Torchwood 4x07

Torchwood 4x07

Es gibt mindestens zwei Lehren, die Jack aus der Folge Immortal Sins ziehen könnte: Erstens, wende niemals Gwen Cooper den Rücken zu. Zweitens, verführe besser keinen Katholiken. Beides kann jeweils sehr schmerzhafte Konsequenzen haben.

Angelo (Daniele Favilli, l.) und Jack (John Barrowman, r.) auf der Flucht. / (c) BBC Worldwide Productions
Angelo (Daniele Favilli, l.) und Jack (John Barrowman, r.) auf der Flucht. / (c) BBC Worldwide Productions

Wir schreiben das Jahr 1927: Jack (John Barrowman) macht bei seiner Einreise nach New York die Bekanntschaft mit dem jungen Italiener Angelo (Daniele Favilli), der schon bald sein Zimmergenosse wird - und noch mehr. Für Angelo ist die Begegnung mit Jack gleich in mehrfacher Hinsicht ein Kulturschock: Nicht nur, weil er mit ihm seine Homosexualität ausleben kann, sondern auch weil Jack ihn - wenn auch nach einigem Zögern - in die Alien-Jagd von Torchwood einführt. Einen Wendepunkt erreicht ihre Beziehung jedoch in dem Augenblick, als Angelo sieht, wie Jack vor seinen Augen erschossen wird - und bald darauf schon wieder quicklebendig vor ihm steht.

In der Gegenwart hat Gwen (Eve Myles) unterdessen Jack gekidnappt, um ihn den Leuten auszuliefern, die ihre Familie entführt haben...

Der „Miracle Day“ entpuppt sich mehr und mehr als Wundertüte. Man greift hinein - und weiß nie so genau, was man bekommt. Nachdem wir in den letzten Wochen zahlreiche Nieten gezogen haben, war in dieser Woche endlich mal wieder ein Treffer mit dabei. Und das sogar aus der Feder von Jane Espenson, die sich mit ihren bisherigen Torchwood-Folgen ja nicht gerade als Idealbesetzung für das Autorenteam der Serie empfohlen hat.

Miracle Day: Immortal Sins hat so viel von dem, was man als Torchwood-Fan in den vergangenen Episoden vermisst hat. Allen voran Captain Jack. Es ist doch frappierend, wie sehr eine Serie allein schon dadurch gewinnt, dass man ihre Hauptfigur in den Mittelpunkt der Handlung stellt. Während Oswald Danes (Bill Pullman) nur als Meldung im Radio präsent ist und auch das CIA-Duo Rex (Mekhi Phifer) und Esther (Alexa Havins) weit, weit in den Hintergrund rückt, dreht sich die Folge hauptsächlich um die etablierten Torchwood-Protagonisten.

Nach den eher störenden, weil dramaturgisch schlecht eingebundenen Flirts und One-Night-Stands der vergangenen Folgen bekommt Jack hier eine ausgesprochen interessante Affäre auf den Leib geschrieben - was natürlich auch daran liegt, dass Angelo als sehr interessante Figur angelegt ist. Er ist schwul, aber gleichzeitig aufgrund seiner katholischen Erziehung voller Schuldgefühle. Er findet das Leben mit Jack aufregend, doch gleichzeitig versetzt ihn das, was er zu sehen bekommt, nicht nur in Erstaunen, sondern auch hellauf in Panik. Er wäre gerne Jacks Companion, aber er ist im Grunde noch nicht bereit dafür.

Umgekehrt offenbart Jack in der Beziehung zu Angelo ungeahnt romantische Züge: Er ist getrieben von der Sehnsucht nach einem Companion. In der Kirchenszene gibt er sich - in der Frage der Ehe - geradezu katholischer als der Katholik Angelo. Erst nach dessen Verrat wandelt sich Jacks Einstellung und ihm wird klar, dass er sein Herz nicht an einen Menschen hängen darf, weil er jeden Menschen überleben wird.

Es ist eine sehr dynamische und dadurch sehr authentisch wirkende Beziehung, die zwischen den beiden geschildert wird - und außerdem von einigen sehr gut geschriebenen Szenen profitiert. Beispielhaft herausgegriffen sei an dieser Stelle die Verführungsszene am Fenster, in der Jack und Angelo vermeintlich über das hübsche Mädchen von gegenüber sprechen, sie dabei aber gar nicht anschauen, sondern nur sich selbst im Blick haben. Das ist clever geschrieben - und von der Inszenierung, welche das Mädchen unscharf in den Hintergrund verschwinden lässt, sehr geschickt umgesetzt.

Darüber hinaus wird auch endlich der Hauptstrang konsequent weiterentwickelt: Wir bekommen zum ersten Mal in „Miracle Day“ außerirdische Wesen zu sehen - auf die Erde geschickt von den Tricksters (aus The Sarah Jane Adventures!). Doch stecken diese auch hinter dem Wunder? Oder agieren die „Familien“, bei denen es sich offenkundig um New Yorker Mafiafamilien handelt, auf eigene Rechnung?

Einige werden jetzt vielleicht rufen: Aber das wäre doch gar kein Torchwood mehr, wenn keine Aliens hinter der Sache stecken! Dagegen ließe sich einwenden: Gerade nach „Children of Earth“ wäre es ziemlich einfallslos, einfach nur die nächsten Aliens aufmarschieren zu lassen, die irgendetwas Furchtbares mit der Menschheit anstellen wollen. Dem Ganzen dagegen die Wendung zu geben, dass es Menschen sind - und der außerirdische Faktor nur in Jack und in seiner Unsterblichkeit liegt - wäre der wohl viel interessantere Dreh.

Wie „The Blessing“ ins Bild passt, ist noch nicht ganz klar. Haben die drei Männer etwa einen Weg gefunden, aus Jacks Blut den Unsterblichkeits-Faktor zu extrahieren? Bemerkenswert ist auf jeden Fall, wie sehr in Miracle Day: Immortal Sins nicht nur in den Dialogen auf Religion angespielt wird, sondern auch religiöse Motive in den Vordergrund gestellt werden (der Verrat, die Peinigung, das Blut).

Verraten wird Jack in dieser Folge gleich zweimal: Sowohl von Angelo als auch von Gwen, die gar nicht erst den Versuch unternimmt, Jack zu retten, sondern ihn geradewegs und ohne Umstände den Entführern ihrer Familie ausliefern will. Wenn es um die Wahl zwischen Jack und ihrem Baby geht, muss sie offenbar gar nicht erst lange grübeln. Woher diese negativen Gefühle gegen Jack herrühren, ist nach wie vor etwas unklar. Man kann nur vermuten, dass es etwas mit dem Selbsthass zu tun hat, der aus ihr heraussprudelt - und das alles nur, weil es ihr gefällt, sich als Retterin-der-Welt-vor-Alien-Invasionen wichtig vorzukommen. Shame on you, Gwen!

Wirklich enttäuschend ist an Miracle Day: Immortal Sins nur das Ende: Dass Rex und Esther aus dem Nichts auftauchen, um Major Kira, nein, also die Figur von Nana Visitor aufs Korn zu nehmen, das mag ja noch angehen. Aber woher hatten sie bitteschön die Information über das Versteck von Rhys (Kai Owen), Mary (man sollte sich den Namen von Gwens Mutter besser merken, sonst wird sie böse!) und Anwen? So nett auch das Wiedersehen mit Andy (Tom Price) ist, so sehr macht das Ende der Folge doch einen sehr überhasteten Eindruck.

Fazit

Die möglicherweise bislang beste Folge der Staffel, die sich - nicht nur dank verschiedener Referenzen auf die Mutterserie Doctor Who - zum ersten Mal wieder wie eine richtige Torchwood-Episode anfühlt.

Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 21. August 2011
Episode
Staffel 4, Episode 7
(Torchwood 4x07)
Deutscher Titel der Episode
Sünden der Vergangenheit
Titel der Episode im Original
Miracle Day: Immortal Sins
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Donnerstag, 25. August 2011 (BBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 18. August 2012
Autor
Jane Espenson
Regisseur
Gwyneth Horder-Payton

Schauspieler in der Episode Torchwood 4x07

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