Downton Abbey 6x02

Downton Abbey 6x02

In der zweiten Episode spitzen sich sämtliche Konflikte, die zuletzt unter der Oberfläche brodelten, zu. Während sich die Fronten zwischen Isobel Crawley und der Old Lady Grantham zunehmend verhärten, könnte es auch zwischen Mary und Edith bald endgültig zum großen Zerwürfnis kommen.

Maggie Smith in der Serie „Downton Abbey“ / (c) ITV
Maggie Smith in der Serie „Downton Abbey“ / (c) ITV

Die sechste und letzte Staffel Downton Abbey steht noch am Anfang, doch das übergreifende Thema des Abschieds einerseits, und der fortschreitenden Modernisierung der Welt andererseits, fließt spürbar auch in Episode 2 ein. Dabei gelingt es, die äußerlichen Veränderungen auf die Innerlichkeit der Figuren zu projizieren.

So scheint Daisy (Sophie McShera) zunehmend gegen das Abhängigkeitssystem, in dem sie sich befindet, aufzubegehren. Thomas Barrow (Rob James-Collier) hingegen würde wohl, ähnlich wie Carson (Jim Carter), am liebsten sämtliche Traditionen konservieren - im Gegensatz zu letztgenanntem Butler aber nicht der Tradition willen, sondern vor allem des persönlichen Vorteils wegen. Eine ähnliche Problematik ergibt sich neuerdings zwischen der Old Lady Grantham (Maggie Smith) und Isobel Crawley (Penelope Wilton).

Wenig erfreulich, aber umso interessanter in seinen Konnotationen, entwickelt sich der (nie ganz aufgelöste) Handlungsstrang in Bezug auf Edith (Laura Carmichael), die kleine Marigold (Karina Samms und Eva Samms) und die Bauernfamilie Drewe. Mary (Michelle Dockery), die als einzige noch immer nicht die Wahrheit über Marigold und Edith kennt, spielt in diesem Zusammenhang eine tragende Rolle - und glänzt erneut als empathielose Egoistin ohne Feingefühl.

Mary und Edith

Es spricht eigentlich für sich, dass Mary als einzige der gesamten Crawley-Familie noch immer nicht weiß, dass Edith die leibliche Mutter der kleinen Marigold ist. Der eher selten offensive, doch immer unterschwellig präsente Konflikt der beiden Schwestern drückt sich meist als Konkurrenzkampf untereinander aus. Während die verstorbene Sybil anfangs noch als Puffer fungierte, hat die gegenseitige Missgunst nunmehr freie Bahn. Sämtliche Attacken scheinen zuletzt aber vor allem von Mary auszugehen, die sich als Älteste stets ihrer Position vergewissern möchte und alles dafür tut, auch weiterhin Nummer Eins bei „Papa“ und überall sonst zu bleiben. Dass selbst Lady Grantham (Elizabeth McGovern) befürchtet, Tochter Mary könne die Gewissheit über das uneheliche Kind von Edith als Waffe nutzen, beweist nur ein weiteres Mal, dass der chronisch vernachlässigten Edith wohl am besten daran geraten wäre, nach London zu ziehen.

So ist es auch naiv, anzunehmen, dass Mary in Bezug auf den Ausflug zum Bauernhof der Drewes anders gehandelt hätte, würde sie von den wahren Verhältnissen wissen. Leider spricht so ziemlich alles dafür, dass „the blessed Lady Mary“ keine Gelegenheit auslässt, um ihre Schwester zu demütigen, zu verletzen und auf „ihren Platz“ - nämlich in den hinteren Reihen - zu verweisen. Was sich nun letzten Endes rund um die tragische Situation zwischen Mrs. Drewe (Emma Lowndes), Lord Grantham (Hugh Bonneville), Edith und Marigold abspielt, ist gewiss nicht ausschließlich auf Marys Verhalten zurückzuführen. Dafür ist das Gesamtgefüge gesellschaftlicher Zwänge - die sich tragischerweise gerade ansatzweise in Auflösung befinden - zu vielschichtig. Von Beginn an war klar, dass die Drewes in dieser Situation die Verlierer sein würden. Der kurze Schockmoment der Entführung von Marigold hatte es dennoch in sich - er hinterlässt allerdings den bitteren Beigeschmack der Ungerechtigkeit. Denn wer konnte es der ehemaligen Ziehmutter des kleinen Mädchens verübeln, die ihre Lords und Ladys nur als vom Überfluss gelangweilte Upper Class kennt (oder zu kennen glaubt)? Einen unübersehbaren Einfluss auf Ediths Glück beziehungsweise Unglück hat nach wie vor aber Mary. Fanservice hin oder her - Ediths Figur hat es schlicht verdient, ein freies, selbstständiges Leben (im Rahmen der Möglichkeiten Mitte der 1920er Jahre) zu führen - am besten in London, am besten ohne Mary, und am besten als selbstbewusste Chefin des Verlags.

That's what makes me angry, the system - and she's part of it

Zurück auf dem Boden der Tatsachen geht es in dieser Episode zwischen Kandelabern und Silberbesteck einerseits, Serviertabletts und Schürze andererseits, weiter um ernste Angelegenheiten. Mit Daisys Aufbegehren gegen die bestehenden Machtverhältnisse, denen sich aktuell ihr Schwiegervater Mr. Mason spürbar ausgesetzt sieht, zeigt sich Downton Abbey erneut von seiner kritischen Seite. Die mal subtilen, mal konkreten Anspielungen auf die Kämpfe der Arbeiterklasse der 1920er Jahre, und der Entschluss, deren Auswirkungen an der einst naiven Küchenhilfe Daisy zu illustrieren, entfaltet zusehends an Wirkungskraft. An dieser Stelle ist abermals die feine Charakterzeichnung der Autor-/innen zu loben, die fast ausnahmslos nachvollziehbar bleibt. So werden die Zuschauer-/innen Zeuge der bislang weitreichendsten Charakterentwicklung einer Figur.

Anderorts wehrt sich auch die oberste Hausdame und frisch verlobte Mrs. Hughes (Phyllis Logan) dagegen, wirklich alle Bereiche ihres Lebens den adligen Bewohnern von Downton Abbey zu widmen. Während dieser Handlungsstrang zwar mit durchaus amüsantem Geplänkel zwischen ihr und Carson punktet, wird die Entscheidung darüber, wo die beiden ihre Hochzeit feiern werden, gleichzeitig zum Politikum: Auch an dieser Stelle treten die Beklemmungen und Einschränkungen des Klassensystems deutlich zutage, in dessen Zentrum mal wieder Mary steht. Denn abermals wird offensichtlich, wie sehr es der hochwohlgeborenen Lady Mary an Feingefühl mangelt. Sicherlich ist es eine ernstgemeinte Geste der Zuneigung, sowohl für Carson, als auch später für Anna (Joanne Froggatt) Partei zu ergreifen und sich für die ihr nahestehenden Personen einzusetzen. Und natürlich: Ohne Marys Einsatz wäre Anna die vielleicht hilfreiche Operation zur Erfüllung ihres Kinderwunsches verwehrt geblieben. Wenn auch nicht mit böser Absicht, so zumindest mit Gedankenlosigkeit - Mary entscheidet im positiven, wie auch im negativen Sinne allzu oft über die Köpfe anderer hinweg, in der vermeintlichen Gewissheit, dass allein sie weiß, was für andere gut ist und was nicht. In dieser Hinsicht scheint sie einiges von ihrer deutlich sympathischeren Großmutter geerbt zu haben.

Fazit

In der zweiten Episode der sechsten Staffel von Downton Abbey werden sowohl ältere, als auch neuere Konflikte aufgearbeitet, bisweilen sogar aufgelöst. Im Falle der vom Unglück gebeutelten Edith scheint vorerst aber ein Ende in Sicht zu sein. Leider bleibt an dieser Stelle ein bitterer Nachgeschmack, denn Ediths Glück ist, nicht zuletzt aufgrund gesellschaftlicher Konventionen, wohl an das Unglück anderer gebunden. Das Endlosstück der Missgunst und des Neides von Mary und Edith hingegen findet kaum ein Ende. Wenngleich Mary zunehmend unsympathischer wird, büßt ihre Figur jedoch weder an Glaubwürdigkeit, noch an interessanten Entwicklungen ein, sondern eröffnet weiterhin großes Potential.

Dass ihr Charakter eine einflussreiche Rolle im Gefüge von Downton Abbey einnimmt, zeigt sich auch an anderer Stelle. Während der Handlungsstrang um Mrs. Hughes und Carson durch amüsante Untertöne die Stimmung der Episode deutlich auflockert, wittern geübte Zuschauer-/innen und Fans in Bezug auf Anna indessen ein neues Drama. Neben Edith ist Anna wohl eine der Figuren, die ein wenig Glück dringend nötig hätten.

Verfasser: Hannah Klein am Montag, 28. September 2015
Episode
Staffel 6, Episode 2
(Downton Abbey 6x02)
Deutscher Titel der Episode
Hochzeit mit Hindernissen
Titel der Episode im Original
Episode 2
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Sonntag, 27. September 2015 (ITV)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 10. Juni 2016
Regisseur
Minkie Spiro

Schauspieler in der Episode Downton Abbey 6x02

Darsteller
Rolle
Laura Carmichael
Jim Carter
Raquel Cassidy
Brendan Coyle
Michelle Dockery
Kevin Doyle
Rob James-Collier
Phyllis Logan
Elizabeth McGovern
Sophie McShera
Lesley Nicol
Penelope Wilton

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