The Walking Dead 8x08

The Walking Dead 8x08

Das achte Halbstaffelfinale von The Walking Dead mit dem Titel How It's Gotta Be zeigt, dass Pläne auch fürchterlich schief gehen können. Dominanz kann sich schnell zur Niederlage umdrehen. Mit fatalen Folgen.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „How It's Gotta Be“ (c) AMC
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „How It's Gotta Be“ (c) AMC
© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „How It's Gotta Be“ (c) AMC

Bisher hat The Walking Dead in der achten Staffel eine Richtung eingeschlagen, die wohl immer weniger Zuschauern gefällt. Logiklöcher und Mangel in der Inszenierung häufen sich, Fan-Favorites benehmen sich fragwürdig, sodass die Charakterisierung zu wünschen übrig lässt. Große Highlights sucht man vergebens. Daran ändert leider auch das Midseason-Finale How It's Gotta Be nichts. Auf etwas mehr als über einer Stunde Laufzeit passiert zwar einiges, aber das Vorherige wird teilweise binnen Sekunden null und nichtig gemacht, was offenbar symptomatisch für diese Staffel ist.

Da werden beispielsweise zwei Folgen damit aufgewendet, in denen Rick (Andrew Lincoln) unter Einsatz seines Lebens Verstärkung bei den Müllpeople aka den Scavengers holt, weil das Kingdom und seine Kämpfer fast ausgemerzt wurden, da hauen diese beim ersten Beschuss ab wie Feiglinge. Es sind Carol (Melissa McBride) und Jerry (Cooper Andrews), die zufällig seine Haut retten. Diese Zufälle sprechen für ein faules Autorenteam, das einfache Lösungen aus dem Nichts bevorzugt. Nebenbei wird im Cold Open der Folge daran gearbeitet, die verschiedenen Weltsichten von Carl (Chandler Riggs) und seinem Vater noch einmal zu betonen, wobei Carls Hoffnung für die Zukunft auf Rick abfärben soll, trotz des Krieges mit Negan. Der befindet sich nämlich auf dem Weg zum Gegenschlag und hat sich offenbar binnen kürzester Zeit erholt und seine Männer in Stellung gebracht. Eugene (Josh McDermitt) sei Dank.

Abstecher nach Oceanside

Enid (Katelyn Nacon) und Aaron (Ross Marquand) sind auf dem Weg nach Oceanside, um dort noch einmal nach Verstärkung zu fragen. Aaron wird bei der Reise an seine Ausflüge mit seinem verstorbenen Partner Eric erinnert, mit dem er neue Bewohner für Alexandria ausgespäht und rekrutiert hat. Die beiden wollen mit einem Gastgeschenk ankommen und machen einen Abstecher zu einer Brennerei, um nicht mit leeren Händen da zu stehen. Bei einem Stop sehen sie dann, dass jemand sie ausspioniert und Enid schießt ohne zu hinterfragen oder zu warnen auf den Angreifer, der sich als die Anführerin Natania (Deborah May) herausstellt, die entweder stirbt oder schwer verletzt ist. So jedenfalls schindet man keinen Eindruck, bei einer Gruppe, die selbst immer erst schießt und dann fragt. Oder doch? In der TWD-Logik ist mittlerweile vieles möglich.

Eugene ist doch nicht Negan

Eugene mag zwar den Saviors aus der Untoten-Misere geholfen haben (wie bleibt in der Folge offen), aber das Ganze bereitet ihm doch großes Unbehagen. Sein schlechtes Gewissen kann er beruhigen, indem er eine Wache per Durchfall-Mix lahmlegt, auf die Krankenstation zu Dr. Carson und Gabriel (Seth Gilliam) schleicht , ihnen von der Unpässlichkeit der Wache berichtet und einen Autoschlüssel zukommen lässt, um zu fliehen und Maggies ungeborenem Baby eine Chance für eine leichtere Entbindung unter ärztlicher Aufsicht zu ermöglichen. Das heißt, wenn sie wirklich wegkommen und es keine Hindernisse gibt. Denn Gabriel ist und bleibt schwer verletzt. Doch manchmal geschehen Zeichen und Wunder oder gewaltige Zufälle wie eine Blitz-Genesung. Eugene plagen ganz klar Gewissensbisse, die er versucht mit Alkohol zu ertränken. Dass Rick und Co ihn wieder aufnehmen würden, scheint er nach seinen Aktionen nicht mehr zu glauben.

Königreich ohne König

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „How It%26#039,s Gotta Be“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „How It%26#039,s Gotta Be“ - © AMC

Im Kingdom taucht Gavin (Jayson Warner Smith) auf und fordert, dass sich Ezekiel (Khary Payton) ergeben soll, denn die Taktik der Saviors bleibt weiterhin die Anführer zu versammeln, öffentlich zu töten und zurück zum alten Modell der Unterjochung zurückzukehren, dann allerdings mit noch strengeren Regeln und Abgaben. Von allen Saviors aus dem gehobenen Segment ist er wohl derjenige, dem am ehesten anzusehen ist, dass er keine Lust auf Blutvergießen hat, wirkt aber manchmal auch so, wie ein Lehrer ohne Autorität. Das Kingdom soll den Saviors gehören und dem Plan nach sollen die, die es körperlich schaffen, dabei helfen die beschädigte Sanctuary zu reparieren.

Ezekiel befindet sich weiter in seiner Lethargie, handelt dann aber, als er er merkt, dass der Ort angegriffen wird und denkt sich eine Ablenkung mit Benzin aus. Warum genau der Schulbus nicht für die Flucht der Leute aus Kingdom genommen wird, verstehe wer will, der Großteil hätte locker Platz gehabt und man müsste nicht zu Fuß fliehen. Ezekiel überlebt, weil er für die Show überleben soll, was er Gavin zu verdanken hat, der einen Savior davon abhält, auf ihn zu schießen. Statt mit Carol zu gehen, soll sie sich um die Rettung des Volkes kümmern, während der König mit Shivas Kette absperrt und zurückbleibt. Allerdings ist ein gewisser Morgan (Lennie James) nicht weit und wird wohl noch aushelfen.

Maggie vs. Simon

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „How It%26#039,s Gotta Be“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „How It%26#039,s Gotta Be“ - © AMC

Maggie sitzt mit Jesus, sowie Neal (wer war das noch mal) und Dianne (Kerry Cahill) im Auto und bemerkt, dass etwas nicht stimmt, als ein Baum auf der Fahrbahn liegt. Bald wird sie von einer Gruppe Saviors unter dem Kommando von Simon (Steven Ogg) angehalten. Der unterbreitet ein ähnliches Angebot wie Gavin: Die Anführerin soll sich ergeben und ein Toter aus ihren Reihen bedeutet, dass man Quitt ist und die Farmkolonie als solche fortgeführt wird oder sie wird öffentlich exekutiert, nachdem sie in einem Sarg mit Luftlöchern (um die Sasha-Situation zu wiederholen) in die Sanctuary gebracht wird. Jerry aus dem Kingdom wird als Geisel vorgeführt, doch es trifft - wenig überraschend - den uns bisher völlig Fremden Neal, der von Simon erschossen wird, um ihr den ernst der Lage klar zu machen. Maggie tut so, als würde sie kooperieren und möchte den Sarg haben, um angeblich Neal darin zu beerdigen.

Im Hilltop angekommen, tötet sie dann den Hosennässer, den Jesus (Tom Payne) mitgebracht hat, um den Saviors eine Warnung zu übersenden. 38 von ihnen hat sie noch. Maggie ist bereit die volle Distanz zu gehen und will sich für den nächsten Schlag wappnen. Zwar macht es sie emotional fertig, aber im Angedenken an Glenn, will sie sich wohl nicht so einfach einschüchtern lassen, wenn sie selbst noch einige Asse im Ärmel hat.

Sheriff Carl Grimes

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „How It%26#039,s Gotta Be“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „How It%26#039,s Gotta Be“ - © AMC

Carl macht sich in dieser Folge aufs Schlimmste gefasst. Er schreibt Abschiedsbriefe, verinnerlicht Enids Motto „Just Survive Somehow“ und übernimmt die Initiative als Negan in Alexandria auftaucht und erstellt einen Ad-Hoc-Fluchtplan, während er für eine Ablenkung sorgt. Nebenbei hat er offenbar auch noch Siddiq versteckt, ahnt aber nicht, dass das wohl der ungünstige Zeitpunkt dafür war. Denn obwohl Carl vorgibt sich opfern zu wollen, damit kein weiteres Blut vergossen wird, schindet er damit nur Zeit für die anderen - auch wenn er durchaus aufrichtig wirkt, was er sagt. Carl wäre unter anderen Umständen ein guter Anführer, ist so aber zumindest ein guter Hilfssheriff. Mit Rauchgranaten sorgt er für Ablenkung, gerät aber immer wieder in Lebensgefahr. Es ist nicht immer ganz nachvollziehbar, warum Häuser und Autos explodieren. Die Saviors haben zwar Granatenwerfer, man sieht jedoch nicht, dass sie diese auf die Objekte zielen oder ich habe es übersehen. Carl kämpft also ums Überleben und kommt mehrmals mit einem Schrecken davon - oder doch nicht?

Der Fall von Alexandria

An anderer Stelle wird diskutiert, ob es Daryls (Norman Reedus) Plan war, der für diese Wendung im Konflikt gesorgt hat. Teilweise muss man einfach sagen: Ja. Auch wenn Dwight den Namen Eugene ins Spiel bringt und Rosita sich nicht sicher ist, ob alles nicht ohnehin so abgelaufen wäre, weil auch ihr Versuch, Negan auf eigene Faust umzubringen, nur damit endete, dass Sasha ums Leben gekommen ist. Das ändert nichts an der Tatsache, dass Negan und seine Stellvertreter im Auftakt der Staffel auf dem Silbertablett zum Abschuss bereit standen...

Immerhin gelingt es mit Dwights Hilfe einige Saviors in einen Hinterhalt zu locken. Das Daryl-Team rund um Rosita, Tara und Michonne schießt zwar auf die Geflohenen, erwischt aber nur einige von ihnen, während Dwight da noch einmal tätig werden muss. Dabei erfährt Savior Laura aber, dass es Dwight war, der ihre Gruppe verraten hat, was er später auch Dwight und dem Rest mitteilt. Statt Dwight zu töten, wie sie es zuletzt noch geplant haben, lassen sie ihn am Leben, auch wenn Daryl ihm seine Weste mit den Engelsflügeln abnimmt.

RIP Carl?

Alexandria wird also stark in Mitleidenschaft gezogen. Rick findet später nur ein Schlachtfeld vor und trifft auf Negan, mit dem er sich einen Kampf liefert, aus dem er knapp entkommt, obwohl er kurzzeitig Lucille gegen Negan einsetzen kann. Während fast alle in die Kanalisation fliehen, bleibt Michonne zurück und schnetzelt sich durch einige Angreifer. Bald finden sich die beiden und schließen zum Rest auf. Während es Judith gut geht, sieht es für Carl kritisch aus. Er zeigt seinen Eltern die Bisswunde an seinem Torso. Er hat Siddiq gerettet und sich dabei offenbar die fatale Wunde zugezogen. War es das für Carl? So müsste es eigentlich sein.

Die einzige Möglichkeit wäre, wenn es ein Menschenbiss wäre. Von einem Untotenbiss, besonders an dieser Stelle, hat sich noch niemand erholt. Wir müssen die nächste Episode abwarten, aber seine Chancen stehen denkbar schlecht und Carls mutmaßliche letzte Tat ist es, sich für jemand anderen und eine unbekannte Zukunft zu opfern.

Die Szene bringt auch die Vision/Traum/Flashforward aus dem Auftakt ins Wanken und rückt ihn in ein neues Licht. War das nur eine Wunschvorstellung von Rick? Wird es die neue Zukunft nicht geben können? Carls Ableben wäre ein Paukenschlag für die Serie, weil es einer der Originaldarsteller ist und einer, der in meinen Augen zu denjenigen gehört, der „unsterblich“ ist. Leider ändern diese paar Carl-Minuten aber nichts daran, dass viele andere Entwicklungen der Folge auf einem Niveau sind, das höchstens Mittelmaß ist.

Fazit

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „How It%26#039,s Gotta Be“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „How It%26#039,s Gotta Be“ - © AMC

Fort ist die Spannung und sie hat die Logik leider mitgenommen. Die Wendung in How It's Gotta Be haben sich die Figuren selbst zuzuschreiben, wobei es schon hanebüchen ist, wie flott die Saviors zum Konter ausholen und sich auf mehrere Standorte verteilt organisieren können. Sollte es wirklich zum Tod der Figur kommen, Chapeau. Allerdings gilt es ihren etwaigen Abgang auch als Motor zu nehmen, um den Krieg dann zu einem Ende zu führen und ihn nicht einfach für nichts sein zu lassen.

Trailer zur Fortsetzung der achten Staffel im Februar 2018:

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 11. Dezember 2017

The Walking Dead 8x08 Trailer

Episode
Staffel 8, Episode 8
(The Walking Dead 8x08)
Deutscher Titel der Episode
Kampf um die Zukunft
Titel der Episode im Original
How It's Gotta Be
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 10. Dezember 2017 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 11. Dezember 2017
Autoren
David Leslie Johnson-McGoldrick, Angela Kang
Regisseur
Mike Satrazemis

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 8x08

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