This Is Us 1x08

In Pilgrim Rick zündet This Is Us diese Woche nicht nur ein zu erwartendes Emotionsfeuerwerk, das sich sehen lassen kann, zudem werden so manche sich zuvor anbahnenden Konflikte angegangen, das Band zwischen Flashback- und Gegenwartshandlung gekonnt aus- und zuletzt noch mit dem Thema Familientradition gekonnt gespielt. Kein Wunder also, dass diese Episode dieses Mal die Topwertung verdient hat.
If you'll be my bodyguard, I can be your long lost pal!
Zunächst bekommen wir die Feiertagsvorbereitungen auf allen Seiten mit, die bei Kate (Chrissy Metz) mit einem ziemlichen Dämpfer anfangen: Bei einem Abendessen mit Toby (Chris Sullivan) beschließt sie, dass sich dessen lockerer Umgang mit seinem Gewicht als zu konträr zu ihrem eigenen Leben darstellt. Deshalb legt sie eine Beziehungspause ein. Es scheint, als würde sie der Forderung Kevins (Justin Hartley) folgen, sich mehr um sich selbst zu kümmern, was sich hierbei gleichzeitig schmerzhaft und richtig anfühlt.
Kevin dagegen entscheidet sich gegen ein Thanksgiving ohne Date und bittet seine unterkühlte Schauspielpartnerin Olivia (Janet Montgomery), ihn zu seiner Familie zu begleiten. Zunächst scheint sie durch negative Erfahrungen mit dem Familienfest desinteressiert zu sein, kann sich durch Kevins Beschreibung seiner dysfunktionalen Familie dennoch überreden lassen. Zuletzt bleibt noch Randall (Sterling K. Brown), der in der Rolle des Gastgebers voll aufzugehen scheint und sich auf ein großes Familienfest mit seinem biologischen Vater William (Ron Cephas Jones) sowie seinen Adoptiveltern freut.

Während langsam alle Familienmitglieder außer Kate im Hause Randalls eintrudeln und wir ein paar Familienkonstellation zu sehen bekommen, die wir noch nicht hatten, werden auch die ersten Konflikte etabliert. So scheint Kevin mit der Rolle Miguels (Jon Huertas) als neuer Mann an Rebeccas (Mandy Moore) Seite wesentlich schlechter als Randall klarzukommen und zeigt ihm die kalte Schulter. Beth (Susan Kelechi Watson) hingegen ist immer noch sauer über Rebeccas und Williams Geheimnis, voneinander zu wissen und Olivia kommt wesentlich schlechter mit dem Familienfest und Kevin als potentiellem Partner klar, als sie es gerne täte.
Stop playing so cool!
Jedoch kann überraschenderweise William ihre Meinung noch mal ändern, als er ihr die Last des Sterbens vor allem durch das Leid der Vergänglichkeit zu beschreiben versucht und die Brücke zu ihrer unterkühlten Art zu schlagen vermag. So bedankt sich Olivia doch noch etwas verzögert bei Kevin für das Stück Kuchen mit einem Kuss und verlässt doch nicht Randalls Haus.
Randall selbst hingegen ist sehr darum bemüht, Williams womöglich letztes Thanksgiving so besonders wie möglich zu gestalten und möchte dessen alte Musikkassetten aus der Wohnung holen, die William früher an dem Festtag immer hörte. Während er dafür die Versuche Rebeccas, ihm unter vier Augen von ihrem Geheimnis zu erzählen, unterschlägt, findet er schließlich in Williams Wohnung selbst den Brief, den William einst von Rebecca bekam.

Thanksgiving is full of triggers
Die Flashbacks drehen sich natürlich auch um das Fest des Tages und zeigen uns, wie sich die Familie aufmacht, um Thanksgiving mit Rebeccas Familie zu feiern, wofür Jack (Milo Ventimiglia) extra eine Kassette von Paul Simons Erfolgsalbum „Graceland“ in petto hat. Jedoch kommt es anders als gedacht und die fünf landen dank eines Plattfußes in der Unterkunft „Pinewood Lodge“, in der sie sich eine notdürftige Bleibe mit kalten Hot Dogs und überhitztem Ofen einrichten müssten.
Der zentrale Charaktermoment dabei ist jedoch die angedeutete Beziehung zwischen Rebecca und ihren Eltern, die sich scheinbar immer wieder in die Haare kriegen, was nicht nur die Kinder stört, sondern schlussendlich auch dafür sorgt, dass Rebecca sich dafür entscheidet, fortan Thanksgiving alleine zu feiern. Zuletzt rettet Jack noch durch sein improvisiertes Rollenspiel als „Pilgrim Rick“ die Stimmung, während Rebecca mit dem kaputten Pullover Kates (Mackenzie Hancsicsak) ein neues Spiel erfindet.
Family traditions
Neben diesen ganzen emotionalen Schlüsselmomenten, die mal wieder nah an der Schwelle zum Kitsch sind, ist es jedoch vor allem mal wieder die zweite große Stärke von This Is Us, die in der Episode Pilgrim Rick ausgespielt wird. Es geht um das Zwischenspiel von Flashback- und Gegenwartshandlung, welches sich in dieser Folge dem Thema der Familientraditionen widmet.
So bekommen wir einen Haufen dieser zu sehen, die eben an jenem improvisierten Abend ihren Ursprung finden und auch heute noch fortgeführt werden. Sei es Randalls Weckruf zu „You can call me Al“, der Spaziergang zu der „Pinewood Lodge“ oder das alte Rollenspiel als Rick. Alle Kinder haben sich anscheinend diesen besonderen Abend dermaßen eingeprägt, dass sie immer noch an ihm festhalten und durch ihn dem verstorbenen Jack gedenken.
Mag diese Fortführung der Tradition ihrem Leben auch Halt gegeben haben, so ist es dennoch vor allem der unerwartete Bruch mit dieser, der besonders starke Momente hervorbringt. Das wird einerseits anhand Kevins Entscheidung, Miguel die Rolle des Pilgrim Rick zu übergeben, und besonders stark im finalen Familienkonflikt zwischen Rebecca und Randall deutlich, als dieser das Wollknäuelspiel unterbricht und stattdessen den Brief, den er in Williams Wohnung gefunden hat, vorliest.

Da kann selbst Kates späte Anreise mit der Entscheidung, sich einer Magen-Bypass-OP zu unterziehen, um ihr Leben nach ihrer Nahtoderfahrung zu ändern, der Familie keine allzu große Aufmerksamkeit entlocken. Der Schock, dass Randall seinen todkranken Vater schon seit seiner Kindheit hätte kennen können, wiegt dermaßen schwer, dass abzuwarten bleibt, wie dieser damit in den kommenden Folgen umgehen wird. Ebenso bleibt abzuwarten, ob Kates Entscheidung auch etwas an ihrer geplanten Trennung von Toby ändern wird.
Fazit
This Is Us bringt mit Pilgrim Rick nicht nur das erste Mal die ganze Familie zusammen, auch emotional weiß die Dramaserie passend zum Familienfest groß aufzutischen. Während das parallel zueinander erzählte Band zwischen Flashback- und Gegenwartshandlung anfangs noch dazu dient, sämtliche Familientraditionen zu etablieren, so sind es am Ende dennoch die aktuellen Probleme und Themen, die die Episode dominieren.
Diese werden in dieser Folge vor allem sehr gekonnt genutzt, um mit gewohnten „Feel-Good-Momenten“ zu brechen und stattdessen sogar einen Konflikt zu etablieren, der die gesamte Familienkonstellation aufs Spiel setzen könnte. „This Is Us“ ist immer dann am stärksten, wenn der Zuschauer sowohl emotional als auch narrativ und dramaturgisch eine Stunde lang aus dem Sessel gekippt wird - und das schafft diese Episode mit Bravour.
Besonders die Geschichte Randalls - vom enttäuschten Kind, das keinerlei Lust auf Thanksgiving hatte, dann seine Liebe zu seiner Familie und zu dem Fest entdeckt, diese Liebe an seinen versterbenden Vater weitergeben möchte und schließlich von seiner eigenen Mutter dieser wieder entrissen wird - zeigt auf, wie gekonnt „This Is Us“ die wechselnde Handlungszeit auszuspielen weiß. Ich freue mich nicht nur, dass ich gerade diese Episode von meiner Kollegin Loryn Pörschke übernehmen durfte, ich freue mich vor allem, eine der besten Thanksgiving-Episoden der Seriengeschichte gesehen zu haben.

(This Is Us 1x08)
Schauspieler in der Episode This Is Us 1x08
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