten untereinander.

Der Graben zwischen der Old Lady Grantham und Dr. Clarkson (David Robb) auf der einen, Isobel Crawley, Baron Merton (Douglas Reith) und Cora (Elizabeth McGovern) auf der anderen Seite, wird nämlich immer tiefer. Mittlerweile scheinen die Beteiligten dabei fast vergessen zu haben, worum es überhaupt geht. Grund für die Streitigkeiten ist die Meinungsverschiedenheit darüber, ob das Cottage Hospital zu einem Verbundskrankenhaus der englischen Krone werden soll - womit eine Modernisierung des Inventars ermöglicht würde - oder ob es seinen Status als von Downton verwaltete Einrichtung behält. Eine sachliche Auseinandersetzung darüber ist längst persönlichen Sticheleien gewichen; an vorderster Stelle werden die Spitzen natürlich von Isobel Crawley und der Old Lady verteilt. Solange es zwischen den beiden Damen, die sich eigentlich sehr nahe stehen, aber noch mit britischem Humor und bissigen Kommentaren hoch her geht, muss nichts befürchtet werden. So auch in dieser Episode, als die Old Lady Isobel betont trocken nach ihren Trinkgewohnheiten fragt, nachdem Letztgenannte ein wenig ausfallend gegenüber ihrer Ex-Flamme Dr. Clarkson wird. Weitaus interessanter als die inhaltliche Thematik dieses Handlungsstrangs ist und bleibt dabei der Schlagabtausch zwischen den beiden Damen, die verlässlich für amüsante Höhepunkte sorgen.

Something New

In Kontrast zu den vorangehenden Handlungssträngen scheinen manch andere Figuren wie selbstverständlich in der Moderne angekommen zu sein - teilweise sogar, ohne es zu merken. Denn während Edith bereits mit einem Fuß in ihrer eigenen Wohnung in London und damit als Chefin des Verlags steht, bedarf es erst eines gewissen Bertie Pelham, um sie auf die eigene Leistung hinzuweisen. So viel Aufmerksamkeit und Anerkennung auf einen Schlag dürfte Edith selten bekommen haben, weshalb zu wünschen bleibt, dass sie die neu gewonnene Energie in Taten umsetzt. Ob aus ihr und Mr. Pelham, den sie zuletzt auf Brancaster Castle im Christmas Special kennenlernte, wirklich mehr wird, bleibt abzuwarten. Schön wäre es sicherlich, auch wenn Edith zur Selbstständigkeit und Weiterentwicklung keinen Mann benötigt - das hat sie mit ihrer Durchsetzungskraft gegenüber Mr. Skinner, dem unsympathischen Editor, mehr als bewiesen.

Mit der erfreulichen Rückkehr von Tom Branson (Allen Leech) und der kleinen Sybbie (Fifi Hart) ist Marys Zukunft allerdings wieder relativ ungewiss. So stellt sich nunmehr die Frage, ob Tom seinen alten Posten als Verwalter übernehmen wird, und wenn ja, was Mary folglich mit ihrem Leben anfängt. Heiraten und das wars - dieses Modell scheint für die Älteste der Crawley-Töchter längst keine wirkliche Option mehr darzustellen, und so, wie wir eine der stärksten Frauenfiguren von Downton Abbey kennengelernt haben, würde es sie sicher kaum erfüllen. Interessanterweise scheint Edith Mary erstmals überlegen; immerhin hält sie sich, abseits von Heiratsplänen und dergleichen, ein aussichtsreiches Leben in London offen. Während sich Mary zuletzt eher von ihrer kalten und wenig sympathischen Seite zeigte, bestätigte sich in aktuellen Episode, dass ihr Handeln meist einer gutgemeinten Motivation entspringt (sieht man einmal von ihren Ausfällen in Bezug auf Edith ab). Leider ändert das nichts an der Tatsache, dass ihr ein wenig Sensibilität für die Bedürfnisse und Gefühle anderer gut täte.

Fazit

Episode 3 der sechsten Staffel von Downton Abbey überrascht mit angezogenem Erzähltempo. Aufgrund der Fülle an Geschehnissen gehen dabei einige Nebenstränge leider etwas unter; sei es das abermals seltsame Verhalten von Thomas Barrow (Rob James-Collier), oder der Plot um Daisy (Sophie McShera) und Mr. Mason (Paul Copley). Als gelungen inszeniert und erfreulich erweisen sich dagegen die Entwicklungen in Bezug auf Edith. Unversehens verwandelt sich die Unscheinbare in eine selbstbewusste und selbstständige Frau - und ist ihrer älteren Schwester Mary damit zum ersten Mal tatsächlich überlegen. Während hoffentlich auch Letztgenannter ein Happy End zuteil wird, sind die Aussichten in Bezug auf Edith aber klares Highlight der Episode.

Für den obligatorischen Schlagabtausch zwischen Isobel Crawley und der Old Lady Grantham wird selbstverständlich auch der Hut gezogen. Es ist beinahe erstaunlich, dass es den Autor-/innen immer wieder gelingt, das Niveau zu halten - mitunter gar zu toppen - ohne diese Szenen zum ermüdenden Running Gag verflachen zu lassen.

Verfasser: Hannah Klein am Montag, 5. Oktober 2015
Episode
Staffel 6, Episode 3
(Downton Abbey 6x03)
Deutscher Titel der Episode
Der schönste Tag
Titel der Episode im Original
Episode 3
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Sonntag, 4. Oktober 2015 (ITV)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 17. Juni 2016
Regisseur
Philip John

Schauspieler in der Episode Downton Abbey 6x03

Darsteller
Rolle
Laura Carmichael
Jim Carter
Raquel Cassidy
Brendan Coyle
Michelle Dockery
Kevin Doyle
Rob James-Collier
Phyllis Logan
Elizabeth McGovern
Sophie McShera
Lesley Nicol
Penelope Wilton
Allen Leech

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