Torchwood 4x08

Major Kira (Nana Visitor) entpuppt sich als die Enkelin von Angelo, welcher trotz seiner sexuellen Vorliebe für Männer offenbar eine Familie gegründet hat. Sie führt Jack (John Barrowman) und die anderen zu ihrem Großvater, der sein Leben lang, nach einem Weg gesucht hat, unsterblich zu werden. Ein hohes Alter hat er auch erreicht. Nur ganz jung - oder gesund - ist er nicht mehr.
Der Besuch bei Angelo nimmt allerdings eine unerwartete Wende, als Friedkin (Wayne Knight, Hot in Cleveland), der frühere Boss von Rex (Mekhi Phifer) und Esther (Alexa Havins), auftaucht. Friedkin ist es gelungen, Rex aufzuspüren. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um eine Falle, die Rex aufgestellt hat, um Friedkin an Q (John De Lancie) auszuliefern...
Was die Qualität der einzelnen Folgen betrifft, unternimmt die vierte Staffel von Torchwood mit den Zuschauern eine regelrechte Achterbahn-Fahrt. Nachdem Miracle Day: Immortal Sins in der vergangenen Woche wieder einmal genau so war, wie man sich Torchwood wünscht, war Miracle Day: End of the Road dagegen genau so, wie man „Miracle Day“ mittlerweile fürchten gelernt hat.
Es fällt schwer, hier überhaupt noch von so etwas wie einer Handlungslogik zu sprechen: Angelo steht also nicht hinter dem Wunder. Tatsächlich hat er seiner Enkelin sogar den Auftrag gegeben, Jack vor den Familien zu beschützen. Sie tut also das, was jeder in ihrer Situation tun würde: Sie lässt erst einmal die Familie von Jacks bester Freundin entführen - und das auch noch von einem ausgemachten Stümper, der die Coopers, wie wir hier erfahren, tatsächlich in ihrem eigenen Haus gefangen gehalten hat. Wie bereits in einigen Kommentaren zur letzten Folge angemerkt wurde: Eine simple Einladung (wenn nicht per Telefon, dann eben per Kontaktlinsen) hätte es auch getan.
Was Angelo dazu bewogen hat, sein Bett mit all den medizinischen Apparaturen zur Lebenserhaltung genau über dem Null-Feld aufzustellen, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Wirklich sinnvoll erscheint es jedenfalls nicht. So lange das Wunder wirkt, hätte er sich schließlich um die Lebenserhaltung keine Sorgen machen müssen. Und für die Möglichkeit, seinem Leben selbstbestimmt ein Ende setzen zu können, hätte es wohl gereicht, das Panel mit dem Null-Feld im Raum nebenan zu installieren.
Gut, er hat vielleicht nicht damit gerechnet, dass irgendein Idiot vom Gepiepse der medizinischen Geräte so genervt ist, dass er einfach den Stecker zieht. Aber er hätte Douglas Adams lesen können, der bereits geschrieben hat: „Der beliebteste Fehler unter den Leuten, die etwas absolut Idiotensicheres konstruieren wollen, ist der, dass sie den Erfindungsreichtum von absoluten Idioten unterschätzen.“
Dass das Drehbuch Jack zu einem solchen absoluten Idioten macht, um Angelo sterben zu lassen - und dadurch den Weg zur Enthüllung des Null-Felds zu ebnen, ist nur einer von vielen Momenten, die den Zuschauer etwas konsterniert zurücklassen. Noch schlimmer ist höchstens, wie die Entwicklung von Rex sich weiterhin als konsequenter Zickzack-Kurs erweist: Da hat er sich gerade erst vor zwei Folgen - endlich - zu Torchwood bekannt, da zieht er hier irgendeine komische Geheimaktion ab, um die CIA wieder ins Spiel zu bringen - ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass Friedkin vielleicht nicht der einzige Maulwurf der Familien ist.
Was Esther angeht - da ist einfach nur noch Hopfen und Malz verloren. Ihr persönlicher Handlungsstrang ist nun endgültig in die Absurdität abgedriftet (seit wann lässt man Patientinnen in geschlossenen psychiatrischen Anstalten über ihren - de facto - Selbstmord und die Tötung ihrer Kinder entscheiden?). Außerdem muss man wohl ganz klar sagen: Wenn es bis zur achten von insgesamt zehn Folgen einer Staffel nicht gelungen, zwischen den Hauptfiguren einer Serie genug Vertrauen aufzubauen, dass sie den anderen nicht vor dem gerade als Gastfigur neu aufgetauchten Chef verpetzen (Esther und das Bett-Podest), dann ist irgendetwas im Team- und Figurenaufbau prinzipiell schief gelaufen.
Gar nicht zu reden von Esthers - geradezu unfreiwillig komischer - Verzweiflung am Ende, als sie nicht weiß, was sie mit dem angeschossenen Jack anfangen soll. Allerdings ist in diesem Moment ohnehin schwer zu entscheiden, was einen mehr aufregen soll: Die Tatsache, dass ihre Figur immer noch genau so hilflos gezeichnet ist wie zu Beginn der Staffel, oder der Umstand, dass das gesamte Ende (allen voran der Schuss auf Jack) der Inbegriff von Konstruiertheit ist?
Oswald Danes (Bill Pullman) ist wieder da. Aber wie üblich scheint er in einer ganz anderen Serie mitzuspielen, die mit dem übrigen „Miracle Day“ wenig zu tun hat. Interessant ist allenfalls der sich verdichtende Eindruck, dass es den Familien gar nicht um ihn, sondern um Jilly Kitzinger (Lauren Ambrose) geht, die eine „Beförderung“ erhält - auch wenn nicht ganz klar ist, wofür eigentlich. Dafür dass Oswald ihr eine gelangt hat?
Zu den wenigen positiven Aspekten der Folge gehört der Auftritt von John De Lancie als CIA-Direktor Shapiro. Er kann die Folge zwar auch nicht retten, aber immerhin bringt er allein durch sein Spiel eine Energie und einen Esprit in die Episode, welche das erzählerische Chaos etwas erträglicher machen.
Ein weiterer Pluspunkt ist die geradezu hellseherische Begabung, welche die Autoren hier an die Tag legen: Kurssturz an den Börsen? Griechenland-Pleite? Euro-Krise? Daran ist also der Miracle Day schuld - und wir haben nichts davon mitbekommen? Hätten die Autoren ihre Gabe doch lieber dafür eingesetzt vorherzusehen (und zu verhindern), was für ein Desaster der Miracle Day in weiten Teilen werden würde.
Fazit
Mehr und mehr hoffe ich auf eine fünfte Staffel von Torchwood. Denn so will ich mich nicht an die Serie erinnern müssen.
Das Review zu „Doctor Who“ kommt am Montag um 8 Uhr. Diskussionen zur Folge bitte unter den Artikel morgen (oder im Forum).
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 28. August 2011(Torchwood 4x08)
Schauspieler in der Episode Torchwood 4x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?