Torchwood 4x02

Kommt, bringen wir es hinter uns: Die Szene mit der Synthese des Arsen-Gegenmittels an Bord des Flugzeugs ist auf eine so eklatante Weise trashig und unglaubwürdig, dass sie schon fast wieder gut - weil ungemein amüsant - ist. Als hätten die Macher MacGyver und 24 mit einem Schuss Merlin zusammengerührt (als Gwen die Silberkette in den Krug fallen lässt, habe ich doch ernsthaft mit dem Auftauchen von Richard Wilson alias Gaius gerechnet...).
Was den Komikgehalt angeht, toppt die Szene glatt noch die Entgiftung des Doctors in The Unicorn and the Wasp. Natürlich mit dem einzigen Unterschied, dass die Szene in Doctor Who darauf angelegt war, witzig zu sein.
Und wenn wir schon mal bei der Kritik sind: Die Szene, in der sich Dichen Lachman mit verdrehtem Kopf der Flucht des Torchwood-Teams in den Weg zu stellen versucht, krankt leider etwas daran, dass die CGI-Montage von Lachmans Kopf - vor allem in der Totale - nicht wirklich überzeugend aussieht. Vielleicht hätten die Produzenten für die visuellen Spezialeffekte lieber erneut The Mill statt des kleinen US-Unternehmens Lion verpflichten sollen.
Damit ist der Kritik dann allerdings auch schon Genüge getan. Denn der Rest von Miracle Day: Rendition ist durchaus gelungen. Rex (Mekhi Phifer) will Gwen (Eve Myles) und Jack (John Barrowman) in die USA ausfliegen. Dabei bekommt er eine Kollegin (Lachman) aufs Auge gedrückt, was nicht nur - für ihn - nervig, sondern auch gefährlich ist. Denn besagte CIA-Agentin versucht im Auftrag ihres Bosses Friedkin (Wayne Knight, Hot in Cleveland) Jack, den derzeit einzigen sterblichen Menschen auf Erden, zu vergiften. Friedkin ist jedoch nicht the big bad, sondern selbst nur ein Befehlsempfänger, der jeden zu beseitigen versucht, der auch nur im Entferntesten etwas von Torchwood weiß.
Die CIA, wenn auch nur mittelbar, zum Gegner aufzubauen, hat bislang noch keinem Thriller-Plot geschadet. Torchwood ist da keine Ausnahme. Je mächtiger der Gegner, desto größer die Spannung. Und ein Gegner, der sogar die CIA unterwandert hat, ist auf jeden Fall schon mal eine würdige Opposition für Gwen und Jack. Außerdem ist dieser Plot natürlich auch für die weitere Dynamik der Serie wichtig.
Mit den Ressourcen der CIA und des amerikanischen Staatsapparats im Rücken - da hat natürlich Rex das Sagen. Und nutzt das auch weidlich aus. Die Gelegenheit, ein paar Briten herumzukommandieren (und dabei auch noch eine Mutter von ihrem Baby zu trennen), macht ihm ja geradezu Spaß. Aber so ist er uns ja schon in der vergangenen Woche vorgestellt worden: Als jemand, für den die Krebserkrankung der Frau eines Kollegen vor allem eins ist - eine gute Gelegenheit, Karriere zu machen. Eine moralische Läuterung hat Rex wegen seiner Nahe-Tod-Erfahrung bislang noch keineswegs vollzogen. Aber vielleicht lernt er ja jetzt, wo Jack und Gwen die Oberhand zu gewinnen scheinen, etwas mehr Demut. „Rex, you got to work on these escape plans!“ Köstlich!
Apropos Läuterung: Oswalt Danes (Bill Pullman) absolviert seinen ersten TV-Auftritt nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis - und gibt sich reumütig angesichts seiner Tat. Aber meint er das auch ernst? Oder ist es nur eine Schau, die er abzieht, um den Mob, der ihn wieder hinter Gittern bringen will, zu beschwichtigen? Letzteres scheint eine gewisse Mrs. Kitzinger (Lauren Ambrose, Six Feet Under) zu glauben, die sich ihm - wie auch später Dr. Jurarez (Arlene Tur) - als PR-Tante anbietet. Und dabei eine höchst undurchsichtige Rolle spielt. Wozu will eine PR-Agentin, die für einen Pharmakonzern arbeitet, einen pädophilen Straftäter vertreten? Oswalt könnte mit seiner Einschätzung vielleicht gar nicht einmal so verkehrt liegen: „If the devil himself walked this earth, he'd surely be working in PR.“
Die wahrscheinlich bislang sympathischste neue Figur in Torchwood ist wohl fraglos Dr. Juarez, die von allen die klarste Vorstellung zu haben scheint, welche enormen Umwälzungen und Anpassungsleistungen das „Wunder“ der Menschheit - und insbesondere der Medizin - abverlangen wird. Sie übernimmt Verantwortung (als sie beispielsweise anordnet, die bisherige Krankenhaus-Prozedur auf den Kopf zu stellen: Erst kommen die Leichtverletzten dran, damit Betten frei werden), verhält sich dabei jedoch - anders als Rex - überaus umsichtig.
Etwas kurz kommen (zumindest in der US-Version) bisher die Charakterszenen zwischen den bisherigen Torchwood-Hauptfiguren. Die wenigen, die es gibt, sind dafür aber sehr treffend. Sowohl in der komischen (Jack staunt darüber, dass Rhys ihn verteidigt) als auch in der dramatischen Variante (das Gespräch zwischen Gwen und Jack, in dem sie ihn fragt, ob sein Trip ihm geholfen hat... und sein Gesicht zeigt deutlich, dass dem nicht so gewesen ist).
Fazit
Eine bis auf wenige Abstriche spannende und sehr unterhaltsame Episode, mit einigen (wenn auch nicht immer ganz freiwillig) lustigen Momenten.
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 17. Juli 2011(Torchwood 4x02)
Schauspieler in der Episode Torchwood 4x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?