The Walking Dead 9x14

© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Scars“/„Narben“ (9x14) (c) AMC
Die The Walking Dead-Folge Scars dürfte die Gemüter spalten. Es ist eine Flashback-lastige Episode, die einige aufgekommene Fragen beantwortet, besonders zu Michonne (Danai Gurira), die seit dem langen Zeitsprung nicht mehr ganz sie selbst zu sein schien. Und, wie sich nun herausstellt, liegt das nicht ausschließlich am Verschwinden von Rick (Andrew Lincoln), sondern an einer Erfahrung, die noch traumatischer war als gedacht. Tatsächlich sind einige der präsentierten Bilder noch weniger als sonst etwas für Zartbesaitete und wahrlich nicht leicht zu konsumieren. Gleichzeitig ist aber die Charakterarbeit stark und eindringlich. War die lange Wartezeit auf eine Aufklärung es also wert? Ich bin zwiegespalten, tendiere aber zu ja.
Nie die Hoffnung verlieren
Michonne und Daryl (Norman Reedus) sind zwei Figuren, die eng mit Rick verbandelt waren, und deswegen wundert es auch nicht, wie lange sie nach ihm suchen. Michonne setzt die Suche etwa auch hochschwanger fort, wobei Daryl schon ganze Landstriche durchkämmt hatte. Weil Baby RJ die werdende Mutter aber ohnehin wachhält respektive früh aufwachen lässt, meint Michonne, auch weiterhin suchen zu können. Daryl hat sich derweil seit dem folgenschweren Verlust nicht mehr in Alexandria blicken lassen und wird dabei vor allem von Judith vermisst. Beiden fehlt Rick ganz eindeutig sehr und sie geben die Hoffnung nicht auf.
Kurzer Zeitsprung: Im Flashback-Alexandria tauchen Überlebende auf, darunter völlig überraschend auch Jocelyn (Rutina Wesley), eine alte Freundin Michonnes, die plötzlich wieder da ist und die sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Zufälle gibt's...
Jocelyn meint, dass ihre Gruppe aus anderen besteht, weswegen ein Trupp aus Alexandria inklusive Michonne nach dem Rechten schaut und dort eine ganze Gruppe von Kindern und Jugendlichen findet, die sich wohl zusammen mit Michonnes Freundin durchgeschlagen haben. Einige der Kinder haben beeindruckende akrobatische Fähigkeiten. Adleraugen sehen zudem Überlebensguides an den Wänden.
Zu diesem Zeitpunkt zögert Michonne nicht, sowohl die Freundin als auch deren kindlichen Begleiter in Alexandria einziehen zu lassen und sie erfreut sich darüber, dass mehr Leben in der Bude ist. Jocelyn meint, dass sich die Kinder um sie kümmern und die anderen Erwachsenen es nicht geschafft haben, was allerdings nur die halbe Wahrheit ist. Tatsächlich kannten sich die beiden im vorherigen Leben wirklich gut und waren eng befreundet, weswegen Michonne auch nicht ahnt, dass etwas im Argen liegen könnte. Vielmehr stellt sich auch nach 15 Jahren Trennung schnell wieder die altbekannte Freundschaft ein, als wäre nichts gewesen... Manchmal gibt es eben solche Leute. Zudem sieht Jocelyn Michonne an, wie sehr sie Rick finden möchte und Michonne kann eine solche Vertraute auch gut brauchen, wenn schon Daryl nicht zurückkehren will...
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Nicht ohne meine Tochter

Allerdings trügt der Schein ungemein, denn eines Tages ist Jocelyn spurlos verschwunden und mit ihr andere Kinder aus Alexandria, darunter Judith. Auch die Vorratskammer ist geplündert und mindestens ein Bewohner tot oder schwer verletzt. Wie konnte das passieren?
Daryl und Michonne nehmen die Spur auf, allerdings ist und bleibt Michonne hochschwanger, was sie unnötigem Stress aussetzt. Prinzipiell könnte man hier den größten Kritikpunkt ansetzen: Warum sucht sie fast alleine? Natürlich geht es um ihre Tochter, dennoch ist ihr Handeln, auch wenn sie die Anführerin ist, fahrlässig und gefährlich.
Daryl sieht den Verrat etwas nüchterner und weiß, dass manche Menschen gut kaschieren können, dass sie böse Absichten hegen. Gleichzeitig will er das nicht auf sich sitzen lassen und verspricht, dass sie dafür bezahlen wird. Bald finden sie eines der Kinder, dem sie zuvor Obhut gegeben haben und verfolgen es in eine Schule. Überrascht davon, wie radikalisiert und aggressiv die Kinder sind, lassen sich Michonne und Daryl überwältigen und sie werden geknebelt und gefesselt. Dennoch geht fast alles von der angeblichen „Freundin" aus, die die Kinder dazu manipuliert hat, im großen Stil zu täuschen.
Narben - The strong survive and thrive
Die nach dem Zeitsprung schon mehrfach gezeigten Narben haben also hier ihren Ursprung und es sind ausgerechnet manipulierte Kinder, die Daryl und Michonne die Brandings verpassen. Das ist für mich eine neue Qualität von Widerlichkeit, mit der wir es hier zu tun haben. Sicherlich, auch in Fear the Walking Dead haben wir beim Charakter Charlie (Alexa Nisenson) eine junge Figur, die durch Erwachsene manipuliert wird, aber gleich eine ganze Gruppe von Kindern, die quasi verdorben wird, gab es auch hier nicht. Natürlich hat The Walking Dead zuvor auch andere jugendliche Figuren etabliert, die eine falsche Abzweigung genommen haben. Niemals vergessen kann man hier wohl Lizzie (Brighton Sharbino), die ihre Schwester Mika (Kyla Kenedy) auf dem Gewissen hatte und dann von Carol (Melissa McBride) unter Tränen aus dem Verkehr gezogen wurde. Aber die Zwickmühle, mit der sich Michonne - hochschwanger (!) - konfrontiert sieht, ist teilweise wirklich schwer mit anzusehen, aber eben auch Survival-Horror-Drama hoch zehn.
Gefühlt fehlt zwar die Szene, wie genau sich die beiden befreien können - Daryl schafft es irgendwie zuerst, wie genau, bleibt aber offen - doch das folgende Drama hat mich sprachlos zurückgelassen. Die Kinder sind teilweise so rettungslos manipuliert oder beschädigt, dass sie die Schwangere angreifen und gleichzeitig das Leben von Judith bedrohen. Jede Mutter würde wohl ähnlich wie Michonne reagieren, auch wenn der innere Kampf ihr merklich schwer fällt und es Leben um Leben geht. Töte oder sterbe. Jocelyn attackiert sie ebenfalls hinterhältig und kassiert dafür die Quittung. Selbst, als die Anführerin dann weg ist, kommen die Jugendlichen nicht zur Vernunft, was einem das Herz brechen kann. Eine weitere Entscheidung muss man aber infrage stellen, denn es war Michonne, die vorgeschlagen hatte, sich nach der Befreiung aufzuteilen, weswegen sie ohne Daryls Hilfe mit den Angreifern konfrontiert wurde. Im Endeffekt ist Judith okay und wir wissen ohnehin, dass es halbwegs glimpflich ausgegangen sein muss, auch wenn es kurz so aussieht, als könnte sie Judith an die Rattenfängerin Jocelyn verloren haben. Später kehren dann die entführten Kinder nach Alexandria zurück und die strengeren Regeln werden beschlossen.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

In der Gegenwart kommen Daryl, Connie (Lauren Ridloff), Henry (Matt Lintz), Lydia (Cassady McClincy) und Dog an den Toren Alexandrias an und möchten Henrys Verletzung versorgen. Aaron (Joss Marquand) ist sich unsicher, ob man einer Gruppe mit Lydia im Schlepptau trauen sollte, aber wenn Michonne einer Person traut, dann wohl Daryl und dessen Urteil. Dennoch gibt sie immer wieder Anweisungen an die Umstehenden, dass man Alphas Tochter nicht aus den Augen lassen sollte. Daryl meint, dass eines der nächsten Ziele der Gruppe das Kingdom sein sollte, denn Carol sollte Bescheid wissen. Connie versucht ebenfalls, Michonne zu beruhigen, auch wenn sie gleichzeitig mit wenigen Worten zusammenfasst, dass der Weg bis hierhin nicht einfach war, sie es aber wieder tun würde.
Henry trägt aus dem Vorfall beim Whisperers-Lager eine Narbe davon, was Lydia durchaus gefällt und ihn daran erinnern soll, was er getan hat. Henry bedankt sich bei Michonne, dass sie ihre Position zum Volksfest überdacht hat, bevor er sie unter vier Augen mit Lydia sprechen lässt. Allerdings ist Michonnes Ziel, Lydia davon zu überzeugen, den Rest der Gruppe nicht weiter in Gefahr zu bringen und fortzugehen. Ganz überdacht ist der Kommentar von Michonne nicht, denn dann würde Henry ihr wieder nach und die Situation würde sich wohl im Kreis drehen...
Daryl sieht derweil nach langer Zeit Judith (Cailey Fleming) wieder. Die Grimes-Tochter versteht nicht ganz, warum Daryl nicht bleiben kann und will ihm auch nicht die Ausrede abkaufen, dass es immer nur darum geht, sie und RJ in Sicherheit zu wissen. Auf die Frage, was wohl ihr Dad in der Situation machen würde, bleibt Daryl ihr eine Antwort schuldig. Judith ist sauer auf Michonne und büchst nach dem Abendessen aus. Gut zu wissen, dass man immerhin verantwortlich mit dem Essen haushaltet und nichts vergeudet, sondern Reste aufbewahrt. Judiths Ausbüchsen erinnert Michonne derweil an die besprochene Situation in ihrer Schwangerschaft, als sie entführt wurde.
Erst ein Gespräch mit Negan (Jeffrey Dean Morgan) scheint sie darauf zu bringen, dass sie und Judith sich doch mehr ähneln, als sie es zugeben will, denn beide Frauen haben manchmal ihren eigenen Kopf und lassen sich nicht sagen, dass sie die Füße stillhalten sollen. Michonne erfährt außerdem, dass Negan ihr die harten Wahrheiten anvertraut hat, die sie als Mutter bisher ausgespart hat, gleichzeitig aber auch über Carls und Ricks Heldentaten erzählt hat. Nun könnte man meinen, dass er sie auch manipuliert und ihr seine Bullshitversion auftischt, doch, wenn Negan in der Serie eine aufrichtige Beziehung pflegt, dann wohl mit Lil' Asskicker. Tatsächlich hat Judith einen kleinen Dreizeiler hinterlassen, mit der Absicht, den Freunden zur Hilfe zu gehen. Ganz dem Grimes-Familiengeist nach also...
Die Verschachtelung der Folge funktioniert in meinen Augen recht gut, wenn sich die schwangere Michonne etwa durch die Kinder säbeln muss und in der Gegenwart dann durch Walker, die zur Gefahr für die Tochter werden können, geht man mit diesen Bildern mit. Die Situation um die gefährlichen Kinder könnte für Michonne wahrscheinlich eine der größten Bewährungsproben in der Seriengeschichte sein. Judith macht in der Gegenwart derweil eine gute Figur als Nachwuchsslayer, wird jedoch im Endeffekt doch von einem Untoten überrascht, dem Michonne den Garaus machen muss.
Im Anschluss nutzt diese endlich einmal die Gelegenheit für ein längst überfälliges Gespräch mit Judith, wobei auch die traumatischen Vorfälle von damals angesprochen werden und ihre nachfolgenden Gründe, sich mit der Gemeinschaft zu isolieren. Tatsächlich hat Judith die Rettung nicht vergessen, aber aus Rücksicht auf sie nicht angesprochen, während Michonne sie vielleicht etwas zu sehr in Watte gehüllt hatte. Symbolisch findet die Aussprache an Carls Grab statt, an welchem Michonne sich eigentlich geschworen hatte, nie wieder ein Kind zu beerdigen und deswegen die Schutzmauer - emotional wie buchstäblich - hochziehen hatte lassen. Dass Michonne von ihrer Hardliner-Position abweichen würde, war schon abzusehen. Judiths Hinterfragen, ob man Daryl, Maggie, Carol und Co nicht mehr lieb hätte, führt jedenfalls dazu, dass man per cooler Autokutsche Daryl und seine Begleitung in Richtung Kingdom (oder wohin auch immer) begleitet. Allerdings haben die Whisperers ebenfalls schon mitbekommen, dass sich alle fürs Fest versammeln...
Fazit
Teile der Folge Scars waren für mich teilweise wirklich schwer zu ertragen, trotzdem finde ich, dass Michonnes vielleicht schwerste Stunde überzeugend und mitreißend dargestellt wurde. Auch wenn man Jocelyn vorher nie erwähnt oder gesehen hat, gelingt es dennoch, in einer Folge glaubhaft zu machen, dass die beiden einst eine enge Beziehung verbunden hatte und deswegen der Verrat zu emotionalen und echten Narben führt. Die gewaltige Charakterwende von Michonne wird zumindest etwas nachvollziehbarer, ist aber wahrscheinlich nicht ganz perfekt, was aber auch schwer ist. Offen bleibt auch immer noch, was genau zum Zerwürfnis mit Maggie und Hilltop geführt hat oder ob das einfach nur ein natürlicher Prozess des Isolationismus war und man dies aufgrund Vertragsschwierigkeiten vielleicht vorerst nicht erfahren wird.
Mich hat die Folge positiv an die Folge rund um Lizzie und Mika oder die Savior-Frauen rund um Paula (Alicia Witt) erinnert und stellt für mich ein unter die Haut gehendes, manchmal aber auch etwas sensationalistisches Staffelhighlight dar.
Abschließend der Trailer zur Episode The Calm Before (9x15) der US-Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 18. März 2019The Walking Dead 9x14 Trailer
(The Walking Dead 9x14)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 9x14
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