Torchwood 4x05

Torchwood 4x05

In Torchwood: Miracle Day wird die Einteilung in Leben und Tod durch ein dreiteiliges Kategoriensystem abgelöst. Etwas Ähnliches müsste es auch für Fernsehserien geben: Nicht ganz schlecht, aber auch nicht richtig gut.

Ein PR-Foto von „Torchwood: Miracle Day“, welches die Bedeutung der Figuren - leider - treffend widerspiegelt. / (c) BBC Worldwide Productions
Ein PR-Foto von „Torchwood: Miracle Day“, welches die Bedeutung der Figuren - leider - treffend widerspiegelt. / (c) BBC Worldwide Productions

Die Vereinigten Staaten und zahlreiche weitere Nationen erlassen Gesetze, welche die alte Einteilung in Leben und Tod wegen des Miracle Days durch ein dreistufiges System ablösen: In Kategorie 1 fallen alle Menschen, die so schwer krank oder verwundet sind, dass sie ohne Bewusstsein sind. Kategorie 2 umfasst die Menschen, die zwar krank sind, aber geheilt werden können. Kategorie 3 sind alle anderen.

Gwen (Eve Myles) fliegt unter falschem Namen zurück nach Wales, um gemeinsam mit Rhys (Kai Owen) ihren Vater aus einem der overflow camps herauszuholen. Dies hat jedoch fatale Konsequenzen. Unterdessen spionieren Rex (Mekhi Phifer), Vera (Arlene Tur) und Esther (Alexa Havins) eines der Camps in Kalifornien aus. Jack (John Barrowman) stellt derweil wieder Oswalt Danes (Bill Pullman) nach, der für ein Miracle-Day-Festival nach Los Angeles gekommen ist...

Den Fans der britischen Serie Torchwood kann „Miracle Day“ aus verschiedenen Gründen Schwierigkeiten bereiten. Einer der schwerwiegendsten wurde in Miracle Day: The Categories of Life mehr als offensichtlich. Jack und Gwen, die bisherigen Protagonisten der Serie, kommen mehr oder weniger nur als Nebenfiguren vor. Vor allem Jack hat es schlimm erwischt. Denn während Gwen immerhin noch ein paar gute Szenen bekommt - und sich da und dort als bad ass girl profilieren kann, hätte man Jack aus dem Drehbuch dieser Folge auch komplett streichen können. Es hätte keinen Unterschied gemacht.

Das ist das wohl schlimmste, was man über die Hauptfigur - und den nach wie vor an erster Stelle genannten Hauptdarsteller - einer Serie sagen kann. Jacks einziger nennenswerter Beitrag zur Folge besteht darin, dass er Rex als dessen vermeintlicher Liebhaber in Verlegenheit bringt (immerhin ein schöner Gag). An der Aufklärungsmission im overflow camp darf er aus unerfindlichen Gründen nicht teilnehmen. So bleibt ihm nur noch übrig, ein bisschen mysteriös in irgendwelchen Gängen herumzustehen - und Oswalt Danes einen Todeswunsch zu unterstellen, der offenbar weitaus geringer ausgeprägt ist, als Jack sich das gedacht hat.

Die eigentlichen Protagonisten der Folge - also diejenigen, deren Aktionen die Handlung tatsächlich vorantreiben - sind Rex und Vera. Das wäre grundsätzlich okay, wenn man als Stammzuschauer nicht ständig dieses unangenehme Gefühl hätte, dass sie Jack und Gwen verdrängen, was dem Aufkommen von Sympathie für die „Neuen“ nicht gerade zuträglich ist. Es ist schwer mitzufiebern, wenn man die ganze Zeit über mit dem Gedanken zu kämpfen hat: Das dort auf dem Bildschirm sollten jetzt eigentlich unsere Torchwood-Leute sein (von denen Rex sich nach wie vor konsequent abgrenzt, was ebenfalls dazu beiträgt, dass man ihn nur schwerlich ins Herz schließt).

Der Part, den Oswalt Danes in dem Puzzle spielt, ist und bleibt verwirrend. Aber auf eine ungute Weise. Ist er nun ein Kindermörder, der um seine Sicherheit fürchten muss? Oder ein Messias, dem die Massen zujubeln? Wieso hört überhaupt irgendjemand auf ihn und das, was er über den nächsten Entwicklungsschritt der Menschheit hin zu kleinen Engelein zu sagen hat? Was weist ihn als eine in dieser Hinsicht irgendwie vertrauenswürdige Informationsquelle aus? Als jemand, dem die Leute nicht zu zuhören, sondern seine Worte sogar noch beklatschen? Was will PhiCorp bloß mit ihm?

Einer der Gründe, warum es „Miracle Day“ bislang an der Spannung fehlen lässt, die in „Children of Earth“ aufgekommen ist, liegt auch darin, dass aus den Informationen, die wir über die Figuren, ihre Pläne und Absichten erhalten, zu wenig konkrete Hypothesen ableitbar sind, die überhaupt das Aufkommen von spezifischen Befürchtungen ermöglichen. Natürlich muss die Handlung geheimnisvoll sein, aber die Geschehnisse dürfen nicht so vage bleiben, dass man als Zuschauer das Interesse verliert.

Die Enthüllung, dass es sich bei den geheim gehaltenen Modulen in den Camps um Verbrennungsöfen handelt, ist - zusammen mit den Schüssen auf Vera und ihrer anschließenden „Entsorgung“ - schon eine ziemlich grausige Überraschung, welche sich eindeutig als ein WTF-Moment qualifiziert. Diese Entdeckung wäre jedoch noch wesentlich effektiver, wenn wir irgendeinen Kontext hätten, in den wir sie einordnen könnten. Im Grunde gilt hier das, was Hitchcock als den Gegensatz von Schock und Spannung beschrieben hat (ein Schock tritt ein, wenn etwas passiert, das wir nicht vorhersehen konnten; Spannung wird erzeugt, wenn uns der Film genug Informationen gibt, um ein furchtbares Ereignis zu erahnen).

Fazit

Ich will Miracle Day: The Categories of Life nicht in Bausch und Bogen verdammen. Keineswegs. Dafür ist insbesondere die Thematik, welche sozialen Konsequenzen sich aus dem Miracle Day ergeben, nach wie vor zu interessant. Doch die dramaturgischen Schwächen, welche die Staffel bislang aufweist (nicht zuletzt durch die etwas missglückte Integration der US-Figuren), lassen sich - leider, leider - nicht übersehen.

Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 7. August 2011
Episode
Staffel 4, Episode 5
(Torchwood 4x05)
Deutscher Titel der Episode
Kategorien des Lebens
Titel der Episode im Original
Miracle Day: The Categories Of Life
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Donnerstag, 11. August 2011 (BBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 18. August 2012
Autor
Jane Espenson
Regisseur
Guy Ferland

Schauspieler in der Episode Torchwood 4x05

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