This Is Us 1x03

Das Thema der Episode Kyle ist wie gemacht für eine Familienserie: Es geht um die Langfristigkeit von Beziehungen - und dass man sich manchmal loslassen muss, um sich nicht zu verlieren. Das funktioniert wieder mal gut, wenn auch emotional nicht so stark wie in den ersten beiden This Is Us-Episoden.
Das erste, dritte Treffen
Das Aufeinandertreffen der Episode ist das erste Gespräch zwischen Randalls Adoptivmutter Rebecca (Mandy Moore) und seinem leiblichen Vater William (Ron Cephas Jones). Noch bevor das erste Wort zwischen den beiden fällt, kann man sich denken, was hier los ist: Die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit, zumindest eine kurze. Und so ist es dann auch, Rebecca sieht den Mann vor dem Krankenhaus stehen - an dem Tag, als sie mit den drei Kindern nach Hause fährt. Und nicht nur das, kurze Zeit später taucht sie in seiner Wohnung auf und nimmt ihm das Versprechen ab, sich aus dem Leben seines Sohnes herauszuhalten. Und das tut der Mann auch, bis zu dem Tag, an dem der erwachsene Randall (Sterling K. Brown) ihn selbst ausfindig macht.
In der letzten Episode war es Beth (Susan Kelechi Watson), nun ist es also an Rebecca, den Mann zu erschrecken, um Randall zu schützen, der einfach zu gut für die Welt ist. Und William horcht, denn er ist seinem Sohn ähnlicher, als es die meisten anderen Figuren im Moment wahrhaben wollen. Er ist das, was aus Randall hätte werden können, wenn der in einer anderen Zeit und unter anderem Umständen aufgewachsen wäre. Denn die liebenswürdige Art, die Randall an sich hat, kann auch in Hilfslosigkeit umschlagen, wenn die Erfahrungen, die derjenige macht, zu schlimm sind.
Und genau das ist bei William passiert. Was ihm fehlt, ist der Kampfgeist - und das ist sein Problem. Das ist der Grund, wieso er William abgegeben hat. Nicht aus fehlender Liebe, sondern aus einer Mischung aus Minderwertigkeitskomplexen und Hilflosigkeit.
Doch dann zeigt die Erziehung durch Rebecca und Jack (Milo Ventimiglia) ihre Wirkung: Randall sagt seinem leiblichen Vater die Meinung und holt ihn wieder zurück. Damit haben wir nun also erst mal die Gefahr abgehakt, dass jemand aus Randalls Umfeld William verscheuchen könnte und können uns der Tatsache zuwenden, dass er ohnehin vermutlich nur noch eine kurze Zeit mit seinem Vater hat, denn der leidet an Krebs im finalen Stadium. In einer Episode, die sich um die Langfristigkeiten von Beziehungen dreht, sind die beiden die Erinnerung daran, dass es nicht immer nach dem Willen der Menschen geht, dass man Leute auch verlieren kann, wenn beide eigentlich zusammen sein wollen.
Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit der Familie, denn auch dort geht es um die Dauer - und vor allem um die Versicherung, dass etwas von Dauer sein wird. Rebecca kann sich erst auf Randall, der damals noch Kyle hieß, einlassen, als sie weiß, dass niemand ihn ihr wieder wegnehmen kann. In diesen Szenen glänzt besonders Jack wieder als liebenswerter Vater mit großem Herzen und ebenso großem Optimismus. Er ist es, der dafür sorgt, dass Randall Teil der Familie wird. Und damit Rebecca eine Art Herzenskind bekommt. Denn in den anderen Episoden haben wir schon gesehen, dass, während Kate und Kevin mit ihren eigenen Dramen beschäftigt sind, Rebecca und Randall eine andere Art von Verbindung zueinander finden.
Doch Jack ist auch der, der diese wunderbaren Dinge einfädelt und sich dann im Alltag in die Kneipe verabschiedet. Welcher Grund jedoch hinter seiner fortwährenden Abwesenheit in den aktuellen Szenen steckt, das wissen wir immer noch nicht...
Right after Jello, before their nap
Randalls Szenen sind hoch emotional, von den Sorgen einer Mutter bis hin zu dem Schmerz, einen Vater zu verlieren, den er kaum hatte, aber auch die anderen beiden Geschwister müssen sich nicht verstecken. Im Gegenteil: Kate (Chrissy Metz) wird von Toby (Chris Sullivan) mit einem Tag verwöhnt, an dem sie der Star ist. Und eben nicht derjenige, der Hollywood-Ruhm vorweisen kann und um den sich ihr ganzes Leben dreht: Bruder Kevin (Justin Hartley).
In dieser Storyline passt einfach alles zusammen, fast schon ein bisschen zu glatt. Toby versucht, mit seinem wunderbaren Plan nicht nur seine Freundin aus dem Schatten zu befreien, sondern auch, ihr den großen Traum vom Singen zu erfüllen. Und dabei findet er einen Weg, der besser kaum sein könnte. Er bringt sie in ein Wohnheim für Senioren, in dem vermutlich jede Unterhaltung gerne gesehen und das Publikum dementsprechend schnell begeisterungsfähig ist. Zumindest ist die Wahrscheinlichkeit, ausgebuht zu werden, nicht so hoch. Oder, wie Toby es nennt: „Einige dort haben den Zweiten Weltkrieg miterlebt. Egal, wie schlecht du bist, sie haben Schlimmeres gesehen.“
Und gerade, wenn man sich daran gewöhnt hat, dass Toby der vermutlich beste Freund der Welt sein könnte, überrascht Kevin uns mit einer Empathie, die man nicht unbedingt von ihm erwarten musste. Nicht nur erkennt er die Situation aus der Erzählung seiner Schwester, sondern er reagiert auch. Er zeigt also gleich mehrere Charaktermerkmale, die er nicht unbedingt oft zur Schau trägt. Kevin ist noch nicht so weit, der beste Bruder zu sein, aber in der Episode Kyle holt er auf.
In dieser Storyline zeigt sich, dass man sich manchmal entscheiden muss, mit wem man langfristig eng zusammenbleiben möchte, doch es zeigt sich auch, dass man manchmal gehen muss, um sich nahzubleiben. Kevin kündigt Kate, weil er will, dass seine Schwester glücklich ist und nicht ihr Glück mit Toby hinter sein Wohlbefinden stellt. Aber vielleicht ahnt er auch, dass sie das zwar für ihn tun, aber es ihm auch eines Tages vorwerfen würde. Die beiden sind schon lange aus ihrem gemeinsamen „Hot Tub“ heraus, sie müssen lernen, sich alleine genug zu sein, auch wenn das schmerzhaft wird. Dass es ausgerechnet Kevin ist, der das in die Wege leitet, ist überraschend auf eine schöne, rührende Art.
Fazit
Die dritte This Is Us-Episode hat einen leichten Abbau gegenüber den anderen Episoden, aber das ist eine Beschwerde auf hohem Niveau. Im Gegensatz zu den ersten beiden Episoden gibt es nun keine Wende in den letzten Sekunden, sondern eine vorhersehbare: Baby Randall und Rebecca sind sich endlich nahe. Es funktioniert trotzdem, schließlich halten die Serienmacher weiter an dem Rest des Konzepts fest, indem sie der Episode eine Art Überthema verleihen, das sich über alle Beziehungen und alle Zeiten erstreckt.
Trailer zur Episode „Kyle“ (1x03) der US-Serie „This Is Us“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 12. Oktober 2016This Is Us 1x03 Trailer
(This Is Us 1x03)
Schauspieler in der Episode This Is Us 1x03
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