Torchwood 4x04

Torchwood 4x04

Nach dem Aussetzer in der Vorwoche liefert Torchwood: Miracle Day mit Escape to L.A. eine wesentlich bessere Folge ab, die sowohl in puncto Spannung als auch Intelligenz zu überzeugen vermag.

Das „Torchwood“-Team hat nur wenig Zeit, das Wetter in Venice Beach zu genießen. / (c) BBC Worldwide Productions
Das „Torchwood“-Team hat nur wenig Zeit, das Wetter in Venice Beach zu genießen. / (c) BBC Worldwide Productions

Esther (Alexa Havins) besucht ihre Schwester, die jedoch so sehr wegen der überall kursierenden Seuchen verängstigt ist, dass sie sie nicht ins Haus lässt. Esther ruft darafhin die Behörden an, da sie um die Kinder ihrer Schwester besorgt ist. Diese Aktion entpuppt sich gleich in doppelter Hinsicht als Reinfall: Zum einen sorgt sie unabsichtlich für die Zwangseinweisung ihrer Schwester. Zum anderen führt ihr kleiner Ausflug dazu, dass sich ein Killer (C. Thomas Howell) an ihre Fersen heftet, den sie geradewegs zum neuen Hauptquartier von Torchwood in Los Angeles führt, wo Jack (John Barrowman), Gwen (Eve Myles) und Rex (Mekhi Phifer) gerade damit beschäftigt sind, einen Plan auszuarbeiten, wie sie an die Server von Phicorp herankommen können...

Na bitte, es geht doch! Nachdem in der vergangenen Woche das Drehbuch der ehemaligen „Buffy“-Autorin Jane Espenson leider vorwiegend negativ durch dramaturgisches Stückwerk auffiel, welches vorne und hinten nicht zusammenpasste „33488“, liefert ausgerechnet ihr Kollege John Shiban, der seinerzeit bei The X-Files nicht gerade zu den stärksten Autoren gehörte, eine der bislang besten Folgen der vierten Torchwood-Staffel ab. Seine Zeit bei Supernatural und Breaking Bad scheint Shiban wirklich gut getan zu haben!

Vor allem die Verknüpfung zwischen dem Privatleben der Figuren und dem Haupthandlungsstrang gelingt ihm wesentlich besser als der Kollegin Espenson: Miracle Day: Escape to L.A. zeigt das Torchwood-Team als Menschen, die - so wichtig ihre Mission auch ist - ihre Gefühle für ihre Liebsten nicht einfach abschalten und nicht aufhören können, sich um sie zu sorgen. Natürlich ist Esthers Besuch bei ihrer Schwester (bei Tageslicht!) geradezu sträflicher Leichtsinn, aber sie kann sich einfach nicht beherrschen. Denn es geht um ihre Familie. Stellvertretend für den Zuschauer schimpft Rex sie später dafür aus - und das, obwohl er selbst das gleiche Risiko eingegangen ist, als er seinen Vater aufgesucht hat. Eine Begegnung, die übrigens für einen Moment fast so etwas wie Mitleid mit dem sonst nicht gerade überwältigend sympathischen Rex aufkommen lässt.

Dramaturgisch sehr effektiv ist die Verkehrung von Intentionen und deren Ausgang gestaltet: Esther will nur, dass sich jemand um ihre Schwester und deren Familie kümmert. Ihre Aktion führt jedoch zum Auseinanderreißen dieser Familie. Gwen ist um ihren Vater besorgt und will, dass Rhys (Kai Owen) ihn - abseits der überlasteten Krankenhäuser - in Sicherheit bringt. Dadurch sorgt sie jedoch versehentlich dafür, dass ihr Vater in eines der von dem sinisteren Pharmakonzern Phicorp eingerichteten overflow camps gerät.

Der Kollaps des Gesundheitssystems wird überaus überzeugend inszeniert - und lässt die Zuschauer die Hilflosigkeit, die beispielsweise Dr. Juarez (Arlene Tur) erlebt, hautnah mitempfinden. Zugleich schafft die Folge damit die perfekte Bühne für den Auftritt von Oswalt Danes (Bill Pullman). Dieser ist frustriert darüber, dass ihm eine Tea-Party-Aktivistin (Mare Winningham, „Mildred Pierce“) mit ihrer „Dead is Dead“-Kampagne die Show stiehlt. Also geht er in das eigens eingerichtete Aussätzigen-Hospital und setzt sich selbst als eine Art Jesus-Figur in Szene, die auf der Seite der Kranken, Schwachen und - für einen Kindsmörder besonders perfide - kleinen Kinder in Szene setzt.

Als Zuschauer fragt man sich hier fast unwillkürlich, ob Handlungselemente zwischen den Folgen vertauscht worden sind. Genau diesen Plot hätte man in der vergangenen Woche erwartet, um zu plausibilisieren, wie aus Oswalt tatsächlich eine Messias-Gestalt wird. Aber gut, nun haben die Autoren den Handlungsstrang ja nachgeliefert. Für das Publikum ist und bleibt Danes eine höchst ambivalente Figur: Einerseits handelt er bei seinem Auftritt im Krankenhaus aus kühlem Kalkül. Andererseits steht er seinen Wohltätern aus der pharmazeutischen Industrie keineswegs unkritisch gegenüber: Er ahnt, dass sich hinter Phicorp etwas höchst Mysteriöses verbirgt.

Wer oder was das ist, darauf erhalten wir in Miracle Day: Escape to L.A. verschiedene kleine Hinweise: Sie sind alte, mittlerweile namenlose Bekannte von Jack, die eine neue Gesellschaft auf Erden formen wollen. Und obwohl sie, wie sie selbst sagen, unter anderen Umständen gute Freunde von Mare Winningham hätten sein können, greifen sie zu überaus drastischen Mitteln, um sie von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Dabei führt uns das offene Auge im zusammengepressten Schrott-Haufen noch einmal eindrücklich vor, was die Unsterblichkeit infolge des Miracle Days bedeutet.

Fazit

Eine sehr unterhaltsame Folge, die uns sowohl die Figuren näher bringt als auch die Haupthandlung vorantreibt - und dabei unter anderem mit der äußerst spannenden Sequenz von Gwens und Jacks Gefangennahme durch einen gut aufgelegten C. Thomas Howell als Killer aufwartet.

Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 31. Juli 2011
Episode
Staffel 4, Episode 4
(Torchwood 4x04)
Deutscher Titel der Episode
In der Höhle des Löwen
Titel der Episode im Original
Miracle Day: Escape to L.A.
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Donnerstag, 4. August 2011 (BBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 17. August 2012
Autor
Bob Tzudiker
Regisseur
Bill Gierhart

Schauspieler in der Episode Torchwood 4x04

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