The Walking Dead 5x13

The Walking Dead 5x13

Die The Walking Dead-Episode Forget stellt den Einlebeprozess in Alexandria in den Mittelpunkt. Bleibt die Gruppe an Überlebenden auf der Lauer oder findet sie doch noch Gefallen am neuen Zufluchtsort?

Szenenfoto aus der Episode „Forget“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der Episode „Forget“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC

Der neue Zufluchtsort Alexandria wirft in der fünften Staffel von The Walking Dead weiterhin Fragen auf. In der Episode Forget erleben einige Überlebende den Ort von einer neuen Seite und könnten ihre Meinung deswegen überdenken. Eine Person kommt jedoch mit der neuen Situation nur wenig klar und es ist nicht unbedingt die, von der man es erwarten würde...

Sniping the Dead

Bei manchen Gruppenmitgliedern steht immer noch nicht fest, welche Aufgabe sie in Alexandria erfüllen sollen. Dabei liegt das bei manchen, besonders Sasha (Sonequa Martin), eigentlich auf der Hand. Als Scharfschützin wäre ihr Talent am besten genutzt, was sie auch bei ihrem Übungsausflug, bei dem sie auf Bilder der vormaligen Hausbesitzer schießt, unter Beweis stellt.

Nicht besonders gut kommt sie mit den neuen alten sozialen Gepflogenheiten aus. Etwa, als Olivia (Ann Mahoney), die für das Inventar zuständig ist und Buch über Nahrung oder Waffen führt, sie bittet, nach Wildschweinkeule Ausschau zu halten und dabei unbewusst die Erinnerung an Bob - und dessen von den Kannibalen gegessenes Bein - wachruft. Sasha erscheint weiterhin lebensmüde, allerdings locken zu ihrer Überraschung ihre Schüsse keine Untoten hervor. Später bietet sie sich als Wachfrau an, etwas, das den Alexandrinern bisher unverständlicherweise fehlt.

Der innere Kreis

Rick (Andrew Lincoln), Daryl (Norman Reedus) und Carol (Melissa McBride) besprechen unterdessen ihren Plan, um ihre Waffen innerhalb der Stadtmauern wieder in ihren Besitz zu bringen. Dabei bemerken sie, wie unzulänglich Alexandria eigentlich gesichert ist. Wenn niemand Wache schiebt, nutzen auch die hohen Wände wenig. Die Waffenkammer selbst ist nur durch Olivia gesichert und könnte durch ein offengelassenes Fenster leicht infiltriert werden, wofür Carol sorgen möchte, wenn sie einmal ihren Posten verlässt.

Über den Plan sind tatsächlich nur die drei eingeweiht, was durchaus Bände spricht und sicherlich nicht ewig ein Geheimnis bleibt. Als ein Walker aus dem Gestrüpp kommt, verschießt Carol ein Magazin, da sie Schussübungen als Grund für ihren Ausflug genannt hat - dennoch schade um die kostbare Munition.

Beim Walker spricht die Gruppe dann laut über das eingeritzte „W“ in der Stirn. Die Wolf-Gang agiert also wohl weiterhin im Hintergrund und ist auch in der unmittelbaren Alexandria-Nähe zugegen. Hoffentlich zählt hier jemand eins und eins zusammen, ehe es zu spät ist.

Rick mit seinem Constable Michonne (Danai Gurira), die Hintergedanken Deannas (Tovah Feldshuh), Wildfremde einfach so zu Ordnungshütern zu machen, vermutet dahinter eine ihm noch nicht bekannte Taktik. Sollen sie etwa Zielscheiben sein? Michonne jedenfalls respektiert Deannas Schläue und macht dabei keinen Unterschied zwischen damals (also vor der Apokalypse) und heute. Es dauert nicht lang, dann wird ihr großes Vorhaben relativ deutlich. Deanna träumt vom Wiederaufbau einer Zivilisation, wozu sowohl die Exekutive als auch eine Legislative gehören. Darum soll Maggie (Lauren Cohan) mit ihr zusammenarbeiten, womit wir auch ihre Aufgabe kennen.

Zu einer Zivilisation gehören Industrie und rudimentärer Handel, wobei man hier größtenteils bei null anfangen müsste. Doch, bevor man von Großem träumen kann, will Rick die Sicherheitsfrage klären - und dazu gehört Sicherheitspersonal, das Ausschau nach Bedrohungen von außen hält, sowie die Polizei, die sich um Konflikte im Inneren kümmert. Deanna macht Sasha unter einer Bedingung zur designierten Scharfschützin: Die Gruppe muss an den Feierlichkeiten bei ihr zu Hause teilnehmen.

Daryl liebt Buttons

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Forget%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC
Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Forget%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC

Ob Aaron (Ross Marquand) Daryl im Auge behält oder tatsächlich nur auf Hasenjagd geht, ist nicht hundertprozentig klar. Fest steht, dass die beiden Männer sich in dieser Episode näher kennenlernen und etwas gemeinsam haben. Besonders der Outsiderstatus ist hier zu nennen.

Aber es ist das von Aaron und den jüngeren Bewohnern Alexandrias getaufte wilde Pferd Buttons, das den Redneck-Bogenschützen etwas auftauen lässt. In dem scheuen Pferd erkennt Daryl ohne Frage sich wieder. Denn so ein Pferd verlässt sich in der Wildnis auf seine Instinkte und ist eben wenig zutraulich, wenn es immer nur Ablehnung oder Gefahr gewohnt ist. Als Daryl versucht, sich ihm zu nähern, lockt es Walker an, die die Männer gemeinsam beseitigen. Buttons ist jedoch schwer zu fassen und schreckhaft.

Das nutzen die Autoren der Episode, um Daryl von Aaron mit Worten aus der Reserve zu locken. Dabei vergleicht er Daryls Status als Außenseiter mit Eric und Aaron. Die werden als homosexuelles Paar auch hier an den Rand der Gesellschaft gedrängt, bilden das Rekrutierungskommando und machen das Leben dort erträglicher, indem sie immer wieder raus können - und trotzdem müssen sie sich leider immer wieder merkwürdige Kommentare anhören.

Seine wahren Worte: Je ängstlicher Menschen sind, desto dümmer sind sie auch - lässt sich sowohl auf die Zombiesituation als auch auf Intoleranz übertragen. Daryl tut jedoch tough und meint, vor nichts Angst zu haben. Den weichen Kern in der harten Schale sieht Aaron aber schon bald, als Buttons von einigen Walkern verspeist wird. Das Essen eines Pferdes ist nicht nur eine Hommage an die erste Staffel, sondern gleichzeitig auch eine Metapher für Daryls in dieser Episode stattfindende Zähmung.

Aaron lädt Daryl zur Party ein, was er tatsächlich in Angriff nimmt, jedoch nur, um kurz vor der Tür doch zu kneifen. Das sieht Aaron, der ebenfalls nicht vorhatte aufzuschlagen, und lädt ihn stattdessen zum gemeinsamen Abendessen mit dem verletzten Eric ein. Hier demonstriert Daryl wieder einmal seine hervorragenden, nicht vorhandenen Manieren beim Spaghettiessen. Eric verplappert sich dabei halb, als er ihn bittet, nach einem Pastamaker Ausschau zu halten. Denn Aaron ist Daryl nicht ganz ohne Absicht gefolgt. Er möchte, dass er den Platz seines Partners einnimmt und neue Leute rekrutiert.

Wie der Zufall so will, befindet sich in Aarons Haus eine Garage inklusive einem Motorrad und zahlreichen Ersatzteilen, mit denen Daryl sich austoben könnte. Laut Aaron ist Daryl gut dort draußen, gehört aber eben nicht nur nach draußen und, viel wichtiger: Er kann zwischen guten und schlechten Menschen unterscheiden, was ihm zu einem hervorragenden Scout macht. Daryl nimmt den Job dankend an und verspricht, einige Hasen zu besorgen.

Daryl seine Freiheiten zu geben, ist eine gute Entscheidung und ihm ein Motorrad zu geben, wird die Fans erfreuen. Dabei ist es interessant, dass er sich anders als Rick, Michonne oder Carol nicht in ein Korsett zwingen muss, sondern größtenteils unverstellt seine Talente nutzen kann und gleichzeitig den Naturburschen/Hillbilly raushängen lassen darf. Ein „My Fair Lady“-makeover mit einem Daryl im Anzug wäre zumindest als Experiment interessant, allerdings wohl auch out of character. Da passt die hier präsentierte Lösung noch am besten in die Gesamtsituation.

Carol und die Not So Desperate Housewives

Die Pose, die Carol derweil zum Besten gibt, ist auch in der zweiten Woche in Folge wieder herrlich. Nicht nur, dass sie, wie sie selbst sagt, durch ihre Verkleidung als Vorstadthausfrau unsichtbar werden kann - auch sonst sorgt Carol für den wissenden Zuschauer für einige Highlights. Etwa, als sie gegenüber den Männern so tut, als hätte sie keine Erfahrung mit Waffen oder, als sie über Keksrezepte fachsimpelt und sich einer Ration Schokolade erfreut.

Ihre Mission, in die Waffenkammer zu kommen, erledigt sie mit Bravour, wird dann allerdings von Jessies Sohn Sam erwischt, dem sie vielleicht den Schreck seines Lebens verpasst. Er hat vor, seiner Mutter von Carols Aktion zu erzählen, was sie dazu veranlasst, ihm eine Ladung Kekse in Aussicht zu stellen oder aber ein angsteinflößendes Exil, das mit seinem sicheren Tod enden würde, zu bereiten. Wir haben Carol sehr gewalttätig und ruchlos gesehen, aber so einen bewussten Psychoterror mit einem kleinen Jungen hat sie bisher noch nicht vom Stapel gelassen. Ihre sehr bildhafte Beschreibung jedenfalls lässt auch mich schlottern. Ob der Junge die Botschaft verstanden hat und sich mit Keksen bestechen lässt? Wir werden es sehen.

Party rock is in the house tonight - Everybody just have a good time

Die Party zeigt dann einige der Überlebenden von einer neuen Seite, nämlich sauber. Rosita (Christian Serratos) beispielsweise sieht weniger aus wie Lara Croft und mehr so, wie eine Frau in ihrem Alter sich präsentieren würde und sie erfreut sich, dass es Bier gibt, was auch Abraham (Michael Cudlitz) gut findet. Übertragen die Autoren hier Bobs Alkoholproblem auf ihn? Wir werden sehen. Bis auf ein kurzes Gespräch mit Michonne bleibt Abraham hier jedenfalls wenig aktiv. Allerdings ist sein Grundtenor ähnlich: Der Ort ist vielversprechend, dennoch sollte man immer eine gewisse Grundvorsicht walten lassen und nicht zu weich werden, wenn es doch zum Ernstfall kommt.

Nebenbei erfahren wir, dass Deannas Ehemann Reg Monroe (Steve Coulter) noch quicklebendig ist und sich die Aufnahmen der Gruppe angeschaut hat. Er bringt Rick dazu, mit ihm anzustoßen, obwohl er eigentlich auf Alkohol verzichten wollte. Rick scheint die Party und die Stimmung in der Stadt durchaus zu gefallen, nicht zuletzt, weil hier auch Carl ein halbwegs normales Leben mit einigen Gleichaltrigen führen kann.

Gefallen findet Rick außerdem an Jessie, die jedoch mit dem örtlichen Arzt zusammen ist, auch wenn sie ziemlich heftig mit Rick flirtet. Sie redet mit ihm darüber, dass so mancher Ballast verschwunden ist, aber man dafür anderen erhalten hat. Trotzdem habe man es hier deutlich besser als da draußen ohne Dach über dem Kopf. Später lässt sie sich es nicht nehmen, Baby Judith zu halten, was in einem Kuss auf die Wange kulminiert und den Kampfgeist in Rick zu wecken scheint. Außerdem wird Rick durch Sams Stempel mit dem A ganz offiziell Mitglied der Gemeinde.

Schwerer tut sich da Noah, der sich auf der Party überhaupt nicht wohlfühlt und gehen möchte, aber von Maggie und Glenn (Steven Yeun) daran gehindert wird. Denn trotz allem ist die Gruppe nun seine Ersatzfamilie. Viel mehr Story kriegt Noah allerdings auch nicht. Gabriel hingegen taucht gar nicht erst auf, wird aber eigentlich auch nicht großartig vermisst. Ebenfalls abwesend sind Eugene und Tara.

Zweifel oder Akzeptanz?

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Forget%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC
Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Forget%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC

Am schlimmsten erwischt es allerdings Sasha, die zunächst auf Deannas anderen Sohn Spencer (Austin Nichols) trifft, der um Smalltalk bemüht ist, aber sich dazu die falsche Person ausgesucht hat - und sicherlich eine weitere aus den Comics bekannte Storyline mitbringt. Dabei kristallisiert sich sehr eindeutig heraus, dass Sasha die Rolle ausfüllt, die in den Comics von einer anderen Figur gespielt wird. Sie wird zur Scharfschützin des Teams und kommt obendrein mit dem oberflächlichen Gehabe der Stadtbewohner nur schwer zurecht.

Das Trauma der Kannibalen, die Taten der eigenen Gruppe und die Verluste von Liebhaber, Bruder und Beth sitzen tief, so dass sie sich auf der Feier Luft macht. Da reicht es schon, dass so eine banale Frage wie die nach dem Lieblingsessen dafür sorgt, dass ihr Geduldsfaden reißt. Denn es wird sich über solche Nichtigkeiten gesorgt und nicht um den alltäglichen Wahnsinn, der sich um sie herum abspielt. Für sie ist diese ganze Welt nicht real, womit sie direkt mit Deanna aufeinanderprallt, die sie zwar respektiert, aber ihre Einwände für Bullshit hält.

Für Michonne ist diese Welt so real, dass sie einen essentiellen Schutzmechanismus ablegt. Ihr Schwert, das sie sonst immer bei sich trägt, bringt sie - wie in der Comicvorlage - über dem Kamin an, als Mahnung und Erinnerung an ein altes Leben, was nur noch in Ausnahmefällen zum Vorschein kommen soll.

Als sich Carol, Daryl und Rick erneut treffen, um die entwendeten Waffen zu verteilen, ist es ausgerechnet Daryl, der von seiner vorherigen Position am meisten abgerückt ist. Er verzichtet auf eine Schusswaffe, während Rick zur Sicherheit doch weiter eine nimmt. Oder hat er vielmehr Dummheiten vor? Denn, als ihm Jessie und ihre Familie begegnen, schaut er anschließend verdächtig. Riskiert er, dass die Gemeinde ihren Arzt verliert, nur damit er das Objekt seiner Begierde kriegt?

Ist Rick wirklich so kurzsichtig? Fühlt er sich sicher hinter diesen Wänden? Als ein einzelner streunender Walker an den Zaun klopft, hält er sowohl seine Hand als auch sein Ohr daran, um sich zu erinnern, wie es noch vor wenigen Tagen für ihn war. Wie sehr Rick die Menschen hier ans Herz gewachsen sind, wird sich noch zeigen. Der Ort an sich könnte aber von ihrer Anwesenheit profitieren. Bisher hatte die Gruppe sehr viel Glück. Mehr Glück als Rick und seine Begleiter wohl je hatten. Tatsächlich sind bislang nur wenige Untote aufgetaucht, doch die Warnung durch das „W“ in der Stirn sollte ihnen auf jeden Fall zu denken geben.

Fazit

Forget ist eine weitere Episode von The Walking Dead, die sich Zeit nimmt, die neue Umgebung, deren Regeln und Einwohner zu erkunden und auszuschmücken, was ich persönlich sehr begrüße. Langsam bekommen die Zuschauer einen besseren Eindruck von den Menschen hier. Dabei wird deutlich, dass bei ihrem Überleben bisher viel Glück im Spiel war.

Was immer noch zu kurz kommt, sind Angaben über die genaue Größe der Ortschaft und die Anzahl der Bewohner. Wenn jedoch die meisten schon in das Haus Deannas passen, kann man davon ausgehen, dass die Menge überschaubar ist und Rick und Co eine große Verstärkung darstellen.

Darüber hinaus präsentiert die Episode so manche Comichommage, aber auch die eine oder andere Überraschung. Besonders Daryls aufblühende Freundschaft zu Aaron und Eric und das Beibehalten seiner wilden und ungestümen Art sind hier zu nennen. Das Highlight ist aber wieder einmal Carol, die Sam eine Heidenangst bereitet und zeigt, zu was sie fähig ist.

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 9. März 2015
Episode
Staffel 5, Episode 13
(The Walking Dead 5x13)
Deutscher Titel der Episode
Vergessen
Titel der Episode im Original
Forget
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 8. März 2015 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 9. März 2015
Autor
Corey Reed
Regisseur
David Boyd

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 5x13

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