True Detective 4x03

© HBO
Die neue True Detective-Chefin Issa López nimmt sich in der dritten Episode der vierten Staffel Zeit, die gemeinsame Vergangenheit ihrer Titelheldinnen Chief Liz Danvers (Jodie Foster) und Trooper Evangeline Navarro (Kali Reis) aufzuarbeiten. Somit wird endlich der vereiste Weg für eine Zusammenarbeit in der Gegenwart freigeräumt, um dem mysteriösen Tsalal-Fall und dem damit verbundenen Cold Case der Annie Kowtok (Nivi Pedersen) auf den Grund zu gehen. Das Ermittlerinnenduo bei der wahren Detektivarbeit zu sehen, sorgt auf jeden Fall für frischen Schwung.
Gewissermaßen löst Night Country - Part 3 viele der Probleme, die wir in unserer Kritik zur Auftaktfolge identifiziert haben. Doch da die Season insgesamt aber nur sechs Ausgaben umfasst, ist die Hälfte der Messe schon verlesen. Zumal wieder ein paar neue Fragen dazugekommen sind, von denen allmählich zu befürchten scheint, dass sie kaum noch alle bis zum Finale zufriedenstellend beantwortet werden können.
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Dafür ebenfalls erfreulich in Kapitel drei, das am Wochenende in den USA via HBO (und hierzulande wie üblich parallel bei den Sky-Streamingdiensten Sky Go/Q oder WOW) erschien, wirkt der Versuch, die indigene Community von Ennis, Alaska näher zu beleuchten. Gleich in der Anfangsszene, die sieben Jahre früher spielt, begleiten wir Navarro, als sie Annie wegen Landfriedensbruch bei der örtlichen Mine verhaften will. Stattdessen wird der Gesetzeshüterin vorgelebt, was eigentlich zählt: Fürsorge und Familie, repräsentiert durch das Wunder der Geburt - das im schönen Kontrast zu den vielen Todesfällen steht. Durch den bewegenden Einblick lernen wir die Kultur der Iñupiat besser kennen, was die Besonderheit des Settings unterstreicht.
Worüber haben sich Danvers und Navarro vor den Ereignissen in „Night Country“ zerstritten?
Officer Peter (Finn Bennett) stellt seiner Ersatzmutter Danvers in der neuen Folge die Frage, die wir uns alle stellen: Was ist zwischen ihr und Navarro damals vorgefallen? Danvers erzählt ihm die „Gutenachtgeschichte“, wobei ihre Version nicht zum Flashback passt, den wir gleichzeitig zu sehen kriegen. Es geht um den Wheeler-Fall, als Danvers und Navarro bei einem erweiterten Suizid offenbar zu spät kamen. Tatsächlich war der Täter bei ihrer Ankunft aber noch am Leben und pfiff gruselig vor sich hin. Hat also Navarro ihn in einer Übersprungshandlung hingerichtet, und wurde deshalb strafversetzt?
Im Vergleich zu Danvers und dem Trauma ihres toten Sohnes, hielt sich Navarro bislang noch bedeckter, was ihren familiären Schmerz angeht. Was ziemlich charakterkonform erscheint, wie wohl auch ihr neugieriger Liebhaber Qavvik (Joel D. Montgrand) bestätigen würde (der Mann qualifiziert sich durch seine makellose Liebenswürdigkeit übrigens immer mehr für einen Schurken-Twist). Doch in der neuen Folge erfahren wir ein bisschen mehr über das Verschwinden ihrer Mutter, die offenbar Opfer häuslicher Gewalt war und später davonlief und vielleicht ermordet wurde. Das alles würde sicherlich erklären, warum William Wheeler (Kasper Leisner) eine so heftige Reaktion in Navarro triggern würde...

Endgültig beantwortet wird aber auch diese Frage erst mal nicht. Vertröstet werden wir mit ein paar sehr charmanten Danvers-Navarro-Interaktionen, die in einem Satz Navarros gipfeln, der das vermeintlich Unmögliche schafft: Danvers einen Moment lang sprachlos machen (gemeint ist das Zuhören beim Gebet). Freude macht aber auch die Montage-Sequenz, in der sie alle Kowtok-Beweise im Kreis um sich ausbreiten. Eine tolle Idee war es auch, Navarro und Peter in einen kleinen Konkurrenzkampf um die Anerkennung Danvers' zu bringen.
Ein humoristisches Highlight der Folge - oder gar der ganzen Staffel - ist der Moment, als das Ekelpaket Hank (John Hawkes) Danvers vorwirft, sie würde seinen Sohn mrs.-robinson (als Verb für die Verführung einer reiferen Dame gemeint). Wie der Youngster Bennett fragt, wer diese Mr. Robinson sei, verdient eigentlich einen Emmy. Chefautorin und Regisseurin López beweist aber auch an anderer Stelle Witz, als sie nämlich die Wärme der indigenen Frauen in der Anfangsszene mit der männlichen Stumpfheit von Hanks Hillbilly-Gang gegenüberstellt.
Welche neuen Hinweise kriegen wir im Kriminalfall von „True Detective: Night Country“ serviert?
Der bewaffnete Mob sucht im Eis nach dem weiter spurlos vermissten Tsalal-Forscher Raymond Clark (Owen McDonnell). Dass Hank den Hauptverdächtigen lieber tot sehen würde, als ihn zu verhaften, lässt ihn selbst verdächtiger denn je erscheinen. Außerdem erfahren wir durch eine erneute Befragung der Friseurin Susan (Bridie Trainor), dass der zwielichtige Polizist einst ihre Aussage zur Affäre zwischen Annie und Raymond unter den Tisch fallen ließ. Ähnlich wie er lange Zeit die Akten zu ihrem Fall bei sich zuhause versteckt hielt. Er muss also irgendwas damit zu tun haben. Hat er den Mord im Auftrag der Mine vertuscht? Arbeitet er gar heimlich für den Tuttle-Clan aus Staffel eins?
Durch ein Handyvideo, das Annie offenbar kurz vor ihrem Tod in einer Eishöhle zeigt, kriegen Danvers und Navarro eine neue heiße Spur für den Cold Case. Und auch der inoffizielle Tsalal-Techniker Oliver (Lane Karmer), der draußen in der Wildnis in einem Nomadenlager lebt, könnte neue Erkenntnisse bringen. Obwohl er sich zunächst eher unkooperativ zeigt und eher auf Navarros innerem Konflikt herumreitet, dass sie von ihren indigenen Wurzeln getrennt ist. Vor allem deshalb, weil ihre Mutter ihr nie ihren Iñupiat-Namen verraten hat...
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Durch Peters Cousin Vince (Vilhelm Þór Neto), ein Tierarzt, der für Danvers Hobbypathologe spielt, kriegen wir die Information, dass die Opfer im „Corpsicle“ schon vor dem Erfrieren tot Fwaren. Der wohl ärgste Moment der neuen Folge kommt aber ganz zum Schluss, als der überlebende Tsalal-Mann Anders Lund (Þorsteinn Bachmann) schwer gezeichnet kurz aus dem Koma erwacht. Er warnt Danvers und Navarro wieder mit den kryptischen Worten: „She's awake.“ Als Danvers aus Sicht des Drehbuchs dann praktischerweise kurz den Raum verlässt, hat der Todgeweihte noch eine persönliche Nachricht an Navarro: „Deine Mutter lässt dich grüßen. Sie wartet auf dich.“
Dieser sehr gewollte Schock scheint inszenatorisch wieder etwas unrund und könnte genauso gut aus einem zweitklassigen Horrorfilm kommen. López hatte vielleicht Sorge, dass der fantastische Rest der Folge, der sich vor allem auf gute Charakterarbeit stützt, für einige im Publikum zu langweilig sein könnte, und wollte wenigstens fürs Ende einen Knall. Leider verrät sie sich durch die fehlende Subtilität auch mit Blick auf die so zentrale Frage, ob uns wirklich noch was Übernatürliches erwarten könnte. Denn diese Schreckensvision Navarros ist eindeutig ihre eigene Einbildung (denn nur sie war im Raum und hat sich vorher noch den Kopf angeschlagen).
Trotz dieses etwas misslungenen Schlusspunkts war Folge drei der vierten Staffel von „True Detective“ bislang vielleicht die beste. Mehr und mehr greifen die Zahnräder ineinander und wir kriegen den Durchblick in der kalten Nacht Alaskas. Die Vorfreude auf die restlichen drei Ausgaben ist groß.
Viereinhalb von fünf Eiszapfen!
Hier abschließend noch der Trailer zur vierten Episode der neuen Staffel der Serie „True Detective“:
Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 29. Januar 2024True Detective 4x03 Trailer
(True Detective 4x03)
Schauspieler in der Episode True Detective 4x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?