The Walking Dead 9x05

© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „What Comes After“ (c) AMC
Stirbt er oder stirbt er nicht? Das war vorab die große Frage, die die Serienmacher von The Walking Dead in der Folge What Comes After beantworten sollten. In der vorherigen Episode sah es jedenfalls nicht gut aus für Rick Grimes (Andrew Lincoln) nach seinem schweren Sturz vom Pferd. Aber Rick ist kein einfacher Mensch, sondern scheint einen überdurchschnittlich hohen Kampfgeist und Überlebenswillen zu haben. Und zwar insofern, dass er sich nach einem, von mehreren Fieberträumen begleiteten, fiesen Sturz mit sehr viel Mühe aus einer aussichtslosen Lage befreien und den in seinem Körper steckenden Stab entfernen kann.
In diesem Moment muss man wohl oder übel schlucken, denn sonst könnte man sich den Rest der Episode sparen, die einige sehr schöne Momente zeigt - und dabei irgendwo auch ein „TWD“ in Höchstform oder zumindest einer Form, die man so schon lange nicht mehr gesehen hat. Immerhin zum passenden Meilensteinmoment. Die von Greg Nicotero inszenierte Episode liefert noch einmal ein Best-of einiger Rick-Momente, wie zum Beispiel ein Wiedersehen mit dem Krankenhaus, in dem alles begann, als er aus dem Koma aufwacht und sich auf die Suche nach seiner Familie macht. Sein Glück im Unglück hatte ihm ermöglicht, Lori und Carl sowie eine gänzlich neue Familie zu finden, die ihn über die Jahre begleitet hat.
Durch seine schwere Verletzung ist es schwer einzuschätzen, was Rick wirklich erlebt und was nur eine Vision ist, womit die Serienmacher auch eindeutig spielen. Denn der Blutverlust lässt Rick mehrfach das Bewusstsein verlieren. So gibt es ein Wiedersehen mit Shane (Jon Bernthal), seinem ehemaligen besten Freund und Kollegen und dem wahrscheinlichen Vater von Judith, worüber hier auch gewitzelt wird. Shanes Entwicklung hatte großen Einfluss auf Rick und dessen eigenen Weg und zwang ihn zu ersten harten Entscheidungen, die später sein Überleben ermöglichten. Die alten Weggefährten jedenfalls haben auch aus dem Jenseits Ricks Überleben im Sinn und warnen ihn taktisch passend, wenn Gefahr durch die Herde droht, die weiterhin auf seinen Fersen ist.
Shane ist nicht der letzte, den Rick in seinem Delirium sieht. Als Nächstes ist Hershel (Scott Wilson) dran, der inzwischen leider auch im wahren Leben von uns gegangen ist. Erst da wird mir bewusst, dass ich den guten alten Hershel doch vermisst habe, der Rick ebenfalls Durchhalteparolen mit auf den Weg gibt und ihn für seinen bisherigen Weg lobt, weil dadurch seine Schwiegertochter und sein Enkel noch unter den Lebenden weilen. Das treibt den müden Rick an, weiterzukämpfen und seine Mission zu erfüllen.
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Don't Open, Dead inside
Auch das zum Meme gewordene „Don't Open, Dead inside“ wird für diese Folge reaktiviert und bringt Rick zu einem Leichenberg aus seinen Kameraden, der wegen ihm so noch nicht zur Realität geworden ist. Hier trifft er auf Sasha (Sonequa Martin-Green), die seine Verdienste ebenfalls noch einmal Revue passieren lässt und der Meinung ist, dass er seinen Teil dazu beigetragen hat und es deswegen in Ordnung wäre, wenn er den Kampf aufgibt. Man hat den anderen Kraft gegeben und ihnen Kraft geschenkt und konnte somit so lange überstehen, auch wenn es selten leicht war. Gleichzeitig gibt sie ihm Hoffnung, dass trotz aller Rückschläge am Ende das Gute, die Liebe und die Nächstenliebe überwiegt. Auch Sasha meint es gut mit ihm und sagt ihm, dass er aufwachen soll. Von den drei Figuren ist sie vielleicht die, die ich am wenigsten mit einer Art Scheideweg von Rick verbinde. So schön das Wiedersehen also ist, andere Figuren hätten das vielleicht noch besser abgerundet. Man denke an einen kurzen Auftritt von Glenn (Steven Yeun) oder Carl (Chandler Riggs), Lori (Sarah Wayne Callies) oder Morgan (Lennie James), wobei letzterer noch unter den Lebenden weilt und bei Fear the Walking Dead aktiv ist, sofern die Zeitebenen noch hinhauen. Da dürften Terminschwierigkeiten im Weg gestanden haben und irgendwo muss man sich ja auch begrenzen. Drei ist aber irgendwie schon eine runde Zahl bei solchen Auftritten.
Ganz ist Ricks Zeit aber noch nicht vorbei und er findet sich an der Baustelle wieder, die sich aber schnell als weiterer Traum entpuppt - ehe Rick doch bei der echten Brücke landet, die einigermaßen in Stand gesetzt wurde. Das große Projekt von Rick, das einigen Streit verursacht hat - mit den Saviors, mit Oceanside und das die alten Wunden von Maggie wieder aufgerissen hat. Die Herde, die Rick folgt, ist jedoch zu groß, auch wenn diesmal wirklich Daryl (Norman Reedus), Michonne (Danai Gurira), Maggie (Lauren Cohan) und Carol (Melissa McBride) da sind, signalisiert Rick, dass man nicht wegen ihm das eigene Leben riskieren sollte. Eine Ladung Sprengstoff, die Rick mit seiner Schusswaffe trifft, sorgt dafür, dass die Untoten brennend in die Strömung fallen und die anderen vorerst nicht mehr bedrohen können. Das bedeutet aber auch, dass der Weg zu Rick abschnitten wird und er sich selbst überlassen ist.
Besagte Brückenszene ist dabei in meinen Augen herrlich inszeniert, denn die richtigen Emotionen werden dabei transportiert. Von Michonne, die versucht, ihren Partner zu erreichen, und dabei später von Maggie und Carol aufgehalten werden muss, über Daryl, der einsieht, dass er seinen „Bruder" eventuell endgültig verliert. Für mich hat das gepasst, was zuletzt seltener geworden ist in der Serie. Dazu kommen die Schauwerte, zum Beispiel durch die brennenden Zombies, die in den Abgrund stürzen und Rick aussehen lassen, als würde er in einem blaze of glory abtreten. Mit einer letzten großen Heldentat, die alle rettet, die ihm lieb und teuer sind. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht...
B

Jadis (Pollyanna McIntosh) ist bekanntlich mit der mysteriösen Gruppe in Kontakt, die einen Helikopter zur Verfügung hat. Kurzzeitig war es ihr Plan, Gabriel (Seth Gilliam) einzutauschen, doch den hat sie in der letzten Episode auf der Müllhalde zurückgelassen. Nach Ricks Aktion findet sie den schwerverletzten „Schwarm" und ist nun bereit, die Konsequenzen zu tragen, wie auch immer diese aussehen, wenn Rick denn per Airlift geholfen wird. Also überlebt er doch und Scott Gimple und AMC haben sogar schon konkrete Pläne für die Figur. Rick zählt aufgrund seiner Verletzung wohl nur als B-Ware, verfügt aber über reichlich Potential, was Jadis dem Gegenüber am Walkie-Talkie schmackhaft machen kann...
Ich bin zwiegespalten, was den Exit angeht. Im Vorfeld hatte ich schon meine Zweifel, ob man DIE Figur aus The Walking Dead wirklich umbringen würde. Es wäre eine mutige Entscheidung gewesen, die unterstrichen hätte, dass man sich von der Comicvorlage endgültig emanzipiert. Allerdings scheint AMC zu sehr im „TWD“-Business zu sein, wie man aus den Aussagen herauslesen kann, die die Marke noch in den nächsten zehn Jahren beim Kabelsender sehen. Eine Filmreihe erweitert die Welt eventuell nun durch neue spannende Facetten und hat mit Rick eine Figur, die die übrig gebliebenen Fans anlocken sollte. Allerdings hätte ich auch ein Ableben akzeptiert, weil die Folge bis dahin einen guten Job darin macht, die Figur zu würdigen und sie gebührend zu verabschieden.
Kill me please

Der andere starke Erzählstrang der Episode widmet sich Maggies Ankunft in Alexandria und ihrem Treffen mit Negan. Dazu muss sie aber zunächst an Michonne vorbei, die gemeinsam mit Rick dafür gekämpft hat, dass man einen Unterschied macht und den ehemaligen Anführer der Saviors verschont, um ihn nicht zum Märtyrer werden zu lassen und eine neue Ära einzuleiten.
Das steht natürlich im krassen Widerspruch zu Maggies Gefühlen nach Glenns Tod. Dabei unterscheidet sie, dass sie nicht Rache, sondern Gerechtigkeit möchte. Diskutiert wird, was wohl Glenn und Hershel davon halten würden und wie Michonne bei vertauschten Rollen reagieren würde, also, wenn Negan Rick brutal ermordet hätte. Maggie hat schon vorher ein wenig Dampf an einem Untoten abgelassen, den sie mit ihrer Brechstange traktiert, was stark an Negan und Glenn erinnert hat.
Am Ende fehlen Michonne die Argumente beziehungsweise sie fragt sie, ob sie mit dem Danach wirklich leben könnte und sie übergibt Maggie den Schlüssel, die anderthalb Jahre auf diesen Moment gewartet hat. Vielleicht weiß Michonne aber auch durch ihre eigene Interaktion mit Negan, dass er aktuell nur noch ein Häufchen Elend ist und setzt darauf, dass Maggie von ihren Mordplänen abrückt. Kurze Zeit hatte ich den Gedanken, dass das der Moment sein könnte, auf den Negan gewartet hat und dabei versucht, Maggie zu überwältigen und zu fliehen. Aber dem ist nicht so...
Negan spuckt zwar große Töne und provoziert Maggie mit der Erinnerung an den schicksalhaften Tag, aber er tut dies in der Absicht, dass sie ihn von seiner trostlosen Existenz befreit und ihn umbringt. Während er im Gespräch mit Rick den großen Macker markierte, zeigt er sich den Frauen gegenüber sehr schwach und verletzlich. Ist sein Wille wirklich gebrochen oder taktiert er doch? Er will mit seiner Frau Lucille wiedervereint werden und bettelt um seinen Tod, denn, wenn es jemand verdient habe, ihn umzubringen, dann wohl Maggie. Maggie möchte ihm jedenfalls ins Gesicht schauen und nicht nur im Schatten sehen und holt ihn daher kurzzeitig aus der Zelle. Allerdings nur, um dann doch zu sehen, dass sie ihm nicht die Genugtuung verschaffen kann, ihn zu töten, da seine aktuelle Strafe für ihn ein schlimmeres Leid als der Tod ist. Negan bleibt also (erst mal?) wohl oder übel Gefangener in Alexandria.
Noch ein Zeitsprung
Den „Tod" oder das Verschwinden von Rick Grimes nutzen die Autoren außerdem noch, um uns vor vollendete Tatsachen zu stellen. Denn wir sehen den Überlebenskampf einer neuen Gruppe, die teilweise auch aus den Comics bekannt sind. Sie heißen: Magna, Yumiko, Connie, Kelly und Luke und werden von einer unbekannten, aber doch vertrauten Stimme gerettet. Es handelt sich um eine deutlich ältere Judith Grimes, die ihnen mit Katana, Feuerwaffe und Cowboyhut die Flucht ermöglicht. Ihrem Aussehen nach zu urteilen, dürften wieder einige Jahre vergangen sein. Doch wie hat sich die Welt seitdem entwickelt? Das ist die spannende Frage, deren Antwort wir dann wohl demnächst erfahren werden...
Tatsächlich finde ich diese Entscheidung ebenfalls recht spannend. Was ist mit Michonnes Charta? Wer hat Verantwortung in Ricks Abwesenheit übernommen? ist Maggie noch die treibende Kraft in Hilltop? Was ist mit dem Sanctuary und dem Kingdom? Die Karten sind nun eventuell völlig neu gemischt und das finde ich vielversprechend.
Fazit

Ich bin überrascht, wie effektiv diese Folge doch ist. Sie stellt einen passenden Abschied von der Figur Rick Grimes dar, ohne ihn zu töten (wobei das nach dem Abschied auch nicht „schlimm“ gewesen wäre), gibt uns eine längst überfällige Konfrontation zwischen Negan und Maggie und haut dann auf den Reset-Button, so dass wieder alles offen sein kann. Nun wünsche ich mir, dass nach einem noch längeren Zeitpunkt andere Altlasten verarbeitet sind und nicht unnötig mit uns herumgeschleift werden oder den Cast etwas ausdünnen. Mein bisheriges Highlight dieser Staffel - wird aber wegen der besonderen Umstände wahrscheinlich auch erst einmal schwer zu toppen sein...
Der Trailer zur nächsten Episode Who Are You Now? (9x06) der US-Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 5. November 2018The Walking Dead 9x05 Trailer
(The Walking Dead 9x05)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 9x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?