Breaking Bad 5x10

Breaking Bad 5x10

In der neuen Episode von Breaking Bad kann der Zuschauer seiner liebsten Serienfamilie dabei zusehen, wie sie an einem Ende rapide auseinanderbricht und am anderen wieder zusammenfindet. Buried lebt vor allem von den herausragenden Leistungen seiner Darsteller.

„Comic Relief“ in Perfektion: Huell (Lavell Crawford) macht es sich auf dem Geldberg gemütlich. / (c) AMC
„Comic Relief“ in Perfektion: Huell (Lavell Crawford) macht es sich auf dem Geldberg gemütlich. / (c) AMC

Wer es sich schon vor Sichtung der neuen Episode von Breaking Bad nicht verkneifen konnte, sich den Namen ebenjener zu Gemüte zu führen, der dürfte schnell in wilde Spekulationen verfallen sein, wer oder was denn nun als Nächstes begraben wird. Müssen sich die Zuschauer etwa schon in der zweiten der letzten acht Episoden Sorgen um einen zentralen Charakter machen?

I can't remember the last time I was happy

Müssen sie nicht. Begraben wurde in Buried vieles - nur keine Hauptfiguren. Walter (Bryan Cranston) begräbt sein Geld, Skyler (Anna Gunn) ihre Hoffnung, die ganze Geschichte könnte einen guten Ausgang nehmen, Hank (Dean Norris) seine Karriere und Lydia (Laura Fraser) mit Todds (Jesse Plemons) Hilfe einen Haufen Lateinamerikaner in der Wüste.

Offensichtlicher geht es kaum: Jesse (Aaron Paul) in der Abwärtsspirale. © AMC
Offensichtlicher geht es kaum: Jesse (Aaron Paul) in der Abwärtsspirale. © AMC

In der Familie White/Schrader kommt es zu seismischen Verschiebungen. Ohne Zeitsprung steigen wir wieder in die Geschichte ein, Hank lässt Walter erst einmal von dannen ziehen, kurz stehen sich die beiden gegenüber wie zwei Revolverhelden vor einem Duell. Genauso dramatisch wie in der letzten Episode wird auch dieses Mal wieder das automatisch schließende Garagentor inszeniert. Bis die ersten Worte gesprochen sind, vergehen knapp fünf Minuten. Dann entsinnt sich der hektisch davonrasende und trotzdem das ferngesteuerte Auto des spielenden Jungen verschonende Walt, sofort Skyler die schlechten Nachrichten mitteilen zu müssen.

Doch Hank ist schneller. Er klärt Skyler über Walts Machenschaften auf und verlangt nach einem Treffen. Dabei legt Hank zu schnell seine Karten auf den Tisch. Er offenbart Skyler, dass er über keine Beweise, sondern nur über Mutmaßungen und Indizien verfügt. Zudem schafft er es nicht, seine Verzweiflung zu verstecken - im Angesicht der Tatsache, dass er es als DEA-Büroleiter nicht geschafft hat, seinen eigenen Schwager als Heisenberg zu identifizieren. Das Gespräch nimmt eine interessante Wendung. Zu Beginn hält Hank noch die Zügel in der Hand. Als Skyler jedoch merkt, wie verzweifelt er um ihre Hilfe bettelt, entscheidet sie sich dazu, zu ihrem Ehemann zu halten und keine Aussage zu tätigen.

In der Episode Abiquiu aus der dritten Staffel, als Walter wissen wollte, ob er und Skyler nun schon geschieden seien, wies sie darauf hin, dass Ehefrauen nicht zu einer Aussage gegen ihre Ehemänner gezwungen werden können. Hat damals Skylers breaking-bad-Prozess begonnen, so ist er mit der aktuellen Episode auf seinem Höhepunkt angelangt. Die Konversation zwischen Skyler und Hank wird immer feindseliger, bis sich Skyler schließlich nicht mehr anders zu helfen weiß, als ihn anzuschreien: „Am I under arrest?“ Diese Taktik hatte sie auch schon in der Episode Hazard Pay aus dem ersten Teil der fünften Staffel erfolgreich gegen Marie (Betsy Brandt) eingesetzt.

What are you, Lone Wolf McQuade?

Als Walter merkt, dass er ein Treffen zwischen Skyler und Hank nicht verhindern kann, kümmert er sich sogleich um sein zweitwichtigstes Anliegen neben der Familie: sein Geld. Über Saul Goodman (Bob Odenkirk) beauftragt er die beiden Handlanger Huell (Lavell Crawford) und Kuby (Bill Burr) mit der Verfrachtung des Geldes in einen unauffälligen Lieferwagen. Die beiden lassen es sich jedoch nicht nehmen, einmal kurz den riesigen Geldberg als Bett zu missbrauchen. Der schwer adipöse Huell lässt sich sogar kurz bei dem Gedanken erwischen, sich mit dem Geld über alle Berge zu machen: „Mexico, all's I'm saying.“ Kuby weiß darauf die richtige Antwort: „Guy hit ten guys in jail within a two minute window, all's I'm sayin'.

Galant führt Todd (Jesse Plemons) seine alte und neue Chefin Lydia (Laura Fraser) durch das Leichenfeld. © AMC
Galant führt Todd (Jesse Plemons) seine alte und neue Chefin Lydia (Laura Fraser) durch das Leichenfeld. © AMC

Walter darf sein Geld also in Empfang nehmen. Er lehnt die großzügige Hilfe des ungleichen Paares ab („We don't mind overtime. Ain't no thing.“) und verfrachtet die Geldfässer irgendwo in die Wüste. Dort gräbt er alleine eine Grube, wuchtet die zentnerschweren Fässer hinein und zerstört den GPS-Peilsender, nachdem er sich die Koordinaten eingeprägt hat (34 59 20N 106 36 52W: In Wahrheit führen diese zu den Albuquerque Studios, wo einige Szenen der Serie aufgenommen werden. Danke, Google Maps!).

Von der schweren körperlichen Arbeit und dem psychischen Stress völlig ausgelaugt, bricht Walt schließlich im Badezimmer zusammen, als Skyler neue Informationen aus ihm herausquetschen will. Sie selbst hat da schon eine wahre innerfamiliäre Tour de Force hinter sich. Nach dem Gespräch mit Hank versucht auch Marie, sie zu einer Aussage zu bewegen. Skyler bleibt jedoch auch im Angesicht ihrer verheulten Schwester standhaft. Die völlig desillusionierte Marie versucht danach sogar, die kleine Holly (Elanor Anne Wenrich) mitzunehmen, um sie vor ihren eigenen Eltern zu schützen. Hank schreitet jedoch ein und verhindert eine weitere Eskalation der Familientragödie - sofern eine solche überhaupt noch möglich ist.

Als Walter nach seiner mehrstündigen Ohnmacht wieder aufwacht, scheint jeglicher Kampfesmut aus ihm gewichen zu sein. Er will aufgeben und sich bei der Polizei stellen. Dabei wünscht er sich lediglich, dass Skyler niemandem von dem Geld erzählt und es an ihre Kinder und Enkelkinder weitergibt. Schließlich ist das Geld das einzige, was ihm noch geblieben ist: „Please don't let me have done all this for nothing.“ So schnell, wie sich Walter White am Ende der letzten Episode in Heisenberg verwandelt hat, so schnell ist er nun wieder auf Normalmaß geschrumpft. Doch Skyler hat andere Pläne. Sie spekuliert darauf, dass es Hank nicht gelingen könnte, handfeste Beweise gegen ihn zu finden.

Abseits des Familienkonflikts kommt es auch im Meth-Geschäft zu größeren Veränderungen. Die allseits gestresste und trotzdem höchst ehrgeizige Lydia Rodarte-Quayle führt gemeinsam mit Todd und seiner herrlich verqueren Familie einen Anschlag gegen die aus ihrer Sicht dilettantischen Kochversuche von Declan (Louis Ferreira) und Konsorten aus. Währenddessen wird auch das Rätsel um Todds zwischenzeitlichen Verbleib aufgeklärt: Er wurde von seinen Aufgaben entbunden, nachdem er bei seinem dritten eigenen Kochversuch das Labor in Flammen gesetzt hatte.

Kommen in den Nebenplots also einige Entspannungsmomente zum Einsatz, so bleiben die Haupterzählstränge sehr ernst. Jesse (Aaron Paul) befindet sich weiterhin in einem hundsmiserablen geistigen Zustand. Die Robin-Hood-Aktion führt natürlich zu seiner Festnahme, welche er aber auch nur apathisch hinnimmt. Was kann die Polizei ihm noch antun, was Walter ihm nicht schon lange angetan hätte? Er wartet. Auch wenn er nicht genau weiß, worauf.

Fazit

Die neue Episode von Breaking Bad geht genauso plotorientiert weiter, wie man es von der Dramaserie gewohnt ist. Sämtliche Charaktere wägen ihre nächsten Schritte ab. Die einen wollen aufgeben, die anderen weiterkämpfen. Seine besten Augenblicke hat Buried immer dann, wenn es zu dramatischen Konfrontationen kommt: Skyler und Hank, Skyler und Walter, Skyler und Marie.

In diesen Szenen liefern die Schauspieler herausragende Leistungen ab. Brandt spielt die Verzweiflung ihrer Marie mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Sorge, Norris variiert als Hank immer noch zwischen schierer Wut und Angst um seine Karriere und Cranston porträtiert Walt glaubhaft als einen Verzweifelten, der die eigene Existenz vor seinen Augen zusammenbrechen sieht. Als starker Charakter geht einzig Skyler aus diesen Konfrontationen heraus.

Neben den hervorragenden Darstellern muss auch wieder die technische Umsetzung gelobt werden. Als Fernsehzuschauer gewöhnt man sich ja schnell an gewisse Standards - die filmische Ästhetik von Breaking Bad bleibt dennoch außergewöhnlich. Ob Kamerafahrten aus der Vogelperspektive, Trickaufnahmen oder Aufnahmen im Zeitraffer: Ein Qualitätsmerkmal der Serie waren und sind ihre technischen Raffinessen.

Schließlich sprechen Bilder manchmal mehr als Worte. So gelingen Regisseurin Michelle MacLaren einige erwähnenswerte Inszenierungen, vor allem in den Szenen des Überfalls auf Declan und seine Bande. Lydias Louboutins im Wüsensand: ein herrliches Bild! Vom Angriff selbst bekommt der Zuschauer dann optisch gar nichts mit, er kann lediglich einen Schusswechsel vernehmen. Die Kamera bleibt die ganze Zeit bei der im Bunker kauernden Lydia. Sie will später auch nicht die Leichen sehen, als sie von Todd zurück zum Wagen geführt wird. Die beiden bilden ein ganz besonderes odd couple. Wir dürfen uns also auf einige weitere witzige, dramatische, skandalöse und traurige Episoden freuen.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 19. August 2013

Breaking Bad 5x10 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 10
(Breaking Bad 5x10)
Deutscher Titel der Episode
Begraben
Titel der Episode im Original
Buried
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 18. August 2013 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 18. August 2013
Autor
Thomas Schnauz
Regisseur
Michelle MacLaren

Schauspieler in der Episode Breaking Bad 5x10

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