True Detective 4x02

True Detective 4x02

„True Detective: Night Country“ ergründet in Episode zwei die Ästhetik des Grausamen mittels einer Eisskulptur aus Toten, dem „Corpsicle“. Nebenbei schärft Jodie Foster weiter fleißig die Kanten ihres Charakters, Chief Liz Danvers.

Szenenbild der zweiten Episode der Serie „True Detective: Night Country“
Szenenbild der zweiten Episode der Serie „True Detective: Night Country“
© HBO

Wer mit dem Auftakt der vierten Staffel von True Detective (alias „Night Country“) nicht zufrieden war, wird Part 2 nun noch weniger mögen. Denn die neue Serienmacherin Issa López unterstreicht ihre neue Führungslinie mit noch mehr Rückbezügen auf die unschlagbare Auftaktstaffel und notorisch unterkühlten Kleinstadtdetektiven, die sich eines Falles annehmen, der einige Nummern zu groß für sie ist. Doch wenigstens beginnen Chief Liz Danvers (Jodie Foster) und Trooper Evangeline Navarro (Kali Reis) endlich, an einem Strang zu ziehen.

Als visuelles centerpiece dieser buchstäblich düstersten Season der HBO-Anthologieserie wird uns ein sogenanntes „Corpsicle“ präsentiert, bestehend aus den Überresten der verschollenen Wissenschaftler der Tsalal-Forschungsstation, die im Finale von Folge eins tot aufgefunden wurden. Die Idee für den zynischen Namen der Eisskulptur stammt dabei von Danvers höchstpersönlich, die dennoch die Doppelmoral aufbringt, ihre männlichen Kollegen für ihr unprofessionelles Verhalten am Tatort anzuschnauzen. Allgemein kommt sie diesmal noch unsympathischer rüber als bisher.

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(Übrigens: Pushing Daisies did it first! Dort gab es ein Corpsicle schon vor über 16 Jahren zu sehen...)

Diese Verbindungen zur 1. Staffel von „True Detective“ werden in „Night Country“ gezogen

Nachdem die Fans in der Vorwoche mit vorsichtigen Anspielungen auf Carcosa-Spiralen und Zitaten vom „King in Yellow“ angefüttert wurden, lässt „Night Country“ schon in Episode zwei keinen Zweifel mehr daran: Die Mord-Mysterien von Ennis, Alaska hängen mit dem Horror in Louisiana von 1995/2012 zusammen. Officer Peter (Finn Bennett) kann nämlich in Erfahrung bringen, dass Familie Tuttle hinter der Finanzierung von Tsalal steht. Sie waren es, die damals die Internate betrieben hatten, an denen es zu den furchtbaren Missbrauchsfällen kam.

Auch bestätigt die spirituell veranlagte Ennis-Einwohnerin Rose Aguineau (Fiona Shaw) nun, dass ihr tanzender Geist Travis (Michael Graziadei) tatsächlich der Vater von Rust Cohle (Matthew McConaughey) war. Ehrlich gesagt scheint nun selbst ein Gastauftritt McConaugheys in „Night Country“ nicht mehr unrealistisch. Denn warum sonst würde die Regisseurin und Autorin López dieses Fass aufmachen wollen? Tut sich Cohle am Ende mit Danvers und Navarro zusammen, um den Carcosa-Kult endgültig zu zerschlagen?

All das ist bislang nur Spekulation, doch genau das macht ja den Spaß bei „True Detective“ aus. So gibt uns die neue Folge auch in anderen Bereichen reichlich Diskussionsstoff: Allem voran darf man sich zum Beispiel fragen, was zur Hölle in den Minen von Ennis los ist - und was das mit dem Wasser zu tun hat, das angeblich die Kinder krank macht? Wer oder was schlummert unter dem uralten Eis? Fransen hier, 150 Kilometer nördlich vom Polarkreis in der ewigen Nacht des Winters, vielleicht wirklich die Fasern unseres Kosmos aus?

Kommt „True Detective: Night Country“ vielleicht noch ohne übernatürliche Erklärung aus?

Um nicht zu früh schon komplett die Bodenhaftung zu verlieren, baut sich die neue Episode von „Night Country“ aber auch ein zweites Standbein auf, das für die ungewöhnlichen Ereignisse eine irdische Erklärung bieten könnte. Da steht nun der Tsalal-Forscher Raymond Clark (Owen McDonnell) im Zentrum des Verdachts. Er ist der Kerl, der in der allerersten Szene im Auftakt zitternd dasteht und die ominösen Worte „She's awake“ spricht. Sein Körper fehlt nun im Corpsicle, also war er es womöglich, der seine Freunde im Eis vergraben hat (Billie Eilishs Intro-Song „bury a friend“ würde so noch besser passen).

Unterstützt wird diese Theorie durch seine Beziehung zum früheren Mordopfer Annie Kowtok (Nivi Pedersen). In der Schlussszene entdecken Danvers und Navarro Clarks Wohnwagen, der als heimliches Liebesnest der beiden diente und nach Annies Tod zu einer Art Schrein wurde. Waren sie Anhänger des Carcosa-Kultes und hat er versucht, sie mit Hilfe des „King in Yellow“ wiederzubeleben? War das unter Umständen gar das Ziel der Tsalal-Forschung, also Unsterblichkeit? So was in der Art erklärt zumindest der Schullehrer Adam Bryce (Donnie Keshawarz) seiner wissbegierigen Affäre Danvers.

Christopher Eccleston in „True Detective: Night Country“
Christopher Eccleston in „True Detective: Night Country“ - © HBO

Was erzählt uns „Night Country“ Neues über die „True Detective“-Heldin Liz Danvers?

Über die sexuellen Abenteuer unserer Heldin lernen wir in der neuen Folge erstaunlich viel. So sehen wir, dass sie auch mit ihrem Vorgesetzten, dem von Christopher Eccleston (Doctor Who, The Leftovers) gespielten Ted Connelly, seit vielen Jahren immer wieder schläft. Das erklärt dann auch, warum Connellys Exfrau Kate McKitterick (Dervla Kirwan) so schlecht auf Danvers zu sprechen ist. Trotzdem erlaubt sie der Polizistin, ihre Eishalle für die Kühlung der Leichen zu verwenden, damit der Fall nicht in die nächstgrößere Stadt verschoben wird.

Auch gibt es ein paar Flashbacks, die uns mehr zur Vergangenheit Danvers' erzählen. Wir sehen glücklichere Zeiten mit ihrem Mann und ihrem Sohn, die sie durch einen tragischen Autounfall verlor. Ein weiterer Konflikt mit ihrer Stieftochter Leah (Isabella Star LaBlanc) darf auch nicht fehlen. Bei so viel Privatem werden leider ein paar Schlüsselmomente im Kriminalfall überschattet: Dass mit Anders Lund (Þorsteinn Bachmann) eines der Opfer im Corpsicle überlebt hat und nun im Krankenhaus behandelt wird, ist eigentlich ein echter Game-Changer, wird hier aber in einem kurzen Telefonat abgewickelt. Sagt er uns nächste Woche, ob Clark an dem Mord beteiligt war?

Wie gut hat uns die zweite Episode von „True Detective: Night Country“ gefallen?

Falsche Prioritäten zu setzen, scheint weiter eine Schwachstelle der neuen Staffel von „True Detective“ zu sein. Issa López will so viele Ideen in sechs Folgen quetschen, dass sie kaum einen klaren Fokus halten kann. Darunter leidet die Atmosphäre, zumal die Inszenierung insgesamt nur wenig herausragende Elemente vorweisen kann - außer der Dunkelheit, die bislang wenig Mehrwert bringt. Ohnehin macht man sich zunehmend angreifbar durch die starke Anlehnung an Season eins. Will sich „Night Country“ wirklich zum Vergleich aufdrängen oder das Vermächtnis der Urstaffel mit McConaughey besudeln?

Auch nach der zweiten Episode sind wir nicht vollends überzeugt und können daher nur dreieinhalb von fünf gefrorenen Daumen vergeben. Zumindest aber am Rätselspaß besteht keinerlei Zweifel. Man gibt den Fans sehr viel zum Spekulieren und weiterdenken. Vielleicht kommt ja wirklich Lovecrafts Cosmic-Horror-Monster Cthulhu aus dem Tiefschlaf und bricht das Eis...

Hierzulande kann man „True Detective: Night Country“ parallel zur US-Premiere wöchentlich über die Sky-Streamingdienste WOW, Sky Go und Sky Q abrufen. Am 29. Januar um 20.15 Uhr startet bei Sky Atlantic dann die Erstausstrahlung der deutschen Synchronfassung.

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Hier abschließend der Trailer zur dritten Episode der neuen Staffel von „True Detective“:

Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 22. Januar 2024

True Detective 4x02 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 2
(True Detective 4x02)
Deutscher Titel der Episode
Teil 2
Titel der Episode im Original
Night Country: Part 2
Länge der Episode im Original
1 Stunde 3 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 21. Januar 2024 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 22. Januar 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Montag, 22. Januar 2024
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 22. Januar 2024

Schauspieler in der Episode True Detective 4x02

Darsteller
Rolle
Jodie Foster

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