Torchwood 4x03

Torchwood 4x03

Was steckt hinter dem Miracle Day? Bei seinen Recherchen stößt das Torchwood-Team auf Hinweise, dass nicht alle Menschen auf dem Planeten Erde von diesem Ereignis überrascht worden sind. Überraschend ist allerdings, wie schwach die Folge umgesetzt wurde.

Danke Gwen! Eve Myles gehört in „Dead of Night“ zu den Aktivposten des „Torchwood“-Teams. / (c) BBC Worldwide Productions
Danke Gwen! Eve Myles gehört in „Dead of Night“ zu den Aktivposten des „Torchwood“-Teams. / (c) BBC Worldwide Productions

Rex (Mekhi Phifer) stellt seinen Boss Friedkin (Wayne Knight) mit vorgehaltener Pistole zur Rede. Er will wissen, warum er ihn und Esther (Alexa Havins) verraten hat. Friedkin händigt ihm ein Handy aus, mit dem seine - ihm selbst unbekannten - Auftraggeber mit ihm Kontakt aufnehmen. Über Friedkin kommt das Torchwood-Team auch noch auf eine weitere Fährte: ein mysteriöses Lagerhaus, in dem das Pharmaunternehmen Phicorp in rauhen Mengen Medikamente gebunkert hat. Es scheint so, als hätte die Firma gewusst, dass der Miracle Day kommen würde. Heißt das aber auch, dass das Unternehmen die allgemeine Unsterblichkeit verursacht hat?

Miracle Day: Dead of Night ist die bislang schwächste Folge der vierten Staffel, was hauptsächlich an der - gelinde gesagt - holprigen Dramaturgie liegt. Für die ehemalige „Buffy“-Autorin Jane Espenson ist dieses Drehbuch nicht gerade ein Ruhmesblatt.

Die ersten Minuten der Folge sind so sehr überfrachtet mit Witzeleien zu britisch-amerikanischen Verständnisschwierigkeiten, dass man fast versucht ist, vor dem Bildschirm „I say tomato, you say tomato“ zu singen. Danach wird es vollständig verworren: Rex haut ab (offenbar, weil es mal nicht nach seinem Kopf geht), Jack (John Barrowman) geht (wie man das so macht, wenn man auf der Flucht ist) erst mal in eine Schwulenbar. Und Esther unternimmt mit Gwen (Eve Myles) einen Spaziergang.

Das Aufbrechen des Teams dient scheinbar einzig und allein dem Zweck, zwei ziemlich unmotivierte, dafür immerhin schön parallel geschnittene Sexszenen unterzubringen. Rex steigt aus heiterem Himmel mit Dr. Juarez (Arlene Tur) ins Bett. Und Jack tut das Gleiche mit einem Barkeeper. Wenigstens müssen sich die Fans nicht länger Sorgen darüber machen, dass die Produzenten für die US-Version Jacks sexuelle Orientierung ändern. Der Spannung und Dramatik der Folge sind diese Szenen jedoch eher abträglich.

Der Einfall, Jack mit Gwen ein zutiefst emotionales Telefonat führen zu lassen, während er mit seinem One-Night-Stand noch im Bett liegt, ist zwar durchaus originell, wirkt aber zugleich auch irgendwie aufgesetzt - und tut der Figur von Captain Jack nicht sonderlich gut. Durch das Alphatier-Gerangel mit Rex wirkt er ohnehin schon etwas paralysiert. Dass seine Aufmerksamkeit ansonsten ganz von der Vergangenheit (Ianto, der Tod seines Enkels, sein Weglaufen und die Folgen, die das für sein Verhältnis zu Gwen hat) in Beschlag genommen wird, beraubt ihn noch mehr seiner Dynamik und Tatkraft - und erweckt fast ein wenig den Eindruck, als wäre Jack noch nicht ganz in der Handlung von „Miracle Day“ angekommen.

Besonders schade ist dies für die Zuschauer von Starz, die tatsächlich vorher noch nicht Torchwood gesehen haben - und die hier einen Helden vorgesetzt bekommen, der bislang viel zu wenig Initiative und Engagement zeigt. Zumal für jemanden, der vom Miracle Day selbst und in höchst negativer Weise betroffen ist. Als Zuschauer - und Fan von Captain Jack - würde man sich wünschen, dass er sich ein wenig mehr ein Beispiel an Gwen „Bad Ass“ Cooper nähme, die zurück zu ihrer Familie will - und deshalb bereit ist, alles zu tun, um die Sache aus der Welt zu schaffen.

Die Szene, in der sie Rex vorflunkert, dass nur sie die Video-Kontaktlinsen tragen kann, gehört zu den besten der Episode, weil hier einmal genau jene Energie und jener Witz zusammenkommen, die man vom Torchwood-Team erwartet.

So ist denn auch das letzte Drittel von Miracle Day: Dead of Night mit Gwens Undercover-Mission bei Phicorp, Jacks Begegnung mit Oswalt (Bill Pullman) und der Enthüllung, wozu Jilly Kitzinger (Lauren Ambrose) den Kindsmörder braucht, der stärkste Teil der Folge.

Dass die Firma ausgerechnet Oswalt, der - wie wir ja sehen - bei weitem noch nicht von allen als „Messias“ gesehen wird, zum Fürsprecher ernennt, ist eine etwas seltsame Wahl. Andererseits scheint es durchaus plausibel, dass ein solches Wunder gepaart mit der (scheinbaren) Verwandlung eines Saulus zum Paulus - zumal unter medialer Mithilfe - selbst aus einem Pädophilen eine Lichtgestalt machen kann, die es lohnt, vor den kommerziellen Karren zu spannen.

Fazit

In dieser Folge wurden erstmals deutliche Schwächen in Miracle Day erkennbar, welche auch durch die guten Momente (wie zum Beispiel: „It's bigger on the inside“) nicht ganz ausgeglichen werden konnten.

Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 24. Juli 2011
Episode
Staffel 4, Episode 3
(Torchwood 4x03)
Deutscher Titel der Episode
Der unbekannte Feind
Titel der Episode im Original
Miracle Day: Dead of Night
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Donnerstag, 28. Juli 2011 (BBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 17. August 2012
Autor
Jane Espenson
Regisseur
Bill Gierhart

Schauspieler in der Episode Torchwood 4x03

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?