True Detective 4x01

© HBO
Ziemlich genau zehn Jahre nach dem Debüt der phänomenalen Auftaktstaffel der Serie True Detective, mit der der damals noch unerfahrene Serienschöpfer Nic Pizzolatto und seine (dafür umso prominenteren) Hauptdarsteller Matthew McConaughey und Woody Harrelson wahrhaft Fernsehgeschichte schrieben, ging am gestrigen Sonntag, den 14. Januar beim Premium-Kabelsender HBO nun Part 1 von Season vier an den Start, die diesmal mit dem Zweittitel „Night Country“ erscheint.
Es handelt sich tatsächlich um die erste Staffel der Anthologieserie, an der Pizzolatto inhaltlich unbeteiligt blieb. Die kreative Verantwortung übernahm die mexikanische Filmemacherin Issa López („Tigers are not afraid“). Die Geschichte wurde von den schwülen Südstaaten in den finsteren Norden verlegt, nämlich nach Alaska. Dort beginnt der Krimi in einer abgeschiedenen Forschungsstation, die 150 Kilometer über dem Polarkreis liegt. Konträr zum wissenschaftlichen Setting werden in den Fall auch indigene Mythen eingewoben.
Für die Hauptrollen konnten mit der Oscarpreisträgerin Jodie Foster („Das Schweigen der Lämmer“) und der Kampfsportlerin Kali Reis gleich zwei überraschende Kandidatinnen verpflichtet werden. Zumal auch die Charaktere, die sie spielen, nicht das sind, was man im Vorfeld vielleicht erwartet hätte. Im erweiterten Ensemble finden sich zudem John Hawkes („Winter's Bone“), Isabella Star LaBlanc (Long Slow Exhale), Finn Bennett (Domina), Anna Lambe (Trickster), Fiona Shaw (Killing Eve) sowie der frühere Doctor Who-Star Christopher Eccleston.
Worum geht es in der neuen Staffel der Serie „True Detective“?
Was die Polizistin Liz Danvers (Foster) kurz vor Weihnachten in der Tsalal Research Station nahe der Kleinstadt Ennis, Alaska vorfindet, erinnert an den Horrorfilmklassiker „The Thing“. Sechs Männer sind spurlos verschwunden, und das Einzige, was zurückgelassen wurde, ist eine abgetrennte Zunge, die wahrscheinlich keinem von ihnen gehört. Danvers und ihr junger Kollege Peter Prior (Bennett) zeigen sich seltsam gelassen. Deutlich aufgeregter scheint hingegen Evangeline Navarro (Reis), die glaubt, der oder die Täter könnten auch für den bestialischen Mord an einer indigenen Frau namens Anne Kowtok vor sechs Jahren verantwortlich gewesen sein.
Normalerweise würden man nun meinen, dass Danvers und Navarro als die Titelheldinnen der neuen Staffel sofort zum Dreamteam werden würden. Stattdessen scheinen sich die beiden kaum ausstehen zu können. Ohnehin lernen wir die Figuren durchaus unsympathisch kennen. Wir haben es nicht mit gradlinigen Gesetzeshüterinnen zu tun, sondern mit vielschichtigen Persönlichkeiten, die auch mal ein paar Regeln brechen und unnötig gemein auftreten. Das passt zwar einerseits zur DNS von „True Detective“, doch ist leider immer noch untypisch für weibliche Hauptfiguren.
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Doch man gibt uns auch ein paar Figuren, die wir noch weniger leiden können, um im Vergleich eher zu Danvers und Navarro zu halten. Besonders unangenehm tritt Peters Vater Hank (Hawkes) in Erscheinung. Müsste man nach der fast einstündigen Auftaktepisode einen ersten Hauptverdächtigen benennen, wäre es wahrscheinlich er (oder eine indigene Sagengestalt). Von Bauchgefühlen abgesehen, bietet man uns zunächst aber nur wenig Handfestes, was den Fall betrifft. López, die sowohl die Regie als auch das Drehbuch übernommen hat, ist vor allem darauf bedachtet, die richtige Stimmung zu etablieren.
Ein bisschen Zeit für das Privatleben der Ermittlerinnen bleibt dennoch. Danvers hat einige Probleme mit ihrer Tochter Leah (LaBlanc), Navarro parallel dazu mit ihrer Schwester Julia (Aka Niviâna). Mit Rose Aguineau (Shaw), Kayla Malee (Lambe) und Eddie Qavvik (Joel D. Montgrand) lernen wir zudem noch weitere Mitglieder der überschaubaren Community kennen.
Wie gut ist der Auftakt zur neuen Staffel der Serie „True Detective“?
Auf alle Fälle weckt „True Detective: Night Country“ großes Interesse, womit die Hauptfunktion der ersten Folge erfüllt sein sollte. Die Hauptdarstellerinnen Foster und Reis lassen außerdem keinen Zweifel daran, dass sie die neue Staffel sowohl solo als auch mit der gemeinsamen Dynamik ganz leicht tragen können werden. Zudem gelingt es der neuen Showrunnerin López, das spezielle Setting auszukosten. Zentral sind dabei die Aufnahmen des deutschen Bildgestalters Florian Hoffmeister (den wir vor ein paar Jahren in einem langen Interview zu seiner Arbeit an Pachinko hatten).
In der Dunkelheit zu drehen, ist alles andere als leicht - HBO weiß das nicht zuletzt durch diverse Fehlschläge bei Game of Thrones. Doch hier scheint es gut zu passen, wobei man an anderer Stelle vielleicht die CGI-Effekte bei einigen Tierszenen kritisieren kann. Darüber hinaus gibt es ein paar jump scares, die an einen schlechten Zombiefilm erinnern. Grundsätzlich scheint die kreative Entscheidung, verstärkt wieder auf übernatürliche Elemente zu setzen, durchaus vielversprechend. Muss Danvers am Ende ihre Scully-artige Skepsis ablegen und einer höheren Bedrohung ins Auge sehen? Ihre unverschämten Verhöhnungen indigener Spiritualität würden dafür jedenfalls eine gute Steilvorlage geben...
Insgesamt gibt es von uns für die erste Episode der vierten Staffel von „True Detective“ vier von fünf Eiszapfen.
Ehrlich gesagt war ich schon nach der neuen Intro-Sequenz mit dem fantastischen Billie-Eilish-Song „Bury a Friend“ vollends abgeholt. Man will unbedingt daran glauben, dass „True Detective“ wieder zurück zur alten Stärke findet. Die ersten Anzeichen dafür sind positiv, doch für das gewisse Extra müssten López und Konsorten in den kommenden Wochen noch ein paar Asse aus dem Ärmel zaubern. Sechs Folgen stehen alles in allem auf dem Plan.
Hierzulande kann man „True Detective: Night Country“ parallel zur US-Premiere wöchentlich via WOW, Sky Go und Sky Q abrufen. Am 29. Januar um 20.15 Uhr startet bei Sky Atlantic die Erstausstrahlung der deutschen Synchronfassung.
Hier abschließend der Trailer zur zweiten Episode der neuen Staffel von „True Detective“:
Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 15. Januar 2024True Detective 4x01 Trailer
(True Detective 4x01)
Schauspieler in der Episode True Detective 4x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?