The Walking Dead 5x15

The Walking Dead 5x15

In der Walking Dead-Episode Try versuchen die Bewohner Alexandrias ihre Wunden zu lecken und mit den Verlusten umzugehen. Das gelingt mit Mühe und Not, und dann tauchen neue Probleme auf.

Szenenfoto aus der Episode „Try“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der Episode „Try“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC
© (c) AMC

In der Episode Try der US-Serie The Walking Dead wird der Versuch unternommen, die jüngsten Verluste so zivilisiert wie möglich zu verarbeiten. Bekanntermaßen hat es sowohl Ricks (Andrew Lincoln) als auch Deannas (Tovah Feldshuh) Gruppe getroffen. Denn Noah und Aiden haben das Zeitliche gesegnet, weil die Abstimmung zwischen den Teilnehmern des Außeneinsatzes nicht funktioniert hat und Nicholas (Michael Traynor) ein gewaltiger Feigling ist.

Im Hause Monroe hört man sich einen Song an, um sich an Aiden zu erinnern. Würde man zunächst vielleicht ein gefühlvolles Lied erwarten, schallen hier eher aggressive Töne aus der Anlage. Carol (Melissa McBride) kredenzt den trauernden einen Auflauf, während sie Baby Judith per Kamera im Auge behält und Sam sich wieder zu ihr schleicht. Sasha (Sonequa Martin) erschießt auf ihrem Aussichtsturm derweil alle Untoten, die ihr vor die Flinte kommen. Deanna scheint Carols Geste jedenfalls nicht zu brauchen, denn das Essen lässt sie stehen, während sie die Botschaft verbrennt. Die Stimmung ist also sehr gereizt.

Deanna kommt ins Wanken, ob es eine gute Idee war die Leute von Rick aufzunehmen. Die bringen zwar Kenntnisse mit, die den Bewohnern Alexandrias behilflich beim Überleben sein könnten, ziehen allerdings auch Pech und Tod an. Wobei in dieser Situation ganz klar das selbstsüchtige Verhalten von Nicholas sowie die fehlende Erfahrung von Aiden ausschlaggebend waren.

Aussage gegen Aussage

Deannas Führungsstil wird auf eine harte Probe gestellt. Sie versucht sich trotz des persönlichen Verlustes beide Seiten anzuhören. Denn dass sie Nicholas nicht unbedingt alles glaubt, wird dadurch unterstrichen, weil sie darauf besteht, seine Aussage wie alle anderen zu filmen und sich später noch einmal genau anzuschauen. Nicholas rückt sich die Geschichte zurecht und stellt sich selbst als Held und Glenn als Buhmann dar, während Glenn (Steven Yeun) Rick den wahren Ablauf der Geschehnisse in einer Parallelmontage erläutert. Deanna hört zumindest nicht auf den lügenden Nicholas, der fordert, dass sie gehen müssen, legt aber fest, dass die Waffenregel verschärft wird.

Glenn gehört zum Lager, die glauben, dass ihre Anwesenheit in Alexandria notwendig ist. Nicht nur, weil auch Noah an diesen Ort geglaubt, sondern weil er es auch selbst tut und sich bemühen möchte, dass man hier eine funktionierende Gemeinde aufbaut. Glenn ist viel eher bereit nach den von Deanna festgelegten Regeln zu spielen, während Rick bereit ist, sie auszuheben, wenn es nötig wird.

Constable Rick ermittelt

Im Fall Pete (Corey Brill) will Rick aber noch etwas nachforschen. Carol versorgt ihn mit neuen Informationen direkt von Sam. Demnach sperrt er sich in einen Schrank ein, der von innen abschließbar ist, und hört, wie der Vater seine Mutter Jessie (Alexandra Breckenridge) schlägt und misshandelt. Es ist völlig verständlich, dass Carol besonders sensibel auf diese Situation reagiert, sie ist schließlich selbst Opfer häuslicher Gewalt gewesen. Ob das nun allerdings dazu berechtigt, einen anderen ohne Prozess umzubringen, ist eine der Kernfragen, um die sich manche Figuren hier streiten. Ricks Aggressionen gegenüber Pete sind fraglos vorhanden, doch er möchte zunächst zumindest mit Jesse sprechen, ehe er einschreitet. Für einen kurzen Moment lässt er sich von ihr abwimmeln, da sie ihm sagt, dass sie ihre Konflikte allein lösen könne.

Crime and Punishment

Rick versucht zumindest nach den Alexandria-Regeln zu spielen, als er mit dem Problem an Deanna herantritt und das Pete-Problem anspricht. Zu seiner - und vielleicht auch unserer - Überraschung weiß sie davon, sitzt jedoch in einer Zwickmühle, die wir auch schon bei Dawn (Christine Woods) im Krankenhaus beobachten konnten. Wie geht man mit schlechten Menschen um, die für eine Gemeinschaft Dinge vollbringen können, die andere nicht vermögen? Toleriert man einen gewalttätigen Arzt, wenn er der einzige ist, oder riskiert man, dass im Ernstfall die ganze Gemeinde darunter leidet? Rick glaubt, dass man präventiv gegen solche Leute vorgehen muss.

Er schlägt zunächst eine Trennung vor, wird dann im Verlauf der Unterhaltung jedoch extremer und würde so etwas mit der Todesstrafe lösen, ehe Peter eine Grenze überschreitet und es zu spät ist. Somit ist er natürlich mit Carol auf einer Wellenlänge, die er ein paar Staffeln zuvor noch deswegen ins Exil schickte. Deanna ist nun diejenige, die für Exilierung statt Todesstrafe plädiert, sie versucht ihr bestes um eine Art Zivilisation zurückzuholen, ihr Umgang mit dem Thema ist jedoch ebenfalls problematisch. Ricks Einwand dagegen ist, dass man so nie weiß, ob derjenige nicht wieder zurückkehrt und Rache nimmt (siehe der Governor). Außerdem haben wir sicherlich auch noch nicht das letzte von den Menschen gesehen und gehört, die Deanna einst aus Alexandria verbannt hat. Ein paar Hinweise in die Richtung legen jedenfalls den Verdacht nahe. Dazu im Daryl-Teil mehr. Außerdem: In gewissen Fällen kann ein Exil auch dem Tod gleichkommen. Ist das also wirklich die zivilisiertere Lösung?

Rick glaubt, dass häusliche Gewalt ein fast so großes Problem wie die Walker und der Kampf ums Überleben ist und nicht einfach so hingenommen werden sollte. Erstaunlich lange hält er sich dabei zurück und versucht mit Worten eine Lösung zu erzielen - bei Jesse und bei Deanna und in einem gewissen Maße auch bei Pete. Bis Pete dazu kommt und sich fragt, was Rick in ihrem Haus macht. Die Aggression geht dann auch vom Arzt aus, der zuerst zum Schlag ausholt. Im Prinzip verteidigt sich Rick also nur, denn bis zuletzt möchte er, durch die von Deanna an ihn übertragende Verantwortung, dass Pete mit ihm nach draußen geht. Der Kampf eskaliert durch das Fenster und wird auf der Straße fortgesetzt, wo dann auch vereinzelte Alexandrianer dazu kommen und zu schlichten versuchen.

Dabei werden sowohl Jessie, als auch Carl (Chandler Riggs) in Mitleidenschaft gezogen, als sie dazwischengehen wollen. Erst Deannas Worte trennen die beiden Streithähne, die heftig einstecken mussten.

Bei Rick brennen die Sicherungen durch und er zieht seine Waffe. Der paranoide Kontrollfreak kommt wieder durch, der glaubt, dass das System in Alexandria nicht funktionieren kann und die Bewohner zum Untergang verdammt sind. Er will die Kontrolle übernehmen und den Ricktator raushängen lassen, wobei Deanna einsieht, dass Rick bisweilen eine tickende Zeitbombe ist. Es ist ausgerechnet Michonne (Danai Gurira), die Rick Paroli bietet und ihn bewusstlos schlägt, wobei die Serienmacher dabei einen weiteren Moment aus dem Comic ins Fernsehen bringen.

Sasha, the Punisher aka Girl Power

Sashas Verhalten lässt bei Michonne und Rosita (Christian Serratos) die Alarmglocken aufschrillen. Obwohl ihre Schicht schon vorbei ist, hat sie niemand seit einer ganzen Weile gesehen. Dabei verzichtet Michonne allerdings darauf, ihr Schwert mitzunehmen, und bewaffnet sich stattdessen mit einer Pistole, was sich unvertraut für sie anfühlt, ebenso wie die Suche im umliegenden Wald.

Sie sorgt sich, ob der Aufenthalt in Alexandria sie nicht abstumpft und bequem macht. Sasha ist das genaue Gegenteil. Sie hinterlässt eine Zombiespur. Denn sie braucht den Thrill, sie muss die Zombies erschießen und die Sisyphusarbeit erledigen, die nie ein Ende hat. Denn sie fühlt sich schuldig. Für Bob, für Tyreese und wie sie gegenüber Rosita und Michonne gesteht für Noah, dem sie sagte, dass er zu schwach sei, um es in Alexandria zu schaffen.

Der Zombie-Killingspree mit ihrem Gewehr und die Unterstützung durch Rosita und ihrem Messer und Michonne muss sich dabei nicht hinter den besten Michonne Schwert-Massakern oder der Hammertime von Tyreese verstecken. Und das Dampfablassen verdeutlicht Michonne, die einen kleinen Flashback an ihre ungestüme Zeit erlebt, überdies, dass die Untoten - und vor allem große Ansammlungen davon - nach wie vor eine Gefahr sein können. Ob Sasha nun einsieht, dass sie nicht im Alleingang alle Beißer ausschalten kann, werden wir wohl in den kommenden Folgen erfahren. Auf jeden Fall möchte ich hier Martins gute emotionale Performance herausstellen.

Daryl und Aaron auf der Spur der W-Gang

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Try%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC
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Beim Ausflug mit Aaron (Ross Marquand) entdeckt Daryl (Norman Reedus), dass sie nicht so allein sind, wie sie vielleicht dachten. In der Ferne entdeckt Daryl etwas, das seine Aufmerksamkeit erregt. Kurz darauf finden die beiden zerstückelte Leichen ähnlich wie die, die Teile von Ricks Gruppe (vor allem Michonne und Rick) bereits in Noahs Heimat vorgefunden haben. Daryl macht beim Opfer, das an den Baum gebunden und dessen Gedärme von einigen Walkern erst vor kurzem angegriffen wurden, den Transfer und sieht, dass auch sie ein „W“ auf der Stirn eingeritzt hat. Die Wolf-Gang ist also in der unmittelbaren Nähe und sicherlich eine größere Gefahr als die internen Querelen, die Alexandria auseinander zu reißen drohen. Ob Daryl und Aaron noch rechtzeitig warnen können?

Glenn in charge

Glenn macht in der Episode Nicholas unmissverständlich klar, dass er die Leute auf dem Gewissen hat, die bei den Runs von Aiden und ihm zurückgelassen wurden und findet ziemlich direkte Worte für den Typ Mensch, der er ist. Eigentlich müsste er tot sein und hatte nur Glück, dass die Schutzmauern genau zur richtigen Zeit erbaut wurden. Er verbietet ihm in Zukunft auf solche Expeditionen mitzugehen, da er sowieso nur eine Gefahr für sich und alle um ihn herum wäre.

Nicholas scheint jedoch wenig einsichtig zu sein. Später sehen wir, dass er überraschenderweise derjenige ist, der Ricks Waffe aus den Mixer gefischt und nun woanders vergraben hat. Somit kommt eine weitere Gefahrenquelle nach Alexandria, die jeden Moment eskalieren könnte.

It is their world. We're just living in it

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Try%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC
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Die Episode Try gibt uns außerdem die Gelegenheit Ausschnitte aus Enids (Katelyn Nacon) Seelenleben zu erhaschen. Dabei wirkt sie fast ein wenig wie eine weibliche und kindliche Version von Daryl, die hören kann, wenn jemand ihr folgt - oder Carl wird einfach zu nachlässig. Während Carl sich um ihr Wohlbefinden sorgt, hat Enid eher Angst vor Grimes Jr.

Die junge Dame hat auf jeden Fall einige gute Tricks auf Lager, wie den Kurzzeitwecker, den sie zur Ablenkung benutzt, als ein Untoter anmarschiert. Außerdem hat sie stets ein Messer, das sie von ihrer Mutter bekommen hat, griffbereit. Damit zeigt sie sich schon deutlich kompetenter als die meisten anderen Alexandrianer. Ähnlich wie Carl hat sie offenbar einen tragischen Mutterverlust verkraften müssen, obwohl sie dazu nicht ins Detail gehen möchte. Als dann eine größere Menge Untoter anmarschiert, verstecken sich die beiden in einem großen Baumstamm und kommen sich (gezwungenermaßen) ein wenig näher. Carl berührt sie zart und zeigt, dass er nur bedingt weiß, wie man in Anwesenheit von Mädchen reagiert.

Fazit

Eine Folge vor dem Staffelfinale spitzen sich die Konflikte bei The Walking Dead zu. Und genau dann, wenn man Rick mit einem klaren Kopf gebrauchen könnte, lässt er sich zu Ausrastern hinreißen. Dabei kommen die Gefahren eben nicht nur von innen, sondern auch ganz in der Nähe wartet eine Bedrohung, mit der allen Anschein nach nicht zu spaßen ist. Hier werden Menschen geopfert, um sie den Walkern zum Fraß vorzuwerfen und dann in Stücke geschnitten.

Eine tolle Performance darf diesmal Sonequa Martin beisteuern, die alles dafür tut, dass die Untoten auf Distanz gehalten werden, auch wenn das ein Kampf gegen Windmühlen zu sein scheint und sie auch nur ein Mensch ist.

Die Erwartungen an das Staffelfinale sind hoch, nicht zuletzt, weil es sicherlich nicht umsonst einige Extraminuten spendiert bekommt. Außerdem haben wir auch Morgan (Lennie James) sehr lange nicht mehr gesehen. Langsam wäre es wieder Zeit für eine Stippvisite.

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 23. März 2015
Episode
Staffel 5, Episode 15
(The Walking Dead 5x15)
Deutscher Titel der Episode
Helfer
Titel der Episode im Original
Try
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 22. März 2015 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 23. März 2015
Autor
Angela Kang
Regisseur
Mike Satrazemis

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 5x15

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