24: Live Another Day 1x09

Während der Sichtung von Day 9: 7:00 P.M.-8:00 P.M. kam mir mehrmals die Frage in den Sinn, warum 24: Live Another Day überhaupt noch auf dem Echtzeitprinzip aufgebaut ist. Die Regeln dieser Vorgabe werden mittlerweile nämlich so oft gebrochen, dass es kaum noch tragbar ist, einen Ereignisablauf in Echtzeit zu behaupten. Dies wird vor allem deutlich, wenn weite Distanzen innerhalb weniger Minuten zurückgelegt werden.
Braucht es das Echtzeitprinzip noch?
Dabei kam mir also der Gedanke, dass die Serie wahrscheinlich genauso gut funktionieren würde, wenn eben nicht ständig eine Uhr eingeblendet würde. Für mich selbst habe ich jedenfalls festgestellt, dass ich überhaupt nicht mehr auf die Uhr achte. Sie ist mittlerweile zu einer solchen Gewohnheit geworden, dass es wohl nur noch auffallen würde, wenn sie nicht mehr da wäre. Vielleicht ist das ja auch der einzige Grund, warum die Produzenten sie weiterhin beibehalten - um hartgesottene Fans nicht zu verprellen.
Wenngleich die Uhr bei näherer Betrachtung also mehr dramaturgische Probleme verursacht als Nutzen einfährt, sind mir die Ungereimtheiten in der Zeitmessung schon lange kein Dorn mehr im Auge. Deswegen konnte ich diese Episode auch nahezu uneingeschränkt genießen. Es gibt zu Beginn zwar einen großen Plottwist, der jedoch am Ende der Folge beinahe schon wieder vergessen ist, weil zwischendurch so viel passiert.

Am Anfang sieht alles danach aus, als wäre Präsident Hellers (William Devane) Plan aufgegangen und Margot Al-Harazi (Michelle Fairley) würde ihr Versprechen halten. Bevor sie jedoch auch die letzte von sechs gekaperten Drohnen ins Meer stürzen lassen kann, entdeckt ihr Sohn Ian (Liam Garrigan), dass ihnen eine gefälschte Videoübertragung untergejubelt wurde. Gleichzeitig erfahren wir Zuschauer, dass Heller noch am Leben ist. In der amerikanischen Botschaft kondoliert der britische Premierminister Alastair Davies (Stephen Fry) derweil Audrey (Kim Raver), der vermeintlich verwaisten Tochter des Präsidenten.
Jack to the rescue - again
Der Teufelskerl Jack Bauer (Kiefer Sutherland) hat es also wieder einmal geschafft - wäre da nicht noch diese eine Drohne, die es noch zu zerstören gilt. Weil Margot den Betrug frühzeitig erkennt, holt sie das unbemannte Flugobjekt zurück in ihre Dienste und befiehlt dem Sohnemann, eine Rakete auf einen der geschäftigsten Bahnhöfe Londons, die Waterloo Station, abzufeuern.
Danach geht alles ganz schnell. Mit der Hilfe von Chloe (Mary Lynn Rajskub) und Adrian Cross (Michael Wincott) finden Jack Bauer (im Hubschrauber) und die CIA unter Führung von Kate Morgan (Yvonne Strahovski) und Erik Ritter (Gbenga Akinnagbe) das Versteck der Terrorfamilie Al-Harazi. Nach einem heftigen Feuergefecht gelingt es schließlich Jack, die abgefeuerte Drohnenrakete in die Themse zu steuern, das override device in seinen Besitz zu bringen und - 24: Live Another Day wäre nicht 24 - Selbstjustiz an Ian und Margot zu üben. Wenigstens konnten sich die beiden vorher noch sagen, wie sehr sie sich lieben.
Als schließlich der Tod von Jordan Reed (Giles Matthey) zur CIA durchsickert, weiß Steve Navarro (Benjamin Bratt) sofort, dass es nicht mehr lang dauern kann, bis er auffliegt. Deshalb wendet er sich an Adrian Cross und wird von diesem erpresst, die geforderte Hilfe nur dann zu bekommen, wenn er das override device aus dem CIA-Hauptquartier entwendet und zu ihm bringt. Jack bleibt dieser Plan nicht lange verborgen, er schafft es jedoch nicht, Navarro aufzuhalten. Unterdessen bekommt er eine Absage von Chloe bezüglich einer eventuellen weiteren Zusammenarbeit. Sie ist viel zu sehr damit beschäftigt, ihre Romanze mit Adrian Cross fortzuführen.

Wenngleich Day 9: 7:00 P.M.-8:00 P.M. eine Episode aus dem 24-Lehrbuch war, konnte sie mich trotzdem über ihren gesamten Verlauf fesseln. Irgendwie ist es auch schon wieder charmant, dass sich die Produzenten scheinbar jeglicher Innovation verweigern und auf diejenigen Stilmittel setzen, die schon immer am besten funktioniert haben.
Einwandfreies Handwerk
Technisch ist die Episode routiniert umgesetzt - wobei „Routine“ im 24-Kontext feinstes Actionfernsehen bedeutet. Mir persönlich gefällt es stets besser, wenn der Fokus weniger auf bombastische (und oftmals unzureichende) Spezialeffekte und mehr auf hand-to-hand combat gelegt wird. Jack Bauer mit einer Pistole, einer Umhängetasche (und in gewissen Situationen einer Abseilmöglichkeit): Mehr braucht es nicht, um mein actionliebendes Herz höher schlagen zu lassen.
Diese Episode ließ sogar einen sehr feinen Firnis Humor erkennen. Bauers Adjutant Belchek (Branko Tomovic) bekommt die Anweisung, Präsident Heller nach geglückter sting operation sicher zur Botschaft zu eskortieren und auf dem Weg keine Telefongespräche zu führen. Mangels Kommunikationsmöglichkeiten versucht Heller also, Belchek in eine Konversation zu verwickeln. Nach seinem Namen befragt, lässt der lediglich trocken wissen: „Belchek. Just one word. Like Madonna.“ Tomovic hat bisher nur wenig zu tun bekommen - für uns trotzdem genug, um ihn darüber zu interviewen. Das Gespräch wird demnächst auf SERIENJUNKIES.DE® veröffentlicht.
Trailer zu Episode 1x10 beziehungsweise 9x10, „8:00 P.M.-9:00 P.M.“:
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 24. Juni 201424: Live Another Day 1x09 Trailer
(24: Live Another Day 1x09)
Schauspieler in der Episode 24: Live Another Day 1x09
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