Breaking Bad 5x07

Walter White (Bryan Cranston) hat einen Plan. Einen Plan, der Mike (Jonathan Banks) den Ausstieg und den Rettungsschirm von 5 Millionen US-Dollar und ihm selbst den weiteren Aufbau seines Meth-Imperiums ermöglicht. Mit der ihm mittlerweile eigenen Überzeugungskraft bringt er Declan (Justin Louis) dazu, anstatt das gesamte Methylamin zu kaufen, doch „nur“ den Vertrieb für Heisenberg zu übernehmen. Dass das die Ausstiegspläne von Jesse (Aaron Paul) außen vor lässt, ignoriert Walter - ebenfalls mit der ihm mittlerweile eigenen Beharlichkeit.
Mike geht daraufhin seinen eigenen Ausstieg an: Er organisiert langfristig die Legacy-Zahlungen an die ehemaligen Mitarbeiter von Gus über Bankschließfächer, um deren Schweigen zu sichern. Auch seiner Enkelin bereitet er vorab eine Überraschung zu ihrem 18. Geburtstag - so wie er es zuvor bereits mit einem Konto getan hatte, dessen Inhalt aber die DEA eingesackt hat. Daneben entsorgt Mike diverse Arbeitsmaterialien und bereitet für den äußersten Notfall einen Fluchtplan vor.
Walter muss sich notgedrungen damit abfinden, dass Jesse ihm als Koch - zunächst - nicht mehr zur Verfügung steht und macht sich daran, Todd (Jesse Plemons) als Gehilfen heranzuziehen.
Der eher ruhige Fluss von Entwicklungen wird dadurch unterbrochen, dass Walter beim Entfernen der Wanze im Büro seines ebenfalls von seinem Tun besessenen Schwagers Hank (Dean Norris) erfährt, dass die DEA Mikes Handlanger für die Ausführung der Legacy-Zahlungen eingesackt hat und zur Kooperation bewegen konnte.
Mike aktiviert seinen Notfallplan zur Flucht, benötigt jedoch letztendlich Hilfe, um an seine vorbereitete „Notfalltasche“ zu kommen, ohne von der Polizei erwischt zu werden. Schließlich fällt es Walter zu, ihm diese zu bringen. In einer Mischung aus Vorbereitung und Affekt fügt Walter schließlich Mike eine tödliche Schusswunde zu, da dieser es ablehnt, ihm die Namen der ehemaligen Mitarbeiter von Gus zu verraten.
Besessen
Da, wo die Episode Buyout aufhörte, setzt Say My Name wieder an: Keine 24 Stunden sind vergangen, seit Walter Jesse enthüllt hat, dass er im „empire business“ sei, als der ehemalige Chemielehrer Declan ultimativ auffordert anzuerkennen, dass sein Ruf als Heisenberg ihm weit voraus eilt und niemand in der Branche ihn nicht kennt.
Daneben ist es Walter wichtig, sowohl mit seinen Fähigkeiten als Chemiker wie auch als Krimineller - den von ihm orchestrierten Mord an Gus - zu prahlen und klar zu machen, dass ihm niemand das Wasser reichen kann.
Interessant, dass sich Walters Besessenheit gerade bei seinem Schwager Hank widerspiegelt: Auch der frisch beförderte DEA-Agent schlägt jede Vorsicht in den Wind und verfolgt den Fall Blue Meth trotz ausdrücklichem Verbot seines Vorgesetzten weiter.
Der zwischenzeitliche Erfolg gibt den beiden Besessenen Recht.
Todd und Walter und Jesse
Nur schwer zu durchschauen sind die Pläne, die Walter derzeit mit Jesse wirklich hat. Mit seiner mittlerweile üblichen Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche, unterstützt von abstrusen Rationalisierungen, versucht Walter, Jesse unter seinen Willen zu zwingen, um ihn zur weiteren Mitarbeit zu bringen - er braucht ihn, um sein Imperium aufzubauen.
Die Frage ist nur, was genau sich Walter vorstellt. Denn obwohl man Walter das Kompliment gegenüber seinem ehemaligen Schüler nicht abkauft, dass Jesse ihm als Drogenkoch in nichts mehr nachstünde, erscheint seine Ankündigung, ihn zum Leiter seiner eigenen Küchen machen zu wollen, sinnvoll. Was aber die Frage aufwirft: Was macht Walter dann? Kümmert er sich um „administrative“ Aufgaben? Oder will er weiter kochen und Jesse als sein erstes Franchise etablieren?
Nachdem Jesse Walter zurückweist, nimmt dieser sich Todd als neuen Lehrling. Vermutlich ist Todd engagierter und cleverer, als Jesse es anfangs war. Mit einem Jesse in seinem derzeitigen Ausbildungsstand kann er natürlich nicht mithalten. Und während Walter nichts anderes übrig bleibt, als Todds Bemühungen anzuerkennen, so trauert er doch offensichtlich der Zusammenarbeit mit Jesse nach.
Todd indes zeigt ein weiteres Mal, dass er höhere Ambitionen hat: Walters Angebot, über seine Bezahlung zu reden, schlägt er einstweilen aus. Er weiß, dass er durch den jetzigen Verzicht später, als „vollständiger“ Koch, deutlich mehr herausschlagen kann. Andersherum sieht Walter diesen berechnenden Zug in Todd augenscheinlich mit Sorge. Schließlich schielt eine ehrgeizige Nummer 2 irgendwann nach dem Chefposten.
Walter und wie er die Welt sieht
Mit der Zeit erinnert das Verhalten von Walter White immer mehr an das, was wir vom Soziopathen Dexter Morgan (Michael C. Hall) kennen: Die Gedankengänge anderer Menschen sind ihm fremd geworden, in die Bedürfnisse und Nöte seiner Umgebung kann er sich nicht mehr einfühlen. Im Umgang mit seinen Mitmenschen handelt er immer stärker automatisch: Er versucht eine Situation einzuschätzen und fährt dann ein vorgespieltes Standardprogramm ab.
Deutlich wird dieses Verhalten, als er im Büro von Hank sitzt und diesem ein Programm mit Tränen vorgaukelt, das darauf ausgerichtet ist, den DEA-Agenten kurzzeitig aus dem Büro zu vertreiben. - Aber auch anhand der Diskussionen mit Jesse und den dabei vorgegaukelten Gefühle über den erschossenen Jungen oder des aberwitzigen Versuchs, mit Skylar (Anna Gunn) beim Abendessen Konversation zu betreiben.
Mike Ehrmantraut, we hardly knew ya
Mit der Episode Say My Name verliert Breaking Bad einen der sympathischsten Mörder der Fernsehgeschichte. Mike zeichnete sich bis zum Ende durch Augenmaß und Loyalität aus. Sein schwacher Punkt war augenscheinlich seine Enkelin, um derentwillen er sich in die Geschäfte von Walter verstricken ließ.
In der Tat hat es Mike verdient, in Ruhe zu sterben, statt unter dem Gebrabbel von Walter.
Die Grenzen der Übermenschlichkeit
Die Szenen um den Tod von Mike zeigen Walter an seinen Grenzen. Einerseits ist er trotz aller großer Reden immer noch ein Mensch - einer mit begrenzter Erfahrung im Töten. Denn es gelingt ihm nicht, bei dieser Tat kühl und souverän zu bleiben, wie bei seinen vielen Verhandlungen unter Bedrohung - die Bilder legen nahe, dass Walt unter Schock steht.
Auf der anderen Seite muss Walt eingestehen, dass er in seiner Wut wegen des Widerspruchs von Mike einen Fehler gemacht hat. Während Walter Mike dazu zwingen wollte, die Namen der neun inhaftierten Mitarbeiter von Gus Preis zu geben - die losen Enden -, fällt ihm nachträglich ein, dass es noch jemand anderen gibt, der diese Namen kennt und vermutlich deutlich freigiebiger Preis gegeben hätte: Lydia (Laura Fraser) von der Madrigal Electromotive GmbH.
Fazit
In vielen Dingen ist die Episode Say My Name die Ruhe vor dem zu erwartenden Sturm des Sommerfinales von Breaking Bad gewesen. In weiten Teilen der Episode nahm die Handlung eher unaufgeregt ihren Lauf, was für einige der gewohnt interessanten aufnahmetechnischen Extravaganzen Raum ließ. Hervorzuheben sind klar die Fahrt-Sequenz zu Anfang der Episode, die drei wegen des unebenen Untergrunds in Einklang wackelnden Köpfe von Jesse, Mike und Walter sowie die am Arm des Anwalts befestigte Kamera beim Befüllen der Bankschließfächer.
Für die kommende Episode darf man weitere Konfrontationen erwarten. Was wird Walter mit Mikes Leiche machen? Wie wird es zwischen Walter und Jesse weitergehen - was vor allem davon abhängen wird, von welchen Taten und Plänen Walters Jesse erfährt. Und welche Rolle werden Walters zweifellos gewalttätige Pläne für die neun Geheimnisträger aus Gus' Organisation spielen.
Verfasser: Bernd Michael Krannich am Sonntag, 2. September 2012(Breaking Bad 5x07)
Schauspieler in der Episode Breaking Bad 5x07
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