The Walking Dead 8x10

The Walking Dead 8x10

The Walking Dead legt mit der Folge The Lost and the Plunderers eine ĂŒberraschend charakterbezogene Episode vor, die sich dem Seelenleben vieler Figuren widmet. Inklusive diverser VerĂ€nderungen fĂŒr so manchen.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Lost and the Plunderers“ (8x09) (c) AMC
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Lost and the Plunderers“ (8x09) (c) AMC
© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Lost and the Plunderers“ (8x09) (c) AMC

The Walking Dead kann bisweilen doch ĂŒberraschen und hĂ€lt ein Versprechen, das Andrew Lincoln im Vorfeld gegeben hatte. Die Episode The Lost and the Plunderers wird zur TrauerbewĂ€ltigung genutzt, wobei Rick zumindest teilweise die falschen Lehren daraus zieht. Aufgeteilt wird die Episode durch untypische, aber einfache ZwischenĂŒberschriften mit den Namen der Charaktere, um die es geht. Insgesamt sind es sechs kurze Episoden, die teilweise miteinander verwoben sind, teilweise aber fĂŒr sich selbst stehen.

Michonne

Michonne (Danai Gurira) trifft der Verlust von Carl (Chandler Riggs) hart und sie versucht, ein paar Andenken an ihn in Ehre zu halten. Beispielsweise einen in Feuer gesetzten Pavillon, in dem sie gerne verweilten und den Rick und sie versuchen zu löschen. SpĂ€ter treiben ihr die gemeinsamen HandabdrĂŒcke von Judith und Carl TrĂ€nen in die Augen. Ihre Wut lĂ€sst sie an Walkern ab, die versuchen, nach Alexandria vorzudringen, wobei einer wortwörtlich sein Gesicht verliert. Es ist jedoch Rick, der sie zur Vernunft bringen muss, weil zu viele Untote erscheinen. Die Alexandria Safe Zone ist fĂŒr das Erste alles andere als sicher.

Die beiden bereden dann im Auto die Intention hinter Carls Worten. Denn Michonne weiß nicht, ob Carl meint, dass man aufgeben oder mit dem Krieg aufhören soll und versucht, das auch Rick deutlich zu machen, der damit zunĂ€chst nicht umgehen kann oder will. Die hinterlassenen Briefe sollen Aufschluss geben, darunter einer, der auch an Negan (Jeffrey Dean Morgan) adressiert ist. Rick denkt in diesem Moment aus einem nicht ganz nachvollziehbaren Grund an Jadis (Pollyanna McIntosh) und ihre Garbage People, die nach ihrer Allianz mit Rick ebenfalls eine Zielscheibe sind. Nicht nur Michonne fragt sich wahrscheinlich, wie Rick gerade in diesem Moment darauf kommt. Immerhin fragt sie in dieser Episode hĂ€ufiger nach und scheint die Aktionen ihres Partners nicht ganz zu verstehen. Auf der MĂŒllhalde angekommen geraten die beiden in eine Falle. Zeitlich spielt sich dies allerdings nach einer anderen Szene ab, die wir chronologisch erst spĂ€ter sehen.

Negan

Negan erfĂ€hrt, dass die Bewohner Alexandrias einen Fluchtplan hatten, der durch Carl möglich wurde, was er eindeutig respektiert. Simon (Steven Ogg) wird derweil damit beauftragt, Jadis wachzurĂŒtteln und an den Deal mit den Saviors zu erinnern. Am liebsten wĂŒrde Simon kurzen Prozess mit ihnen, aber auch mit Hilltop, dem Kingdom und Alexandria machen und dann die FlĂŒgel ausbreiten und neue Communitys suchen, aber Negans Devise lautet, dass Menschen ein kostbares Gut sind, wenn sie genĂŒgend Angst und Respekt vor ihren overlords haben. Also erhĂ€lt Simon den expliziten Befehl, einen zu töten, damit der Rest sich wieder beugt. FĂŒr Negan ist diese Masche der hĂ€rtere der beiden Wege und einer, der fĂŒr ihn bislang gut funktioniert hat.

Nebenbei erhĂ€lt er die Botschaft von Maggie (Lauren Cohan) in Form des untoten Saviors Dean, der eine von 38 Gefangenen ist und den Negan mit einem Tacker ins Jenseits befördert. WĂ€hrend Simon auch hier fĂŒr sofortige Rache ist, rĂ€t Negan, ihm zu spuren und seinen Job zu machen. Simon dĂŒrfte neben Dwight eine der grĂ¶ĂŸten Gefahren fĂŒr Negans AnfĂŒhrerschaft sein. Man muss sehen, ob sein Ungehorsam Konsequenzen haben wird. Noch wurde er - anders als Dwight - nicht verbannt.

Enid

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Lost and the Plunderers“ (8x09)
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Lost and the Plunderers“ (8x09) - © AMC

Konsequenzen könnte Enids (Katelyn Nacon) Mord an Natania (Deborah May) haben, doch Enkelin Cyndie (Sydney Park) muss das entscheiden und verschont Enid und Aaron (Ross Marquand), wĂ€hrend die kleine Psycho-Lady Rachel (Mimi Kirkland) am liebsten jeden Eindringling töten wĂŒrde. Ob es nun Enids PlĂ€doyer ist, das sie am Leben lĂ€sst oder Cyndies Wesen, ist unklar. Dennoch fordern die beiden Eindringlinge ihr GlĂŒck heraus und wollen die Gruppe aus Oceanside direkt in den Kampf involvieren, wobei sie anbieten, fĂŒr sie zu kĂ€mpfen und sie ĂŒber den Ausgang auf dem Laufenden zu halten. ZunĂ€chst sollen sie jedoch gehen und nie zurĂŒckkehren.

Aaron will bleiben und offenbar in die Rolle zurĂŒckkehren, in der wir ihn als Zuschauer kennengelernt haben, als er damals Rick und Co nach Alexandria geholt hatte. Unklar ist, warum er glaubt, dass er sie ĂŒberzeugen kann. Enid soll derweil zum Hilltop zurĂŒck, Maggie ĂŒber den Plan einweihen und sie abhalten, einen Suchtrupp nach ihm zu entsenden. Auch wenn Aaron in dieser Funktion schon gezeigt wurde, mutet es doch ein wenig merkwĂŒrdig an, wenn sich ein Mann in eine Frauen-Enklave einschleichen will, um ihnen seinen Willen aufzudrĂŒcken...

Oceanside hat in meinen Augen einen Ă€hnlichen Kanonenfutterstatus wie die MĂŒllhalde, obwohl hier ein paar mehr Figuren mit Potential sind, wĂ€hrend es andernorts vor allem die unkonventionelle Jadis ist. Ganz klar ist in beiden FĂ€llen nicht, welche Funktion die beiden Gruppen haben sollen. Außer, dass Frauen das Sagen haben und sich in beiden FĂ€llen extreme Gruppen herausgebildet haben. Beide kommen aber zu selten vor, um nachhaltig in Erinnerung zu bleiben. Wahrscheinlich wissen beim Fall Oceanside die meisten Zuschauer nicht einmal mehr die Namen der zentralen Figuren, ohne nachschauen zu mĂŒssen.

Simon

Simon erscheint also mitsamt einer großen Gruppe Saviors bei Jadis und verlangt fĂŒr den Verrat eine Entschuldigung. Die AnfĂŒhrerin verneint allerdings, dass es einen Deal mit Rick gab. Zwar sind sie in der Sanctuary an Ricks Seite mit Waffen erschienen, aber tatenlos wieder abgezogen. Also kann man sich das so zurechtlegen. Simons Geduld ist jedoch wohl zu Ende, denn gegen Abgabe der Waffen und der formellen Entschuldigung will er ihnen das noch einmal vergeben. Jadis spurt jedoch nicht und verliert nach und nach alle ihre GefĂ€hrten, obwohl oder gerade, weil sie die Waffen abgibt.

Eine durchaus interessante Anmerkung von Simon ist, dass es sowohl Solaranlagen als auch einen Helikopterlandeplatz gibt (wir erinnern uns, dass ein solcher vor ein paar Episoden ĂŒber Rick geflogen war). Spielt Jadis, so wie Ezekiel, vielleicht nur eine große Show? Den Ausraster von Jadis ĂŒbersteht Simon jedenfalls, höchstwahrscheinlich nur wegen der Überzahl. Simon hĂ€lt sich jedenfalls nicht an Negans Auftrag und lĂŒgt ihm auch spĂ€ter einfach ins Gesicht, wĂ€hrend Jadis allein zurĂŒckbleibt.

Jadis

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Lost and the Plunderers“ (8x09)
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Lost and the Plunderers“ (8x09) - © AMC

Die womöglich interessanteste Figur der Folge ist in meinen Augen Jadis. In dem Episodenkapitel mit ihrem Namen sehen wir die Fortsetzung der Szene rund um Rick und Michonne von ganz am Anfang. Alle anderen MĂŒllmenschen sind tot und Jadis ist allein auf weiter Flur. Dabei ist sie bereit, ihre back story zu erzĂ€hlen: den mĂŒhevollen Aufbau dieser MĂŒllhalde, die Sortierung und Neuordnung und ihr vorheriges Leben als KĂŒnstlerin, die nach Zeichenutensilien gesucht hatte. Sie hat sich diesen Ort zur Leinwand gemacht und die Menschen, die sie um sich gesammelt hat, als Farbe. Vielleicht ein bisschen klischeehaft, aber stimmig in der Art und Weise, in der sie zuvor schon portrĂ€tiert wurde. Ergeben damit die Treffen und Herausforderungen fĂŒr Rick einen Sinn? Nicht unbedingt. Dennoch gefĂ€llt mir McIntoshs Performance und ihr Zusammenbruch, nachdem Rick sich weigert, ihr zu helfen, doch sehr gut, wobei er erneut das genaue Gegenteil macht von dem, was Carl von ihm möchte.

Im Ignorieren der WĂŒnsche seines Sohnes ist Rick also 1a. Rick und Michonne kĂ€mpfen sich mit modifizierten AutotĂŒren durch die Untoten, wobei Rick auf ihr Gesuch, mitkommen zu dĂŒrfen, den gleichen Move macht, wie zu dem Zeitpunkt, als Carl und er Siddiq begegneten. Er schießt in die Luft und entschließt sich dazu, jemanden seinem eigenen Schicksal zu ĂŒberlassen. Mit MĂŒhe und Not schafft Jadis es, zu ĂŒberleben und kommt auf die Idee, die MĂŒllpresse anzuschmeißen und sich so aller Untoten zu entledigen. FĂŒr mich ist das ein starkes Bild. Ein verstörendes, ohne Frage. Ein Gewaltverherrlichendes ebenfalls. Aber auch etwas, das fĂŒr Jadis krĂ€ftezehrend ist, weil sie fĂŒr diese Menschen etwas empfunden hat, gleichzeitig aber das eigene Überleben sicherstellt. Ob hier der erste Schritt zu einer Transformation in eine andere Figur, die wir aus den Comics kennen, gemacht wird, muss sich zeigen. Zuletzt gab es genug falsche FĂ€hrten, die die Comicleser verunsichern sollten.

Rick

Ricks Fehler könnte man darauf schieben, dass er nach dem Tod von Carl verwirrt ist. Sein Versprechen an seinen Sohn aus der letzten Folge wirkte allerdings so, als habe er die Botschaft verstanden. Die mĂŒsste eigentlich lauten, dass er sich um eine friedliche Zukunft bemĂŒht. Das Briefgeheimnis respektiert er jedenfalls nicht und möchte erfahren, welche Botschaft er Negan hinterlassen hat. Er liest diese, bevor er seinen eigenen Brief liest. Der dĂŒrfte allerdings deckungsgleich sein und die bitte nach Frieden beinhalten. Also kontaktiert er per FunkgerĂ€t Negan und erzĂ€hlt ihm von Carls Tod, was diesen mehr mitnimmt, als man hĂ€tte vermuten können. So interessiert ihn auch, wie er umgekommen ist. Dass Negan nicht empathielos ist, wenn er sein GegenĂŒber respektiert, hatte man auch im Fall Sasha gesehen.

TatsĂ€chlich wandeln die Autoren beim GesprĂ€ch zwischen Negan und Rick auf einer schmalen Linie. Denn in meinen Augen ist Negan kurzzeitig sympathischer als Rick, der trotz der eindringlichen Bitten seines Sohnes Negan mit dem Tod droht. Allerdings weicht Negan auch nur minimal von seiner Linie ab, weil er nicht vorhat, die Macht abzutreten, sondern in Ricks Wunde sticht, wenn er meint, dass Carl die Zukunft gewesen wĂ€re und er PlĂ€ne fĂŒr ihn hatte - wahrscheinlich solche, die ihn zu einer weiteren rechten Hand hĂ€tten machen sollen. Das Verschulden des Todes liegt laut Negan ganz klar bei Rick, weil er als Vater und AnfĂŒhrer gleichermaßen versagt hat und nicht geschafft hat, ihn vor einer Dummheit zu bewahren. So starb Carl dabei, als er jemandem helfen wollte, und nicht im Gefecht mit den Saviors. In Negans Augen hat Rick schon verloren und sollte besser aufgeben.

Schaut man sich die Bilanz an, dann haben aber beide MĂ€nner Siege und Niederlagen kassieren mĂŒssen. Zum jetzigen Zeitpunkt liegt eine diplomatische Lösung jedenfalls wohl in weiter Ferne. Eine RĂŒckkehr zum blinden Kampf aus dem Anfang der Staffel wĂ€re ebenfalls eine denkbar schlechte Lösung. Vielleicht ist die Lösung eine gegenseitige Ausschaltung? Wie sĂ€he die Welt ohne Rick UND Negan aus? Ein interessantes Gedankenspiel, besonders, wenn man an den Rote-Augen-Rick denkt.

Fazit

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Lost and the Plunderers“ (8x09)
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Lost and the Plunderers“ (8x09) - © AMC

Wenn man sich ein wenig mehr auf die Figuren statt auf mittelmĂ€ĂŸig bis schlecht choreografierte Schießereien beschrĂ€nkt, dann gelingt den Autoren von The Walking Dead auch noch in Staffel 8B eine durchaus sehenswerte und interessante Folge der Zombieserie, sofern man Ricks unlogische Lektion ausblendet. Simon als unberechenbarer Rebell in den Reihen der Saviors und Jadis, die quasi alles verliert, was sie sich in den letzten Monaten aufgebaut hatte, sind fĂŒr mich die Highlights in der Episode. Dazu kommt eine Michonne, die ein paar alte QualitĂ€ten zum Besten geben darf und wir haben eine ordentliche Folge. So oder so Ă€hnlich kann es weitergehen. Nur nicht wieder in den stupiden Kriegsmodus schalten.

Trailer zur Episode Dead or Alive Or (8x11) der US-Serie The Walking Dead:

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 5. MĂ€rz 2018

The Walking Dead 8x10 Trailer

Episode
Staffel 8, Episode 10
(The Walking Dead 8x10)
Deutscher Titel der Episode
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Titel der Episode im Original
The Lost and the Plunderers
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 4. MĂ€rz 2018 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 5. MĂ€rz 2018
Autoren
Angela Kang, Channing Powell, Corey Reed
Regisseur
David Boyd

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 8x10

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