Breaking Bad 5x11

Breaking Bad 5x11

Die neue Episode von Breaking Bad startet gemächlich und außerdem mit einer fragwürdigen Wendung. Dann jedoch nimmt sie durch eine grausame Enthüllung gehörig an Fahrt auf, bis sie ihre Zuschauer mit einem beinahe unerträglichen Cliffhanger entlässt.

Ein Bekenntnis der anderen Art: Skyler (Anna Gunn) und Walter White (Bryan Cranston) mit betretenen Mienen. / (c) AMC
Ein Bekenntnis der anderen Art: Skyler (Anna Gunn) und Walter White (Bryan Cranston) mit betretenen Mienen. / (c) AMC

Die Episode Confessions hinterlässt ihre Zuschauer mit gemischten Gefühlen. Eröffnung und Schluss bleiben auf dem hohen Niveau der Vorgängerepisoden, der Twist im Mittelteil sorgt jedoch für einiges Stirnrunzeln. Dies mag an der dramaturgischen Notwendigkeit liegen, den Showdown zwischen Hank Schrader (Dean Norris) und Walter White (Bryan Cranston) noch etwas länger hinauszögern zu müssen. Schließlich haben sich die Autoren dazu entschieden, die Konfrontation der beiden schon zu Beginn der abschließenden Episoden zu erzählen.

What the hell happened to this country?

Nun mussten sie sich also etwas einfallen lassen, um Hank davon abzuhalten, eine offizielle Ermittlung gegen Walter einzuleiten. Sie entschieden sich für eine Variante, die für einige hitzige Debatten sorgen dürfte. In einer grandiosen Szene laden Skyler (Anna Gunn) und Walt Hank und Marie (Betsy Brandt) zum Abendessen in ein mexikanisches Familienrestaurant ein. Walt versucht zunächst, Hank davon zu überzeugen, ihn und seine Familie - für das Wohl der Kinder - einfach in Ruhe zu lassen. Doch der stolze Hank rückt keinen Zentimeter von seiner Position ab. Die Szene beginnt mit einem der zahlreichen comic reliefs dieser Episode - ein unbedarfter Kellner - und endet mit einer gigantischen, unvorstellbaren Erpressung.

Hank (Dean Norris; l.) bekommt auch wegen vergangener Verfehlungen nichts aus Jesse (Aaron Paul) heraus. © AMC
Hank (Dean Norris; l.) bekommt auch wegen vergangener Verfehlungen nichts aus Jesse (Aaron Paul) heraus. © AMC

Dazwischen darf Marie noch einen Wunsch aussprechen, den sie wohl seit der Entdeckung von Walts Machenschaften hegt. Sie fordert ihn unverblümt zum Selbstmord auf. Als Zuschauer dürfte man spätestens hier merken, auf wessen Seite man steht. Die widerliche, unaussprechliche, haarsträubende Dreistigkeit, mit der Walter White seinen Schwager, den DEA-Agenten Hank Schrader dazu auffordert, das „Richtige“ zu tun, stößt an die Grenzen des psychisch und auch physisch Erträglichen. Nachdem Hank sich als zu starrköpfig erweist, zieht Walter die, so erklärt er, einzige Option - was natürlich nicht stimmt. Er könnte auch Hanks Ratschlag beherzigen und alle seine Taten eingestehen, endlich nicht mehr lügen, endlich seinen Mann stehen.

Stattdessen präsentiert er die bislang größte Lüge der ganzen Serie. In einer schönen Referenz an die Pilotepisode hat Walter ein Bekennervideo aufgezeichnet. Der feine Unterschied ist eben jener, dass Walter damals die Wahrheit auf Band aufgenommen hatte, nun verewigt er sich mit der dreistestmöglichen Unwahrheit auf Video. Entsprechend fallen auch Hank und Marie die Kinnladen herunter. Walt stellt sich als Opfer des angeblichen Drogenbosses Hank Schrader dar. Er habe zuerst aus finanziellen, dann aus Gründen der Angst für Hank das Methamphetamin gebraut. Nun könne er nicht weiter in diesem Gefängnis aus Lügen und Intrigen leben und wolle bekennen.

In Wirklichkeit kann Walter aber sehr gut in diesem von ihm errichteten Lügengebäude leben - für ihn ist es gar kein Gefängnis. Aber dass Hank sich nicht laut prustend von dem Video abwendet und Walter dafür ins Gesicht lacht, ist schon etwas erstaunlich. Die großen Eckdaten, die Walter in dem Video miteinander verbindet - der Angriff der Zwillinge auf Hank als angeblichen Auftragsmord von Gus Fring, die Kooperation mit Gus Fring und den Mord an ihm - mögen ein stimmiges Bild ergeben. Eine detailliertere Untersuchung dieser frei erfundenen Geschichte dürfte jedoch schnell zu ihrer Auflösung führen.

Erster Makel auf der sonst blütenweißen Weste

Hank begeht einen weiteren Fehler, indem er einfach nichts tut und weiter wartet. An diesem Punkt müsste er sich eigentlich auch keine Sorgen mehr um seine Karriere machen, sondern sich einzig und allein darauf konzentrieren, Walter White festzunehmen. Genügend Indizien und Hinweise hat er allemal, um zumindest seine Kollegen einzuweihen. Und die würden ihn immer noch für glaubwürdiger halten als Walter. Sein größter Fehler besteht also darin, weiter auf eigene Faust ermitteln zu wollen. Er befolgt den Rat, den er Walter kurz zuvor gegeben hat, selbst nicht. Ließe er sich von seinen Kollegen helfen, würde sich Walters Drohung schnell in Luft auflösen.

Walter White (Bryan Cranston) rüstet sich für den Showdown mit Jesse. © AMC
Walter White (Bryan Cranston) rüstet sich für den Showdown mit Jesse. © AMC

Diese Wendung mag der Dramaturgie der abschließenden Episoden geschuldet sein, besonders schlüssig ist sie jedoch nicht. Wenngleich Breaking Bad nie die logischste und realistischste Dramaserie war, so waren die vielen spektakulären Wendungen doch immer halbwegs plausibel konstruiert. Daran, dass Hank, der eigentlich nichts mehr zu verlieren hat, sich so sehr einschüchtern lässt, vor allem von solch einer hanebüchenen Lüge, darf doch gezweifelt werden. Für sein eigenes Wohl sollte er Walters Drohung aber ernstnehmen. Andernfalls bliebe Walt nämlich nur noch eine Option: Hank ermorden zu lassen oder es gar selbst zu tun. Die eigenen Worte gegenüber Saul Goodman (Bob Odenkirk) aus der letzten Episode („Hank is family“) dürften einem in die Ecke getriebenen Walter herzlich egal sein.

All die dramaturgische Freiheit, die sich die Autoren mit dem Haupterzählbogen genommen haben, machen sie mit einer an atmosphärischer Dichte kaum zu übertreffenden Szenensequenz wieder wett. Nachdem Jesse (Aaron Paul) sich wieder einigermaßen gefangen hat, lehnt er es kategorisch ab, mit Hank zu verhandeln. Von Saul Goodman lässt er sich - ohne das viele schöne Geld - aus der Verwahrung hauen und trifft sich mit Walter in der Wüste Arizonas. Dort fleht er ihn an, endlich einmal die Wahrheit auszusprechen. Er ringt um Fassung, bittet Walter inständig, ihn nicht ständig zu belügen und für die eigene Agenda zu missbrauchen.

Es ist Jesses Offenbarungseid. Zum ersten Mal spricht er aus, dass er wisse, dass Walter Mike getötet habe und dass er als Nächstes dran sei. Ihm scheint sein eigenes Leben nicht mehr viel wert zu sein, bis zu dem Punkt, an dem sein Ersatzvater ihn in den Arm nimmt und tröstet. Diese Liebe, dieses Kümmern ist alles, was Jesse jemals wollte. In diesem Moment ist es ihm sogar egal, dass es ein Monster ist, das ihm diesen Wunsch erfüllt. Er lässt sich also von Walter überreden, ins selbstgewählte Exil zu emigrieren. Saul stellt den Kontakt her, verschafft ihm genug Geld, um in Alaska einen Neuanfang zu wagen und schickt ihn gemeinsam mit Huell (Lavell Crawford) auf den Weg. Am Treffpunkt macht Jesse jedoch eine grausige Entdeckung.

Er realisiert, dass Huell ihm zuvor das Haschisch abgenommen hat. Dies muss auf Anweisung Sauls passiert sein, da dieser ihn eindringlich davor gewarnt hatte, die Drogen mit auf seinen Auswanderungstrip zu nehmen. Die Schachtel seiner Lieblingszigaretten in der Hand, dämmert es ihm. Auch kurz vor der Vergiftung Brocks (Ian Posada) am Ende der vierten Staffel muss ihm Huell das Gift abgenommen und über Saul an Walter gegeben haben. Er ist sich sicher: Walter hat Brock vergiftet, um den Verdacht auf Gus Fring zu lenken. Fortan hat er nur noch einen Gedanken im Sinn: Rache an Walter White.

Fazit

Leider stellen sich die flash forwards aus den Auftaktepisoden der „beiden“ fünften Staffeln nun als Cliffhangerzerstörer heraus. Vom Besuch Walter Whites in seinem verlassenen Haus wissen wir nämlich, dass dieses zwar völlig verwüstet, jedoch keinesfalls niedergebrannt wurde. Also wird Jesse das ausgeschüttete Benzin nicht anzünden. Wer ihn wohl davon abhalten wird? Etwa Walter Junior?

Weiterhin ist es schade, dass sich die Autoren für eine etwas unglaubwürdige Wendung entschieden haben. Im Review wurde ja schon dargelegt, wieso das Erpressungsvideo eigentlich nicht funktionieren kann. Hank müsste einfach nur über seinen eigenen - zugegebenermaßen sehr großen - Schatten springen und seine Kollegen um Hilfe bitten. Oder einfach auf seine Ehefrau hören. Weil er es nicht macht, kann Heisenberg weiter sein Unwesen treiben.

Schon erstaunlich, dass die Autoren ihre gesamte Geschichte an einen solch seidenen Faden hängen. Sie können es nämlich auch anders, wie sie im Handlungsstrang um Jesse beweisen. Hier werden zu keinem Zeitpunkt dramaturgische Fragezeichen aufgeworfen, Jesses Verzweiflung, seine Suche nach Nähe und Geborgenheit fühlt sich echt an. Aaron Paul liefert wieder einmal eine grandiose Vorstellung ab.

Genau wie Jesse Plemons in der Eröffnungsszene. Sein Charakter Todd ist einer der rätselhaftesten der Serie. Er ist ein Psychopath, jedoch ein sehr gut in die Gesellschaft integrierter: wohlerzogen, diszipliniert, einigermaßen gebildet. Zu keinem Zeitpunkt wirkt er gefährlich, gleichzeitig ist er in seiner kurzen Spielzeit für mehrere Morde verantwortlich, die ihn aber überhaupt nicht zu belasten scheinen. Voller Stolz erzählt er seinen Nazikumpels vom Eisenbahnraub und plant mit ihnen die nächsten Schritte für ein neues Meth-Imperium. Die Figur des Todd ist eine wahre Drehbuchmeisterleistung.

Auch technisch ist Confessions brillant umgesetzt. Regisseur Michael Slovis, der seit der zweiten Staffel für die Kamera verantwortlich ist, setzt wieder zahlreiche kleine Gadgets wie low angle shots ein, um die Episode visuell ansprechend zu gestalten. Farben, Landschaftsaufnahmen, Kameraeinstellungen: Zusammen ergeben sie ein stimmiges Bild dieser auf ihren Höhepunkt zusteuernden amerikanischen Familiensaga.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 26. August 2013

Breaking Bad 5x11 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 11
(Breaking Bad 5x11)
Deutscher Titel der Episode
Geständnisse
Titel der Episode im Original
Confessions
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 25. August 2013 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 25. August 2013
Autor
Gennifer Hutchison
Regisseur
Michael Slovis

Schauspieler in der Episode Breaking Bad 5x11

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