True Detective 2x07

Besser spät als nie: Weil der riesige, verschwurbelte Plot zum Ende der zweiten Staffel von True Detective endlich in verständliche menschliche Emotionen übersetzt wird, ist Black Maps and Motel Rooms eine überaus zufriedenstellende Episode. Die Protagonisten sehen darin ein, wie verfahren und aussichtslos ihre Situation wirklich ist - und ergreifen entsprechende Gegenmaßnahmen.
I'm just trying to be a good man
Auf dem Weg zum wortwörtlich explosiven Finale der Episode bekommen wir Zuschauer einige Aufklärung darüber, wie genau all die bisher offenen Erzählstränge zusammenhängen. Ich werde jedoch darauf verzichten, sämtliche Querverbindungen darzulegen - ganz einfach, weil diese nicht besonders interessant und schon gar nicht wichtig für den Handlungsverlauf sind. Wichtig ist: Unsere Ermittler haben herausgefunden, wie dick der Filz in Vinci ist und werden nun von ebenjenen mit tödlicher Gewalt verfolgt, die für diesen Filz verantwortlich sind.
Paul Woodrugh (Taylor Kitsch) trifft es dabei als Erstes. Seine Ermittlungen führen vom Motelzimmer, in dem er sich mit Ray Velcoro (Colin Farrell) und Ani Bezzerides (Rachel McAdams) versteckt, in die polizeiliche Datenbank. Dort findet er Verbindungen zwischen dem getöteten Teague Dixon (W. Earl Brown), Rays Vorgesetzten Burris (James Frain) und Holloway (Afemo Omilami) sowie dem ermordeten Ben Caspere.
Sie alle waren am ominösen Diamantenraub beteiligt, der den einen beste Connections ins Rathaus zu Bürgermeister Chessani (Ritchie Coster) einbrachte und den anderen materielle beziehungsweise sicherheitstechnische Vorteile. Zum großen Glück der Verschwörer lässt sich Paul jedoch mit Nacktfotos von ihm und seinem Liebhaber erpressen, die offenbar in der Wohnung des toten Dixon gefunden wurden. Was für ein „glücklicher“ Zufall es danach doch ist, dass Pauls Geliebter ausgerechnet bei Catalyst angeheuert hat - ebenjener Firma, die mit vollen Taschen knietief durch den Sumpf Vincis watet.
Angesichts der folgenden spannenden Ereignisse fällt es nicht allzu schwer, diese dramaturgische Abkürzung hinzunehmen. Bei der Gegenüberstellung im weitgreifenden Tunnelsystem von Vinci gelingt es Paul jedenfalls, seine Erpresser zu überlisten und sie mit Ausnahme des Polizeichefs Holloway zu töten. Bevor er sich jedoch bei seinen Verbündeten melden kann, schießt ihn Lieutenant Burris von hinten nieder. Um ganz sicherzugehen - und damit wir Zuschauer nach dem Fakemord an Velcoro nicht skeptisch sind - verpasst ihm Burris einen Kopfschuss.
There was a man
Seine Verlobte Emily (Adria Arjona), wegen der er überhaupt erst erpressbar war, schreckt dank einer kosmologischen Unerklärlichkeit im Moment seines Todes auf. Sie hatte er zuvor gemeinsam mit seiner Mutter in einem Motel versteckt, was ein schöner Seitenhieb an all jene Thriller ist, die die Existenz einer Familie im entscheidenden Moment geflissentlich ignorieren. Auch Ani denkt als Erstes an ihren Vater (David Morse) und ihre Schwester (Leven Rambin) und schickt sie mit der Hilfe ihres Kollegen Elvis (Michael Irby) ins unfreiwillige Exil.
Sie sieht wie sämtliche andere Hauptfiguren einer düsteren unmittelbaren Zukunft entgegen. Wie Paul vor seinem Tod herausgefunden hat, wird sie bereits wegen des Mordes auf der Sexparty polizeilich gesucht. Entsprechend emotional fällt der Abschied von ihrem Vater aus, in dem sie ihn noch mal mit dem Missbrauch konfrontiert, der ihr als Mädchen angetan wurde. Es ist vielleicht die beste Szene einer bisher sowieso schon sehr starken Rachel McAdams. Auch Morse spielt die ehrliche Betroffenheit und das Schuldeingeständnis des Vaters hervorragend.
Ray droht indes ein ähnliches Schicksal wie seiner Kollegin. Zwar konnte er noch nicht verifizieren, dass ihm der Mord an Staatsanwältin Davis (Michael Hyatt) angehängt werden soll, es bleibt aber keine andere logische Schlussfolgerung übrig. Während er und Ani also auf neue Ermittlungsergebnisse von Paul warten und sich den Kopf über Figuren (Tasha, die Waisenkinder, Irina) zerbrechen, die wir nur aus Fotos oder von Erzählungen anderer Charaktere kennen, kommen sie auf die angesichts drohender Lebensgefahren nicht ganz abwegige Idee, miteinander vielleicht zum letzten Mal eine der größten Lebensfreuden auszukosten.
Echtes Licht ins Dunkel dieses hoffnungslos komplizierten Verschwörungsthrillers bringt der Handlungsbogen um Frank Semyon. Vince Vaughn hat in dieser Episode seinen stärksten Auftritt. Mit den neuesten Informationen von Ray im Gepäck konfrontiert er Blake (Christopher James Baker), den ranghöchsten Verräter im eigenen Camp. Nach einer handfesten Todesdrohung lässt der Frank (und uns) endlich wissen, wer genau gegen ihn intrigiert. Die von Osip (Timothy V. Murphy) angeführte Russenmafia bereitet demnach die Übernahme sämtlicher illegaler Aktivitäten in und um Vinci vor.
They're taking everything
Franks Casino und sein Club seien längst in ihre Hände gefallen, außer Jordan (Kelly Reilly) und seinem engsten Mitarbeiter seien ihm sämtliche Verbündete von Bord gegangen. Es gebe jedoch eine Geldübergabe, bei der die stattliche Summe von zwölf Millionen Dollar zwischen Osip und Catalyst-Chef McCandless (Jon Lindstrom) die Hand wechseln werde. Nach diesem exposition dump fällt es Frank nicht schwer, gegenüber Osip ein Pokerface zu bewahren, als der ihm verkündet, was er längst weiß.
Besonders schlau ist sein weiteres Vorgehen indes nicht. Zwar organisiert er eine Fluchtroute, Waffen, Transport- und ausreichende Finanzmittel, gibt mit der Zerstörung des Casinos und des Clubs und dem Mord an Osips Schergen aber unnötigerweise preis, dass er hinter seinem neuen Erzfeind her ist. Sehenswert sind diese Szenen trotzdem - vor allem, weil wir darin zum ersten Mal eine echte Ahnung davon bekommen, was für ein badass Frank wirklich ist. Bisher bekam er (bis auf eine Ausnahme, als er Santos die Zähne zog) ja nur die Gelegenheit, seine Gefährlichkeit anhand des Pizzolatto'schen Dialogs (der Vaughn bisweilen Schwierigkeiten bereitete) zu demonstrieren.
Wie Frank hat nun endlich auch der Noirthriller True Detective seinen Biss wiedergefunden. Black Maps and Motel Rooms ist eine so gute Episode, weil die Gefahr darin greifbar wird, weil unsere Protagonisten wahrlich um ihr Leben fürchten müssen, weil sie zum verzweifelten und rigorosen Handeln gezwungen sind, statt sich mit endlosen Dialogen im Selbstmitleid zu suhlen. Es geht vorwärts, es geht voran - und wir dürfen uns auf ein atemloses Staffelfinale freuen.
Trailer zum Finale „Omega Station“ (2x08) der 2. Staffel von „True Detective“:
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 3. August 2015True Detective 2x07 Trailer
(True Detective 2x07)
Schauspieler in der Episode True Detective 2x07
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