Breaking Bad 5x06

Breaking Bad 5x06

Mit den Folgen der bösen Überraschung am Ende der vorherigen Episode müssen sich die Protagonisten der Serie Breaking Bad in Buyout auseinandersetzen. Dabei zeigt Walter immer mehr sein wahres Gesicht.

Glücklich sieht anders aus: Walter White (Byan Cranston) in der Episode „Buyout“ der US-Serie „Breaking Bad“ / (c) AMC / Ursula Coyote
Glücklich sieht anders aus: Walter White (Byan Cranston) in der Episode „Buyout“ der US-Serie „Breaking Bad“ / (c) AMC / Ursula Coyote

In der Episode Buyout schwimmen Walter (Bryan Cranston) ein bisschen die Felle weg: Seine beiden Mitstreiter Jesse (Aaron Paul) und Mike (Jonathan Banks) wollen aussteigen. Walter jedoch positioniert sich als Damm und durchbricht dabei so manche Grenze.

Geschäftig
In einer beängstigenden Eingangssequenz erleben wir in der Episode Buyout, wie routiniert Walter und Jesse mittlerweile im Umgang mit dem Unvorstellbaren sind. Nachdem Todd (Jesse Plemons) nämlich am Ende der letzten Episode kurzerhand einen jugendlichen Zeugen ihres heimlichen Zugüberfalls erschossen hatte, werden zunächst die Spuren professionell beseitigt - „Ein Fass aufmachen“ erhält eine neue schreckliche Bedeutung. Und Mr. Wolf aus „Pulp Ficiton“ wäre stolz auf sie.

Erst danach geht es daran, die Konsequenzen des Geschehens zu bereden. Dabei erweist sich Todd als echter Psychopath mit Karriereambitionen, springt aber trotz des sichtbaren Ekels des Trios aus Mike, Walter und Jesse seinem vorzeitigen Ende noch mal von der Schippe. Vermutlich nicht zuletzt, weil die drei für einen Tag genug Säure in Fässer gekippt hatten.

Katz und Maus
Mike ist nach wie vor durch seine Verbindung zu Gus im Fadenkreuz der DEA. Mit aller Routine eines alten Cops, aber auch einem gewissen Fatalismus wegen der jüngsten Geschehnisse, spielt er sein Spiel mit den Bundesagenten. Dabei hat er den Vorteil, dass er dank Walter eine Wanze im Büro von deren Bezirkschef Hank (Dean Norris) hat. Für die Zuschauer ist ein fettes Lachen drin, wenn wir uns die Banalitäten anhören, mit denen sich der hochdekorierte Ermittler auseinandersetzen muss. Wobei auch wir eingestehen müssen: „Miracle Whip is NOT mayonnaise, okay“!

Aktion und Reaktion
Im Gegensatz zum kalten Walter regen sich in Mike und vor allem Jesse noch Gefühle: Nach dem schrecklichen Ereignis wollen sie nur noch eins, nämlich raus. Als Fallschirm, um die Verluste der durch die DEA eingefrorenen Gelder von Gus abzufangen, hat Mike einen letzten Deal im Auge, dem sich Jesse nur allzu gerne anschließt: den Verkauf des eigenen Anteils an dem geklauten Methylamin. Zwar weit (weit!) unter dem Wert, dafür aber eben mit sofortiger Auszahlung von 5 Millionen US-Dollar. Kein Wunder, dass Walter wenig erbaut ist.

Als es für Mike zu unvorhergesehenen Komplikationen kommt, ist seine Entscheidung klar, wenn auch Jesse der Bote wird: Mikes Käufer Declan (Justin Louis; Stargate Universe, Durham County) will das blaue Meth von der Straße haben und erkennt schnell, dass ihm nur zwei Drittel des vorhandenen Methylamin-Vorrats angeboten wurden - ganz oder gar nicht lautet seine Devise. Und so ist der Verkauf der gesamten 1000 Gallonen der Chemikalie die Option der Wahl für Mike und Jesse.

Katz und Maus - Teil 2
Für die arg gebeutelte Skyler (Anna Gunn) hält das Schicksal den nächsten Rückschlag bereit: Sie ist nahe daran, endgültig alles, an das sie sich bisher geklammert hat, über Bord zu werfen - und sie ringt damit, ihrer Schwester Marie (Betsy Brandt) alles zu erzählen. Nur um zu erkennen, dass Walter auch hier bereits vorgesorgt hat und ihre Schwester mit der Geschichte geimpft hat, Skyler leide darunter, ihn betrogen zu haben. Nachdem sie zuerst ihren Mann an seine Drogenkarriere verloren hat, muss Skyler nun erkennen, dass ihr mit ihrer Schwester ihre wohl letzte Stütze abhanden gekommen ist.

Ein Abendessen
Ein Abendessen

Dieses Gefühl der Isolation und des Verrats hat aber auch etwas Befreiendes: Als Walter sie später durch eine spontane Einladung an Jesse zum gemeinsamen Abendessen weiter in die Ecke drängt - zwei gegen eine - findet sie zumindest ein bisschen Kampfgeist wieder.

Derweil erleben wir, passend zum Slogan der Staffel, den „einsamen König“ Walter White. Er ist dabei, sein Drogenimperium aufzubauen und, obwohl er Entscheidungen von großer Tragweite fällt, entgleitet ihm sein Umfeld: Seine „Königin“ ist ihm entfremdet, hat ihn innerlich verlassen und ist nur noch wegen der Angst um die Konsequenzen an seiner Seite - und in der Erwartung, dass seine Schreckensherrschaft wegen seiner Krebskrankheit von begrenzter Dauer sein wird. Walters „Vasallen“ widersetzen sich ihm: Jesse will fliehen, Mike begeht gleich ganz Verrat.

Das Horrorkabinet des Walter White
Die Folge Buyout führt den Zuschauern den gesamten Abgrund vor Augen, zu dem Walter Whites Seele mittlerweile geworden ist. Es beginnt mit der geschäftsmäßigen Entsorgung der „Beweisstücke“ für den Mord am jugendlichen Zeugen. Weiter geht es mit der ruhigen Diskussion der „Optionen“ bezüglich Todd. Es folgt Walters beängstigend gute Laune, nachdem er im Fernsehen den Bericht über den vermissten, vom Trio „entsorgten“ Jungen gesehen hat.

Dann gewährt Walter Jesse und den Zuschauern einen seltenen Blick hinter seine zur zweiten Natur gewordenen Maske und enthüllt, was ihn derzeit antreibt. Schon lange nicht mehr der Wille, mit 737.000 US-Dollar seine Familie abzusichern. Vielmehr ist es die in ihm gärende Wut darüber, sich seinerzeit bei Gray Matter ausgezahlt haben zu lassen - mit 5000 Dollar bei einer Firma, die nun 2,16 Milliarden wert ist - wie eine alte Freundin stalkt Walter den Firmenwert online.

Deswegen lehnt er jetzt auch das Angebot ab, das Methylamin für 5 Millionen Dollar zu verkaufen, statt mit dem Endprodukt später Hunderte Millionen machen zu können. Schließlich macht Walter seine Ambitionen noch einprägsam deutlich: „Jesse, you asked me, if I was in the Meth-Business or in the Money-Business. Neither! I'm in the Empire-Business!

Auch die nächste Szene lässt tief in Whites Seele blicken: Durch Jesses Einladung an den Familientisch stößt er seiner Frau vor den Kopf und bringt Jesse gleichzeitig in eine schwierige soziale Situation, mit der dieser kaum umgehen kann.

Die Reaktion von Walter auf Jesses Vermittlungsversuch um das Methylamin ist nicht nur für die Zuschauer vorhersehbar, sondern auch für Mike: Walter versucht, den ganzen Tank unter seine Kontrolle zu bringen. Mikes Re-Reaktion ist ebenso kaltschnäutzig wie ruhig: Walter im Büro an die Heizung zu fesseln. Womit wohl niemand rechnen konnte, war Walters unbedingter Wille und seine Bereitschaft, sich für eine Flucht - und das Methylamin - selbst zu verletzen.

Same old, same old
Und so endet die Episode mit einigen Wiederholungen: Walter hat wieder mal eine Pistole an der Schläfe, an deren Abzug ein extrem aufgeregter Besitzer - in diesem Fall Mike - bereit ist, alle eigenen Prinzipien über Bord zu werfen und abzudrücken. Und daneben findet sich Jesse, der sich mal wieder vom Plan eines anderen hat überzeugen lassen, dass dadurch alles besser würde.

Fazit

Buyout ist eine gewohnt brillant inszenierte Breaking Bad-Episode, die ungewöhnlich tief in Walter Whites Seele blicken lässt - und white ist dort gar nichts mehr.

Verfasser: Bernd Michael Krannich am Donnerstag, 23. August 2012
Episode
Staffel 5, Episode 6
(Breaking Bad 5x06)
Titel der Episode im Original
Buyout
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 19. August 2012 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 8. November 2012
Autor
Gennifer Hutchison
Regisseur
Colin Bucksey

Schauspieler in der Episode Breaking Bad 5x06

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?