
Langsam wird es eng im Zeitreiseserienregal. Anfang des Monats gesellten sich Timeless von NBC und Frequency von The CW zur immer unübersichtlicher werdenden Auswahl und auf Showcase und Netflix wird neuerdings in Travelers temporaler Schabernack getrieben. Doch während sich in „Timeless“ tatsächlich Leute in eine Zeitmaschine setzen und in „Frequency“ nur durch die Zeit kommuniziert wird, haben es wir in „Travelers“ von Stargate SG-1-Ko-Schöpfer Brad Wright mit Wirtskörper besetzendem Bewusstsein aus der Zukunft zu tun - ähnlich, wie Scott Bakula es damals in Quantum Leap anstellte.
Zurück in die Vergangenheit
Die erwähnten Wirtskörper werden jeweils ab dem Zeitpunkt übernommen, an dem die betreffende Person das Zeitliche gesegnet hätte. So werden wir zu Beginn Zeugen, wie unsere fünf Hauptfiguren in spe (beinahe) ihr Leben verlieren, stattdessen aber mit einem Bewusstsein aus der Zukunft bestückt werden und die Situation herumreißen. Die beiden Frauen werden natürlich von Männern misshandelt und getötet, weil es schließlich anstrengend ist, sich etwas anderes als im Übermaß vorhandene, ausgelutschte und nicht unproblematische Plots auszudenken, wenn man noch eine vermeintlich komplizierte Zeitreisegeschichte beisammenhalten will.

Als erstes ist die geistig behinderte Marcy (Mackenzie Porter) an der Reihe, deren Kollegin aus der Bibliothek von einer Gruppe Schlägern überrascht wird und deren Aufmerksamkeit auf sich zieht. Der neue Pilot ihres Körpers kann zum Glück Kung-Fu und wehrt die Angreifer schnell ab. Leider wurde bei der Recherche zu Marcy ein Fehler gemacht, weshalb die plötzlich veränderte geistige Kapazität der jungen Frau ihren Pfleger David (Patrick Gilmore) komplett aus der Bahn wirft. Er geht trotzdem ziemlich cool mit der Situation um und ist ganz nebenbei mit das beste an der Pilotfolge.
Highschool-Quarterback Trevor (Jared Abrahamson) wäre eigentlich im Ring bei einem Kampf gestorben, weil er sich aus Stolz weigerte aufzugeben. Seine neue Persönlichkeit wirft allerdings das Handtuch und ist generell viel sanfter, was sowohl seine Freundin als auch seine Eltern überrascht.
Für die Hintergrundstory von Philip (Reilly Dolman) haben sich die Autoren eine Heroinüberdosis einfallen lassen, die in der neuen Zeitlinie nur noch seinen Mitbewohner tötet, was dem neuen Philip neben den Entzugserscheinungen auch noch Ärger mit der Polizei einbringt. Er nutzt sein Wissen aus der Zukunft, um mit Lottospielen einen Batzen Geld zu machen und weiht den ihn verfolgenden Polizisten schließlich ein, dass auch er als Wirtskörper in Betracht gezogen wurde, doch der Herzinfarkt, der ihn während des Gesprächs dahinrafft, sei unabwendbar gewesen.
Die zweite geprügelte Frau ist Carly (Nesta Cooper), deren gewalttätiger Man sie eines Tages zu hart anpackt, aber keine Sorge: auch sie kann nun Kung-Fu.

Die Kommunikation der Quasi-Zeitreisenden findet verschlüsselt im Darknet statt, wodurch das FBI auf die Gruppe aufmerksam wird. Special Agent Grant MacLaren (Eric McCormack) kommt dadurch auf die Spur der fünf Auffälligen und trifft sie nachts am verabredeten Ort in einem verlassenen Gebäude an, wo sie ihn bereits erwarten und vor einem Sturz in einen Fahrstuhlschacht bewahren. Es ist jedoch nicht Agent MacLaren, an dem sie wirklich interessiert sind. Sie warten nur darauf, dass ihr Anführer sich in dessen Körper herunterlädt, damit sie ihre Mission - die Auslöschung der Menschheit aufzuhalten - endlich beginnen können.
Fazit
Es ist schwierig, etwas über die erste Folge von Travelers zu sagen, da es sich hier um die Origin-Story der Figuren handelt und noch kein bisschen vermittelt wird, wovon die Serie genau handeln wird. Auch haben wir noch keinerlei Interaktion zwischen den zeitreisenden Hauptcharakteren mitbekommen, die hier lediglich als Spielfiguren auf dem Brett platziert wurden. Das Spiel hat noch nicht begonnen. Was bisher gezeigt wurde, kann als passabel, aber nicht außergewöhnlich beschrieben werden. Wer also genau wissen möchte, ob „Travelers“ die Reise wert ist, muss wohl noch ein bisschen am Ball bleiben.
Serientrailer: