The Walking Dead 9x06

The Walking Dead 9x06

Wie geht The Walking Dead mit der seismischen Castveränderung um? Überraschend solide, wie Who Are You Now? aka Die Welt dreht sich weiter zeigt. Es hat sich ziemlich viel verändert bei den Überlebenden. Allerdings leider nicht nur zum Positiven...

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Who Are You Now?“ (c) AMC
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Who Are You Now?“ (c) AMC
© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Who Are You Now?“ (c) AMC

Das Timing für einen weiteren erzählerischen Umbruch bei The Walking Dead mag auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich erscheinen, denn eine Folge wie Who Are You Now? wäre sonst wahrscheinlich eher eine klassische Mid-Season-Premiere. Aber diesmal mussten Angela Kang und Co eben umdisponieren und improvisieren. Sechs Jahre sind seit dem Verlust von Rick Grimes (Andrew Lincoln) vergangen, der zwar kein Tod, aber ein Abschied per Helikopter war, den offenbar kein anderer Überlebender mitbekommen hat.

Damit muss man sich jetzt arrangieren und das Leben irgendwie weiterleben. Michonne (Danai Gurira) hat versucht, die Lücke zu füllen, auch wenn das sicherlich nicht immer leicht war und sie bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt das imaginäre Gespräch mit dem vormaligen Partner und Anführer sucht. Die Brücke, an der er sein Ende fand, wurde nicht erfolgreich wieder aufgebaut, ein erstes Zeichen dafür, dass auch die Gemeinschaften nicht mehr so wie einst an einem gemeinsamen Strang ziehen.

Daryl (Norman Reedus) scheint derweil isoliert vom Rest zu leben. Hat er wirklich so sechs Jahre auf eigene Faust überlebt oder war das nur ein Angelausflug?

Carol (Melissa McBride) geht es von den Urgesteinen objektiv am besten. Sie lebt mit Partner Ezekiel (Khary Payton) zusammen, hat Henry als den eigenen Sohn unter ihre Fittiche genommen und kümmert sich als Queen um das Kingdom. Henry versucht derweil, die maroden Leitungen in Schuss zu halten, die haben aber auch schon bessere Tage gesehen. Er ist zwar ein fleißiger Junge, muss aber vielleicht auch mal sein eigener Mann werden, der Papa Ezekiel ein paar Widerworte liefert, die allerdings durchaus ihre Berechtigung haben, wie Carol anmerkt. Bald schon kommt die Idee auf, dass Henry eine Lehre beim Schmied Earl aufnehmen könnte, der im Hilltop auf seine alten Tage noch aktiv ist. Nebenbei ist die Rede von einem Fair, also einem Volksfest, auf das hingearbeitet wird und das die entfremdeten Communitys sicherlich wieder zusammenbringen könnte. Ein Quäntchen Hoffnung gibt es bei allen drei Langzeitfiguren, ob nun in Form einer Blüte, eines Vogelnestes oder einer gefundenen Cowboyfigur.

New Kids on the Block

Judith (Caily Fleming) hat einer neuen Gruppe das Leben gerettet: Magna (Nadia Hilker), Yumiko, Connie, Kelly und Luke. Jetzt muss sie nur noch den Bewohnern von Alexandria, darunter Aaron (Ross Marquand), Eugene (Josh McDermitt) und Rosita (Christian Serratos) klarmachen, dass sie ihnen eine Zuflucht gewähren will, was nicht an ihnen, sondern eher an Anführerin Michonne scheitern könnte. Denn seit dem Rick-Vorfall hat sich die Einstellung zur Aufnahme von neuen Gruppenmitgliedern wieder einmal geändert. Auf Druck von Judith soll die Gruppe jedoch erst einmal nach Alexandria gebracht werden, zumal Yumiko auch verletzt ist und Hilfe braucht.

Sechs Jahre sind eine lange Zeit und wahrscheinlich streng genommen mehr Zeit, als wir in der Serie mit so mancher Figur verbracht haben. Deswegen ist inzwischen auch jemand wie Eugene ein waschechter Zombiekiller geworden - alles andere wäre wohl auch sonst grob fahrlässig für das Wohl der Gruppe.

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Willkommen in Alexandria 3.0

Alexandria ist in der Zeit seit Ricks Verschwinden in dessen Geiste aufgeblüht, verfügt nun über eine Windmühle, Agraranbau und einiges mehr. Für die Gruppe rund um Magna ein Ort, an dem man heimisch werden könnte, denn auch sie haben einiges durchgemacht, Gefährten verloren und so weiter. Siddiq (Avi Nash) kümmert sich erst einmal um die Verletzte, während Michonne die neue Gruppe mustert und sich fragt, wer die Aufnahme genehmigt hat. Nachdem Judith sich meldet, wird beschlossen, dass der Rat morgen tagen und entscheiden soll. Dabei werden die üblichen Fragen gestellt: Wer waren die einzelnen Gruppenmitglieder vorher? Wer sind sie jetzt? Und was mussten sie auf ihrem Weg tun, um zu überleben? Ihre Geschichte weicht dabei nicht unbedingt von früheren Neuankömmlingen ab und ist durchzogen mit normalen Geschichten, tragischen Verlusten und schwierigen Entscheidungen.

Das mag die meisten Anwesenden überzeugen, doch nicht Michonne, die irgendwie bemerkt, dass Magna einen Gefängnisaufenthalt sowie ein verstecktes Messer verbirgt. Somit zeigt Michonne mehr Menschenkenntnis als etwa noch Deanna (Tovah Feldshuh) damals, als sie nach Alexandria kamen. Allerdings dürfte die Haftstrafe inzwischen auch gut zehn Jahre her sein, wenn man mal alles aufrechnet und jeder, der jetzt noch lebt, dürfte nach altem Verständnis irgendwie für sein Überleben etwas Schlimmes getan haben. Michonnes Analyse ist auch nicht unbedingt dafür da, um sie kategorisch auszuschließen, sondern wahrscheinlich eher, um Wachsamkeit zu fordern. Sonst wäre es wirklich merkwürdig und wenig charakterkonform.

Trotzdem kommt so etwas immer etwas merkwürdig herüber, denn sie und ihre Weggefährten standen selbst mehrfach vor solchen Tribunalen und konnten nur überleben, weil jemand bereit war, sie nicht für mörderische Monster zu halten. Natürlich haben Orte wie Woodbury, Terminus oder das Sanctuary auch bewiesen, dass es nicht immer gut ausgeht, dennoch wirkt es gerade bei Michonne komisch, die vor einer Folge noch an ihrer Charta geschrieben und Negan (Jeffrey Dean Morgan) gegenüber Maggie (Lauren Cohan) verteidigt hat, nun wieder die Rolle der knallharten Skeptikerin einzunehmen. Das macht „TWD“ aber immer wieder mit den Anführern, siehe auch Rick während des All out War und der Phase danach. Allerdings: Unter den übrigen Figuren gibt es kaum jemand anderes, der glaubhaft eine solche Autoritätsposition hätte übernehmen können. Das macht auch ein Blick in den Rat, sicherlich eine direkte Folge von Michonnes Charta, deutlich, der unter anderem aus Aaron, Gabriel (Seth Gilliam), Siddiq und Ex-Savior Laura (Lindsley Register) sowie zwei weitgehend Unbekannten besteht.

Vielleicht war dieser Schutzpanzer bei Michonne aber auch einfach notwendig, um das weitere Überleben zu sichern. Sie musste schlagartig noch mehr Verantwortung für Judith übernehmen, sie wurde unmittelbar schwanger und hat ein Kind von Rick, wie wir später sehen. Dazu ist Negan weiterhin im Gefängnis und steht mit Judith in Kontakt, beispielsweise als Mathe-Nachhilfelehrer. Fraglich ist, ob Michonne davon weiß. Denn psychisch holt sie sich noch Rat von Geistern, wie zum Beispiel Carl und Rick, was auch ihre Tochter mitbekommt, die nicht nachvollziehen kann, warum die Neuen unerwünscht sind. Denn, so wie sie ihren Vater am Ende seines „Lebens" mitbekommen hat, hätte er eine Zukunft gewollt, die eben nur mit frischem Blut zu gewährleisten wäre.

Frisches Blut ist auch ein gutes Stichwort, denn gefühlt sind sehr viele junge Menschen Teil der Handlung. Neben Judith auch noch Henry und die gerettete Gracie, die weiter in Aarons Obhut ist, und sicherlich noch andere.

So streift Michonne im Andenken an Rick dessen Jeansshirt über und ändert ihre Meinung doch, indem sie beim Hilltop anklopfen möchte, wobei man gespannt sein kann, wer dort das Sagen hat... PS: Was ist das eigentlich für eine x-förmige Narbe am Rücken?

Was wurde aus den Saviors?

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AMC - © AMC

Die Saviors waren schon seit dem Ende des Krieges ein Problem, für das die „TWD“-Autoren keine zufriedenstellende Lösung hatten, da sie immer wieder als Buhmänner fungierten. Sowohl Daryl als auch Carol hatten es nicht lange als neue Anführer ausgehalten. Und nun sehen wir einen Teil der alten Garde unter der Anführerschaft von Troublemaker Jed (Rhys Coiro), der mal wieder gegen Carol und Sohn Henry stänkert. Seine Gruppe überfällt sie auf dem Weg nach Hilltop und raubt auch den Ehering, was sich Henry zunächst nicht gefallen lässt. Jed will Carol verschonen, weil sie ihn vor rund sechs Jahren auch mit dem Leben davonkommen ließ. Carol gibt am Anfang auch klein bei, zeigt aber in der Nacht, dass sie weiterhin die Musterüberlebende ist, die auch zu härtesten Mitteln greift, wenn man sich an ihrer Familie vergreift - und zündet die Gauner bei lebendigem Leib an. Ob das nun das Ende der Saviors signalisiert, muss sich wohl noch zeigen, obwohl kurzzeitig in einem Dialog davon gesprochen wird, dass das Sanctuary keine Rolle mehr spiele. Vielleicht ist es besser so, denn die Eindimensionalität der Gruppierung wurde auf Dauer langweilig. Gemeinsam mit Daryl geht es aber zunächst mal in Richtung Hilltop.

Wer ist noch da draußen?

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Gabriel ist durch die neue Gruppe daran interessiert nachzuforschen, ob da draußen noch weitere Hilfebedürftige stecken und will die Sendeleistung des Funkgeräts aufstocken. Das wollen Eugene und Rosita übernehmen. Wir erfahren dabei, dass Gabriel jetzt offenbar mit Rosita zusammen ist, während Eugene bei der Mission seine Liebe gestehen will, aber das im unpassendsten Moment machen möchte: Nach einem Sturz von einem Turm verletzt er sich und die beiden werden von einer Herde verfolgt, deren Mitglieder sprechen können. „Was zur Hölle?!?“ wird sich sicher der eine oder andere fragen...

Interessant an diesem Handlungsbogen finde ich, dass die Autoren der Meinung sind, dem Geistlichen Gabriel innerhalb kurzer Zeit gleich mehrere potentielle Partnerinnen zuschreiben zu müssen, war er doch zuletzt in eine kurze Beziehung mit Jadis verwickelt, die aber am Ende im Helikopter mit Rick fortgeflogen war. Ich weiß noch nicht ganz, was ich von diesem Pärchen halten soll. So, wie Eugene während des Krieges mit den Saviors geschrieben war und er sich teils Rosita gegenüber Verhalten hat, würde ich ihn aber auch nicht unbedingt als Partner wollen. Da ist Gabriel wahrscheinlich die bessere Wahl für Rosita...

Neue Abzweigungen und Remix

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AMC - © AMC

Achtung! Hier könnten Comicspoiler einfließen!

Der Ausstieg von Lincoln und auch das Rausschreiben von Carl (Chandler Riggs) vorher hat die Serienautoren zum Improvisieren gezwungen, denn die Grimes-Männer sind im Comic zu diesem Zeitpunkt weiterhin Dreh- und Angelpunkt der Handlung.

In der TV-Serie wird die Last nun auf mehrere Schultern verteilt: Michonne, Carol und Ezekiel übernehmen die Rick-Rolle, Henry und Judith teilen sich Carls Rolle und auch sonst werden einige Dinge verändert. Das ist in meinen Augen auch gut so, weil es die Serie in gewisser Weise schwerer vorauszusehen macht. Dennoch muss sich zeigen, ob die Zuschauer über kurz oder lang mitspielen und weiter einschalten werden. Der Quoteneinbruch ist aktuell kaum noch umzukehren. Aber mit einem Blick auf die bisherige Staffelanzahl der Serie ist das eigentlich ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit. Irgendwann springen eben die Zuschauer ab.

Natürlich sind noch nicht alle Karten auf dem Tisch, denn wie genau die Lage im Hilltop aussieht, scheint noch bewusst etwas im Dunkel gelassen worden zu sein. Dazu gibt es nach so langer Zeit eine neue Bedrohung, die bei ihrer Einführung besser funktioniert, als ich es gedacht hätte. Die Whisperers halte ich in gewisser Weise schwer von einem Medium ins andere zu übertragen. Mal sehen, wie Kang und Co das im weiteren Verlauf gelingen wird. Schon bald könnte hier ein großer Knall folgen...

Was genau man mit Negan plant, bleibt auch spannend, die Dynamik mit Judith gefällt mir jedenfalls. Die Kinderdarstellerin macht insgesamt echt einen guten und sympathischen Job in ihrer ersten langen Folge.

Noch kein großes Urteil will ich mir hier über Magna und die neue Gruppe erlauben, man muss sehen, wie üppig die Rolle ausfallen wird oder ob sie über kurz oder lang nur Beiwerk werden, wie manch anderer Castzuwachs.

Fazit

Ja, The Walking Dead geht auch ohne Rick Grimes. Es sind zwar einige Anpassungen notwendig, aber die nächste Phase der Serie ermöglicht einen frischen Start, wenn man sich darauf einlassen will. Der bisher längste Zeitsprung in der Serie mischt die Karten so sehr durch, dass man fast von einer neuen Generation sprechen kann. Es gibt allerdings auch noch genug für die alte Garde zu tun. Was ich bisher sehe, gefällt mir ganz gut. Nun bin ich gespannt, wie es in den kommenden Wochen weitergehen wird.

Der Trailer zur Episode Stradivarius (9x07) der US-Serie The Walking Dead:

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 12. November 2018

The Walking Dead 9x06 Trailer

Episode
Staffel 9, Episode 6
(The Walking Dead 9x06)
Deutscher Titel der Episode
Die Welt dreht sich weiter
Titel der Episode im Original
Who Are You Now?
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 11. November 2018 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 12. November 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 12. November 2018
Autoren
Eddie Guzelian, Eddie Guzelian
Regisseur
Larry Teng

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 9x06

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