Bates Motel 5x10

Bates Motel 5x10

Das war er also, der kühne Versuch, Hitchcocks Kinoklassiker Psycho als Serie neu zu erfinden. Fünf Staffeln brachte Bates Motel zustande. Und bis zum Schluss scheute sich das Replikat nicht, vom Urwerk abzuweichen.

Für Norman (Freddie Highmore) fällt der Vorhang - nach fünf Staffeln heißt es Abschied nehmen. / (c) A&E
Für Norman (Freddie Highmore) fällt der Vorhang - nach fünf Staffeln heißt es Abschied nehmen. / (c) A&E
© ür Norman (Freddie Highmore) fällt der Vorhang - nach fünf Staffeln heißt es Abschied nehmen. / (c) A&E

In einer guten Tragödie kommt am Ende alles wie es kommen muss - und wenn diese Regel stimmt, hat sich das A&E-Drama Bates Motel das Prädikat „gut“ zweifelsfrei verdient. Mit der Episode The Cord findet nicht nur die fünfte Staffel, sondern die gesamte Serie einen angemessenen Abschluss. Übertriebene Akzente und überraschende Wendungen braucht es bei all dem nicht. Die Produktionsriege um Tucker Gates und Carlton Cuse machte aber auch schon vorher klar, dass sie so etwas nicht nötig hat.

Bis zum Schluss holte „Bates Motel“ das Maximum aus sich heraus. Ich will keinen Hehl daraus machen, dass ich die Prämisse, also eine moderne Prequelserie zu Hitchcocks „Psycho“, prinzipiell recht einfallslos und alles andere als vielversprechend finde. Dank des enormen Talents, das an diesem Projekt beteiligt war, konnte ich jedoch nicht anders, als trotzdem Fan zu werden. Und auch wenn es schon tausend Mal gesagt wurde, kann ein Mal mehr nicht schaden: Die Schauspielleistung der Hauptdarsteller Freddie Highmore und Vera Farmiga ist überragend. Sie sind es, die die Serie aus dem Mittelmaß in die Oberliga heben.

Doch auch, was die Geschichte an sich betrifft, gab es gegen Ende beachtliche Steigerungen. Bates Motel ist eine der wenigen Serien, die mit der Zeit immer besser und besser wurden - ähnlich wie Breaking Bad. Einer der Gründe dafür ist natürlich, dass die interessanteste Phase in Normans (Highmore) Leben, nämlich die, die auch in der Filmvorlage behandelt wird, tatsächlich erst in der letzten Staffel zu sehen ist. Zu Beginn der Serie merkte man häufig, dass Gates, Cuse und Co Schwierigkeiten hatten, sich genügend Material aus den Fingern zu saugen. In Staffel 5 ging es dafür buchstäblich ans Eingemachte - umso beeindruckender erschien mir die Entscheidung der Produzenten, vom Original abzuweichen.

A Cord Between Our Hearts

Die größte und am meisten diskutierte Veränderung betrifft sicherlich die legendäre Duschszene, für die extra die weltberühmte Popsängerin Rihanna verpflichtet wurde. Ein netter Marketingcoup der Produzenten, der die Popularität von Bates Motel vermutlich erhöht haben dürfte. Dass am Ende nicht sie beziehungsweise ihre Marion, sondern deren Lover, das Ekel Sam Loomis (Austin Nichols), von Norman ermordet wurde, ist zwar unerwartet, aber nicht sonderlich überraschend gewesen - immerhin ist es den Drehbuchautoren stets wichtig gewesen, Norman für uns Zuschauer halbwegs sympathisch zu halten.

Während es für Norma (Vera Farmiga) längst zu spät ist...
Während es für Norma (Vera Farmiga) längst zu spät ist... - © A%26amp,E

Tatsächlich ist Sam das erste Todesopfer, das Norman selbst und nicht sein Alter Ego Mother (Farmiga) zu verantworten hat. Obwohl natürlich auch bei dieser Entscheidung seine Mutter eine große Rolle spielte. Seit dem Ende der vierten Staffel ist sie zwar tot, doch in Normans Gedanken lebendig wie nie. Hinzu kommt, dass in der jungen Madeleine Loomis (Isabelle McNally), der gehörnten Ehefrau Sams, ein reales Ebenbild von ihr herumläuft, an das Norman schnell sein Herz verliert.

Der Handlungsstrang um Madeleine ist in meinen Augen einer der wenigen, mit dem die Serie wirklich etwas Neues und Interessantes beitragen kann, was auch den Film bereichern würde. Darum war ich ein wenig enttäuscht, dass Madeleine im Finale überhaupt keine Rolle mehr spielen sollte und umso enttäuschter, dass stattdessen Alex Romeros (Nestor Carbonell) Rachefeldzug behandelt wurde. Dessen Motivation konnte ich die Serie über nicht wirklich nachvollziehen, was wohl daran liegt, dass mir Norma und Alex als Liebespärchen nie so richtig in den Kopf gehen wollten. Meine Theorie ist, dass sie nur zusammengebracht wurden, um zu erklären, wieso die Polizei von White Pine Bay so unglaublich nachsichtig mit den Bates umgeht.

You Know Everything Now

Nun aber zum Finale selbst und damit auch zum Ende der Negativität. Als nach wenigen Minuten klar wurde, dass nicht Romero und nicht einmal Norma, sondern Normans Bruder Dylan (Max Thieriot) zum Showdown antreten darf, wusste ich, dass Bates Motel die Landung gelingen würde. Und obwohl Romeros Tod schnell abgehakt wurde, war es ein würdiges Ende für den Charakter - schön, dass er seinem Mörder vorher noch ein paar mal auf die Nase hauen durfte. Den schmerzhaftesten Schlag verpasst er Norman allerdings auf verbale Art und Weise, indem er ihm vorführt, dass er seine eigene Mutter umgebracht hat. Und fast hätte es Norman sogar eingesehen, fast wäre er aufgewacht. Doch als sich Mother von ihm verabschiedet, flüchtet Norman zurück in den Traum.

Nun wirft ihn die Regression zurück zum Beginn der Serie, als er und seine Mutter nach White Pine Bay kamen, um ein neues Leben zu beginnen. Nie zuvor wirkte Normans Krankheit tragischer als in dieser Montagesequenz, in der er versucht, die gute alte Zeit mit der Leiche seiner Mutter wiederherzustellen. Sein Meisterstück soll ein Abendessen mit der Familie werden, zu dem er auch Dylan einlädt. Der weiß natürlich von der Gefahr und nimmt als frischgebackener Familienvater zur Sicherheit eine Pistole mit. Absagen, so wie es Emma (Olivia Cooke) von ihm verlangt, kann er aber nicht. Zu groß ist seine Verbundenheit zu Norman.

...kann Dylan (Max Thieriot) dem Albtraum noch entkommen.
...kann Dylan (Max Thieriot) dem Albtraum noch entkommen. - © A%26amp,E

Und so fährt Dylan zum Motel, geradewegs auf sein oder Normans Verderben hinzu. Spätestens, als er am fein gedeckten Esstisch die drapierte Leiche seiner Mutter sieht, kann er Norman nicht länger in Schutz nehmen. Doch kann auch Norman in seinem Wahn nicht länger die Hilfeangebote seiner Angehörigen ertragen. Einer von beiden muss sterben. Norman greift zum Messer, stürzt auf Dylan, sticht in die Wand und fällt zu Boden. Dylans Schuss trifft ihn in die Brust. In den Armen seines Bruders, dem letzten realen Menschen, dem er noch etwas bedeutet, verblutet er und denkt dabei natürlich an seine über alles geliebte Mutter.

Please Don't Ruin It

In keiner anderen Serie könnte dieses Ende als glückliches durchgehen. In Bates Motel scheint es jedoch perfekt: Dylan überlebt und kann mit seiner Familie hoffentlich die Krankheitslinie durchbrechen - auch Norman und Norma wurden ja erst durch traumatische Erfahrungen zu denen, die sie waren - und Norman kann im Tod endlich mit seiner Mutter zusammen sein, so wie er es am Ende der vierten Staffel bereits geplant hatte. Als das letzte Bild der Serie, Normans und Normas gemeinsamer Grabstein, der eine beschriftet, der andere leer, zu sehen war, konnte ich einfach nicht anders, als zu applaudieren.

Um ehrlich zu sein, war meine größte Befürchtung, dass wir ein ähnliches Ende wie bei Dexter sehen würden. Doch, wie eingangs erwähnt, ist Bates Motel zum Glück eine gute Tragödie, bei der alles so endet, wie es kommen muss. Und, um das zu ermöglichen, setzten sich die Serienmacher auch mehrfach über die Filmvorlage und die Erwartungen der Zuschauer hinweg. Am Ende von „Psycho“ ist Norman nämlich nicht tot, sondern im Gefängnis. Doch im Film ist Norman auch deutlich eindimensionaler dargestellt. Highmores Norman gönnen wir die Erlösung. Wir fürchten ihn nicht, sondern haben Mitleid mit ihm. Wenn die Serie eines erreicht hat, dann das.

Und so behalte ich Bates Motel gern als eine Serie im Gedächtnis, die versucht hat, das Klischee des Bösewichts in ein realistischeres Opferbild zu verwandeln, die die wohl unbehaglichste Mutter-Kind-Beziehung aller Zeiten auf die Bildschirme gebracht hat, die zahlreichen schönen alten Liedern wie „Be My Baby“, „At Last“ und nun auch noch „Dream a Little Dream“ einen faden Beigeschmack verpasst hat, die vor schauspielerischem Talent nur so bebte und die vor allem aus einer schwachen Idee das Beste herausgeholt hat.

Verfasser: Bjarne Bock am Mittwoch, 26. April 2017
Episode
Staffel 5, Episode 10
(Bates Motel 5x10)
Deutscher Titel der Episode
Ein unsichtbares Band
Titel der Episode im Original
The Cord
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 24. April 2017 (A&E)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 15. August 2017
Autoren
Kerry Ehrin, Carlton Cuse
Regisseur
Tucker Gates

Schauspieler in der Episode Bates Motel 5x10

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