The Walking Dead 7x10

© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Folge „New Best Friends“ (7x10) / (c) AMC
In der zweiten Staffelhälfte der siebten Staffel von The Walking Dead werden pro Folge weiterhin mehrere Handlungsstränge verfolgt. So auch in der neuen Episode New Best Friends, die sowohl im Kingdom spielt als auch bei Rick (Andrew Lincoln) und seiner Crew, welche mit der Gang von der Müllhalde verhandelt. Die hat eine effiziente Sprechweise, die alles Unnötige herausfiltert. Doch zunächst geht es in Ezekiels Königreich oder, besser gesagt, in ein neutrales Territorium, wo ein Termin mit den Saviors stattfinden soll.
Gereizte Stimmung zwischen Saviors und den Herrschern des Kingdoms
Morgan (Lennie James) wohnt wieder einmal einem Austausch zwischen dem Kingdom und der Sanctuary bei. Ezekiel (Khary Payton) hat außerdem die Bogenschützin Diane, Richard (Karl Makinen), Ben (Logan Miller) und Jerry (Cooper Andrews) mit dabei. Diesmal stehen Melonen und Kanister (wahrscheinlich Treibstoff) auf dem Plan und wieder einmal sorgt Jared (Joshua Mikel) sofort dafür, dass die Stimmung umschlägt, weil er glaubt, auf großen Macker machen zu müssen.
Für den leicht reizbaren Richards, der ohnehin die Schnauze voll von der Abmachung hat, bedeutet dies, dass er sich auf ein stand-off mit dem frechen jungen Mann einlässt, was zur (fast) dramatischen Auseinandersetzung führt. Denn nicht nur Morgan, sondern auch Benjamin mischen sich ein, als er Richards Waffe fordert. Im Endeffekt sind Morgen und Richard um ihre Waffen ärmer und es soll Konsequenzen für diejenigen aus dem Kingdom geben. Ezekiel tut also so ziemlich alles, um einen Kampf zu vermeiden und trägt durch seine unterwürfige Haltung wahrscheinlich auch dazu bei, dass sich Jared mehr herausnimmt, als er es bei einem Rick tun würde.
Negan-Stellvertreter Gavin (Jayson Warner Smith) scheint derweil von allen rechten Händen der ruhigste zu sein, der Verfehlungen am ehesten verzeiht, auch wenn er mit einem Hitzkopf wie Jared klarkommen muss. In Gavins Fall scheint es fast so, als hätte er sich diese Lage nicht ausgesucht und er hat auch nur wenig Spaß an den sadistischen und zerstörerischen Seiten dieses Gigs. Ob der erneute Vorfall Konsequenzen haben wird, muss sich zeigen, irgendwie muss ja Ezekiels ablehnende Haltung überwunden werden.

Daryl (Norman Reedus) knöpft sich derweil Morgan vor, weil er sich einspannen lässt und den Saviors nach der Nase tanzt. Dabei kommen sie darauf zu sprechen, dass alles anders wäre, wenn Carol (Melissa McBride) die Wahrheit wüsste. Da sie jedoch Morgan darum gebeten hat, niemandem etwas über ihren Rückzugsort zu verraten, bleibt das auch vorerst so. Und zwar, bis Daryl mit Richard spricht und über dessen Vorkehrungen und Geheimpläne eingeweiht wird...
Butch Cassidy and Hillbilly Kid?
Es wirkt kurzzeitig so, als hätten sich mit Richard und Daryl zwei gefunden, die ein gemeinsames Ziel haben: schnelle, harte und blutige Rache gegen die Saviors. Doch frühzeitig kommt heraus, dass Richards Plan auch vor Opfern und Kollateralschäden nicht Halt macht. Dumm nur, dass er sich dafür ausgerechnet Carol ausgesucht hat, deren Tod seiner Meinung nach dafür sorgen soll, dass Ezekiel umkippt. Nur riecht Daryl den Braten ebenfalls und so vergeht ihm die Lust auf ein Duo Infernale doch recht schnell und Richard zieht sich eine blutige Nase zu, als er es trotzdem durchziehen will. Richard jedenfalls ist an einem Punkt angelangt, an dem die Grenze zwischen Verzweiflung und Verrücktheit sich trifft, was eine gefährliche Mischung für sich und andere darstellt.
The Garbage People
Der zweite große Part der Episode widmet sich Ricks Treffen mit der neuen Gruppe von dunkel angezogenen, langhaarigen Müllhaldenbewohnern. Wir wurden zuvor mit einem grinsenden Rick hinterlassen und auch, als seine Gruppe in ihr Domizil geführt wird, ändert sich sein Lächeln nicht. Bald darf er wieder sein Hilfegesuch loswerden, doch sein Gegenüber, eine Frau mit eigenwilliger Frisur und Sprechweise, ist der Ansicht, dass sie, weil sie in ihr Gebiet eingedrungen sind, ihnen gehören und erhalten nun die Möglichkeit, ihr Leben zurückzukaufen.
Die Gruppe wirkt nicht nur wegen ihres Zuhauses wie ein gigantisches Schmarotzerkonsortium, sondern eben auch weil sie sich offenbar von den Überbleibseln anderer ernähren. Wahrscheinlich funktioniert ihr Gruppenmodell, das eventuell dem eines Kollektivs ähnelt, nach dem Muster: „Gemeinsam sind wir stark“.
Rick stellt direkt klar, dass er auch wegen Gabriel (Seth Gilliam) dort ist und er möchte zunächst sehen, dass es ihm gut geht, ehe die Verhandlung weitergeht. Böse Zungen werden sich nun fragen, ob die Rettung des Geistlichen es wert ist, potentiell die gesamte Gruppe zu gefährden, doch Rick und Co sind ohnehin fast alternativlos, denn ein Großteil der Ressourcen und der Nahrung aus Alexandria wurde zu ihnen gebracht. Rick weiht die neue Gruppe also über die Saviors und deren Deal ein und fragt, ob Interesse an einer Zusammenarbeit besteht. Ein schallendes Nein ist die Antwort und ein Gerangel entsteht, bei dem Gabriel bald ein Mitglied des Kollektivs in seine Gewalt kriegen kann und er nun den Ball zugespielt bekommt.
Er stellt Ricks Gruppe als go getter dar, die alles erreichen und besorgen können, was man sich wünscht. Tatsächlich scheint diese Information zu fruchten, denn per Handzeichen der Anführerin soll der Kampf eingestellt werden - aber erst, wenn Rick einer formidablen Prüfung unterzogen wird, in die er„ sanft“ hinab geschubst wird. Das Müllmonster aka ein Untoter mit „Iron Throne“-Gedächtnishelm und eine Situation, die an die Müllschluckerszene in „Star Wars“ erinnert, muss gemeistert werden. Nicht nur die Kommunikation per Handzeichen ist an dieser Gruppe faszinierend, sondern auch der Fakt, dass man offenbar eine ganz eigene Sprache oder zumindest einige neue Vokabeln entwickelt hat, um einen Vorteil Außenstehenden gegenüber zu haben.

Rick sieht zwischenzeitlich in „feinster“ CGI-Optik, wie weitreichend ihr Reich ist und kann das Monster im Einzelkampf mithilfe Michonnes Zurufen unter den Müllbergen begraben, obwohl er sich beim Kampf eine klaffende Verletzung an der Hand zuzieht (immer wieder die Hand...), und es so aus dem Verkehr ziehen. Damit hat er nach den Regeln der leicht merkwürdig anmutenden Anführer seinen Wert bewiesen und ist nun wohl ihr unbesiegbarer Siegfried.
Man darf sich wohl nicht allzu sehr den Kopf zerbrechen, wie widerlich ein Kampf in einer Müllhalde ist und welche Krankheitserreger außer der Zombieseuche dort noch lauern. Eine Wunde an der Hand dürfte im Normalfall wohl mindestens Tetanus bedeuten und weiß Gott, was da noch alles im Müll zu finden ist. Doch sicherlich sind alle in dieser Welt inzwischen so sehr abgehärtet, dass das die geringste Sorge ist.
Jars and Guns. Guns and Jars.

Was will die Gruppe im Endeffekt? Waffen! Wann wollen sie sie? Gestern! Wozu wollen sie sie? Peng! Peng! Wäre das auch geklärt. Rick kann sie also zur Zusammenarbeit überreden, das kostet aber auch: Ein Drittel der Savior-Hinterlassenschaften (da sollte jemand mal „Shark Tank“ oder „Höhle der Löwe“ schauen, dann wüsste er, dass man nie so viel seiner Prozente abgeben sollte, wenn man noch keine konkreten Erfolge vorzuweisen hat). Immerhin kann er sie von der Hälfte runterhandeln. Außerdem kriegen sie die Hälfte der aktuellen Vorräte. Rick erhandelt sich also teuer neue Unterstützung und lässt dabei eventuell außer Acht, dass auch die restlichen Menschen in Alexandria (aka Eric und Toben und Co) etwas zu essen brauchen.
Doch dahingehend herrscht Optimismus, dass man schon etwas auftreibt. Allerdings müssen sie nun sowohl Verpflegung als auch Waffen finden und Tara beispielsweise weiß, dass es in bestimmten Arealen kaum noch etwas zu holen gibt. Außerdem herrscht Zeitdruck, denn die Verabredung wird nicht ewig Bestand haben („Guns. Soon. Or Else!“) Wann genau die Deadline abläuft, wissen wir jedoch nicht.
Dass die Müllhaldenbewohner auch parasitäre Eigenschaften haben, merkt man, als sie Rick gestehen, dass sie nur auf jemanden gewartet haben, der das Hausboot lootet. Eventuell zweifelt Rick da schon kurz, ob der Deal mit Jadis (Pollyanna McIntosh) wirklich die beste Idee ist...
Rick und Gabriel danken einander derweil für das gegenseitige Vertrauen und auch sein Lächeln wird erklärt, denn er hat gemerkt, dass auch ehemalige Feinde zu Freunden werden können. Eine neue Seite von Rick, der in Vergangenheit auch schon mal zuerst Kehlen durchbissen und dann Fragen gestellt hat.
Rosita (Christian Serratos) will derweil mal wieder ihre „Female Punisher“-Nummer durchziehen, wird aber von Tara zurechtgewiesen, denn sie sollte eigentlich begriffen haben, dass ein Kampf ohne Plan immer in Verlusten endet, die die Überlebenden quälten (siehe Glenn oder Olivia). Tara weiß, wie Rick anmerkt, wo es nichts zu finden gibt - allerdings auch, wo es eine weitere Community gibt, die hilfreich sein könnte. Ob sie jedoch damit selbst zur Sprache kommt oder ob es erst noch düsterer werden muss, muss sich zeigen.
Michonne erhält derweil eine neue hässliche Katze für ihr skurriles Hobby, denn die alte ist inzwischen nicht mehr da. Irgendwie süß.
Leave Carol alone!

Ezekiel kann es einfach nicht unterlassen, zu schauen, was Carol in ihrer einsamen Hütte so macht und erfindet wieder eine fadenscheinige Ausrede. So einfach lässt sich Carol nämlich nicht überlisten, da sie Alarmsysteme hat, die sie vor sich nahenden Personen oder Untoten warnen. Den Cobler nimmt sie aber dennoch gerne an, den Jerry dabeihat.
Kurze Zeit später klopft es wieder, doch diesmal ist es jemand, den sie tatsächlich sehen möchte. Daryl nämlich, der sie aufgespürt hat (vielleicht ist auch er in ihr Warnsystem getappt). Jedenfalls brechen alle Dämme und es fließen Tränen und alle aufgestauten Umarmungen werden herausgelassen.
Die beiden öffnen sich einander, so sehr es eben für ihre Verhältnisse geht und Carol erklärt sich und ihre Entscheidung für den Rückzug, was Daryl dazu bewegt, ihr zu verschweigen, was im Fall Negan wirklich passiert ist. Denn wie Morgan anfangs richtig anmerkte, würde sie sofort Vergeltung üben und müsste ihren Seelenfrieden opfern.
Fraglich ist nur: Zu was muss es noch kommen, damit Menschen wie Daryl und Morgan einsehen, dass es genau das sein könnte, was es braucht, um die Saviors und Negan entschieden zu schwächen. Überwiegt die Angst, dass man Carol verlieren könnte, weil sie vielleicht zweifelt oder irgendwann an ihre Grenzen kommt? Oder ist man ihr dankbar, weil sie ihre Menschlichkeit schon oft genug für das Wohl der Gruppe riskiert hat? So bleibt die ganze Wahrheit unausgesprochen und Daryl zieht nach einem gemeinsamen Essen wieder ab, lässt sich aber noch einmal ordentlich drücken. Awwww! (#AllTheTearsAndHugs).

Despite all my rage I am still just a tiger in a cage!
Daryl scheint zurück im Kingdom recht gut mit Tigerin Shiva zu harmonieren, der man wohl oder übel die Herkunft aus dem Computer immer mehr ansieht. Das ist jedoch total verständlich, denn so muss man das echte Tier nicht die Strapazen beim Dreh antun und setzt auch die Schauspieler nicht unnötiger Gefahr aus. Außerdem hätte Daryl sonst Shiva nicht kraulen können. Daryl trifft erneut auf Morgan und ist der festen Überzeugung, dass das Kingdom als Verbündeter benötigt wird. Er sollte vielleicht mit Ezekiel sprechen und nicht nur mit Morgan, doch vorerst kehrt Daryl zum Hilltop zurück - warum, steht noch nicht fest.
Fazit
Die „TWD“-Folge New Best Friends gefällt mir wieder aus mehreren Gründen. Neue Gruppen üben immer eine gewisse Faszination aus, hier etwa durch die Kommunikations- und Organisationsform, der Caryl-Moment lässt mein Shipper-Herz höherschlagen und dürfte auch bei anderen Zuschauern right in the feels getroffen haben. Auch der Kampf mit dem „Iron Throne“-Zombie - so konstruiert er auch erzählt wurde - befriedigt die Metzelecke meines Zuschauerherzens. Auch sonst gab es in meinen Augen wenig Ärgerliches, bis auf das überdeutlich zu erkennende CGI an mehrenden Stellen, beispielsweise auch auf der Müllhalde, aber irgendwo muss man halt tricksen und mit dem Budget und der begrenzten Zeit haushalten.
Trailer zur nächsten Episode, Hostiles and Calamities (7x11), der US-Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 20. Februar 2017The Walking Dead 7x10 Trailer
(The Walking Dead 7x10)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 7x10
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