The Walking Dead 7x13

© zenenfoto aus der âThe Walking Deadâ-Episode âBury Me hereâ / (c) AMC
Im Kingdom könnte alles so schön sein, wenn da eine gewisse Gruppierung um Negan (Jeffrey Dean Morgan) nicht wĂ€re. Das sieht man auch in jeder Sekunde der The Walking Dead-Episode Bury Me Here, die besonders Carol (Melissa McBride), Morgan (Lennie James), Richard (Karl Makinen) und Ezekiel (Khary Payton) in den Fokus rĂŒckt. Ausschlaggebend fĂŒr das ganze Drama ist eine Honigmelone. Wirklich. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen...
WĂ€hrend Carol also schlecht trĂ€umt und darĂŒber nachdenkt, was Daryl (Norman Reedus) ihr gesagt oder verschwiegen hat, trainiert Morgan mit Bens (Logan Miller) Bruder Henry, dem er versucht den Zen-Weg schmackhaft zu machen.
Carol bricht derweil zum Kingdom auf, legt ein paar Walker um, als wĂ€re es nichts (StraĂenschild-Kill aus dem Baum!) und möchte von Morgan wissen, was wirklich vorgefallen ist. Doch so wie er ihr Geheimnis respektiert und bewahrt hat, glaubt er daran, dass sie das mit Daryl klĂ€ren muss. Damit zusammenhĂ€ngend bietet er ihr Begleitung fĂŒr einen Trip nach Alexandria an, um die Information zu erhalten. Fragt sie aber auch, ob sie in ihrem Exil nicht endlich das bekommen hĂ€tte, was sie gesucht hat - vielleicht ist es bei Carol aber auch schon zu spĂ€t und ein erneuter Wandel zur Einsiedlerpazifistin unmöglich.
Ben ist der nĂ€chste, der beeindruckt ist von ihren FĂ€higkeiten und von ihr lernen möchte, doch Carol lehnt ab. Zu tief sitzen wohl die Erinnerungen an Mika, Lizzie oder Sam, die sie alle mehr oder minder, aus ihrer Warte aus zumindest, auf dem Gewissen hat. Wenn sie nur wĂŒsste...
The Weavels
Bei unserer kleinen Königsfarm gibt es auch Probleme, die die neue Figur Nabila (Nadine Marissa) ihrem König Ezekiel mitteilt, dabei aber wegen Tigerin Shiva, auf Abstand bleibt. Der königliche Garten leidet unter einer RĂŒsselkĂ€ferplage, die zwar bekĂ€mpft werden kann, dafĂŒr muss man aber die alten Pflanzen herausreiĂen oder gar niederbrennen. Immerhin werden sie nachwachsen. Hier verstecken die Autoren die groĂe Metapher der Folge. Unkraut muss manchmal herausgerissen werden, um neu anzufangen. WĂ€hrend ein imposanter Tiger dafĂŒr sorgen könnte, dass sich niemand an Ezekiel herantraut ohne sich ins Höschen zu machen.
AuĂerdem: Wer wartet eigentlich noch darauf Shiva mal im Kampf zu erleben? Langsam wird es Zeit.
Perfekte Familie
The Walking Dead hĂ€lt den Figuren in dieser Folge wieder einmal den Spiegel vor. Denn wir hören mehr zu Richards Hintergrundgeschichte. Er hatte einst eine perfekte Frau, ein perfektes Leben und ein perfektes kleines MĂ€dchen namens Katy. Doch dann kam der Weltuntergang und entriss ihm alles StĂŒck fĂŒr StĂŒck. SpĂ€ter sorgten dann die Saviors fĂŒr einen erneuten Verlust, dem Richard nun ĂŒberdrĂŒssig ist und weswegen er etwas tun will. Setzte er beim ersten Versuch Carols Lebens aufs Spiel, will er nun sich selbst opfern, um andere zum Handeln zu bringen und wieder einmal gelingt das nicht nach Plan. Morgan mahnt er in dieser Episode mehrfach dazu, dass er irgendwann wieder töten muss, weil das einfach die Welt ist und wie sie sich entwickelt hat.
Bury me here

Bevor es zum Deal kommen kann, stehen die Kingdom-Krieger vor einer StraĂensperre, die das taktische Vermögen der Gruppe andeutet und zeigt, wie sie sich in so einer Situation absprechen und kommunizieren. Mit vereinten KrĂ€ften ist das schnell gemacht. Allerdings finden sie ein Grab mit der Aufschrift âBury Me Hereâ. Von wem das stammt ist etwas worauf aufmerksame Zuschauer wohl schon vorher hĂ€tten kommen können, denn Richard benimmt sich kurzzeitig sehr verdĂ€chtig. Doch dazu dann gleich mehr.
Beim Deal mit den Saviors geht es, wie bereits angedeutet, um eine Lieferung von einem Dutzend Melonen. Nicht mehr und nicht weniger. Dass die Stimmung zwischen den beiden Lagern angespannt ist, sehen wir jetzt also zum dritten Mal. Denn Jared (Joshua Mikel, He is the Worst) reizt gerne seinen GegenĂŒber und spielt sich auf wie ein Obermacker. Gavin (Jayson Warner Smith) hingegen, wurde bisher als halbwegs verstĂ€ndnisvolle Person im Middle-Management der Saviors portrĂ€tiert.
Diesmal ist die Stimmung viel angespannter, denn Jared kann sich nicht zurĂŒckhalten, da er Cobler-Liebhaber Jerry attackiert. Die Saviors wollen auf einmal neben den Melonen auch noch die Schusswaffen und es ist Richard, der sagt, dass man auf sie hören soll. WĂ€hrend Ezekiel widerspricht, dass es nicht die Absprache war. Hier wird ausgereizt, wie das MachtverhĂ€ltnis der Parteien steht, denn plötzlich wird eine Forderung nach Morgans Stab ausgesprochen. Es kommt zur Eskalation, als eine Melone fehlt (eine!). Jared hĂ€lt zunĂ€chst Richard die Waffe an den Kopf, doch in wahrer Savior-Manier, wird nicht der Captain bestraft, sondern eine willkĂŒrliche gewĂ€hlte andere Position. In diesem Fall also Ben. Und nun erlebt Richard, was auch schon Daryl oder Rosita erleben mussten: ein anderer muss fĂŒr seine Verfehlung bĂŒĂen.
Der schwer blutende Ben wird nach einiger Diskussion rund um die ausstehende Bezahlung in Richtung Kingdom und dort erst einmal zu Carol gebracht, wo er versorgt werden soll. Doch die Verletzung ist zu stark. Zwar spricht es zunÀchst niemand explizit aus, aber das Schweigen verrÀt doch einiges.
Clear again?
Besonders bei Morgan triggert das etwas, was er lange Zeit unterdrĂŒckt hat. Der Persönlichkeitsteil aus Clear möchte wieder heraus und den Zen-Meister, den wir seit ein paar Staffeln verfolgen, verdrĂ€ngen. Ob sich sein Kampf nun hauptsĂ€chlich in seinem Kopf abspielt oder er wirklich auch mit Selbstmordgedanken hadert, wird durch die Inszenierung nicht 100 Prozent deutlich. Doch der Vorfall bringt ihn an seine Grenzen und legt einen Schalter um. Die Wut wird an einen Eimer ausgelassen, der die fehlende Melone zum Vorschein bringt und ihn Richard aufsuchen lĂ€sst. Hier versucht er sich mit seiner tragischen Vergangenheit zu rechtfertigen, was jedoch nur bedingt klappt.
Denn Morgan hört ihm zwar zu, doch Ă€hnlich wie Daryl lĂ€sst er sich von Richard nicht fĂŒr dessen RacheplĂ€ne einspannen. Allerdings sind diese, wenn man sie genau betrachtet, den von Rick gar nicht so Ă€hnlich: Sich mit den Saviors gut stellen, aber insgeheim gegen sie PlĂ€ne schmieden. Himmelweiter Unterschied: Das nötige Opfer. Carol, er selbst und schlieĂlich Ben geraten bei ihm stets in die Schusslinie, damit der Kampf aufgenommen wird.
Ein Kompliment muss hier an den Richard-Darsteller ausgesprochen werden, denn obwohl sein Ansatz zum Scheitern verurteilt ist, darf er schön aufspielen, als er ĂŒber seine Vergangenheit erklĂ€rt. Morgan möchte, dass Ezekiel davon erfĂ€hrt, doch Richard will die Unterredung nach den Deal verschieben. Der König besteht auf eine sofortige KlĂ€rung.
Auf die Melone
Somit erklĂ€rt sich auch das Intro der Episode, in der eine einzige, traurige Melone auf das Heck des Autos geladen wird. Die Saviors pochen auf die Einhaltung der Regeln, auch wenn es noch so kleinlich ist. LĂ€sst man es sich einmal auf der Zunge zergehen, verbrauchen die Schergen von Negan mehr Ressourcen um zum Treffpunkt zu kommen, als diese Melone wert ist. Aber vom Matratzen-Gate in Alexandria haben wir ja bereits erfahren, dass es nicht um die GĂŒter selbst geht, sondern auch viel reine Machtdemonstration und UnterdrĂŒckung dahintersteckt.
Immerhin ist Gavin noch so menschlich, dass er fragt, wie es Ben geht und den Schuldigen Jared mit tödlichen Konsequenzen droht, wenn er seine AutoritĂ€t weiterhin untergrĂ€bt. Immerhin soll der zu FuĂ zurĂŒck zur Sanctuary laufen.

Interessant ist, dass Morgan Richard vor versammelter Mannschaft angreift und wĂŒrgt, und zwar mit der Intention ihn umzubringen. Niemand hindert ihn daran und zunĂ€chst scheint es so, als wĂ€re es taktisch nicht klug, das vor den Saviors zu lösen. Doch denkt man etwas weiter, ist es genau die Lösung, die die Saviors respektieren. Ein Schuldiger wird prĂ€sentiert und die Wahrheit ausgesprochen: nĂ€mlich Richards Angriffsplan, der ein Opfer erforderte. Darum ziehen sich alle zurĂŒck und der âFriedenâ wird gewahrt und der nĂ€chste Austausch geplant.
Morgan ist derweil eindeutig gebrochen, denn Bens Tod erinnert ihn an den seines Sohnes Duane und sein Mord sorgt dafĂŒr, dass er nicht nur unzĂ€hlige Zombies cleart, sondern auch zu Carol geht und ihr die Wahrheit anbietet. Ohne Beschönigungen erzĂ€hlt er ihr von Negan und den Saviors und möchte in sein altes Leben als AufrĂ€umer zurĂŒckkehren. Carol kann ihn jedoch - mit viel Nachdruck - als Nachmieter fĂŒr die HĂŒtte anwerben und so schlieĂt sich fast der Kreis. Fehlt eigentlich nur eine neue Ziege namens Tabitha und die KĂ€seproduktion kann beginnen. Oder ist der Zen-Geist endgĂŒltig entwichen?

FĂŒr Carol reicht derweil die Information um zu wissen, dass sie das alles nicht mehr auf sich beruhen kann. Der Kampfgeist ist da und sie wandert wieder ins Kingdom, diesmal bereit, um dort sesshaft zu werden und die Truppen in Form zu bringen. Mit Sack, Pack und zahlreichen Waffen (Machete, Schlagringe, Pistole) meldet sie sich also bereit. Doch Ezekiel will zunĂ€chst trauern und bepflanzt den brachen Garten neu, wobei Carol nun helfen darf.
Fazit
The Walking Dead verfĂ€llt immer wieder in strukturell Ă€hnliche Muster. Aktuell sind wir in der Phase, in der der Fokus auf vereinzelten Charakteren liegt und einige Figuren einen groĂen Wandel durchmachen, um sich fĂŒr eine Herausforderung in Stellung zu bringen. Diesmal liegt der Schwerpunkt auf Carol und Morgan und dem Abschied von Ben und Richard, der dazu nötig ist, um Ezekiel umzustimmen, was seine Blockadehaltung angeht.
VerĂ€ndert gehen dabei alle Beteiligten aus der Episode, wobei besonders Lennie James und Karl Makinen schauspielerisch glĂ€nzen dĂŒrfen und sehenswerte Performances abliefern. Darum habe ich diese etwas ruhigere und charakterzentrierte Ausgabe auch genossen. Es muss eben nicht immer Splatter sein.
Persönlich habe ich auf diesen Wandel schon gewartet. Es ist eigentlich kein Geheimnis, dass Carol, Morgan und Ezekiel zu meinen Lieblingen gehören, wobei damit zu rechnen ist, dass der Fokus nun wieder kurz woanders hinwandert, ehe diese Entwicklung verarbeitet und gewĂŒrdigt wird. Doch mit dieser Struktur muss man sich als TWD-Zuschauer wohl anfreunden, denn es scheint ein Konzept zu sein, was die Kreativen rund um Scott M. Gimple gerne anwenden.
Trailer zur Episode Strong Threats der Serie The Walking Dead (7x14):
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 13. MĂ€rz 2017The Walking Dead 7x13 Trailer
(The Walking Dead 7x13)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 7x13
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