Beef 1x01

© Netflix
Serien-Autor Lee Sung Jin, dessen Schreibe in der Vergangenheit für Formate wie 2 Broke Girls, Girlboss und Dave zum Einsatz kam, brachte eines Tages einen Pitch zum Streaminganbieter Netflix, der auf einer persönlichen Road-Rage-Erfahrung im Straßenverkehr basiert. Das Ergebnis ist die Dramedy Beef aus dem Hause A24 (Euphoria, Ramy), die man seit heute im Angebot des Streamingdienstes findet. Wir haben die erste Folge unter die Lupe genommen.
Für die Hauptrollen konnten der für „Minari“ oscarnominierte The Walking Dead-Star Steven Yuen sowie der weibliche Stand-up-Comedian Ali Wong gewonnen werden. Mit Letzterer hatte der Serienschöpfer schon während seiner Zeit bei der Animationsserie Tuca & Bertie zu tun, wo sie einen der schrägen Vögel vertonte. Bereits damals erkannte Lee das dramatische Potential der Komikerin, die hier endlich zeigen darf, was sie schauspielerisch draufhat, wenn es nicht nur um Lacher geht.
Die „Beef“-Auftaktepisode The Birds Don't Sing, They Screech in Pain beginnt aber mit Yuens Charakter Danny Cho, der es nicht fertigbringt, einen fehlgekauften Grill zurückzubringen, obwohl er das Geld gut gebrauchen könnte. „Immer ist irgendwas“, ist sein sorgenvolles Serienmantra und als ihm dann auch noch ein frecher Verkehrsteilnehmer dummkommt, platzt ihm endgültig der Kragen. Es kommt zur Verfolgungsjagd, bei der Danny sich immerhin das Kennzeichen seines Straßenschurken merken kann.

Als erfolgloser Unternehmer, der Handwerksdienste anbietet, wohnt Danny mit seinem Bruder Paul (Young Mazino) zusammen, während seine Eltern in Südkorea in ebenso unglamourösen Umständen leben, nachdem der Sohn einem Cousin, der in krumme Angelegenheiten verwickelt ist, zu sehr vertraute und damit das Familienbusiness unterging. Einen verlorenen Auftrag später verzockt sein spiel- und spekulationssüchtiger Bruder auch noch das Wiedergutmachgeld des Cousins und Danny ist vollkommen am Ende.
Der freche Verkehrsteilnehmer war die von Wong gespielte Verkehrsteilnehmerin Amy Lau, deren Leben ganz anders aussieht: Sie lebt in Saus und Braus mit ihrem japanischen Designer-Ehemann plus Kind und führt selbst ein Prestigegeschäft, in dem sie gutbetuchten Kund:innen Designer-Einrichtungsgegenstände und Nobelpflanzen andreht. Doch auch sie hasst ihr Leben, steht permanent unter Strom, wird von ihrer kritischen Schwiegermutter (Patti Yasutake) schikaniert und hat eigentlich auch genug von den prätentiösen Halsabschneidern in ihrem kompetitiven Umfeld.
Ähnlich wie im südkoreanischen Sozialkommentarfilm „Parasite“ wird hier das gegensätzliche Porträt einer klaffenden Arm-Reich-Schere gezeichnet, an der Beef jedoch (zunächst zumindest) nicht sonderlich interessiert ist. Vielmehr verspürt man einen „Die Wohlhabenden-haben-es-auch-nicht-leicht“-Ansatz, der natürlich weniger Empathie hervorruft als Dannys Situation, dessen sozialer Status ihn deutlich einschränkt, während Amy trotz familiärer Obligationen die Wahl hat, dort zu sein, wo sie ist. Es wird interessant zu sehen sein, ob und wie die Serie im weiteren Verlauf mit dieser Diskrepanz umgeht.
Warum die Serie aber als Dramedy bezeichnet wird, kommt in der ersten Episode nicht ganz raus. Bis auf eine etwas überdrehte Inszenierung einiger satirisch anmutender Momente, gibt es hier absolut nichts zu lachen - vor allem, wenn Danny nach der Hälfte der Episode einen Suizidversuch unternimmt, ehe er beschließt, seinen Lebensfrust doch noch am anonymen Verkehrsrowdy auszulassen.
So endet der Auftakt mit einer ersten Konfrontation bei Amy im Nobelheim, das Danny mit nicht wenig Genugtuung besudelt, was sicherlich nur den erste Schlag in einer eskalierenden Vendetta darstellt. Eine Fehde übrigens, der beide Parteien offenbar einigermaßen entgegenfiebern, wenn man das Lächeln in der finalen Szene so interpretieren möchte...
Fazit
„Beef“ ist eine dieser Netflix-Serien, deren erste Episode mehr Set-up darstellt, als dass wir schon zum fleischigen Hauptgang der Prämisse kommen. So wird uns in 40 Minuten hauptsächlich die parallele Lebensmisere des zentralen Duos aufgetischt, das mit Steven Yuen und Ali Wong zugegebenermaßen hervorragend besetzt ist. Den Comedy-Anteil dieser angeblichen Dramedy sucht man in der ersten Episode, die nichts als Drama darbietet, jedoch vergeblich.
Das gibt erst einmal vorsichtig optimistisch dreieinhalb von fünf Mittelfinger im Straßenverkehr, weil hier noch nicht viel dran war, Yuen und Wong aber eine gute Figur machen und die existentialistische Vendetta Potential hat.
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „Beef“:
Verfasser: Mario Giglio am Donnerstag, 6. April 2023Beef 1x01 Trailer
(Beef 1x01)
Schauspieler in der Episode Beef 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?